Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus



Migration and the City. Ein israelisch-deutscher Workshop in Berlin.

Seit 2009 orga­ni­siert das Büro der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung in Tel Aviv den Aus­tausch zwi­schen Politiker_innen, poli­ti­schen und sozia­len Bewe­gun­gen und Aktivist_innen zu Her­aus­for­de­run­gen und Stra­te­gi­en lin­ker Metro­po­len­po­li­tik in israe­li­schen und deut­schen Städ­ten. Nach Work­shops in Tel Aviv und Ham­burg nutz­ten Stadtpolitiker_innen und Aktivist_innen aus Tel Aviv und Ber­lin vom 2. bis 4. Mai 2013 in Ber­lin den Work­shop «Migra­ti­on and the City» zum Erfah­rungs­aus­tausch und Dia­log.

Migra­ti­on ist vor allem Migra­ti­on in Städ­te – sie waren und sind Ziel von Migrant_innen, die als Flücht­lin­ge, auf der Suche nach Arbeits­plät­zen, als Stu­die­ren­de, Künstler_innen oder aus ande­ren Grün­den ihren Her­kunfts­ort ver­las­sen. Städ­te wie Tel Aviv oder Ber­lin sind daher nicht zuletzt auch Orte, in denen die Fol­gen staat­li­cher Ein­wan­de­rungs- und Flücht­lings­po­li­tik und des staat­li­chen Umgangs mit Migrant_innen sicht­bar und zum Gegen­stand loka­ler Aus­ein­an­der­set­zun­gen wer­den.

Foto: Katharina Weise (RLS)

Foto: Katha­ri­na Wei­se (RLS)

Der Work­shop star­te­te mit zwei Ein­füh­run­gen zur Ein­wan­de­rungs­ge­schich­te und Migra­ti­ons­po­li­tik in Nach­kriegs­deutsch­land (Koray Yıl­maz-Gün­ay) und Isra­el (Anat Ben Dor und Rotem Ilan). Wäh­rend die israe­li­sche Gesell­schaft mit dem «Law of Return» sehr stark von Zuwan­de­rung geprägt ist, exis­tiert jedoch für nicht­jü­di­sche Zuwan­de­rer kein Ein­wan­de­rungs­recht. Vor allem zwei Migrant_innengruppen, Arbeitsmigrant_innen und Flücht­lin­ge, leben daher in einer pre­kä­ren, oft­mals ille­ga­len Situa­ti­on in Isra­el. Die meist aus Asi­en stam­men­den Arbeitsmigrant_innen wer­den von Man­power-Unter­neh­men für fest­ge­leg­te Zeit­räu­me und Bran­chen ange­wor­ben, sind recht­lich aber kaum geschützt und kön­nen bspw. durch Job­ver­lust sehr schnell in die Ille­ga­li­tät gera­ten. Seit eini­gen Jah­ren steigt zudem die Zahl von Flücht­lin­gen aus afri­ka­ni­schen Staa­ten, vor allem aus Sudan und Eri­trea, die über Ägyp­ten nach Isra­el gelan­gen – eine Fol­ge der immer stär­ke­ren Abschot­tung der EU-Staa­ten gegen Flücht­lin­ge.

Gegen­stand der Debat­te waren aber nicht nur die Ein­wan­de­rungs- und Flücht­lings­po­li­ti­ken in bei­den Staa­ten, son­dern im zwei­ten Teil des Work­shops auch die Her­aus­for­de­run­gen, die sich damit für die Stadt­ent­wick­lung und Stadt­po­li­tik erge­ben. So infor­mier­te der Ber­li­ner Abge­ord­ne­te Hakan Taş über die Refu­gee-Pro­tes­te des letz­ten Jah­res sowie Klaus Lede­rer und Niklas Schra­der über den Rechts­sta­tus ver­schie­de­ner Migrant_innengruppen in Ber­lin. Tel Avi­ver Stadtpolitiker_innen von «City for All» berich­te­ten über die Kon­zen­tra­ti­on sozia­ler Pro­blem­la­gen im Süden Tel Avivs vor, einem Gebiet, in dem zahl­rei­che Arbeitsmigrant_innen und Flücht­lin­ge leben und arbei­ten. Deren Zuwan­de­rung in einen schon zuvor sozi­al benach­tei­lig­ten Stadt­teil hat in den letz­ten Jah­ren zu mas­si­ven Kon­flik­ten zwi­schen alt­ein­ge­ses­se­nen Bewohner_innen, Flücht­lin­gen und Arbeitsmigrant_innen geführt, die zudem von rech­ten poli­ti­schen Akteu­ren instru­men­ta­li­siert wer­den. Aktivist_innen und lin­ke Stadt­po­li­tik vor der Her­aus­for­de­rung, Ant­wor­ten auf die­se Kumu­la­ti­on sozia­ler Kon­flik­te zu fin­den und durch­zu­set­zen – wie Empower­ment und die Ent­wick­lung gesamt­städ­ti­scher Lösun­gen.

Im Anschluss an die Debat­ten im Work­shop fand am 4. Mai eine stadt­po­li­ti­sche Exkur­si­on durch Ber­lin-Kreuz­berg unter dem Titel «Migra­ti­on, sozia­le Kämp­fe und Auf­wer­tungs­druck» mit Dr. Tho­mas Bürk (Kri­ti­sche Geo­gra­phie Ber­lin) statt. High­lights der Exkur­si­on waren dabei Besu­che von und Gesprä­che mit Aktivist_innen der Mie­ter_in­nen-Ini Kot­ti & Co. sowie Aktivist_innen und Unterstützer_innen des Refu­gee Camp am Ora­ni­en­platz in Kreuz­berg. Gera­de die­se Gesprä­che dien­ten dem kon­kre­ten Erfah­rungs­aus­tausch zwi­schen Aktivist_innen in bei­den Städ­ten über ihre For­de­run­gen, Erfol­ge und Pro­ble­me und mög­li­che Ansatz­punk­te und Ide­en für lin­ke Stadt­po­li­tik. Alle Betei­lig­ten wol­len den Dia­log zwi­schen Stadtpolitiker_innen und stadt­po­li­ti­schen Initia­ti­ven in Isra­el und Deutsch­land fort­set­zen – viel­leicht 2014 wie­der in Tel Aviv!


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