Architektonischer Antisemitismus

Es kommt echt nicht häu­fig vor, dass ich eine Zeit­schrift von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te durch­le­se: Die aktu­el­le ARCH+ Nr. 235 zu „Rech­ten Räu­men“ habe ich atem­los durch­ge­le­sen, ent­setzt vom faschis­ti­schen Pan­ora­ma eines Euro­pas auf dem Weg in die Bar­ba­rei, das das Heft abschrei­tet. Und die­se Aus­ga­be einer renom­mier­ten Archi­tek­tur-Zeit­schrift ist durch­aus nicht nur für Baumeister*innen und Architekturkritiker*innen (Sind wir das nicht alle?) inter­es­sant und schafft es „Rech­te Räu­me“ zu defi­nie­ren, die dahin­ter lie­gen­de Städ­te­bau­po­li­tik, die bau­li­che geschichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Erin­ne­rungs­kul­tur und den rech­ten Rekon­struk­ti­ons­wahn frei­zu­le­gen und den Zusam­men­hang her­zu­stel­len zur aktu­el­len völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Renais­sance und zum offe­nen Faschis­mus in Euro­pa. Wei­ter­le­sen „Archi­tek­to­ni­scher Antisemitismus“

CasaPound Italia in der Krise

Kom­mu­ne Rom con­tra Casa­Pound Italia

Die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der Stadt­ver­wal­tung Rom und Casa­Pound Ita­lia über die Haus­be­set­zung in der Via Napo­leo­ne III geht wei­ter. Am 25. Juli erschien die amtie­ren­de Bür­ger­meis­te­rin Vir­gi­nia Rag­gi mit Ver­tre­tern der Stadt und der Poli­zei vor dem Gebäu­de Nr. 8 in der Via Napo­leo­ne III und for­der­te die faschis­ti­sche Bewe­gung medi­en­wirk­sam auf, den Schrift­zug Casa­Pound von der Fas­sa­de zu ent­fer­nen. Casa­Pound Ita­lia hat­te die lati­ni­schen Let­tern im Jahr 2008 ohne Geneh­mi­gung über den Ein­gang der Miets­ka­ser­ne ange­bracht. Die Bür­ger­meis­te­rin setz­te den Rechts­ra­di­ka­len eine Frist für den Rück­bau. Ande­ren­falls wür­de die Stadt Rom die Ent­fer­nung der Let­tern ver­an­las­sen. Die Ver­tre­ter der Casa­Pound Ita­lia gaben sich selbst­be­wusst, leg­ten jedoch kurz vor dem Ablauf des gesetz­ten Ulti­ma­tums selbst Hand an und ent­fern­ten zäh­ne­knir­schend den im Stil der 1920er Jah­re gestal­te­ten CasaPound-Schriftzug.

Dies ist ein wei­te­rer Schritt in den Bemü­hun­gen der Kom­mu­ne Rom, das von den Faschist*innen im Dezem­ber 2003 besetz­te Gebäu­de wie­der selbst zu ver­wal­ten. 4,6 Mil­lio­nen Euro Miet­ein­nah­men sol­len der Kom­mu­ne durch die Fremd­nut­zung durch Casa­Pound ent­gan­gen sein. In den ers­ten fünf Jah­ren wur­de die Beset­zung durch den sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Bür­ger­meis­ter Wal­ter Vel­tro­ni tole­riert. Sein Nach­fol­ger, der Faschist Gio­van­ni Ale­man­no, pro­te­gier­te wäh­rend sei­ner Amts­zeit von 2008 bis 2013 Casa­Pound Ita­lia. In den Jah­ren 2013 bis 2016 igno­rier­ten die Stadt­obe­ren die „Faschis­ten des 21. Jahr­hun­derts“, wie sie sich sel­ber nen­nen, und ihre Beset­zung. Erst mit der letz­ten Kom­mu­nal­wahl und der seit Mit­te 2016 amtie­ren­den Bür­ger­meis­te­rin Vir­gi­nia Rag­gi von der Par­tei Movimento5Stelle bekam Casa­Pound Ita­lia Gegen­wind. Seit Anfang die­sen Jah­res steht der Ent­schluss der Rats­mehr­heit aus Movimento5Stelle und Par­ti­to Demo­cra­ti­co fest, dass die Beset­zung zu räu­men sei. Allein der Innen­mi­nis­ter Matteo Sal­vi­ni von der ras­sis­ti­schen Lega sträubt sich, die kom­mu­na­le Ent­schei­dungs­ho­heit der Haupt­stadt zu akzep­tie­ren und ver­wei­gert sei­ne Zustim­mung zu die­ser poli­zei­li­chen Maß­nah­me. Sal­vi­ni und Casa­Pound Ita­lia koope­rier­ten vor eini­gen Jah­ren in dem Wahl­bünd­nis „Sov­ra­ni­ta“ [dt.: Sou­ve­rä­ni­tät]. Dar­über hin­aus lässt Sal­vi­ni kei­ne Gele­gen­heit aus, sei­ne Sym­pa­thien für Casa­Pound Ita­lia zu bekun­den. Dies führ­te Mit­te Mai die­sen Jah­res zu einem erneu­ten Skan­dal, als der Casa­Pound Ver­lag „Altaf­or­te Edi­zio­ni“ den Inter­view­band der Jour­na­lis­tin Chia­ra Gian­ni­ni „Io sono Matteo Sal­vi­ni“ auf der Turi­ner Buch­mes­se prä­sen­tie­ren wollte.

„Ich bin Sal­vi­ni. …“ aus dem Ver­lag Manu­s­kr­itum, Erschei­nungs­da­tum im Sep­tem­ber 2019 (screen­shot)

(Das Buch „Io sono Matteo Sal­vi­ni“ soll dem­nächst in dem mit Götz Kubit­scheks Antai­os Ver­lag ver­bun­de­nen Manu­scrip­tum Ver­lag unter dem Titel „Ich bin Matteo Sal­vi­ni“ erschei­nen. Ein Vor­wort dazu lie­fern der Autor des „Jun­g­eu­ro­pa Ver­lags“ Eber­hard Straub und der  „Jun­ge Frei­heit“ Autor Wulf D. Wag­ner. Wag­ner ver­öf­fent­lich­te Anfang die­sen Jah­res einen begeis­ter­ten Bericht über den Casa­Pound-Auf­marsch zu Acca Laren­tia auf dem Online-Por­tal Phi­lo­so­phia Peren­nis.)

 

Casa­Pound in der Krise

Wie lan­ge Matteo Sal­vi­ni bei der der­zei­ti­gen Regie­rungs­kri­se noch Innen­mi­nis­ter bleibt ist frag­lich. Ein neu­er Innen­mi­nis­ter wür­de vor der Ent­schei­dung ste­hen, die von der Lan­des­haupt­stadt ein­ge­for­der­te Räu­mung der Casa­Pound Beset­zung wei­ter­hin wie Sal­vi­ni zu behin­dern oder dem Ersu­chen der Stadt Rom nach­zu­kom­men, das Gebäu­de in der Via Napo­leo­ne III Nr. 8 poli­zei­lich räu­men zu las­sen. Für Casa­Pound bedeu­tet die even­tu­el­le Räu­mung ein gro­ßes Pro­blem. Ist doch die Via Napo­leo­ne III ihr offi­zi­el­les Aus­hän­ge­schild als natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­re Bewe­gung. Zum jet­zi­gen Zeit­punkt die­ses Aus­hän­ge­schild zu ver­lie­ren wäre für Casa­Pound Ita­lia desas­trös. Und so wun­dert es nicht, dass sich der Par­tei­se­kre­tär von Casa­Pound Ita­lia, Simo­ne di Ste­fa­no, am 22. August fast panisch für Neu­wah­len aus­spricht. Dies in der Hoff­nung Matteo Sal­vi­ni als kom­men­den Regie­rungs­chef zu sehen. Eine Regie­rungs­um­bil­dung und Koali­ti­on aus Movimento5Stelle und sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Par­ti­to Demo­cra­ti­co käme für Casa­Pound Ita­lia denk­bar schlecht.

Die Bewe­gung befin­det sich zur Zeit in einer Kri­se. Sie hat im Juni die­sen Jah­res ihre seit fünf Jah­ren ver­folg­te Stra­te­gie, als Wahl­par­tei anzu­tre­ten, für been­det erklärt. Nun muss die Füh­rung der Casa­Pound Ita­lia eine neue, gang­ba­re Stra­te­gie in der sich rapi­de ver­än­dern­den poli­ti­schen Situa­ti­on Ita­li­ens kre­ieren. Sie muss ihre Mit­glie­der und Anhänger*innen für die­se neue Stra­te­gie gewin­nen und dabei ver­mut­lich eine wei­te­re Abwan­de­rung von Mit­glie­dern, Wähler*innen und Sympathisant*innen zu ande­ren rech­ten Par­tei­en hin­neh­men müs­sen. Eine wei­te­re Abwan­de­rung, denn schon bei der Euro­pa­wahl ent­schie­den sich vie­le ihrer Wähler*innen für die Lega oder Fratel­li d‚Italia. Das Glei­che gilt für die ca. 100 Mandatsträger*innen, die für Casa­Pound Ita­lia in diver­sen kom­mu­na­len Räten sit­zen. Als Casa­Pound Ita­lia zur Jah­res­wen­de 201718 Wahl­er­fol­ge erziel­te, wech­sel­ten in Geno­va, Man­to­va, Mon­te­li­bret­ti, Trenza­no, Colo­g­no Mon­ze­se, Nero­la, Vil­la­no­va di San Boni­fa­cio Mandatsträger*innen der faschis­ti­schen Fratel­li d‚Italia und der Lega zu Casa­Pound Ita­lia. Jetzt könn­te sich ein umge­kehr­ter Trend voll­zie­hen. Zudem beinhal­te­te die Stra­te­gie auf Wah­len zu set­zen, dass Casa­Pound Ita­lia flä­chen­de­ckend in Ita­li­en als Par­tei prä­sent sein muss­te bzw. sein woll­te. Dies war ver­bun­den mit dem Kon­zept eines ste­ten Auf­baus einer dazu not­wen­di­gen Infra­struk­tur, u.a. der Eröff­nung neu­er Par­tei­sit­ze. Seit dem Jahr 2013, als Casa­Pound das ers­te Mal als Wahl­par­tei antrat, ist durch­schnitt­lich jeden Monat ein neu­er Par­tei­sitz eröff­net wor­den. Im Jahr 2013 ver­füg­te Casa­Pound über 51 Stütz­punk­te. Mit der letz­ten Eröff­nung in Fla­mi­nio am 18. Mai die­ses Jah­res beläuft sich die Anzahl ihrer Nie­der­las­sun­gen auf 144. (So Casa­Pound Ita­lia. Mei­ne Zäh­lung ergibt 142 Sit­ze.) Wird Casa­Pound Ita­lia die­se Par­tei­sit­ze unter den jet­zi­gen Bedin­gun­gen hal­ten kön­nen? Wie sieht es mit den finan­zi­el­len Res­sour­cen der Bewe­gung aus? Dar­über hin­aus ste­hen dem­nächst in Mai­land, Rom, Nea­pel, Turin, Genua und Bari diver­se Straf­pro­zes­se wegen schwe­rer Straf­ta­ten gegen füh­ren­de Reprä­sen­tan­ten der Casa­Pound Ita­lia an. Dazu der Pro­zess gegen zwei Casa­Pound Mit­glie­der, die am12. April die­sen Jah­res eine Kame­ra­din besof­fen mach­ten, in den Casa­Pound Sitz „Old Man­ners Tavern“ in Viter­bo lock­ten, sie bewusst­los schlu­gen und meh­re­re Stun­den ver­ge­wal­tig­ten. Haus­durch­su­chun­gen bei den bei­den Ver­ge­wal­ti­gern von Casa­Pound Ita­lia för­der­ten ein Han­dy mit Film­auf­nah­men der Ver­ge­wal­ti­gung zu Tage. Einer der bei­den Täter, Fran­ces­co Chi­ri­coz­zi, saß für Casa­Pound im Rat der Com­mu­ne Val­lera­no, wo Casa­Pound Ita­lia bei der letz­ten Kom­mu­nal­wahl mehr als 21 % der Stim­men und drei Rats­sit­ze bekam. Auch das dürf­te der Bewe­gung Kopf­zer­bre­chen bereiten.

Nach außen hin gibt sich Casa­Pound Ita­lia unbe­ein­druckt und ver­brei­tet im In- und Aus­land Zuver­sicht. So zeig­te sich Anfang August Alber­to Pal­la­di­no in einem auf dem Blog des rech­ten Jun­g­eu­ro­pa-Ver­lags erschie­ne­nen Inter­view selbst­be­wusst und zuver­sicht­lich ange­sichts der Auf­for­de­rung der Bür­ger­meis­te­rin von Rom, den Schrift­zug zu ent­fer­nen. Geführt hat­te das Inter­view John Hoe­wer, Bei­sit­zer im Vor­stand der Jun­gen Alter­na­ti­ve im Bun­des­land Sach­sen-Anhalt. Hoe­wer war es auch, der sich im Juli die­ses Jah­res auf dem Jun­g­eu­ro­pa-Blog an einer Ana­ly­se des Casa­Pound-Aus­stiegs aus der Par­tei­en­land­schaft ver­such­te. Der Ver­lag Jun­g­eu­ro­pa wur­de 2016 durch den umtrie­bi­gen rech­ten Ver­le­ger Phil­ip Stein gegrün­det und zeigt offen sei­ne Sym­pa­thie für den (neu­en) ita­lie­ni­schen Faschis­mus. Zum Ein­kni­cken der ita­lie­ni­schen Faschist*innen und dem Selbst-Hand­an­le­gen an den his­to­ri­schen Schrift­zug erschien dann aber nichts mehr auf der Inter­net­si­te des rech­ten Verlags.

Das Pal­la­di­no von Casa­Pound zum Inter­view­part­ner von Hoe­wer avan­cier­te, ver­wun­dert nicht. Im August 2018 gas­tier­te Pal­la­di­no neben Vale­rio Bene­detti und Ole­na Semen­ya­ka auf einer Tagung des Jun­g­eu­ro­pa Ver­lags mit dem Titel „Jun­g­eu­ro­pa-Forum“. Und in die­sem Jahr dürf­te Alber­to Pal­la­di­no der Refe­rent gewe­sen sein, der im „Flam­berg“, dem iden­ti­tä­ren Treff­punkt in Hal­le (Saa­le), beim ita­lie­ni­schen Abend über den „Kul­tur­kampf von Rechts“ referierte.

Inter­es­sant für den Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess von Casa­Pound Ita­lia dürf­te das nächs­te natio­na­le Fest, das seit 2008 statt­fin­den­de „Dire­zio­ne Rivo­lu­zio­ne“ [dt.: Rich­tung Revo­lu­ti­on] wer­den. Es fin­det Anfang Sep­tem­ber in Vero­na statt. Noch sind Referent*innen, Vor­trä­ge und Arbeits­grup­pen nicht ange­kün­digt. Das Musik­pro­gramm hin­ge­gen wur­de schon bekannt gege­ben. Am Don­ners­tag, 5. Sep­tem­ber, sol­len „Topi Neri“, „Sköll“, „Deci­ma Bal­der“ und „RDD“ auf­tre­ten, am Frei­tag, 6. Sep­tem­ber, „SPQR“, „Bron­son“, „Sum­bu Bro­thers“, „Bel­la­tor“ und „DPR“ aus Chi­le. Und für Sams­tag, 7. Sep­tem­ber“, sind „Zeta­Ze­ro­Al­fa“, „Ulti­ma Fron­tie­ra“ „ADL 122“ „Wild Alley“ und „Fan­tas­mi del Pas­sa­to“ ange­kün­digt — eine wah­re Hor­ror­lis­te faschis­ti­scher „Kul­tur“.

Zei­tungs­ar­ti­kel zum The­ma: Roma, Rag­gi nel palaz­zo occup­a­to da Casa­Pound: „Via la scrit­ta dal­la fac­cia­ta“ (La Repub­bli­ca, 25.07.2019); Via la scrit­ta Casa­Pound dal­la sede Rag­gi: „Ora sgom­be­ria­mo il palaz­zo“ (La Repub­bli­ca, 07.08.2019)

Turiner Buchmesse: Des Innenministers „schwarzes Herz“

Inter­view­buch „Io sono Matteo Sal­vi­ni“ aus dem faschis­ti­schen Ver­lag „Altaf­or­te Edi­zio­ni“ (screen­shot)

In Ita­li­en wächst zusam­men, was zusam­men­ge­hört. In den letz­ten Tagen wur­de bekannt, dass auf der anste­hen­den Turi­ner Buch­mes­se ein Inter­view-Band mit dem ita­lie­ni­schen Innen­mi­nis­ter Matteo Sal­vi­ni prä­sen­tiert wer­den soll. Der Titel des Buches lau­tet „Io sono Matteo Sal­vi­ni“ (dt.: Ich bin Matteo Sal­vi­ni) und soll „100 doman­de all’uo­mo più dis­cus­so di Euro­pa“ (dt.: 100 Fra­gen an den meist dis­ku­tier­ten Mann Euro­pas) ent­hal­ten. Wei­ter­le­sen „Turi­ner Buch­mes­se: Des Innen­mi­nis­ters „schwar­zes Herz““

Braune Wallfahrten nach Rom

„Der III.Weg“ auf Besuch bei Casa­Pound Ita­lia im Janu­ar 2019. Grup­pen­fo­to auf der Via Napo­leo­ne III, Nr. 8 (screen­shot)

Auch in die­sem Jahr fand im römi­schen Stadt­teil Tus­co­la­no der jähr­li­che Gedenk­marsch für die drei faschis­ti­schen Jugend­li­chen Fran­co Bigon­zet­ti, Fran­ces­co Cia­va­t­ta und Ste­fa­no Rec­chio­ni in der Via Acca Laren­tia statt. Sie waren dort im Janu­ar 1978 erschos­sen wor­den. Und wie im ver­gan­ge­nen Jahr waren auch in die­sem Jahr vie­le ita­lie­ni­sche Faschist*innen aus unter­schied­li­chen Grup­pen erschie­nen, um den drei Toten den römi­schen Gruß und ein „Pre­sen­te!“  zu ent­bie­ten. Die Bedeu­tung des jähr­li­chen Toten­kults hat unter der Hege­mo­nie von „Casa­Pound Ita­lia“ in den letz­ten 10 Jah­ren ste­tig zuge­nom­men und ist für die extre­me Rech­te Ita­li­ens immer wei­ter ins Zen­trum gerückt. Unter den zahl­rei­chen Dele­ga­tio­nen waren auch Mit­glie­der aus­län­di­scher Grup­pie­run­gen aus Kana­da, Grie­chen­land, Polen, Schwe­den, der Ukrai­ne usw. ange­reist. Auch eine illus­tre Mischung teu­to­ni­scher Rech­ter hat­te sich ein­ge­fun­den, um am his­to­ri­schen Sitz der faschis­ti­schen Par­tei Nach­kriegs-Ita­li­ens, des „Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no“ (MSI) den längst Ver­stor­be­nen einen letz­ten Gruß nach­zu­brül­len. Die Run­de der Deut­schen spann­te sich dabei von der neo­na­zis­ti­schen Kleinst­par­tei Der III. Weg, dem Lei­ter des völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Pro­jekts „Ein Pro­zent für unser Land“ und Chef des „Jun­g­eu­ro­pa Ver­lags“, Phil­ip Stein, eini­gen Anhän­gern der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung (IB) bis hin zu einem Autor, der für das Online-Por­tal „Phi­lo­so­phia Peren­nis“ des AfD-nahen Theo­lo­gen David Ber­ger über (neu-rech­te) Ereig­nis­se in Ita­li­en schreibt. Wei­ter­le­sen „Brau­ne Wall­fahr­ten nach Rom“

CasaPound auf Stippvisite in Paris

Die Grö­ße und die Stär­ke der Bewe­gung der „Gilets Jau­nes“ (Gelb­wes­ten), die trotz ihrer Kom­ple­xi­tät und Viel­fäl­tig­keit ein gemein­sa­mes Ziel — das Stre­ben nach sozia­ler Gerech­tig­keit — auf­weist und seit gut einem Monat Frank­reich in Atem hält, hat bei den unter­schied­li­chen Grup­pen, Orga­ni­sa­tio­nen und Par­tei­en — links wie rechts — Begehr­lich­kei­ten ausgelöst.

So nah­men neben Mit­glie­dern der rechts­ra­di­ka­len „Ras­sem­ble­ment Natio­nal“ (bis Juni 2018 „Front Natio­nal“) auch (Splitter-)Gruppen der fran­zö­si­schen Rech­ten wie „Bas­ti­on Social“, „Action Fran­çai­se“, „Civi­tas“, „Dis­se­dence Fran­çai­se“, „Par­ti Natio­na­lis­te Fran­çais“, „Divi­si­on Natio­na­lis­te Révo­lu­ti­onn­aire“ und „Les Iden­ti­taires“ an den unter­schied­li­chen Demons­tra­tio­nen der „Gilets Jau­nes“ teil. Ihre Prä­senz bei den Pro­tes­ten stieß wie­der­um auf den Wider­stand von Tei­len der „Gilets Jau­nes“ und anwe­sen­der anti­fa­schis­ti­scher Lin­ker. Eini­ge Kon­fron­ta­tio­nen ende­ten mit­un­ter in hand­fes­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Wei­ter­le­sen „Casa­Pound auf Stipp­vi­si­te in Paris“

Das rassistische Afrikabild der AfD

Pro­tes­te gegen den sog. Frau­en­Marsch der AfD am 17.2.2018 in Kreuz­berg — eine Blo­cka­de ver­hin­der­te schließ­lich den rech­ten Auf­marsch Foto: Burschel

Über die „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ (AfD) wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren viel publi­ziert und ana­ly­siert. Ent­larvt wur­den ihre anti­fe­mi­nis­ti­schen Res­sen­ti­ments, ihr völ­ki­scher Habi­tus und ihr anti­mus­li­mi­scher Ras­sis­mus. Ana­ly­siert wur­den die Wäh­ler­struk­tur und ihr kapi­ta­lis­tisch-neo­li­be­ra­les Grund­ver­ständ­nis. Auf­ge­deckt ihre Rol­le als par­la­men­ta­ri­scher Arm der Neu­en Rech­ten mit Ver­bin­dun­gen zu Bur­schen­schaf­ten und den so genann­ten Iden­ti­tä­ren. War­um erscheint es not­wen­dig, ein wei­te­res Puz­zle­teil hin­zu­zu­fü­gen und ein wei­te­res begrenz­tes Feld wie das Afri­ka­bild näher zu betrach­ten? Rei­chen die vor­lie­gen­den Unter­su­chun­gen nicht? Und spielt Afri­ka im Gegen­satz zum Bei­spiel zu Islam oder Tür­kei bis­her nicht eine ver­gleichs­wei­se unter­ge­ord­ne­te Rol­le in den poli­ti­schen Äuße­run­gen der AfD? Anhand des Afri­ka­bil­des wer­den jedoch nicht nur die völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Argu­men­ta­ti­ons­li­ni­en sicht­bar, son­dern eben­so die kapi­ta­lis­tisch-neo­li­be­ra­len. Gleich­zei­tig ver­deut­licht ein nähe­rer Blick auf die­sen Aspekt eine – besorg­nis­er­re­gen­de – rela­ti­ve Nähe der AfD-Posi­ti­on zu pro­ble­ma­ti­schen Poli­tik­an­sät­zen auch ande­rer „eta­blier­ter“ Par­tei­en. Wei­ter­le­sen „Das ras­sis­ti­sche Afri­ka­bild der AfD“

Bastion Social – eine französische Bewegung à la CasaPound

Die faschis­ti­sche Bewe­gungs­par­tei „Casa­Pound Ita­lia“ fin­det euro­pa­weit Nach­ah­mer. Zur Zeit ist es die natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Sam­mel­be­we­gung „Bas­ti­on Social“, die in Frank­reich von sich Reden macht.

für Car­lo und Nel­lo Rosselli

In den letz­ten Wochen hat eine neue extrem rech­te Bewe­gung mit den Namen „Bas­ti­on Social“ in Stras­bourg, Lyon und Cham­bé­ry drei Sit­ze eröff­net. Die Eröff­nung eines wei­te­ren Stütz­punkts wur­de für den 10. Febru­ar in Aix-en-Pro­vence ange­kün­digt. Trei­ben­de Kraft der Bewe­gung ist die extrem rech­te Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­ti­on „Grou­pe Uni­on Défen­se“ (GUD). Mit der „Bas­ti­on Social“, die das ers­te Mal im Mai 2017 mit einer Haus­be­set­zung in Lyon von sich reden mach­te, ist eine Samm­lungs­be­we­gung ent­stan­den, die sich bemüht in dem außer­par­la­men­ta­ri­schen Bereich der extre­men Rech­ten unter­schied­li­che Grup­pen zusam­men­zu­füh­ren, zu ver­ein­heit­li­chen und eine natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung nach dem Vor­bild der „Casa­Pound Ita­lia“ in Frank­reich zu kre­ieren. Wei­ter­le­sen „Bas­ti­on Social – eine fran­zö­si­sche Bewe­gung à la CasaPound“

Faszinierende „Angstmacher“: Unsystematische Abschweifungen zu Thomas Wagners „1968 und die Neue Rechte“

in erin­ne­rung an hen­ning eichberg

Von Volk­mar Wölk

Manch­mal sind es Klei­nig­kei­ten, die bei einem Buch, das man gera­de ver­schlun­gen hat, nach­träg­lich zu einem Grum­meln füh­ren, das all­mäh­lich immer stär­ker wird. So wie bei einem lecke­ren Gericht des­sen reich­li­che und inter­es­san­te Wür­zung dazu geführt hat, dass zunächst nicht zu bemer­ken war, dass das Haupt­pro­dukt wohl nicht mehr ganz frisch war. Beim jüngs­ten Buch von Tho­mas Wag­ner, „Die Angst­ma­cher. 1968 und die Neue Rech­te“, einem sowohl sehr lesens­wer­ten als auch sehr dis­kus­si­ons­be­dürf­ti­gen Band, war der Aus­lö­ser die­ses zuneh­men­den Unwohl­seins der Teil eines Gesprächs des Autors mit Hen­ning Eich­berg, einem lang­jäh­rig füh­ren­den Ideo­lo­gen der natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren Strö­mung der Neu­en Rech­ten[1], das in dem Kapi­tel „Der Sound der Lin­ken“ wört­lich wie­der­ge­ge­ben wird.

Wei­ter­le­sen „Fas­zi­nie­ren­de „Angst­ma­cher“: Unsys­te­ma­ti­sche Abschwei­fun­gen zu Tho­mas Wag­ners „1968 und die Neue Rechte““