Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Ermächtigungsgesetz“: Covidioten im Regen

Themen : Populismus & Grauzonen · 0 Kommentare · von 29. November 2020

Nie­der­schlag vor dem Reichs­tag: Demo gegen die „Mer­kel-Dik­ta­tur“ am 18. Novem­ber Foto: N. Lehmann

Die Bun­des­re­gie­rung will ein neu­es Ermäch­ti­gungs­ge­setz ver­ab­schie­den, mit weit­rei­chen­den Fol­gen und Ein­schrän­kun­gen von demo­kra­ti­schen Frei­heits­rech­ten und Men­schen­rech­ten!“ Dar­auf fol­gen noch ein paar Fak­ten, die das Geschrie­be­ne bewei­sen sol­len, und ein wir­rer Ver­gleich mit den Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen 1989. So und ähn­lich, teil­wei­se sogar mit Auf­for­de­rung zu Bewaff­nung, wird vor allem im Inter­net für die Coro­na-Demons­tra­ti­on am 18. Novem­ber in Ber­lin geworben.


Architektonischer Antisemitismus

Es kommt echt nicht häu­fig vor, dass ich eine Zeit­schrift von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te durch­le­se: Die aktu­el­le ARCH+ Nr. 235 zu „Rech­ten Räu­men“ habe ich atem­los durch­ge­le­sen, ent­setzt vom faschis­ti­schen Pan­ora­ma eines Euro­pas auf dem Weg in die Bar­ba­rei, das das Heft abschrei­tet. Und die­se Aus­ga­be einer renom­mier­ten Archi­tek­tur-Zeit­schrift ist durch­aus nicht nur für Baumeister*innen und Architekturkritiker*innen (Sind wir das nicht alle?) inter­es­sant und schafft es „Rech­te Räu­me“ zu defi­nie­ren, die dahin­ter lie­gen­de Städ­te­bau­po­li­tik, die bau­li­che geschichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Erin­ne­rungs­kul­tur und den rech­ten Rekon­struk­ti­ons­wahn frei­zu­le­gen und den Zusam­men­hang her­zu­stel­len zur aktu­el­len völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Renais­sance und zum offe­nen Faschis­mus in Europa. 


Aus für CasaPound-Partei

Simo­ne di Ste­fa­no: „Rin inne Kart­üb­beln, rut ut de Kart­üb­beln“ (Screen­shot)

Gut einen Monat war es still um die faschis­ti­sche Bewe­gungs­par­tei Casa­Pound Ita­lia gewe­sen. Seit ihrem kata­stro­pha­len Wahl­er­geb­nis von 0,33 Pro­zent der abge­ge­be­nen Stim­men bei der Wahl zum EU-Par­la­ment Ende Mai 2019 gab es zwar eini­ge Ver­an­stal­tun­gen der Faschist*innen und auch das Casa­Pound Fes­ti­val „Tana del­le tigri 11“ fand am 22. Juni in Rom mit gro­ßer Betei­li­gung statt. Aber die übli­chen Medi­en­ka­nä­le der „fascis­ti del ter­zo mill­en­nio“ (dt.: Faschis­ten des 21. Jahr­hun­derts) erschie­nen merk­wür­dig ver­waist, ihre ansons­ten groß­spu­ri­gen Ankün­di­gun­gen unter­blie­ben und die Auf­trit­te ihrer Exponent*innen wirk­ten gera­de­zu zag­haft. Seit dem 27. Juni 2019 ist nun die Kat­ze aus dem Sack: Casa­Pound gibt ihre Par­tei­ar­beit auf.


Marco Zanni: Ein Freund rechter Bündnisse

Mar­co Zan­ni auf dem „Dire­zio­ne Rivo­lu­zio­ne — Fes­ti­val“ 2017 der Casa­Pound Italia

Der 32-jäh­ri­ge Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Mar­co Zan­ni aus dem lom­bar­di­schen Love­re ist ein ambi­tio­nier­ter und wand­lungs­fä­hi­ger jun­ger Mann. Zusam­men mit wei­te­ren 16 Mit­glie­dern der Par­tei „Movi­men­to 5 Stel­le“ (M5S) zog er im Jahr 2014 in das EU-Par­la­ment in Brüs­sel ein. Die popu­lis­ti­sche Par­tei hat­te im Mai 2014 mit 21,15 Pro­zent der abge­ge­be­nen Stim­men ein über­ra­schend gutes Ergeb­nis erzielt.


Ein guter Tag für den Feminismus: Proteste gegen AfD-Wahn in Kreuzberg

Ein guter Tag für den Feminismus: Proteste gegen AfD-Wahn in Kreuzberg

Weit über 1500 Demonstrant*innen haben heu­te in Kreuz­berg unter dem Mot­to „Nicht in unse­rem Namen — Kein Femi­nis­mus ohne Antirassismus“…


Faszinierende „Angstmacher“: Unsystematische Abschweifungen zu Thomas Wagners „1968 und die Neue Rechte“

in erin­ne­rung an hen­ning eichberg

Von Volk­mar Wölk

Manch­mal sind es Klei­nig­kei­ten, die bei einem Buch, das man gera­de ver­schlun­gen hat, nach­träg­lich zu einem Grum­meln füh­ren, das all­mäh­lich immer stär­ker wird. So wie bei einem lecke­ren Gericht des­sen reich­li­che und inter­es­san­te Wür­zung dazu geführt hat, dass zunächst nicht zu bemer­ken war, dass das Haupt­pro­dukt wohl nicht mehr ganz frisch war. Beim jüngs­ten Buch von Tho­mas Wag­ner, „Die Angst­ma­cher. 1968 und die Neue Rech­te“, einem sowohl sehr lesens­wer­ten als auch sehr dis­kus­si­ons­be­dürf­ti­gen Band, war der Aus­lö­ser die­ses zuneh­men­den Unwohl­seins der Teil eines Gesprächs des Autors mit Hen­ning Eich­berg, einem lang­jäh­rig füh­ren­den Ideo­lo­gen der natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren Strö­mung der Neu­en Rech­ten[1], das in dem Kapi­tel „Der Sound der Lin­ken“ wört­lich wie­der­ge­ge­ben wird.


Italien: Neun Prozent für CasaPound in Ostia

Wahlerfolg für CasaPound Italia: Neun Prozent für die „fascisti del terzo millennio“ in römischem Stadtteil

Luca Mar­sel­la zieht in Roms Stadt­teil Ost­ia ins Kom­mu­nal­par­la­ment ein und ver­spricht sei­nen Wähler_innen „ihre Wut in die Stadt­ver­wal­tung zu tragen“.

Von Heiko Koch

Im Muni­ci­pio X, dem römi­schen Stadt­be­zirk Ost­ia, war am 5. Novem­ber 2017 Wahl. Zwei Jah­re lang war der Stadt­be­zirk auf Grund von Ver­stri­ckun­gen der ört­li­chen Ver­wal­tung mit der Mafia kom­mis­sa­risch ver­wal­tet wor­den. Nun stan­den erneut Wah­len für den 150 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ßen und unge­fähr 230.000 Einwohner_innen zäh­len­den Bezirk am Tyr­rhe­ni­schen Meer an.


AfD: Privatisierungs- und Verarmungspartei

Eine Ana­ly­se des Pro­gramms der Par­tei „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ zeigt: völ­kisch und fami­li­en­po­li­tisch reak­tio­när, das war ja klar. Aber auch ohne ihre neo­li­be­ra­len Grün­der­pro­fes­so­ren ran­ken sich die Ideo­lo­gien der Ungleich­heit im Pro­gramm die­ser deutsch­na­tio­na­len und rechts­ra­di­ka­len Par­tei um einen neo­li­be­ra­len und pri­va­ti­sie­rungs­ori­en­tier­ten Kern, mit dem die Rei­chen wei­ter rei­cher, die Armen wei­ter ärmer wür­den. Mehr lesen


Berlin 2015: 320 rechte, rassistische und antisemitische Angriffe

[Wir doku­men­tie­ren eine Pres­se­mit­tei­lung der Kolleg_innen der Ber­li­ner Opfer­be­ra­tungs­stel­le ReachOut]

Auch in Bay­ern schießt der Ras­sis­mus durch die Decke: Im ober­baye­ri­schen Zorne­ding pro­tes­tier­ten 3000 Men­schen gegen die ras­sis­ti­schen Angrif­fe, denen der schwar­ze katho­li­sche Seel­sor­ger Oli­vi­er Ndj­im­bi-Tshien­de aus­ge­setzt war, nach­dem auch die ört­li­che CSU ihn u.a. wegen sei­nes Ein­sat­zes für Geflüch­te­te dis­kri­mi­niert hat­te Foto: Burschel

Die Angriffs­zah­len in Ber­lin sind mas­siv gestie­gen; Ras­sis­mus ist das häu­figs­te Tat­mo­tiv. Die meis­ten Angrif­fe fin­den in Mar­zahn statt.
ReachOut, die Ber­li­ner Bera­tungs­stel­le für Opfer rech­ter, ras­sis­ti­scher und anti­se­mi­ti­scher Gewalt, ver­zeich­net 320 Angrif­fe für das Jahr 2015.
Das ist ein Anstieg von fast 80% der Gewalt­ta­ten und mas­si­ven Bedro­hun­gen im Ver­gleich zu 2014. Ras­sis­mus steht als Tat­mo­tiv im Vor­der­grund. Ins­ge­samt wer­den 412 Men­schen ver­letzt und bedroht. Allein im Umfeld von Geflüch­te­ten­un­ter­künf­ten erfuh­ren wir von 39 Angriffen.


50. Todestag von Emil Julius Gumbel: Vergessener Held der Demokratie

Gedenk­ta­fel für die deut­schen und öster­rei­chi­schen Flücht­lin­ge in Sana­ry-sur-Mer, unter ihnen Emil Juli­us Gum­bel // Bild: Ani­ma (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://​crea​ti​vecom​mons​.org/​l​i​c​e​n​s​e​s​/​b​y​-​s​a​/​3.0)], via Wiki­me­dia Commons


Es herrsch­te Hoch­span­nung  in Deutsch­land nach dem Ers­ten Welt­krieg. Der Ver­sail­ler Ver­trag wur­de als unge­recht in der desas­trö­sen wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on der Nach­kriegs­zeit gese­hen. Die Nie­der­la­ge wur­de durch die als demü­ti­gend emp­fun­de­nen Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen noch deut­li­cher gemacht und das ver­schärf­te die poli­ti­sche Situa­ti­on. Die jun­ge Wei­ma­rer Repu­blik hat­te die unmög­li­che Auf­ga­be, aus dem Desas­ter die demo­kra­ti­sche Gesell­schaft auf­zu­bau­en. Obwohl die Wei­ma­rer Ver­fas­sung in der Zeit enorm fort­schritt­lich war, hielt die Wei­ma­rer Repu­blik dem poli­ti­schen Druck nicht stand. Jus­tiz, Mili­tär und Ver­wal­tung bestan­den zu gro­ßen Tei­len noch aus den glei­chen Leu­ten wie im Kai­ser­reich, die die Demo­kra­tie zum größ­ten Teil rund­weg ablehn­ten. Die extre­me Rech­te, die von höchst unde­mo­kra­ti­schen Idea­len geprägt war, und hun­dert­tau­sen­de von den Schlacht­fel­dern heim­keh­ren­de Sol­da­ten hät­te den Krieg am liebs­ten wei­ter­ge­führt und schlos­sen sich viel­fach in anti­de­mo­kra­ti­schen und kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren Frei­korps zusam­men. Das Ide­al der demo­kra­ti­schen Repu­blik ver­schwand hin­ter der bit­te­ren Rea­li­tät von wirt­schaft­li­cher Schwä­che und bru­ta­len poli­ti­schen Kämpfen.