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Rezension: „Der Fotograf von Mauthausen“

Cover: Der Foto­graf von Maut­hau­sen

Den Comic „Der Foto­graf von Maut­hau­sen“ hielt ich zum ers­ten Mal im Mai die­ses Jah­res in Hän­den. Ich saß auf der Pro­me­na­de von Dono­s­tia. Oder auch San Sebas­ti­an, wie die Spa­ni­er zu der bas­ki­schen Küs­ten­stadt sagen.

Dono­s­tia liegt kei­ne 100 Kilo­me­ter von Guer­ni­ka ent­fernt. Der Stadt, die im April 1937 durch ein Bom­ben­ge­schwa­der der deut­schen Luft­waf­fe, der Legi­on Con­dor, fast voll­stän­dig zer­stört wur­de. Das faschis­ti­sche Ita­li­en und das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Deutsch­land waren dem 1936 put­schen­den Gene­ral Fran­cis­co Fran­co zur Hil­fe geeilt und hat­ten Waf­fen und Sol­da­ten zur Zer­schla­gung der demo­kra­ti­schen Repu­blik nach Spa­ni­en geschickt. Drei Jah­re dau­er­te der blu­ti­ge Bür­ger­krieg, der vie­len auch als Vor­läu­fer des 2. Welt­kriegs gilt. Der demo­kra­tisch gewähl­ten Regie­rung, wie auch den rech­ten Put­schis­ten eil­ten inter­na­tio­nal unter­schied­li­che Men­schen und Staa­ten zu Hil­fe.

Graf­fi­to in Bil­bao 2019 — Anti­fa­xis­tak (Foto: H. Koch)

Der spa­ni­schen Repu­blik stan­den vor allem sozia­lis­ti­sche Frei­wil­li­ge unter­schied­lichs­ter Coleur zur Seite. Die­se orga­ni­sier­ten sich oft in den „Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den“. Auf der Sei­te der Put­schis­ten stan­den die faschis­ti­schen Dik­ta­tu­ren Deutsch­land und Ita­li­en. Von einer maßgebli­chen Unter­stüt­zung der frei gewähl­ten Repu­blik Spani­ens durch demo­kra­tisch ver­fass­te Staa­ten hin­ge­gen konn­te nicht die Rede sein. Die­se grün­de­ten im Sep­tem­ber 1936 ein „Komi­tee für Nicht­ein­mi­schung in die Ange­le­gen­hei­ten Spa­ni­ens“, was den demo­kra­tisch ver­fass­ten Staa­ten offi­zi­ell erlaub­te, sich aus einer demo­kra­ti­schen und huma­nis­ti­schen Soli­da­ri­tät hinaus zu defi­nie­ren und ihre Appease­ment-Poli­tik gegen­über den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Regime wei­ter zu betrei­ben. Fakt war, dass sie im Fal­le eines Sie­ges der Republikaner*innen einen Links­rutsch in Spa­ni­en befürch­te­ten. Und dies erschien ihnen besorg­nis­er­re­gen­der als eine wei­te­re faschis­ti­sche Dik­ta­tur in Euro­pa. Das Nicht­ein­mi­schungs­ko­mi­tee schwäch­te die repu­bli­ka­ni­schen Kämp­fe gegen den Fran­quis­mus. So wur­den z.B. auf Druck des Komi­tees im Sep­tem­ber 1938 die Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den (1, 2, 3) auf­ge­löst. Der unglei­che Kampf ende­te 1939 in der Nie­der­la­ge der Repu­blik und einer fast 40-jäh­ri­gen Dik­ta­tur in Spa­ni­en unter dem „Cau­dil­lo“ Fran­cis­co Fran­co. Rund eine hal­be Mil­lio­nen Men­schen waren in dem Krieg umge­kom­men, hunderttau­sen­de Republikaner*innen lan­de­ten in Gefäng­nis­sen und Lagern der spa­ni­schen Faschist*innen, zehn­tau­sen­de wur­den gefol­tert und ermor­det. Und rund eine hal­be Mil­lio­nen Spanier*innen muss­ten flie­hen und im Exil leben. Nahe­lie­gend war die Flucht über die Pyrenäen in das benach­bar­te Frank­reich. Dort aber wur­den die so genann­ten Rot­s­pa­nier unter teils unmensch­li­chen Bedin­gun­gen in Lagern wie z.B. Gurs durch die lin­ke Volks­front-Regie­rung inter­niert. Nach der Nie­der­la­ge des fran­zö­si­schen Armee gegen Hit­ler­deutsch­land, dem Waf­fen­still­stand und der Eta­blie­rung des Vichy-Regimes unter Mar­schall Pétain wur­den die Inhaf­tier­ten der fran­zö­si­schen Lager sogar an das deut­sche Reich aus­ge­lie­fert. Für über 140.000 Män­ner und Frau­en begann damit eine Schre­ckens-Odys­see durch deut­sche Arbeits- und Ver­nich­tungs­la­ger. Vie­le der so genann­ten Rotspanier*innen ver­lo­ren dabei ihr Leben.

Soweit mein Vor­wis­sen, als ich in der klei­nen Buch­hand­lung in der Alt­stadt von Dono­s­tia den Comic „El fotógra­fo de Maut­hau­sen“ ent­deck­te. Und obwohl ich mein Spa­nisch seit mei­nen Arbeits­ein­satz in Nica­ra­gua Anfang der 1980er Jah­re nicht mehr  auf­ge­frischt hat­te, muss­te ich nach einem ers­ten Blick in den Comic die­sen umge­hend erste­hen. Anschlie­ßend saß ich auf der besag­ten Pro­me­na­de. Neben mir into­nier­te ein Trio älte­rer Män­ner Jazz- und Tangomusik und ich stürz­te mich in das Lese­aben­teu­er über das Leben von Fran­cis­co Boix, dem „Ret­ter der Bil­der“.

Fran­cis­co Boix wur­de 1920 in Bar­ce­lo­na gebo­ren und schloss sich als 17jähriger der sozia­lis­ti­schen Jugend, der „Juventu­des Socia­lis­tas Uni­fi­ca­das“, an. Schon früh erlern­te er das Foto­gra­fie­ren und wur­de so in der 30. Divi­si­on der repu­bli­ka­ni­schen Armee Front­fo­to­graf. In Fol­ge der Nie­der­la­ge der Repu­blik floh er nach Frank­reich, wo er inter­niert wur­de. Nach sei­ner Ent­las­sung, schloss er sich dem anti­fa­schis­ti­schen Wider­stand an, wur­de ver­haf­tet und gelang­te über wei­te­re Lager im Janu­ar 1940 in das öster­rei­chi­sche Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Mauthausen/Gusen.

Foto aus der Gra­phic Novel „Der Foto­graf von Nord­hau­sen“ (Foto: H. Koch)

Hier beginnt die eigent­li­che Geschich­te der Gra­phic Novel. Die­se erzählt zu einem anhand der Geschich­te Boix‘ über das Leben und Lei­den der rund 200.000 Inhaf­tier­ten, von denen über 100.000 Men­schen im KZ Maut­hau­sen und sei­nen zahl­rei­chen Neben­la­gern ermor­det wur­den. Zu ande­ren ver­folgt sie Fran­cis­co Boix‘ muti­ges Unter­fan­gen als Unter­ge­be­ner des Lei­ters des Erken­nungs­diens­tes, SS-Unter­of­fi­zier Paul Ricken, Foto-Nega­ti­ve zu ent­wen­den und die­se zur Doku­men­ta­ti­on der Nazi-Ver­bre­chen­zu ver­ste­cken und auf­zu­be­wah­ren. Ricken foto­gra­fier­te vor allem die Toten im Lager. Nicht um die Todes­um­stän­de als Mor­de zu kenn­zeich­nen, son­dern um die Toten so zu dra­pie­ren und zula­gern, dass deren Tode wie Selbst­mor­de oder Fluch­ten aus­sa­hen. Zudem war Ricken für die Foto­gra­fi­en offi­zi­el­ler Fei­ern und Besu­che hoch­ran­gi­ger NS-Füh­rer zustän­dig. Bei all den Auf­nah­men unter­stütz­te ihn der jun­ge Fran­cis­co Boix und erhielt dar­über Zugang zu vie­len Berei­chen und offi­zi­el­len Vor­gän­gen im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger. Boix fer­tig­te so gut es ging wei­te­re Nega­ti­ve an, ver­steck­te und schleus­te die­se aus dem Lager. Dies schaff­te er mit der Hil­fe wei­te­rer Inhaf­tier­ter. Vor allem einem Netz­werk lin­ker Gefan­ge­ner aus Spa­ni­en, von denen über 7.000 in Maut­hau­sen inhaf­tiert waren. Das Unter­fan­gen war für alle Betei­lig­ten höchst gefähr­lich und zwang Fran­cis­co Boix auch zu man­cher Ent­schei­dung, die er selbst als mora­lisch frag­wür­dig emp­fand. Nicht alle sei­ner Ver­bün­de­ten über­leb­ten das KZ Maut­hau­sen.

Foto aus der Gra­phic Novel „Der Foto­graf von Maut­hau­sen“ (Foto: H. Koch)

Fran­cis­co Boix erleb­te die Befrei­ung der Insas­sen von Maut­hau­sen durch die US-Ame­ri­ka­ner im Mai 1945. Er beglei­te­te die Befrei­ung mit einer der SS ent­wen­de­ten Lei­ca Kame­ra, nahm die Ankunft der Ame­ri­ka­ner, die Inhaf­tie­rung von Wach­per­so­nal und sei­ne über­le­ben­den Kame­ra­den auf. Und er sicher­te aus den ver­schie­de­nen Ver­ste­cken inner­halb und außer­halb des Lagers die ver­bor­ge­nen Nega­ti­ve.

Mit Hil­fe sei­ner Zeu­gen­aus­sa­gen und den ver­steck­ten Fotogra­fi­en konn­ten im Nürn­ber­ger Pro­zess gegen die Haupt­kriegs­ver­bre­cher in den Jah­ren 194546 wichti­ge Bewei­se über die NS-Ver­bre­chen in den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern vor­ge­legt wer­den. Zudem tru­gen die Auf­nah­men zur Ver­ur­tei­lung Ernst Kal­ten­brun­ners, des Nach­fol­gers Rein­hard Heyd­richs an der Spit­ze des Reichs­si­cher­heits­haupt­am­tes (RSHA), zum Tod durch den Strang. Mit einer Epi­so­de über den Nürn­ber­ger Pro­zess und einer Begeg­nung mit der fran­zö­si­schen Wider­stands­kämp­fe­rin und Belas­tungs­zeu­gin Marie-Clau­de Vail­lant-Cou­turi­er endet die Geschich­te Fran­cis­co Boix in der Gra­phic Novel>Die Gra­phic Novel „Der Foto­graf von Maut­hau­sen“ ist bemer­kens­wert. Allein schon die nar­ra­ti­ve Umset­zung der Geschich­te von Fran­cis­co Boix durch Sal­va Rubio, die zeich­ne­ri­sche Dar­stel­lung durch Pedro J. Colom­bo und die Kolo­rie­rung durch Aint­za­ne Lan­da machen die­se Gra­phic Novel zu einer erkennt­nis­rei­chen Lek­tü­re und einen opti­schen Genuss. Beson­ders gelun­gen ist die­se Gra­phic Novel aber über das ange­häng­te Glos­sar mit den unter­schied­lichs­ten wis­sen­schaft­li­chen und jour­na­lis­ti­schen Bei­trä­gen, sowie eini­gen der Ori­gi­nal­fo­to­gra­fi­en von Boix. Die ver­schie­de­nen Autor*innen stel­len pro­fund die his­to­ri­schen und bio­gra­phi­schen Kon­tex­te her. Und Sal­va Rubio erläu­tert noch ein­mal die nar­ra­ti­ven und sti­lis­ti­schen Frei­hei­ten, die sich die Schöp­fer des Buches erlaub­ten, um die Geschich­te in einen gra­phisch flüs­si­gen Stil dar­zu­stel­len.
In einem Epi­log zum Ende des Comics erfährt man dann noch mehr über das Schick­sal Fran­cis­co Boix‘ und sei­ne letz­ten Jah­re im Pari­ser Exil. Fran­cis­co Boix ver­starb am 4. Juli 1951 an den Fol­gen einer Erkran­kung, die er sich in Maut­hau­sen zuge­zo­gen hat­te. Er wur­de nur 31 Jah­re alt.
An der Pro­me­na­de von Dono­s­tia war es in der Zwi­schen­zeit kalt gewor­den. Als ich den Comic­band zuschlug hat­te das Musi­ker-Trio längst sei­ne Instru­men­te ein­ge­packt und war gegan­gen. Mit mei­ner Neu­erwer­bung war ich äußerst zufrie­den. Nur mein man­geln­des Spa­nisch ärger­te mich und ich hoff­te innig, dass der Comic­band bald auf Deutsch erscheint. Ich pack­te zusam­men, durf­te ich doch mei­nen Bus zur Gren­ze nicht ver­pas­sen.

Kürz­lich ist der „Der Foto­graf von Maut­hau­sen“ nun in einer deut­schen Über­set­zung bei dem öster­rei­chi­schen Ver­lag bahoe books erschie­nen. Er ist hier­mit jedem Anti­fa­schis­ten und jeder Anti­fa­schis­tin zugäng­lich und herz­lichst ange­ra­ten.


Wei­te­res zu Maut­hau­sen: Maut­hau­sen Memo­ri­al


Rechter Männerscheiß: „Steeler Jungs“ in Essen

Themen : Allgemein, Antifa, Neonazismus, Rassismus · 0 Kommentare · von 26. September 2019

Stee­ler Jungs“ im Ein­heits­look. (Foto: H.Koch)

In der Ruhr­me­tro­po­le Essen leben über eine hal­be Mil­lio­nen Men­schen. Gera­de­zu beschei­den zur Gesamt­flä­che und Bewohner*innenzahl nimmt sich dabei der öst­lich gele­ge­ne Stadt­teil Stee­le aus. Die 1929 ein­ge­mein­de­te und zum Stadt­teil mutier­te Klein­stadt wird von sie­ben wei­te­ren Stadt­tei­len ein­ge­rahmt und liegt idyl­lisch an der Ruhr. Von den etwas mehr als 16.000 Einwohner*innen Stee­les besit­zen knapp 15 Pro­zent kei­nen deut­schen Pass.


Rezension: Antiextremismus und wehrhafte Demokratie

Themen : Allgemein, Extremismus-Doktrin, Repression · 0 Kommentare · von 23. September 2019

Ich glaub, mich trifft ein Huf­ei­sen: Ist das schon links­ex­tre­mis­tisch? Foto: Bur­schel

Max Fuhr­mann: Anti­ex­tre­mis­mus und wehr­haf­te Demo­kra­tie. Kri­tik am poli­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Nomos, Baden-Baden 2019. 353 S., bro­schiert, ISBN 978−3−8487−5744−2

Wehr­haf­te Demo­kra­tie und Anti­ex­tre­mis­mus, es sind zwei schil­lern­de Begrif­fe, die den Kern des Selbst­ver­ständ­nis­ses der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus­ma­chen. Bei­de gehen davon aus, dass sämt­li­che For­men von ver­meint­li­chem poli­ti­schen Extre­mis­mus mit sei­nen ange­nom­me­nen Unter­for­men ‚Links­ex­tre­mis­mus‘, Rechts­ex­tre­mis­mus und dem spä­ter hin­zu­ge­kom­me­nen Isla­mis­mus, glei­cher­ma­ßen demo­kra­tie­ge­fähr­dend wären. Das erst­ge­nann­te Kon­zept fußt auf den Kon­se­quen­zen, die ver­meint­lich auf dem Schei­tern der Wei­ma­rer Repu­blik beru­hen, wäh­rend das zwei­te vor allem durch eine nor­ma­ti­ve Extre­mis­mus­for­schung, die Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung sowie durch den Inlands­ge­heim­dienst ‚Ver­fas­sungs­schutz‘ ver­tre­ten und popu­la­ri­siert wird.


Architektonischer Antisemitismus

Es kommt echt nicht häu­fig vor, dass ich eine Zeit­schrift von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te durch­le­se: Die aktu­el­le ARCH+ Nr. 235 zu „Rech­ten Räu­men“ habe ich atem­los durch­ge­le­sen, ent­setzt vom faschis­ti­schen Pan­ora­ma eines Euro­pas auf dem Weg in die Bar­ba­rei, das das Heft abschrei­tet. Und die­se Aus­ga­be einer renom­mier­te Archi­tek­tur-Zeit­schrift ist durch­aus nicht nur für Baumeister*innen und Architekturkritiker*innen (Sind wir das nicht alle?) inter­es­sant und schafft es „Rech­te Räu­me“ zu defi­nie­ren, die dahin­ter lie­gen­de Städ­te­bau­po­li­tik, die bau­li­che geschichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Erin­ne­rungs­kul­tur und den rech­ten Rekon­struk­ti­ons­wahn frei­zu­le­gen und den Zusam­men­hang her­zu­stel­len zur aktu­el­len völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Renais­sance und zum offe­nem Faschis­mus in Euro­pa.


CasaPound Italia in der Krise

CasaPound Italia in der Krise

Kom­mu­ne Rom con­tra Casa­Po­und Ita­lia Die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der Stadt­ver­wal­tung Rom und Casa­Po­und Ita­lia über die Haus­be­set­zung in der Via…


Klimawandel und Faschismus

Tagebau Welzow-Süd: Blühende Landschaften. Foto: Burschel

Tage­bau Wel­zow-Süd: Blü­hen­de Land­schaf­ten. Foto: Bur­schel

Auf den ers­ten Blick schei­nen die anti­fa­schis­ti­sche und die Kli­ma­ge­rech­tig­keits­be­we­gung wenig gemein zu haben. Die Autor*innen die­ses Bei­trags, Ila­na Krau­se und Florain Tel­ler, fra­gen nach Mög­lich­kei­ten und ver­wei­sen auf Not­wen­dig­kei­ten einer Ver­zah­nung anti­fa­schis­ti­scher Kämp­fe mit jenen der Kli­ma­ge­rech­tig­keits­be­we­gung. Ein Mobi­li­sie­rungs­bei­trag zum Kli­ma­camp in Pödel­witz im Leip­zi­ger Land vom 3. — 12.8.2019, das die Rosa-Luxem­burg-Stif­tung för­dert.


Götzldienst: Offenbarungseid einer Gerichtsreporterin

Themen : Allgemein · 0 Kommentare · von 31. Juli 2019
Rezension: Gisela Friedrichsen: Der Prozess. Der Staat gegen Beate Zschäpe u.a., 304 Seiten, Juni 2019, Penguin

27 Jah­re lang schrieb die eins­ti­ge FAZ-Redak­teu­rin Gise­la Fried­rich­sen für den Spie­gel aus den Gerichts­sä­len der Repu­blik, wäh­rend des lau­fen­den NSU-Pro­zes­ses ver­ab­schie­de­te sich das Nach­rich­ten­ma­ga­zin von ihr und sie wech­sel­te naht­los zu Austs Welt. Fried­rich­sen gilt als die gro­ße alte Dame der deut­schen Gerichts­re­por­ta­ge und eine Kapa­zi­tät in die­sem Gen­re.
Was sie nun jedoch als Rück­schau in ihrem Buch „Der Pro­zess. Der Staat gegen Bea­te Zschä­pe u.a.“ ver­öf­fent­licht, gehört mit Abstand zum Ein­fäl­tigs­ten, was über das „bedeu­ten­de Stück deut­scher Jus­tiz­ge­schich­te“ (S. 12) geschrie­ben wur­de. Man fragt sich bei der über Stre­cken auch ganz unter­halt­sam geschrie­be­nen Zusam­men­fas­sung des Pro­zes­ses, wo die 30 Jah­re Erfah­rung und der kri­ti­sche Blick abge­blie­ben sind, wel­chen sie erst jüngst im Inter­view mit der taz ein­ge­for­dert hat­te: „Mei­ne Auf­ga­be als Jour­na­lis­tin ist die Kri­tik und die Beob­ach­tung. Ich ver­ste­he mich nicht als Sprach­rohr der Jus­tiz.“ (taz, 28.6.19)


Aus für CasaPound-Partei

Simo­ne di Ste­fa­no: „Rin inne Kart­üb­beln, rut ut de Kart­üb­beln“ (Screen­shot)

Gut einen Monat war es still um die faschis­ti­sche Bewe­gungs­par­tei Casa­Po­und Ita­lia gewe­sen. Seit ihrem kata­stro­pha­len Wahl­er­geb­nis von 0,33 Pro­zent der abge­ge­be­nen Stim­men bei der Wahl zum EU-Par­la­ment Ende Mai 2019 gab es zwar eini­ge Ver­an­stal­tun­gen der Faschist*innen und auch das Casa­Po­und Fes­ti­val „Tana del­le tigri 11“ fand am 22. Juni in Rom mit gro­ßer Betei­li­gung statt. Aber die übli­chen Medi­en­ka­nä­le der „fascis­ti del ter­zo mill­en­nio“ (dt.: Faschis­ten des 21. Jahr­hun­derts) erschie­nen merk­wür­dig ver­waist, ihre ansons­ten groß­spu­ri­gen Ankün­di­gun­gen unter­blie­ben und die Auf­trit­te ihrer Exponent*innen wirk­ten gera­de­zu zag­haft. Seit dem 27. Juni 2019 ist nun die Kat­ze aus dem Sack: Casa­Po­und gibt ihre Par­tei­ar­beit auf.


Projekttag mit Nazi: Intervention im Hamburger Schulskandal

Eine het­ze­ri­sche Ver­tei­di­gungs­re­de des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Rechts­an­walts Alfred Holl aus dem Jahr 1924, auf die sich Wolf ohne Abstri­che beruft. Für die Schul­be­hör­de offen­bar kein Pro­blem.

Nach den Aus­ein­an­der­set­zun­gen an zwei Ham­bur­ger Schu­len zum anti­fa­schis­ti­schen Enga­ge­ment eini­ger ihrer Schü­ler war es am Hele­ne-Lan­ge-Gym­na­si­um mit Bil­li­gung der Schul­be­hör­de zu einer Vor­trags­ver­an­stal­tung des AfD-Poli­ti­kers und Mit­glieds der Bür­ger­schaft, Alex­an­der Wolf, gekom­men. Dass Wolf ein lupen­rei­ner Nazi mit enthu­si­as­ti­schen Bezü­gen zum Natio­nal­so­zia­lis­mus ist, war dabei kein Hin­de­rungs­grund. Ein erschüt­tern­des Bei­spiel für ver­scho­be­ne und ver­schro­be­ne Sag­bar­keits­gren­zen, aus der Feder eines Schü­ler­va­ters, des Poli­to­lo­gen Dr. Mar­kus Mohr.


Aktuelle IMI-Studie zum „Hannibal-Komplex“

Das Logo des „Uniter e.V.“

Die aktu­el­le Stu­die der Infor­ma­ti­ons­stel­le Mili­ta­ri­sie­rung (Tübin­gen) wid­met sich dem mili­tan­ten Neo-Nazi-Netz­werk in Bun­des­wehr, Geheim­diens­ten, Poli­zei, Jus­tiz und Par­la­men­ten. Die Stu­die is von Luca Heyer, hat 16 Sei­ten und ist datiert auf den 13. Juni 2019, einen Tag nach den Raz­zi­en in Meck­len­burg-Vor­pom­mern wegen Muni­ti­ons­diebstals gegen SEK-Beam­te, die im Zusam­men­hang mit dem Netz­werk zu sehen sind. Heyer lie­fert eine beach­tens­wer­te Zusam­men­fas­sung der Fak­ten über die­sen Orga­ni­sie­rungs­an­satz an der Schnitt­stel­le zwi­schen Staat und faschis­ti­scher Bewe­gung.