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Frauen, Männer und Pegida

Anti-PegidaProtest in Dresden

99 Luft­bal­lons: Anti-Pegi­da-Pro­test in Dres­den am 28. Febru­ar 2015 Foto: Chris­ti­ne Buch­holz

Wenn wir uns mit der ras­sis­ti­schen und in Tei­len rechts­ex­tre­men Pegi­da aus einer Geschlech­ter­per­spek­ti­ve aus­ein­an­der­set­zen, uns fra­gen, was könn­te das mit «Frau­en» oder «Män­nern» zu tun haben, tre­ten fol­gen­de vier Aspek­te zu Tage:

Zum einen spielt in der Bericht­erstat­tung, bis auf weni­ge Aus­nah­men, die Kate­go­rie Geschlecht wie so häu­fig kei­ne Rol­le. (Anders  aus­ge­drückt, fra­gen sich ganz weni­ge, was die Tat­sa­che, dass sich in den unter­schied­li­chen «Gidas» so vie­le Män­ner sehr gern tum­meln, über deren Männ­lich­keit bzw. Männ­lich­keits­vor­stel­lun­gen aus­sagt.)

Im wei­te­ren wer­den die Frau­en, die hier «mit­spa­zie­ren» und sich enga­gie­ren unter­schätzt und ver­harm­lost, bzw. wer­den in gewohnt sexis­ti­scher Manier auf ihr Äuße­res redu­ziert: «Wie hoch waren die Absät­ze von Kath­rin Oer­tel bei ihrem Auf­tritt bei Gün­ter Jauch noch­mal? Und wie war das mit den Schmink­tipps? Dass sich Kath­rin Oer­tel (ehe­ma­li­ge Pres­se­spre­che­rin der Pegi­da) und auch ande­re Frau­en wie etwa Mela­nie Ditt­mer in NRW immer wie­der und für alle hör­bar (und nach­les­bar) offen ras­sis­tisch und rechts posi­tio­nie­ren, wird fahr­läs­sig igno­riert. Fahr­läs­sig inso­fern, als es ins­be­son­de­re Frau­en wie Kath­rin Oer­tel oder aber auch der Lan­des­vor­sit­zen­den der „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ (AfD) in Sach­sen, Frau­ke Petry, gelingt, men­schen­feind­li­che Ideo­lo­gi­en noch anschluss­fä­hi­ger zu gestal­ten. Und dass nicht zuletzt auf­grund ihrer bür­ger­li­chen, «harm­lo­sen» und «weib­li­chen» Insze­nie­rung: «Die tun nichts…». Hier lohnt ein Blick über den Tel­ler­rand nach Frank­reich!

Eine, wenn auf­grund der gerin­gen Fall­zah­len auch nicht unbe­dingt reprä­sen­ta­ti­ve, aber doch aktu­el­le Stu­die des Wis­sen­schafts­zen­trums Ber­lin vom Janu­ar 2015 sagt über die Betei­li­gung an Pegi­da in Dres­den aus, dass sich hier vie­le gut aus­ge­bil­de­te Män­ner über 50 betei­lig­ten. Dass es sich hier­bei um «deut­sche» wei­ße Män­ner han­delt, muss im Pegi­da-Zusam­men­hang nicht wei­ter erwähnt wer­den. Inter­es­sant an die­ser Wahr­neh­mung ist, dass sie sich deckt mit Beob­ach­tun­gen von Ver­an­stal­tun­gen rechts­po­pu­lis­ti­scher Par­tei­en wie der AfD oder der Par­tei „Frei­heit“. Auch hier kom­men vie­le gut aus­ge­bil­de­te deut­sche Män­ner über 50 zusam­men und der Ver­dacht drängt sich nicht nur mir auf, dass deren Ängs­te in ers­ter Linie mit dem mög­li­chen Ver­lust bis­he­ri­ger Pri­vi­le­gi­en zusam­men­hän­gen. Lan­ge Zeit konn­ten die Pri­vi­le­gi­en wei­ßer, deut­scher, gut aus­ge­bil­de­ter Hete­ro-Män­ner in unse­rer Gesell­schaft als selbst­ver­ständ­lich vor­aus­ge­setzt wer­den.

Als vier­ter Aspekt ist auf den pro­pa­gier­ten Anti­fe­mi­nis­mus der Pegi­da selbst hin­zu­wei­sen. So wird sich in deren 19-Punk­te-Posi­ti­ons­pa­pier unter Punkt 17 – «Gen­de­ris­mus» – gegen die­ses «wahn­wit­zi­ge Gen­der­main­strea­ming» aus­ge­spro­chen. Was damit gemeint sein könn­te, machen NPD und deren Frau­en­or­ga­ni­sa­ti­on RNF (Ring natio­na­ler Frau­en) vor, die im Feind­bild Gen­der­main­strea­ming eine Bedro­hung für die «deut­sche Volks­ge­mein­schaft» sehen.

Geschlecht oder Gen­der spielt also eine zen­tra­le Rol­le – in und für die Pegi­da. Es wird aller­höchs­te Zeit, sich auch damit kri­tisch aus­ein­an­der­zu­set­zen und sich zu fra­gen, was deren Geschlech­ter­po­li­ti­ken even­tu­ell mit unse­ren Vor­stel­lun­gen über «rich­ti­ge» oder «nor­ma­le» Män­ner und Frau­en zu tun haben. Das ist wich­tig, um die Pegi­da auch auf die­ser Ebe­ne als zutiefst anti­de­mo­kra­ti­sches Pro­jekt zu ent­lar­ven.

 

Dr. Esther Leh­nert ist Erzie­hungs­wis­sen­schaft­le­rin, Mit­ar­bei­te­rin der Fach­stel­le Gen­der und Rechts­ex­tre­mis­mus der Ama­deu Anto­nio Stif­tung und ab April 2015 Pro­fes­so­rin für Geschich­te und Theo­rie der Sozia­len Arbeit an der Ali­ce-Salo­mon-Hoch­schu­le Ber­lin


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