Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus



In Cottbus nichts Neues: Rechte Angriffe und das Schweigen in der Stadt

Auch Cott­bus scheint für eine demo­kra­ti­sche Gesell­schaft und rechts­staat­li­che Min­dest­stan­dards ver­lo­ren zu sein: Die Orga­ni­sa­ti­on „Women in Exi­le“ — ein Zusam­men­schluss von vor Gewalt, Ver­fol­gung, Krieg und Zer­stö­rung geflüch­te­ter Frau­en aus aller Welt — hat­te am ver­gan­ge­nen Sams­tag zu einer Demons­tra­ti­on auf­ge­ru­fen, weil es in den zurück­lie­gen­den Wochen zu zahl­rei­chen ras­sis­ti­schen Angrif­fen und rech­tem Ter­ror gekom­men war, die völ­kisch-natio­na­lis­ti­sche „Bür­ger­be­we­gung“ „Zukunft Hei­mat“ sich for­miert hat und — laut der jüngs­ten Wahl-Blitz­um­fra­ge — die rechts­po­pu­lis­ti­sche AfD auf fast 30 Pro­zent der Stim­men kom­men wür­de. In der Höh­le der Rech­ten waren die Pro­tes­tie­ren­den mit Anfein­dun­gen, einem ras­sis­ti­schen Angriff, einem Anschlag auf den Demons­tra­ti­ons­bus und einer taten­lo­sen Poli­zei kon­fron­tiert. Wir doku­men­tie­ren wütend und soli­da­risch die Pres­se­mit­tei­lung von „Women in Exi­le and Fri­ends“ und „Cott­bus Nazi­frei“ vom 12.03.2018:

Demonstration „Frauen gegen Rassismus und Ungerechtigkeit“, Zerstörung eines Omnibusses

+++ 250 Men­schen demons­trier­ten für mehr Gerech­tig­keit in Cott­bus

+++ Bus der Demons­trie­ren­den wur­de zer­stört

+++ Blu­men­topf-Angriff auf Demo bleibt von Poli­zei uner­wähnt

Der zer­stör­te Bus der Demons­trie­ren­den in Cott­bus: Außer­halb des demo­kra­ti­schen Sek­tors wütet der rech­te Mob Foto: Andre­as Rothe

 

Anläss­lich des Inter­na­tio­na­len Frau­en­ta­ges demons­trier­ten am Sams­tag, den 10. März, rund 250 Men­schen durch die Cott­bu­ser Innen­stadt. Das Netz­werk, wel­ches zur Demons­tra­ti­on auf­ge­ru­fen hat­te, mach­te in Rede­bei­trä­gen und Sprech­chö­ren deut­lich, dass Ras­sis­mus in Cott­bus und über­all ein Ende haben muss. Der bun­te Pro­test wur­de durch Über­grif­fe von Geg­nern der Demons­tra­ti­on über­schat­tet. In der Nacht von Sonn­tag auf Mon­tag wur­de der von der Orga­ni­sa­ti­on Women in Exi­le genutz­te Omni­bus auf dem Ober­kirch­platz in Cott­bus schwer beschä­digt.

Die Angrif­fe wäh­rend und nach der Demons­tra­ti­on von Frau­en und Geflüch­te­ten zei­gen erneut, wie hem­mungs­los in Cott­bus gegen Anders­den­ken­de vor­ge­gan­gen wird. Vor den Augen der Poli­zei und trotz erhöh­ter Poli­zei-Prä­senz in Cott­bus wur­de die Demons­tra­ti­on von zahl­rei­chen Vor­fäl­len über­schat­tet. „Für uns ist klar, dass die Zer­stö­rung des Bus­ses ein geziel­ter Angriff war. Genau die ras­sis­ti­schen und frau­en­feind­li­chen Zustän­de in Cott­bus, die von uns kri­ti­siert wur­den, haben sich hier wie­der ein­mal bestä­tigt. Wir las­sen uns davon aber nicht ein­schüch­tern und for­dern die Politiker*innen der Stadt auf, end­lich Posi­ti­on zu bezie­hen und ein­zu­grei­fen.“, so Eliza­beth Nga­ri von Women in Exi­le and Fri­ends. Sie fährt fort: „Die anti­ras­sis­ti­sche Arbeit im all­ge­mei­nen und ins­be­son­de­re für Frau­en ist und bleibt not­wen­dig!“

Die Demons­tra­ti­on führ­te von San­dow in die Cott­bu­ser Innen­stadt. Am Ble­chen Car­ree fand eine Zwi­schen­kund­ge­bung statt, bei der eine Demons­tran­tin noch ein­mal expli­zit über die Ras­sis­mu­ser­fah­run­gen berich­te­te, die sie täg­lich in Cott­bus machen muss: „Nicht einen Tag kann ich in Cott­bus unge­stört auf die Stra­ße gehen. Wenn ich mich in der Stra­ßen­bahn in mei­ner Mut­ter­spra­che unter­hal­te, for­dern mich frem­de Men­schen dazu auf, Deutsch zu spre­chen. Das erle­be nicht nur ich so. Vie­len ande­ren Frau­en in Cott­bus ergeht es ähn­lich.“

Auf der Rou­te zum Ort der Abschluss­kund­ge­bung wur­de die Demons­tra­ti­on in der Ber­li­ner Stra­ße von einem Mann mit Blu­men­töp­fen atta­ckiert. Nie­mand wur­de getrof­fen. Der Vor­fall wur­de der Poli­zei gemel­det und der Angrei­fer von Beam­ten gesich­tet. Den­noch schrieb die Poli­zei im Nach­gang, dass es wäh­rend der Ver­an­stal­tung kei­ne Vor­komm­nis­se gab.

Nur weni­ge Stun­den spä­ter wur­de der Begeg­nungs­bus, der dem Jugend­för­der­ver­ein Chan­ce e.V. gehört und mit dem eini­ge Demons­trie­ren­de nach Cott­bus gekom­men waren, beschä­digt. Der Bus konn­te wegen eines tech­ni­schen Defekts zunächst nicht wei­ter fah­ren und wur­de an der Ober­kir­che abge­stellt. Laut Aus­sa­gen eines Anwoh­ners wur­de der Aus­puff des Bus­ses bereits am Abend nach der Demons­tra­ti­on mit Bau­schaum ver­klebt. In der Nacht von Sonn­tag auf Mon­tag wur­den dann die Schei­ben ein­ge­schla­gen — ver­mut­lich durch min­des­tens zwei Per­so­nen.

Auch Chris­toph Berndt, Ver­eins­vor­sit­zen­der von „Zukunft Hei­mat“, zeig­te sich pro­vo­ka­tiv bei der Abschluss­kund­ge­bung auf dem Ober­kirch­platz. Nach­dem die Pro­tes­tie­ren­den laut­stark gefor­dert hat­ten, dass Berndt die Demons­tra­ti­on ver­las­sen sol­le, wur­de er von der Poli­zei des Ortes ver­wie­sen. Er beob­ach­te­te die­se von einem ent­fern­te­ren Punkt aus wei­ter. „Es zeigt sich, dass der Hass, der durch ‚Zukunft Hei­mat‘ und ande­re in die Stadt getra­gen wird, auch zu Gewalt wird. Was haben Men­schen gegen Frau­en, die vor Gewalt hier­her geflo­hen sind? War­um sol­len gera­de sie wie­der zu Opfern wer­den — im All­tag oder am Ran­de von Demons­tra­tio­nen? Wir wer­den die­se Frau­en wei­ter unter­stüt­zen, um sich zur Wehr zu set­zen gegen Gewalt und Unter­drü­ckung — hier und über­all!“, so Lui­se Mey­er von Cott­bus Nazi­frei.

Der bis­lang geschätz­te Scha­den am Bus beläuft sich auf meh­re­re Tau­send Euro. Um finan­zi­el­le Unter­stüt­zung wird gebe­ten.

 

 

Spen­den kön­nen auf fol­gen­des Kon­to über­wie­sen wer­den:

Opfer­per­spek­ti­ve e.V.

Bank für Sozi­al­wirt­schaft

IBAN: DE34100205000003813100

BIC: BFSWDE33BE

Betreff: Bus-Scha­den Cott­bus (bit­te unbe­dingt ange­ben)

 

 


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