Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Laizismus in der Türkei

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

Die heu­ti­ge Tür­ki­sche Repu­blik stellt eine Gesell­schaft dar, die sich in einer stän­di­gen Kri­se befin­det. Sie ist eth­nisch tür­kisch und im Sin­ne der Reli­gio­si­tät eine sun­ni­ti­sche, anti­de­mo­kra­ti­sche Struk­tur. Es zeigt sich ein pro­ble­ma­ti­sches Bild, weil die repu­bli­ka­ni­sche Gesell­schaft Gerech­tig­keit, Gleich­be­rech­ti­gung der unter­schied­li­chen eth­ni­schen und reli­giö­sen Grup­pen, Mei­nungs­frei­heit, Pres­se und Ver­samm­lungs­recht ver­mis­sen lässt.

Kön­nen Sie sich vor­stel­len, dass das öffent­li­che Leben  nach sun­ni­ti­schen Nor­men geän­dert, dass wäh­rend des Fas­ten­mo­nats das Mit­tags­es­sen im öffent­li­chen Dienst gestri­chen, dass der sun­ni­ti­sche Reli­gons­un­ter­richt zum obli­ga­to­ri­schen Schul­fach wird oder dass im Namen der Pfle­ge der «tür­ki­schen Kul­tur», Ima­mIn­nen ins Aus­land geschickt und Moscheen aus Steu­er­gel­dern finan­ziert wer­den? All dies pas­siert in einem Land, in des­sen Ver­fas­sung der «Lai­zis­mus» eine der wich­tigs­ten Nor­men darstellt.


«Der normale Österreicher denkt sich bei diesem Gesetz nämlich nicht, dass es regeln soll, wie man hier einen Glauben praktiziert, …»

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

«.…son­dern dass es regu­lie­ren soll, wie sich Aus­län­der hier zu beneh­men hät­ten

Ser­dar Somun­cu, sei­nes Zei­chens Come­di­an mit grenz­über­schrei­ten­dem Humor, bringt die Kri­tik an der Ände­rung des Islam­ge­set­zes deut­li­cher auf den Punkt als die isla­mi­sche Glau­bens­ge­mein­schaft. In Öster­reich ist der Islam seit 1912 eine aner­kann­te Reli­gi­ons­ge­mein­schaft. Nach­dem die Habs­bur­ger 1908 Bos­ni­en annek­tiert hat­ten, wur­de eine gro­ße mus­li­mi­sche Min­der­heit Teil des Habs­bur­ger­rei­ches und ‑hee­res. Die Isla­mi­sche Glau­bens­ge­mein­schaft ist lan­ge die offi­zi­el­le und ein­zi­ge Ver­tre­tung der mus­li­mi­schen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten in Öster­reich gewe­sen. Erst seit 2013 kann die Isla­misch Ale­vi­ti­sche Glau­bens­ge­mein­schaft nach einem ent­spre­chen­den Ver­fas­sungs­ge­richts­hof­ur­teil den Allein­ver­tre­tungs­an­spruch der IGGiÖ in Fra­ge stellen.


«The way out for Muslim societies implies neither a wholesale rejection of Western notions, ideals, and achievements, nor the dogmatic application of an outdated understanding of Islamic principles and values.»

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

Inter­view with the Leba­ne­se scho­l­ar Karim Sadek on Islam, Demo­cra­cy and the Tuni­sian thin­ker and co-foun­der of the Isla­mic Ennah­da par­ty, Rachid Ghannouchi.

One of the main cri­ti­ques of Islam often brought for­ward is that Islam is not com­pa­ti­ble with demo­cra­cy. What is your opinion?

Let me first say that even if we accept, for the sake of the argu­ment, that the claim of the cri­tic is cor­rect, we should ask why is it a cri­tique of Islam if it is not com­pa­ti­ble with Democracy.


«Der Ausweg für die muslimischen Gesellschaften führt weder über eine pauschale Verurteilung westlicher Vorstellungen, Ideale und Errungenschaften noch über die dogmatische Umsetzung einer überholten Auffassung islamischer Grundsätze und Werte.»

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

Ein Inter­view mit dem liba­ne­si­schen Wis­sen­schaft­ler Karim Sadek über den Islam, die Demo­kra­tie und den tune­si­schen Den­ker und Mit­be­grün­der der isla­mi­schen Par­tei Ennah­da, Rachid al-Ghannouchi.

Einer der Haupt­kri­tik­punk­te am Islam ist die Behaup­tung, Islam und Demo­kra­tie sei­en nicht mit­ein­an­der ver­ein­bar. Wie ste­hen Sie hierzu?

Erlau­ben Sie mir zunächst fol­gen­de Bemer­kung: Selbst wenn wir der Dis­kus­si­on zulie­be annäh­men, dass die­se Behaup­tung zutrifft, soll­ten wir uns fra­gen, war­um es denn eine Kri­tik am Islam dar­stel­len wür­de, wenn sich die­ser als inkom­pa­ti­bel mit der Demo­kra­tie erweist? 


Religion als Diskriminierungsmerkmal

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

In Deutsch­land spielt Reli­gi­on eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le, so die weit ver­brei­te­te Annah­me in huma­nis­tisch-lin­ken Krei­sen. Dass Reli­gi­on einen gefühlt gerin­gen Stel­len­wert in der Öffent­lich­keit und im All­tag ein­nimmt, hängt mit der Säku­la­ri­sie­rung zusam­men, der his­to­risch gewach­se­nen Tren­nung von Kir­che und Staat. Der Ein­tritt in die Moder­ne, so Max Weber 1920 in «Die pro­tes­tan­ti­sche Ethik und der Geist des Kapi­ta­lis­mus», sei mit einer unwei­ger­li­chen Ent­zau­be­rung der Welt ver­bun­den. Wo Ver­nunft regiert, da sei kein Platz für Reli­gi­on. In die­sem Sinn beruht die Säku­la­ri­sie­rungs­theo­rie auf der Annah­me, Reli­gi­on dür­fe im öffent­li­chen Leben kei­ne Rol­le spie­len, son­dern sei Privatsache.


Laizität, oder: wie sag ich’s meinen deutschen Genoss_innen?

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von und 10. Dezember 2015

Nicht erst seit den Anschlä­gen auf die Redak­ti­on von Char­lie Heb­do und auf einen kosche­ren Super­markt, und seit alle Char­lie sind, bli­cken deut­sche Lin­ke häu­fig mit sehn­süch­ti­gen Augen nach Frank­reich, wo sie die offi­zi­el­le Tren­nung von Staat und Kir­che benei­den, die sie sich für Deutsch­land her­bei­seh­nen. Lai­zi­tät, oder Säku­la­ris­mus nach fran­zö­si­scher Art, hat eine lan­ge und kom­pli­zier­te Geschich­te, genau­so wie die vie­len ande­ren For­men der Seku­la­ri­tät, die im glo­ba­len Nord­wes­ten ent­wi­ckelt und teil­wei­se im „Rest“ der Welt umge­setzt wur­den. Die fran­zö­si­sche Repu­blik wird oft als die idea­le und defi­ni­ti­ve Tren­nung von Poli­tik und Reli­gi­on dar­ge­stellt, da sie kei­ne staat­li­chen Sub­ven­tio­nen für Reli­gi­on vor­sieht. Die­se radi­ka­le Tren­nung soll die Reli­gi­ons­frei­heit garan­tie­ren, sowie für Indi­vi­dua­li­sie­rung und Pri­va­ti­sie­rung der Reli­gi­on sor­gen. Für die deut­sche Lin­ke, die täg­lich mit der soge­nann­ten „hin­ken­den Tren­nung“ des deut­schen Säku­la­ris­mus in Form von Kir­chen­steu­ern, Reli­gi­ons­un­ter­richt an staat­li­chen Schu­len oder mit Kreu­zen in den Gericht­saa­len Bay­erns kon­fron­tiert ist, klingt es ver­lo­ckend, eine genui­ne Befrei­ung der Poli­tik von der Reli­gi­on wie in Frank­reich zu schaf­fen. Der deut­sche Staat ist – auch wenn es kei­ne offi­zi­el­le Staats­re­li­gi­on gibt – christ­lich, und macht auch kei­nen gro­ßen Hehl draus.


Der Kampf um eine säkulare demokratische Gesellschaft scheint in Palästina fast verloren – alternative Räume sichern!

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

Seit den spä­ten 1980er Jah­ren und vor allem ver­knüpft mit der Grün­dung der isla­misch argu­men­tie­ren­den Orga­ni­sa­ti­on Hamas im Kon­text der ers­ten Inti­fa­da, dem paläs­ti­nen­si­schen Auf­stand gegen die israe­li­sche Besat­zung, hat sich der poli­ti­sche Islam in den Paläs­ti­nen­si­schen Gebie­ten eta­bliert. Obwohl die paläs­ti­nen­si­sche Gesell­schaft ohne­hin stark von patri­ar­chal-reli­giö­sen Struk­tu­ren und Tra­di­tio­nen geprägt ist, haben sich reli­giö­se Bezug­nah­me und Argu­men­ta­ti­on seit­dem als zen­tra­le Cha­rak­te­ris­ti­ka von Poli­tik und Gesell­schaft kon­so­li­die­ren kön­nen, und die Ten­denz ist stei­gend. Beson­ders auto­ri­tär zeigt sich der poli­ti­sche Islam im Gaza­strei­fen, der seit 2007 von der Hamas regiert wird. Isra­el reagier­te auf die Regie­rungs­über­nah­me der Hamas mit einer Blo­cka­de­po­li­tik, die bis heu­te anhält und die jeg­li­che Bewe­gung von Men­schen und Waren nach Gaza hin­ein und von dort hin­aus einem kom­ple­xen Restrik­ti­ons­re­gime unter­wirft. Die Abrie­ge­lung des Gaza­strei­fens, seit dem Jahr 2013 auch von ägyp­ti­scher Sei­te, hat kata­stro­pha­le Fol­gen für das Leben der Men­schen vor Ort: ein hohes Maß an Arbeits­lo­sig­keit und Armut, ein ein­ge­schränk­ter Zugang zu Trink­was­ser und Strom, gro­ße Hoff­nungs­lo­sig­keit und Ver­zweif­lung ange­sichts feh­len­der Lebens- und Ent­wick­lungs­op­tio­nen sowie der andau­ern­den Bedro­hung durch mili­tä­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Die Bevöl­ke­rung des Gaza­strei­fens befin­det sich nicht nur in einem per­ma­nen­ten huma­ni­tä­ren Aus­nah­me­zu­stand, sie ist dar­über­hin­aus auch der Poli­tik der Hamas förm­lich ausgeliefert.