Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Die schiefe Debatte: Verbot der Grauen Wölfe

Kein Fuß­breit den Faschist*innen der Grau­en Wöl­fe — ob in der Tür­kei oder hier oder sonst­wo (Screen­shot eines Anti-Graue-Wölfe-Stickers)

Wer die jüngs­ten Dis­kus­sio­nen seit Herbst 2020 und ins­be­son­de­re die Bun­des­tags-Debat­te am 18. Novem­ber 2020 ver­folgt hat, wur­de den Ein­druck nicht los, dass die euro­päi­schen Regie­run­gen tür­ki­schen Neo­fa­schis­ten (Aslan/Bozay, 2012, Çakır 2000, Ram­mes­tor­fer 2018, Hoffmann/Opperskalski/Solmaz 1981) den Krieg erklärt hät­ten. Es schien ein neu­er Wind in Euro­pa zu wehen – der Wind eines regie­rungs­amt­lich ver­ord­ne­ten Antifaschismus.


Tag 2 am OLG Dresden: Opferperspektive

Töd­li­cher Mes­ser­an­griff: Hin­ter den Mau­ern der JVA tagt der Staats­schutz­se­nat des OLG Dres­den Foto: rnaf

Schon am zwei­ten Pro­zess­tag haben sich die Rei­hen der Medi­en deut­lich gelich­tet im Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Dres­den. An die­sem 16. April sind kei­ne Kame­ra­teams mehr vor Ort und die tages­ak­tu­el­le Pres­se berich­tet nur von einer, wenn­gleich ent­schei­den­den, Zeu­gen­ver­neh­mung vor dem Staats­schutz­se­nat des OLG: Die Befra­gung des über­le­ben­den Opfers des Anschlags, Oli­ver L., der aus psy­chi­schen Grün­den per Video­schal­te aus Köln im Gerichts­saal ist. 


OLG Dresden: Prozess wegen tödlicher Messerattacke

JWD: Gerichts­ge­bäu­de mit Kna­st­an­schluss am Ran­de Dresdens

Erstaun­lich wenig wird über den Ter­ror­pro­zess geschrie­ben und dis­ku­tiert, der Mit­te April vor dem Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Dres­den begon­nen hat. Ange­klagt ist der mut­maß­li­che Isla­mist Abdul­lah Al‑H.. Der damals 20-Jäh­ri­ge soll am 4. Okto­ber ver­gan­ge­nen Jah­res zwei Män­ner mit Mes­sern ange­grif­fen haben. Einer der Ange­grif­fe­nen erlag auf dem Weg zum Kran­ken­haus sei­nen Ver­let­zun­gen, der ande­re über­leb­te nur knapp. Als Motiv steht neben einer all­ge­mei­nen isla­mis­ti­schen Ideo­lo­gie des Ange­klag­ten auch Schwu­len­feind­lich­keit im Raum.


Prozessbeobachtung zum tödlichen Dresdner Messerattentat

Hin­ter den Mau­ern der Jus­tiz: Mord­pro­zess in Dres­den — JVA und OLG in einem Komplex

Mit­ten in der his­to­ri­schen Dresd­ner Innen­stadt  ereig­ne­te sich vor sie­ben Mona­ten ein fürch­ter­li­ches Ver­bre­chen aus hom­ofeind­li­chen Moti­ven. Ein Mann fiel einer Mes­ser­at­ta­cke eines Fana­ti­kers zum Opfer, sein Lebens­ge­fähr­te wur­de vom Angrei­fer lebens­ge­fähr­lich ver­letzt. Für die Rosa-Luxem­burg-Stif­tung hat eine Moni­to­ring-Grup­pe die Pro­zess­be­ob­ach­tung übernommen. 


Rechte Staatsdiener*innen: Von Amts wegen Einzelfälle

Ver­stri­ckun­gen trans­pa­rent machen und unhalt­ba­re Nar­ra­ti­ve her­aus­for­dern: Gedenk­de­mo am 20. Febru­ar 2021 in Neu­kölln zum Jah­res­tag des ras­sis­ti­schen Mord­an­schlags in Hanau

Nur weni­ge Mona­te nach der Auf­de­ckung des NSU, im Febru­ar 2012 beschimpf­ten in der Klein­stadt Mücheln (Sach­sen-Anhalt) drei Neo­na­zis ein Imbiss betrei­ben­des Ehe­paar in deren Restau­rant ras­sis­tisch, wäh­rend die zwölf­jäh­ri­ge Toch­ter der bei­den sich in einem Lager­raum ver­steck­te. Die Täter droh­ten damit: soll­te der Gast­wirt den Imbiss nicht bis zu „Füh­rers Geburts­tag“ geschlos­sen haben, wür­de er als wei­te­res Opfer (im Kon­text der Mord­op­fer des NSU in der Pres­se ste­hen. Dann brach­ten sie den Mann zu Boden und schlu­gen und tra­ten auf ihn ein.


Nazis beim Sex: der Film „Kriegerin“

Themen : Allgemein, Neonazismus, Rechter Terror · 0 Kommentare · von 26. Februar 2021

Nö, ne, muss nicht sein: Nazis beim Sex (Screen­shot aus dem Film)

Eine Stim­me, die beglei­tet von sanf­tem Wel­len­rau­schen über die Bedeu­tung von Demo­kra­tie phi­lo­so­phiert, blu­ti­ge Gewalt von Nazis und roher Sex. Der Film „Krie­ge­rin“ lie­fert schon in den ers­ten fünf Minu­ten alles, was einen Hol­ly­wood­strei­fen so rich­tig erfolg­reich macht. Der rasan­te Ein­stieg ist der Auf­takt für 100 Minu­ten Schock­ein­blick in die ost­deut­sche Neo­na­zi­sze­ne. Es sind Bil­der die Gän­se­haut ver­ur­sa­chen, aber ob der holp­ri­gen Sto­ry­line auch ein wenig pla­ka­tiv wir­ken. Und am Ende bleibt vor allem die Fra­ge: Was soll ich dar­aus mitnehmen? 


Schwarz aber blass: Leroy, der Film

Themen : Neonazismus, Rassismus, Rechter Terror · 0 Kommentare · von 23. Februar 2021

Leroy zum ers­ten Mal bei Evas Fami­lie: Screen­shot im brau­nen Heim

Leroy, die titel­ge­ben­de Haupt­fi­gur des Films, ist 17 Jah­re alt, schwarz, gebür­ti­ger Deut­scher und hat einen coo­len Afro. Auf die wohl plat­tes­te Wei­se (sie sto­ßen „aus Ver­se­hen“ auf der Stra­ße zusam­men) kommt er mit der hüb­schen Eva zusam­men. Das Pro­blem: Evas Fami­lie besteht aus den übels­ten Nazis, die natür­lich nicht unbe­dingt begeis­tert von dem neu­en Freund ihrer Schwes­ter sind. Soviel zum Plot. 


High Court Pretoria: Keine Entlassung von Chris Hanis Mörder

Geden­ken für Chris Hani Foto: South Afri­can Histo­ry Archi­ves (SAHA)

In der Pha­se des Über­gan­ges von der Apart­heid in die Post-Apart­heid-Ära nah­men gewalt­tä­ti­ge rech­te Aktio­nen in Süd­afri­ka zu. Bekann­tes Bei­spiel ist die Ermor­dung von Chris Hani, Gene­ral­se­kre­tär der Süd­afri­ka­ni­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei (SACP) und Stabs­chef des Umkhon­to weSiz­we, dem bewaff­ne­ten Arm des Afri­ka­ni­schen Natio­nal­kon­gres­ses (ANC). Am 10. April 1993 erschoss Janusz Waluś, ein 1986 in Süd­afri­ka ein­ge­bür­ger­ter Pole, Hani vor sei­nem Wohn­haus in Boks­burg. Mit­ten in der grund­stür­zen­den Über­gangs­pha­se zu einem demo­kra­ti­schen Süd­afri­ka war es der Mord an Hani, der das Land an den Rand eines Bür­ger­kriegs brach­te. Nur eine Fern­seh­an­spra­che des nach­ma­li­gen Prä­si­den­ten Nel­son Man­de­la und die rela­tiv schnel­le Auf­klä­rung des Mor­des konn­ten die auf­ge­heiz­ten Gemü­ter nach dem Mord an dem popu­lä­ren Poli­ti­ker beruhigen.


Mit Nazis reden: „Die Arier“

Mo Asumang im Gespräch mit der Auschwitz­über­le­ben­den Esther Bejarano.

Mo Asumang wur­de 1963 in Kas­sel als Toch­ter einer Deut­schen und eines Gha­na­ers gebo­ren. Sie wuchs bei ihrer Groß­mutter müt­ter­li­cher­seits auf und fin­det spä­ter her­aus, dass die­se im Krieg als Schrei­be­rin bei der Waf­fen-SS tätig war. Damit beginnt die Erzäh­lung, die Asumang 2014 als per­sön­li­che Rea­li­tät und eine Art auto-eth­no­gra­phi­schen Doku­men­tar­film auf die Lein­wand bringt. Es ist ihre eige­ne Rei­se, eine sym­bol­trun­ke­ne, die letzt­end­lich mehr Fra­gen beant­wor­tet als sie sich zu Anfang stellt: Was sind Ari­er und wo fin­det man sie? 


Postwende-Nazis im Film: „Wir sind jung. Wir sind stark“

Themen : Neonazismus, Rassismus, Rechter Terror · (1) Kommentar · von 8. Februar 2021

Das bren­nen­de Son­nen­blu­men­haus in Ros­tock-Lich­ten­ha­gen 1992: Screen­shot aus „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Das Dra­ma „Wir sind jung. Wir sind stark.“ (Regie: Bur­han Qur­ba­ni) beleuch­tet vor allem aus Sicht einer jugend­li­chen Cli­que die pogrom­ar­ti­gen Aus­schrei­tun­gen in Ros­tock-Lich­ten­ha­gen. Der stark besetz­te deut­sche Spiel­film beschränkt sich dabei auf die Dar­stel­lung eines ein­zi­gen Tages, des 24. August 1992, des­sen Ereig­nis­se rela­tiv rea­li­täts­ge­treu (aber mit fik­ti­ven Per­so­nen) wie­der­ge­ge­ben werden.