Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Nach 15 Jahren Besetzung: Räumung der „Casa Pound“ in Rom beschlossen

Objekt der Begier­de: Die „Casa Pound“ in der Via Napo­leo­ne III Nr. 8 Foto: Hei­ko Koch

Lan­ge hat es gedau­ert. 15 Jah­re nach der Beset­zung der „Casa Pound“ in der Via Napo­leo­ne III im Dezem­ber 2003 durch die neo­fa­schis­ti­sche Bewe­gung der „Casa­Po­und Ita­lia” hat sich der Stadt­rat von Rom ent­schlos­sen, eine Reso­lu­ti­on zur Räu­mung der Zen­tra­le der „Faschis­ten des 3. Jahr­tau­sends“ zu ver­ab­schie­den. Ende Janu­ar votier­ten drei­ßig Abge­ord­ne­te der Par­tei­en „Par­ti­to Demo­cra­ti­co“ und „Movimento5Stelle“ (Fünf-Ster­ne-Bewe­gung) für die Räu­mung in dem Stadt­teil Esque­lino. Vier Stim­men von der rechts­po­pu­lis­ti­schen „Lega“ und der (post-)faschistischen „Fratel­li d‚Italia“ wand­ten sich gegen die Reso­lu­ti­on.


Braune Wallfahrten nach Rom

Der III.Weg“ auf Besuch bei Casa­Po­und Ita­lia im Janu­ar 2019. Grup­pen­fo­to auf der Via Napo­leo­ne III, Nr. 8 (screen­shot)

Auch in die­sem Jahr fand im römi­schen Stadt­teil Tus­co­la­no der jähr­li­che Gedenk­marsch für die drei faschis­ti­schen Jugend­li­chen Fran­co Bigon­zet­ti, Fran­ces­co Cia­vat­ta und Ste­fa­no Rec­chio­ni in der Via Acca Laren­tia statt. Sie waren dort im Janu­ar 1978 erschos­sen wor­den. Und wie im ver­gan­ge­nen Jahr waren auch in die­sem Jahr vie­le ita­lie­ni­sche Faschist*innen aus unter­schied­li­chen Grup­pen erschie­nen, um den drei Toten den römi­schen Gruß und ein „Pre­sen­te!“  zu ent­bie­ten. Die Bedeu­tung des jähr­li­chen Toten­kults hat unter der Hege­mo­nie von „Casa­Po­und Ita­lia“ in den letz­ten 10 Jah­ren ste­tig zuge­nom­men und ist für die extre­me Rech­te Ita­li­ens immer wei­ter ins Zen­trum gerückt. Unter den zahl­rei­chen Dele­ga­tio­nen waren auch Mit­glie­der aus­län­di­scher Grup­pie­run­gen aus Kana­da, Grie­chen­land, Polen, Schwe­den, der Ukrai­ne usw. ange­reist. Auch eine illus­tre Mischung teu­to­ni­scher Rech­ter hat­te sich ein­ge­fun­den, um am his­to­ri­schen Sitz der faschis­ti­schen Par­tei Nach­kriegs-Ita­li­ens, des „Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no“ (MSI) den längst Ver­stor­be­nen einen letz­ten Gruß nach­zu­brül­len. Die Run­de der Deut­schen spann­te sich dabei von der neo­na­zis­ti­schen Kleinst­par­tei Der III. Weg, dem Lei­ter des völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Pro­jekts „Ein Pro­zent für unser Land“ und Chef des „Jun­g­eu­ro­pa Ver­lags“, Phil­ip Stein, eini­gen Anhän­gern der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung (IB) bis hin zu einem Autor, der für das Online-Por­tal „Phi­lo­so­phia Peren­nis“ des AfD-nahen Theo­lo­gen David Ber­ger über (neu-rech­te) Ereig­nis­se in Ita­li­en schreibt.


CasaPound auf Stippvisite in Paris

Themen : Allgemein, Europäischer Faschismus, Neue Rechte · (1) Kommentar · von 21. Dezember 2018

Die Grö­ße und die Stär­ke der Bewe­gung der „Gilets Jau­nes“ (Gelb­wes­ten), die trotz ihrer Kom­ple­xi­tät und Viel­fäl­tig­keit ein gemein­sa­mes Ziel — das Stre­ben nach sozia­ler Gerech­tig­keit — auf­weist und seit gut einem Monat Frank­reich in Atem hält, hat bei den unter­schied­li­chen Grup­pen, Orga­ni­sa­tio­nen und Par­tei­en — links wie rechts — Begehr­lich­kei­ten aus­ge­löst.

So nah­men neben Mit­glie­dern der rechts­ra­di­ka­len „Ras­sem­ble­ment Natio­nal“ (bis Juni 2018 „Front Natio­nal“) auch (Splitter-)Gruppen der fran­zö­si­schen Rech­ten wie „Bas­ti­on Soci­al“, „Action Françai­se“, „Civi­tas“, „Dis­se­dence Françai­se“, „Par­ti Natio­na­lis­te Français“, „Divi­si­on Natio­na­lis­te Révo­lu­ti­onn­aire“ und „Les Iden­ti­taires“ an den unter­schied­li­chen Demons­tra­tio­nen der „Gilets Jau­nes“ teil. Ihre Prä­senz bei den Pro­tes­ten stieß wie­der­um auf den Wider­stand von Tei­len der „Gilets Jau­nes“ und anwe­sen­der anti­fa­schis­ti­scher Lin­ker. Eini­ge Kon­fron­ta­tio­nen ende­ten mit­un­ter in hand­fes­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen.


Stadtteil-Antifa „Quarticciolo Ribelle“: „Wir schaffen es nur in der Tragödie zusammenzuhalten“

Themen : Allgemein, Antifa, Antira, Europäischer Faschismus · 0 Kommentare · von 8. November 2018

Pale­s­tra Popola­re Quar­tic­cio­lo

Wir befin­den uns zur Zeit an einem kri­ti­schen Punkt – einem ent­schei­den­den Moment. ‚Casa­Po­und Ita­lia‘ ver­fügt über eine sehr gro­ße Bewe­gung. Aber wir kön­nen sie stop­pen, wenn wir es schaf­fen mit ande­ren Genoss*innen koor­di­niert zusam­men zu arbei­ten. Wenn wir aber war­ten, wer­den sie wei­ter wach­sen und es wird sehr schwer für uns wer­den.“ So Pie­tro, ein Mit­glied des anti­fa­schis­ti­schen Kol­lek­tivs „Quar­tic­cio­lo Ribel­le“ aus Rom.
Am 25. Sep­tem­ber die­sen Jah­res traf sich antifra*-Korrespondent Hei­ko Koch mit Pie­tro und Mar­co in dem von ihrem Kol­lek­tiv besetz­ten Haus an der Piaz­za Quar­tic­cio­lo in Rom. Er befrag­te sie zu der poli­ti­schen Situa­ti­on in Ita­li­en, sowie zu der Stadt­teil­ar­beit ihre Kol­lek­tivs. Im Anschluss an das Inter­view zeig­ten sie mir den von ihnen betrie­be­nen „Pale­s­tra Popola­re Quar­tic­cio­lo“, der sich unweit des Piaz­za in der Via Ost­u­ni 4 befin­det und wo gera­de ein Box­trai­ning für Teen­ager statt­fand.


Interview mit Renato Biagettis Mutter Stefania Zuccari: „Der Faschismus war nie weg“

Graf­fi­to für Rena­to Bia­get­ti in Rom

Unser Ita­li­en-Kor­re­spon­dent Hei­ko Koch inter­view­te am 26. Sep­tem­ber 2018 in Rom Ste­fa­nia Zuc­ca­ri, die Mut­ter von Rena­to Bia­get­ti. Rena­to Bia­get­ti wur­de im August 2006 in Foce­ne, einem Vor­ort von Rom, von einem Faschis­ten ermor­det. Ste­fa­nia Zuc­ca­ri grün­de­te dar­auf mit ande­ren Frau­en das „Comi­ta­to Madri per Roma Città Aperta“ [„Komi­tee der Müt­ter für Rom Offe­ne Stadt“] und enga­giert sich seit­dem grenz­über­grei­fend gegen Poli­zei­ge­walt und Faschis­mus und für sozia­le Gerech­tig­keit. Ste­fa­nia Zuc­ca­ri: „Wenn ich in mei­nem Kopf nur den­je­ni­gen sehen wür­de, der Rena­to getö­tet hat, dann wäre ich in mei­nem Kopf ste­hen geblie­ben. Mein Geist muss­te sich öff­nen und dazu brauchst du Lie­be.“


Fünfter Jahrestag des Mordes an Clément Meric: Ein Interview mit seinen Eltern

Themen : Allgemein, Gedenkpolitiken, Neonazismus · 0 Kommentare · von 19. Juni 2018

Der 18-jäh­ri­ge Anti­fa­schist Clé­ment Méric wur­de am 5. Juni 2013 mit­ten in Paris – im 9. Arron­dis­se­ment – von einem rechts­ra­di­ka­len Skin­head erschla­gen. In einem Beklei­dungs­ge­schäft in der Rue Caum­ar­tin tra­fen an die­sem Nach­mit­tag eine Grup­pe jun­ger Antifaschist*innen und eine etwa gleich­gro­ße Grup­pe Nazis­kin­heads auf­ein­an­der. Es ent­spann sich ein ver­ba­ler Streit. Die Rech­ten benach­rich­tig­ten ihre Kame­ra­den. Als ihre Ver­stär­kung ein­traf, kam es vor dem Geschäft zu einer Schlä­ge­rei. Der Nazi Este­ban Moril­lo schlug dabei so hart mit einem Schlag­ring zu, dass der schmäch­ti­ge Clé­ment Méric mas­si­ve Gehirn­ver­let­zun­gen erlitt. Zusätz­lich fiel Clé­ment bei dem ein­tre­ten­den Sturz mit dem Kopf auf einen Metall­pol­ler. Clé­ment kam nicht mehr zu Bewusst­sein und ver­starb im Kran­ken­haus.


Tödliche rassistische Eskalation in Italien: Morde und Angriffe vor und nach den Wahlen

Der sene­ga­le­si­sche Stra­ßen­ver­käu­fer Idris­sa Diè­ne, der am 5. März in Flo­renz ermor­det wur­de. Bild: screen­shot

Ras­sis­ti­scher Mord auf offe­ner Stra­ße mit­ten in Flo­renz: Am 5. März 2018, einen Tag nach den ita­lie­ni­schen Par­la­ments­wah­len Wah­len, hat in der Innen­stadt von Flo­renz der 65-jäh­ri­ge Rober­to Pir­ro­ne den 54-jäh­ri­gen Sene­ga­le­sen Idris­sa Diè­ne mit meh­re­ren Schüs­sen auf der Brü­cke Pon­te Ame­ri­go Vespuc­ci erschos­sen. Nach der Tat wur­de Rober­to Pir­ro­ne ver­haf­tet. Dabei soll er ange­ge­ben haben, dass er sich mit sei­ner Ber­ret­ta eigent­lich selbst das Leben habe neh­men zu wol­len. Doch dann habe er nicht den Mut gehabt und sich ent­schie­den, den Rest sei­nes Lebens im Gefäng­nis zu ver­brin­gen. Mit die­sem Vor­satz will er auf der Pon­te Vespuc­ci den Regen­schirm­ver­käu­fer Idris­sa Die­ne erschos­sen haben.


CasaPound Italia“ organisiert eine faschistische Konferenz in London

Themen : Allgemein, Europäischer Faschismus, Neonazismus · 0 Kommentare · von 19. Februar 2018

Screen­shot von einer Ankün­di­gung der „Vor­tex Londinium“-Facebook-Site

Für den kom­men­den März hat die Lon­do­ner „Casa­Po­und“ Sek­ti­on „The Vor­tex Lon­di­ni­um“ eine Kon­fe­renz für eine „Inter­na­tio­na­le Nera“ (d: „Schwar­ze Inter­na­tio­na­le“) — in der Stadt an der Them­se ange­kün­digt. Der Lon­do­ner Able­ger der „Casa­Po­und“ ist offi­zi­ell noch kei­nen Monat alt, da ver­kün­det die Sek­ti­on, dass sie am Frei­tag den 9. März eine Kon­fe­renz mit Ver­tre­tern meh­re­rer „iden­ti­ty move­ments“ (d: „iden­ti­tä­ren Bewe­gun­gen“) im Zen­trum Lon­dons orga­ni­sie­ren will. Gemeint sind mit den „iden­ti­ty move­ments“ „Casa­Po­und“ aus Ita­li­en, „Hogar Soci­al“ aus Spa­ni­en, „Bas­ti­on Soci­al“ aus Frank­reich und die „Gol­de­ne Mor­gen­rö­te“ aus Grie­chen­land. Wäh­rend man die Namen der grie­chi­schen Dele­gier­ten noch nicht nennt, gibt man für die „Bas­ti­on Soci­al“ den Namen ihres Prä­si­den­ten Ste­ven Bis­su­el, für die natio­nal-revo­lu­tio­nä­re spa­ni­sche Bewe­gung „Hogar Soci­al“ den Namen ihrer Che­fin Meli­sa Domi­ni­guez Ruiz und für „Casa­Po­und“ Ita­lia den Namen des Vize-Prä­si­den­ten von „Soli­da­rité Iden­tités“ Alber­to Pal­la­di­no an. Für die Lon­do­ner „Casa­Po­und“ Sek­ti­on „The Vor­tex Lon­di­ni­um“ wol­len Davi­de Olla and Fran­ces­co Sus­in­no spre­chen.


Bastion Social – eine französische Bewegung à la CasaPound

Die faschis­ti­sche Bewe­gungs­par­tei „Casa­Po­und Ita­lia“ fin­det euro­pa­weit Nach­ah­mer. Zur Zeit ist es die natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Sam­mel­be­we­gung „Bas­ti­on Soci­al“, die in Frank­reich von sich Reden macht.

für Car­lo und Nel­lo Ros­sel­li

In den letz­ten Wochen hat eine neue extrem rech­te Bewe­gung mit den Namen „Bas­ti­on Soci­al“ in Stras­bourg, Lyon und Cham­bé­ry drei Sit­ze eröff­net. Die Eröff­nung eines wei­te­ren Stütz­punkts wur­de für den 10. Febru­ar in Aix-en-Pro­vence ange­kün­digt. Trei­ben­de Kraft der Bewe­gung ist die extrem rech­te Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­ti­on „Grou­pe Uni­on Défen­se“ (GUD). Mit der „Bas­ti­on Soci­al“, die das ers­te Mal im Mai 2017 mit einer Haus­be­set­zung in Lyon von sich reden mach­te, ist eine Samm­lungs­be­we­gung ent­stan­den, die sich bemüht in dem außer­par­la­men­ta­ri­schen Bereich der extre­men Rech­ten unter­schied­li­che Grup­pen zusam­men­zu­füh­ren, zu ver­ein­heit­li­chen und eine natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung nach dem Vor­bild der „Casa­Po­und Ita­lia“ in Frank­reich zu kre­ieren.


CasaPound Italia“ on the rise: „Faschisten des Dritten Jahrtausends“ marschieren mit 5.000 Leuten durch Rom

Geball­te Ladung ita­lie­ni­scher Faschos beim „römi­schen Gruß“ zum Geden­ken an „gefal­le­ne Kame­ra­den“ Anfang Janu­ar in Rom : Gru­sel-Screen­shot auf You­tube

Rund 5.000 Mit­glie­der und Anhänger_innen der faschis­ti­schen Par­tei „Casa­Po­und Ita­lia“ zogen am Sonn­tag, 7. Janu­ar 2018, in einem Gedenk­marsch von der Piaz­za San Gio­van­ni zur Via Acca Laren­tia. Anlass des Gedenk­mar­sches durch den römi­schen Stadt­teil Tus­co­la­no war der Jah­res­tag eines Atten­tats aus den 1970er Jah­ren, aus den „Anni di Piom­bo“ — der „blei­er­nen Zeit“ — wie man auch in Ita­li­en die Zeit der poli­tisch sehr gewalt­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den ver­schie­de­nen poli­ti­schen Lagern der 1970er nennt. Bei dem Atten­tat han­del­te es sich um den Mord an zwei bzw. drei rech­ten Jugend­li­chen vor dem Sitz der faschis­ti­schen Par­tei „Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no“ (MSI) in der Via Acca Laren­tia am 7. Janu­ar 1978.