Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


100 Jahre Abschiebehaft“: Flüchtlingsräte gegen Abschottung

Bil­der­stre­cke von Anto­nia Manns, Livia Spitz und Melis­sa Tobi (Hin­ter­land S. 35)

Im Süden: Hin­ter­land
Unter dem Mot­to „100 Jah­re Abschie­be­haft“ hat die gesell­schafts­kri­ti­sche Quar­tals­schrift des bay­ri­schen Flücht­lings­ra­tes Hin­ter­land mit sei­ner ers­ten Aus­ga­be die­ses Jah­res nicht nur einen bri­san­ten Schwer­punkt gesetzt, son­dern auch eine Kam­pa­gne lan­ciert. Die Kam­pa­gne soll mehr Öffent­lich­keit für die Geschich­te und Aktua­li­tät von Abschie­bung, Abschie­be­haft und Abschot­tungs­po­li­tik schaf­fen. Die Absur­di­tät des Kon­zep­tes Abschie­be­haft wird in den zahl­rei­chen Bei­trä­gen sehr deut­lich: die Inhaf­tier­ten haben sich kei­ner­lei Straf­tat schul­dig gemacht und wer­den den­noch ihrer Frei­heit beraubt; und oft scheint im deut­schen Kon­text die viel gelob­te Rechts­staat­lich­keit bei die­ser Haft wenig Bedeu­tung zu haben.


Mit dem „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“ in den autoritären Staat

Vier­tel­jah­res­heft des Baye­ri­schen Flücht­lings­rats „Hin­ter­land“, Nr. 41: „100 Jah­re Abschie­be­haft“

Ein neu­es Gesetz, gepaart mit Abschre­ckungs­maß­nah­men, soll Geflüch­te­te bun­des­weit zu völ­lig recht­lo­sen Men­schen machen, über die der Staat will­kür­lich ver­fü­gen kann. Ein Kom­men­tar.

Seit der „Flücht­lings­kri­se“ 2015, die in Wahr­heit eine Kri­se der Behör­den im Umgang mit Geflüch­te­ten war, erle­ben wir einen Abbau des Flücht­lings­rechts in erschre­cken­dem Aus­maß. Unab­läs­sig spuckt das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um Papie­re, Ent­wür­fe, Geset­zes­vor­ha­ben aus, ein­zeln oder zu Pake­ten geschnürt. Oft sind die Gemein­hei­ten ver­steckt: Wohl­fahrts­ver­bän­de bekom­men höchs­tens 48 Stun­den für eine Stel­lung­nah­me, über­for­der­te Parlamentarier*innen win­ken die Geset­ze durch.


Ob Ost, ob West: Braune Berliner Kontinuitäten

Immer wie­der? Aus­stel­lung in der Zions­kir­che

Die Kon­ti­nui­tät

Manch­mal erstaunt es, wie über­rascht man­che Men­schen auf die immer stär­ke­re Sicht­bar­keit der extre­men Rech­ten oder auf die Auf­de­ckung des NSU reagie­ren. Eine Wan­der­aus­stel­lung in Ber­lin unter­nimmt nun den Ver­such, die aktu­el­len Ver­hält­nis­se in einen his­to­ri­schen Kon­text zu set­zen und auf­zu­zei­gen, dass vie­le heu­ti­ge Struk­tu­ren eigent­lich kein neu­es Phä­no­men dar­stel­len. Die Aus­stel­lung trägt den Titel  „Immer wie­der? Extre­me Rech­te und Gegen­wehr in Ber­lin seit 1945“ und betrach­tet bei­spiel­haft an zehn Ereig­nis­sen die Kon­ti­nui­tät neo­fa­schis­ti­schen Den­kens und Han­delns im Ber­li­ner Kon­text.


Vom rassistischen Pogrom ins Europäische Parlament

Mas­si­mi­lia­no Pane­ro und Simo­ne di Ste­fa­no prä­sen­tie­ren das gemein­sa­me Wahl­lo­go am 07.04.2019 (screen­shot)

Ihre Wahl­be­tei­li­gung bei der neun­ten Direkt­wahl zum Euro­päi­schen Par­la­ment im Mai 2019 kün­dig­te am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de die faschis­ti­sche Par­tei Casa­Pound Ita­lia  an. Par­tei­se­kre­tär Simo­ne di Ste­fa­no prä­sen­tier­te im Innen­mi­nis­te­ri­um das Sym­bol, unter dem die „Faschis­ten des 3. Jahr­tau­send“ antre­ten wer­den, und ver­kün­de­te: „Wir wer­den die [not­wen­di­gen] Unter­schrif­ten [zur Wahl­zu­las­sung] nicht sam­meln müs­sen, auch wenn wir uns auf die­se Even­tua­li­tät bereits vor­be­rei­tet haben, weil sich auf dem von uns prä­sen­tier­ten [Partei]Symbol der Ver­weis auf die „Alli­anz der Euro­päi­schen natio­na­len Bewe­gun­gen“ (AENM) befin­det, die vom unga­ri­schen Euro­pa­par­la­ments­mit­glied Béla Kovács ange­führt wird.“


Faschistische europäische Vernetzung in Brüssel

30.03.2019 — „The Vor­tex Londinium“-Konferenz in Brüs­sel mit Kon­stan­ti­nos Bovia­t­sos, Juli­an Ben­der, Fran­ces­co Sus­in­no, Andrea Bonaz­za, Valen­tin Lin­der und einer Unbe­kann­ten (screen­shot)

Vertreter*innen ver­schie­de­ner natio­nal-revo­lu­tio­nä­rer Bewe­gun­gen und Bewe­gungs­par­tei­en tra­fen sich am 30. März 2019  in der bel­gi­schen Haupt­stadt. Aus­ge­rich­tet hat­te das Tref­fen die eng­li­sche Depen­dance von Casa­Pound Ita­lia „The Vor­tex Lon­di­ni­um“ und, mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit, Kon­stan­ti­nos Bovia­t­sos, der Assis­tent des EU-Par­la­men­ta­ri­ers Geor­gi­os Epit­i­de­i­os von der grie­chischNa­zi-Par­tei „Gol­de­ne Mor­gen­rö­te“.


Trümmerschatten der verratenen Revolution

Trümmerschatten der verratenen Revolution

Ein­füh­rungs­re­de zur Ver­nis­sa­ge der Aus­stel­lung >wo liegt die Erin­ne­rung< von Ras­so Rot­ten­fuß­er, in den Stu­di­os Lich­ten­berg, am 22.3.2019


Ein „schwarzer Samstag“ in Mailand

Anti­fa­schis­ti­scher Pro­test in Mai­land am 23. März 2019 — „Faschis­ten: Zom­bies ges­tern-Zom­bies heu­te-Zom­bies mor­gen“ (Foto: H. Koch)

Die lom­bar­di­sche Haupt­stadt Mai­land erleb­te am ver­gan­ge­nen Sams­tag einen „saba­to nero“ (dt.: schwar­zer Sams­tag). Im Lau­fe des Tages fan­den meh­re­re faschis­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen anlässlich des 100ten Jah­res­tag der Grün­dung der faschis­ti­schen Kampf­bün­de, der „Fasci ita­li­ani di com­bat­ti­men­to“, statt. Die­se para­mi­li­tä­ri­schen Mili­zen wur­den am 23. März 1919 in einem Saal des „Cir­co­lo del­l’al­le­an­za indus­tri­alean der Piaz­za San Sepol­cro in Mai­land von Beni­to Mus­so­lini gegrün­det. Kei­nen Monat spä­ter star­te­ten die in Ita­li­en wegen ihrer schwar­zen Uni­for­mie­rung auch „camicie nere“ (dt.: Schwarz­hem­den) genann­ten Faschis­ten ihre ers­ten Angrif­fe auf die orga­ni­sier­te Arbei­ter­be­we­gung. Wäh­rend eine Grup­pe derFasci di Com­bat­ti­men­to“ am 15. April in Mai­land eine Gewerk­schaftsdemons­tra­ti­on angriff, wobei es Tote gab, atta­ckier­te eine ande­re Grup­pe der Faschis­ten den Sitz der sozia­lis­ti­schen Zei­tung „Avan­ti“ und setz­te ihn in Brand. Dies war der Auftakt des­sen, was Mus­so­li­ni am 23. März pro­kla­mierte: „[Heu­te] grün­den wir eine Gegen­par­tei, die Fasci di Com­bat­ti­men­to, sie wen­det sich gegen zwei Gefah­ren. Ers­tens gegen den Hass der Lin­ken und zwei­tens gegen deren Zer­stö­rungs­wut.“ Alles wei­ter ist jedem guten Geschichts­buch zu ent­neh­men.


Eine kurze Geschichte faschistischer Squats in Italien

Demons­tra­ti­ons­auf­ruf: „Casa­Pound — non si toc­ca!“ (dt.: Casa­Pound macht man nicht an!) (screen­shot)

Mit­glie­der der Bewe­gungs­par­tei Casa­Pound Ita­lia demons­trier­ten am 8. Febru­ar 2019 vor dem Cam­pi­do­glio, dem Sitz des römi­schen Bür­ger­meis­ter­amts. Unter dem Mot­to “Casa­Pound non si toc­ca!” (dt.: Casa­Pound rührt man nicht an!) pro­tes­tier­ten sie gegen den Rats­be­schluss von Ende Janu­ar 2019, der die Räu­mung der Casa­Pound-Zen­tra­le in der Via Napo­leo­ne III fest­legt. Mit der Räu­mung die­ses Gebäu­des wür­de nicht nur die bekann­tes­te Beset­zung ita­lie­ni­scher Faschist*innen enden. Auch das Wahr­zei­chen der Casa­Pound Ita­lia als natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung wäre „tem­pi pas­sa­ti“ (dt.: ver­gan­ge­ne Zei­ten). Grund genug, sich die Geschich­te der Beset­zun­gen „sot­to il tri­co­lo­re e non sot­to la ban­die­ra ros­sa“ (dt.: Unter der natio­na­len [Tri­ko­lo­re] und nicht der roten Fah­ne), wie Par­tei­chef Gian­lu­ca Ianon­ne es bezeich­ne­te, genau­er anzu­se­hen.


Nach 15 Jahren Besetzung: Räumung der „Casa Pound“ in Rom beschlossen

Objekt der Begier­de: Die „Casa Pound“ in der Via Napo­leo­ne III Nr. 8 Foto: Hei­ko Koch

Lan­ge hat es gedau­ert. 15 Jah­re nach der Beset­zung der „Casa Pound“ in der Via Napo­leo­ne III im Dezem­ber 2003 durch die neo­fa­schis­ti­sche Bewe­gung der „Casa­Pound Ita­lia” hat sich der Stadt­rat von Rom ent­schlos­sen, eine Reso­lu­ti­on zur Räu­mung der Zen­tra­le der „Faschis­ten des 3. Jahr­tau­sends“ zu ver­ab­schie­den. Ende Janu­ar votier­ten drei­ßig Abge­ord­ne­te der Par­tei­en „Par­ti­to Demo­cra­ti­co“ und „Movimento5Stelle“ (Fünf-Ster­ne-Bewe­gung) für die Räu­mung in dem Stadt­teil Esque­lino. Vier Stim­men von der rechts­po­pu­lis­ti­schen „Lega“ und der (post-)faschistischen „Fratel­li d‚Italia“ wand­ten sich gegen die Reso­lu­ti­on.


Schwänzen für das Klima

Sehen schwarz für die Koh­le: Schüler*innen strei­ken in Ber­lin für die Ret­tung des Pla­ne­ten Foto: Tim Lüd­de­mann unter CC-Lizenz: https://​crea​ti​vecom​mons​.org/​l​i​c​e​n​s​e​s​/​b​y​-​n​c​-​n​d​/​2​.​0​/​l​e​g​a​l​c​ode

Fri­days for Future – so lau­tet das Mot­to der Schüler*innenstreiks, die seit einem hal­ben Jahr jeden Frei­tag statt­fin­den. Bei die­sen Streiks han­delt es sich um eine von der damals noch 15-jäh­ri­gen Schwe­din Gre­ta Thun­berg initi­ier­te Akti­on zum Schutz des Kli­mas. Schon im August, direkt nach Beginn des Schul­jah­res 201819, fing die Teen­age­rin an, jeden Frei­tag von der Schu­le fern­zu­blei­ben und öffent­lich pro­tes­tie­ren zu gehen. Bald schon schlos­sen sich ihr Tau­sen­de ande­rer Schüler*innen an, zunächst nur in Schwe­den, inzwi­schen in immer mehr euro­päi­schen Staa­ten.