Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


75 Jahre «Stadt des KdF-Wagen»

Themen : Gedenkpolitiken · 0 Kommentare · von 19. Juli 2013

75_jahre_wolfsburgEnde Juni 2013 feierte die Stadt Wolfsburg mit großem Aufwand ihr 75–jähriges Bestehen. Bunte Feste mit Hüpfburgen, kulinarische Leckereien, ein 38 Meter hohes Riesenrad, Konzerte, Wein und Gesang über mehrere Tage. Rund 200.000 Besucher_innen versetzten die Stadt in einen freudetaumelnden Ausnahmezustand. «Das Wolfsburger Geburtstagsfest hat gezeigt, was die Stadt kann: eine tolle Party veranstalten und richtig gut feiern», bilanzierte so auch folgerichtig Joachim Schingale von der Wolfsburg-Marketing-Gesellschaft. So feierte man sich selbst und seine Geschichte, und blendete diese dabei doch fast gänzlich aus. Wer will beim Feiern denn da auch schon an einen NS-Musterbetrieb, an «Kraft durch Freude», an Zwangsarbeit und KZ-Sklav_innen denken? Wolfsburg vor 75 Jahren, war da nicht was?


Bildungsangebote

Themen : Allgemein · 0 Kommentare · von 12. Juli 2013

Hier finden Sie eine Auswahl aktueller Bildungsangebote der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Wenn für Sie nicht das passende dabei ist oder Sie eigene Ideen verwirklichen wollen, sprechen Sie uns an! Wir können Sie bei der inhaltlichen und methodischen Konzipierung unterstützen oder passende Referent_innen, Trainer_innen oder Moderator_innen aus Ihrer Region vermitteln.

Friedrich Burschel: Neonazismus und Ideologien/Strukturen der Ungleichwertigkeit

Koray Yılmaz-Günay: Migration und Migrationspolitik

Eva-Beatrix Kuhn: Weiterbildung für Politik


«Nicht vom Klein-Klein einer Gerichtsverhandlung, ablenkendem Medienhype und den Lügen der Verantwortlichen dumm machen lassen»

Themen : Neonazismus, NSU-Komplex, Rassismus · 0 Kommentare · von 10. Juli 2013

Ein grundlegendes Interview, das alle Fragen beantwortet, die im Zusammenhang mit dem Akkreditierungsverfahren für den NSU-Prozess, das Multitasking unseres Autors Friedrich Burschel als Freier Journalist, Korrespondent für Radio LOTTE Weimar und andere Medien sowie als Referent und Mitarbeiter der Rosa Luxemburg Stiftung in Berlin aufgetaucht sind. Das Interview führte Christoph Farkas vom Weimarer Studierendern-Magazin Lemma 

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Je nach Zugangsberechtigung und Akkreditierung: zu überwindende Barrieren vor dem Justizzentrum in München Foto: NSU-Watch

Ich komme klassisch aus der Antifa, von Jugendzeiten an; dabei waren von Beginn an sehr konkrete Probleme mit mehr oder minder organisierten Alt- und Neonazis oder – anfangs noch häufiger – marodierenden Suff-Nazis im Vordergrund, erst über die Jahre entwickelte sich das Thema mit allen Facetten zu meinem wissenschaftlichen, publizistischen und bildnerischen Schwerpunkt. Insbesondere mein Engagement im Bereich des Antirassismus in den Jahren um die Jahrtausendwende – etwa in der Kampagne «kein mensch ist illegal» – hat mir deutlich gemacht, dass ein reiner Abwehr-Antifaschismus, der sich nur mit den Nazis, ihrem Denken, ihrer Gewalt, der Musik und der Farbe der Schnürsenkel auseinandersetzt, zu kurz greift. Mit einer Prozessbeobachtungsgruppe, mit der ich heute noch eng zusammenarbeite und aktuell den Erinnerungs-Blog RE:Guben betreibe, habe ich 1999/2000 den sog. Gubener Hetzjagdprozess vor dem Landgericht Cottbus über 83 Verhandlungstage verfolgt und dokumentiert.  Uns ist damals noch einmal sehr klar geworden, was für ein tragischer Irrtum darin liegt, Nazi-Umtriebe und gesellschaftlichen, aber auch staatlichen Rassismus getrennt zu denken: bis heute sind das im Grunde unterschiedliche Szenen, die sich um die Themen kümmern, was dann ja auch dazu geführt hat, dass etwa der Blick für die Hintergründe der NSU-Morde und der darin waltende haarsträubende Rassismus gegenüber den Betroffenen der Anschläge und den Hinterbliebenen der Erschossenen auch für viele von «uns» verstellt gewesen ist…


In die Abgründe staatlicher Verstrickung blicken

Themen : Neonazismus, NSU-Komplex, Rassismus · 0 Kommentare · von 10. Juli 2013
Die RLS im NSU-Prozess: Stiftungsreferent Friedrich Burschel hat einen festen Platz im Gerichtssaal in München

 

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Gedenken zur Prozesseröffnung am 6. Mai 2013: Abdurrahim Özüdoğru wurde am 13. Juni 2001 in Nürnberg erschossen Foto: NSU-Watch

In den Jahren 2000 – 2007 hat der «Nationalsozialistische Untergrund» (NSU) einem 2011 aufgetauchten Bekenner-Video zufolge neun Menschen mit türkischen, kurdischem und griechischem Hintergrund aus rassistischen Motiven und eine Polizistin ermordet: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Yunus Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat, Michéle Kiesewetter.

Seit Anfang Mai 2013 wird in München der «NSU-Komplex» vor Gericht verhandelt. Angeklagt ist Beate Zschäpe, die einzige Überlebende der so genannten Zwickauer Terrorzelle, sowie deren mutmaßliche Komplizen und Helfer Ralf Wohlleben, André E., Carsten S. und Holger G. der 6. Strafkammer des Oberlandesgerichtes München unter Vorsitz des Richters Manfred Götzl begann der Prozess, bei dem es um 10-fachen Mord, mindestens drei Sprengstoffanschläge u.a. mit einer Nagelbombe und zahlreichen zum Teil Schwerverletzten, mit 15 Banküberfällen und um eine der größten Bankraub-Serien in der Geschichte der Bundesrepublik sowie um Mitgliedschaft bzw. Unterstützung einer Terroristischen Vereinigung nach § 129 a geht.

Weiter im Text, aktuelle Infos und alle Berichte und Audio- und Print-Beiträge zum Prozess von Friedrich Burschel finden Sie in unserem neuen Online-Dossier zum NSU-Prozess.

 


#cross_solidarity: Internationalismus heute?

Während sich internatioFoto Cross Solidaritynale Solidarität in den 1980er und 90er Jahren vor allem auf Länder und Bewegungen des Globalen Südens bezog, enstanden zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch innereuropäische Akteure, die die traditionellen Bewegungen vor Herausforderungen stellten (etwa die Europäischen Märsche gegen Erwerbslosigkeit, M 15, Blockupy oder Occupy Wallstreet). Wie haben sie auf diese Herausforderungen reagiert? Mit den Veränderungen in Deutschland, in Europa und weltweit ist Cross-Solidarity heute auch in Europa zum Thema geworden. Spätenstens mit der Definition von EU-Politikfeldern (etwa Flucht/Asyl) und den Austeritätsprogrammen, die Griechenland und anderen südeuropäischen Ländern auferlegt wurden, sind herkömmliche Grenzen zwischen Nationalstaaten in der EU bzw. zwischen der EU und anderen Weltregionen nicht mehr so einfach auszumachen.


NSU, Frauen und DDR

Themen : Neonazismus, NSU-Komplex · 0 Kommentare · von 9. Juli 2013

«Hammer, die Frau!», bricht es aus Holger G. heraus, wenn er von seiner Lebensgefährtin spricht. Holger G. ist neben Carsten S. einer der Angeklagten im NSU-Prozess vor dem OLG München, der angeblich aus der rechten Szene ausgestiegen und infolgedessen bereit ist, vor Gericht auch gegen seine einstigen «Freunde» auszusagen. Und in seinen Angaben zur Person und einer abgelesenen Erklärung fallen vor allem die Hinweise auf die DDR und die Frauen in seinem Leben auf. Über die Freundschaft mit den mutmaßlichen NSU-Mörder_innen etwa sagt er: «Unsere ganze Szene stellte damals auf diesen vermeintlichen Kameradschafts-Wert ab. Und aus meiner ganzen Jugenderziehung – Jungpioniere, Thälmannpioniere, FDJ – hatte ich gelernt, dass es wichtig ist, für andere einzustehen.» Auch Carsten S., der zuletzt unter Tränen und emotionalen Aufwallungen «auspackte» und u.a. auch auf einen weiteren NSU-Anschlag bereits im Jahr 1999 in Nürnberg mit einer Sprengfalle in einer Taschenlampe hinwies, war begeistert von den Uniformen und dem roten Halstuch der Pioniere. In Holger G.s Leben spielen vor allem die Frauen eine entscheidende Rolle: Seine Mutter habe ihn, das «Nesthäkchen», allzu nachsichtig behandelt und so abdriften lassen in die Nazi-Szene, eine Freundin habe ihn mit einem «Kameraden» betrogen, was ihn zum Ausstieg aus der Szene bewogen habe, und seine aktuelle Freundin, von der er gerade durch das Zeugenschutzprogramm getrennt sei, sei genau die richtige Art von Frau für einen wie ihn: Sie fasse ihn hart an, ziehe ihn zur Verantwortung und sage, wo es langgehe… Weshalb er aber auch nach dem angeblichen Ausstieg aus der Szene 2004 noch bis 2011 mit den NSU-Leuten in Kontakt blieb und sie mit Hilfsdiensten (Reisepass) unterstützte, blieb bisher unbeantwortet.


Crashkurs Kommune 6: «Gegen Nazis sowieso»

Gegen Nazis sowiesoKommunen haben für rechte Parteien besondere Bedeutung: Rechtspopulistische Akteure versuchen, lokale Konflikte für ihren Rassismus und die Kulturalisierung sozialer Zustände zu vereinnahmen, freie Kameradschaften sprechen mit einem breiten Freizeitangebot junge Menschen nicht nur in strukturschwachen Regionen an. In diesem Buch von Yves Müller und Benjamin Winkler, das in der Reihe «Crashkurs Kommune» erschienen ist, werden lokale und überregionale Problemlagen aufgezeigt und mögliche Formen der zivilgesellschaftlichen und kommunalpolitischen Auseinandersetzung mit NPD und Co. in der Kommune vorgestellt und erörtert: Argumente und das Handwerkszeug für erfolgreiche Strategien gegen Rechts.

Die von Katharina Weise herausgegebene Reihe «Crashkurs Kommune» richtet sich vor allem an kommunalpolitisch Interessierte, kommunale Mandatsträger_innen und lokal engagierte Menschen in  Vereinen und Initiativen.


«Bruderland ist abgebrannt»

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Mit Bruderland ist abgebrannt förderte die Rosa-Luxemburg-Stiftung und namentlich das Fachreferat Neonazismus und Strukturen/Ideologien der Ungleichwertigkeit im vergangenen Herbst 2012 die Veranstaltungsreihe eines angesehenen Kooperationspartners, des Zentrums für Demokratie Treptow-Köpenick. Der staatsoffizielle «Antifaschismus» wurde dabei einer kritischen Ausleuchtung unterzogen, Formen des Rassismus in der DDR-Gesellschaft wurden ebenso wie Antisemitismus und das Auftreten von Neonazis thematisiert. Die Ausrichtung der Reihe und der Fokus auf kritikwürdige Erscheinungen in der DDR wurde von Teilen der linken Öffentlichkeit mit Irritation und Verärgerung aufgenommen, da sie positive Aspekte im sozialistischen Staat der Nachkriegszeit nicht würdige. Von einer «Delegitimierung» der DDR wurde gesprochen.
Audio- und Video-Dokumentationen der in der Kritik stehenden Veranstaltungen und weitere Informationen zur Reihe finden Sie hier:
* «Mythos Antifaschismus» Videodokumentation der letzten Debatte aus der umstrittenen Reihe «Bruderland ist abgebrannt!», u.a. mit Gregor Gysi., 31.10.2012
* Vertragarbeiter in der DDR, Podium mit Tamara Hentschel (ehemalige DDR-Wohnheimbetreuerin für Vietnames_innen, seit 1993 Geschäftsführerin des Vereins Reistrommel e.V.), Susanne Harmsen (Journalistin, Macherin der gleichnamigen Aussstellung), Dr. Nguyen van Huong (Mitarbeiter im Büro des Beauftragten für Integration und Migration des Landes Berlin) und der Filmemacherin Angelika Nguyen, 8.10.2012
* Antisemitismus in der DDR, Vortrag und Diskussion mit Jan Riebe von der Amadeu Antonio Stiftung, 11.10.2012
* Fremde und Fremd-Sein in der DDR, Vortrag mit Diskussion mit dem Historiker Dr. Patrice G. Poutrus (Lehrbeauftragter an der Professur für Zeitgeschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Susanne Harmsen (Ausstellungsmacherin und freie Journalistin) und Angelika Nguyen (Filmwissenschaftlerin und Autorin), 17.10.2012

Bedingungen für Solidarität zwischen «Communities»

Das Ballhaus Naunynstraße in Berlin-Kreuzberg und das Kultur und Gesellschaftsmagazin freitext hatten Wissenschaftler_innen, Künster_innen und Aktivist_innen eingeladen, um über die rassistischen Mediendiskurse der letzten Jahre und die politischen Kämpfe um eine Neudefinierung der Gesellschaft zu sprechen – und vor allem über Wirkungen auf die verschiedenen Communities of Color. Einerseits gibt es mittlerweile breitere gesellschaftliche Debatten über Rassismus, andererseits wurden in den Diskussionen über Blackfacing an deutschsprachigen Bühnen und über den Umgang mit rassistischer Sprache in Kinderbüchern die Widerstände dagegen allzu deutlich. Wie zuletzt der Eklat im taz-Lab («Meine Damen und Herren, liebe N-Wörter und Innen») zeigte, kann statt gemeinsamem Vorgehen sehr schnell auch eine Entsolidarisierung stattfinden, die allzu gut in die Karten der rassistisch strukturierten Gesellschaft spielt.

Die Frage, wie Hierarchisierungen zwischen Communities aufgebrochen werden und unterschiedliche Erfahrungshintergründe eine Stärkung bedeuten können, anstatt in die Sackgasse von Entsolidarisierung und Ethnisierung zu steuern, stand im Mittelpunkt der Diskussion von Bilgin Ayata, Tayo Onutor, Mutlu Ergün, Grada Kilomba, Isidora Randjelovic, Koray Yılmaz-Günay und Kofi Yakpo (via Skype). Hier findet sich die Audioaufzeichnung (Deutsch/Englisch) der Diskussion vom 27. Juni 2013.


«Ich bekomme schon Zustände, wenn ich den Begriff Heimat nur höre»

Olga Grjasnowa im Gespräch über ihren Roman «Der Russe ist einer, der Birken liebt», Multikulturalismus und Rassismus in Deutschland

 

Wenn ich versuche, dein Buch zu charakterisieren, fällt mir das Wort Identitätssuche ein. Es geht um Heimat, um Herkunft, um Zugehörigkeit und Ausgeschlossen-Sein, all das taucht immer wieder in verschiedenen Facetten auf. Hat das Erzählte mit deiner Biografie zu tun?

Ich finde nicht dass es um Heimat geht, genau dagegen wehrt sich das Buch. Gegen diese Nötigung, eine Heimat benennen zu müssen…