Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


High Court Pretoria: Keine Entlassung von Chris Hanis Mörder

Geden­ken für Chris Hani Foto: South Afri­can Histo­ry Archi­ves (SAHA)

In der Pha­se des Über­gan­ges von der Apart­heid in die Post-Apart­heid-Ära nah­men gewalt­tä­ti­ge rech­te Aktio­nen in Süd­afri­ka zu. Bekann­tes Bei­spiel ist die Ermor­dung von Chris Hani, Gene­ral­se­kre­tär der Süd­afri­ka­ni­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei (SACP) und Stabs­chef des Umkhon­to weSiz­we, dem bewaff­ne­ten Arm des Afri­ka­ni­schen Natio­nal­kon­gres­ses (ANC). Am 10. April 1993 erschoss Janusz Waluś, ein 1986 in Süd­afri­ka ein­ge­bür­ger­ter Pole, Hani vor sei­nem Wohn­haus in Boks­burg. Mit­ten in der grund­stür­zen­den Über­gangs­pha­se zu einem demo­kra­ti­schen Süd­afri­ka war es der Mord an Hani, der das Land an den Rand eines Bür­ger­kriegs brach­te. Nur eine Fern­seh­an­spra­che des nach­ma­li­gen Prä­si­den­ten Nel­son Man­de­la und die rela­tiv schnel­le Auf­klä­rung des Mor­des konn­ten die auf­ge­heiz­ten Gemü­ter nach dem Mord an dem popu­lä­ren Poli­ti­ker beruhigen.


Graphic Novel „Nacht über Brest“

Die Gra­phic Novel Nacht über Brest“ trägt den Unter­ti­tel „Sep­tem­ber 1937 – Der spa­ni­sche Bür­ger­krieg lan­det in der Bre­ta­gne“ und könn­te glatt als Spio­na­ge­thril­ler unter dem Mot­to „Geschüt­telt, nicht gerührt“ durch­ge­hen. Aber man sagt ja, das die Phan­ta­sie nur ein bil­li­ger Abklatsch der Rea­li­tät sei.


Ursula Haverbeck: Leugnen bis zum letzten Atemzug

Themen : Allgemein, Antisemitismus, Geschichte, Neonazismus · 0 Kommentare · von 20. November 2020

Blu­men für die Holo­caust­leug­ne­rin: Ursu­la Haver­beck ist in der „poli­ti­schen Erwach­se­nen­bil­dung“ tätig. Vor Gericht ver­tritt sie der noto­ri­sche Wolf­ram Nah­rath.     Foto: Kim Winkler

92 Jah­re und kein biss­chen wei­se: Vor dem Amts­ge­richt Tier­gar­ten begann Mit­te Novem­ber der Pro­zess gegen die noto­ri­sche Holo­caust­leug­ne­rin Ursu­la Haver­beck. Ange­klagt ist die Hoch­be­tag­te wegen Volks­ver­het­zung. Sie muss sich nicht das ers­te Mal wegen eines sol­chen Vor­wurfs ver­ant­wor­ten. Erst Anfang Novem­ber wur­de sie aus einer zwei­jäh­ri­gen Haft ent­las­sen, die sie wegen mehr­ma­li­ger Leug­nung des Holo­caust antre­ten musste. 


80. Todestag Walter Benjamins: Erinnern heißt kämpfen

Ein Gedenk­ort für Wal­ter Ben­ja­min: Eine Trep­pe der Erin­ne­rung an den jüdi­schen Phi­lo­so­phen im kata­la­ni­schen Port Bou, wo er sich das Leben auf der Flucht vor den Nazis nahm.

In der Nacht vom 26. auf den 27. Sep­tem­ber 1940 starb Wal­ter Ben­ja­min. Der Foto­gra­fin Hen­ny Gur­land, die wie Ben­ja­min Teil der Flüch­ten­den-Grup­pe auf ihrem Fuß­weg über die Pyre­nä­en bis zur spa­nisch-fran­zö­si­schen Gren­ze war, soll er Stun­den vor sei­nem Tod einen Abschieds­brief über­ge­ben haben. Sein Freund und Kol­le­ge Theo­dor W. Ador­no hät­te ihn erhal­ten sol­len, erklä­rend, dass die „aus­weg­lo­se Situa­ti­on“ sei­ner miss­lin­gen­den Flucht aus Vichy-Frank­reich Ben­ja­min kei­ne ande­re Mög­lich­keit gelas­sen habe, als den Frei­tod zu wählen.


Tagung: Kontinuitäten rechter Gewalt

Themen : Geschichte, Nationalsozialismus, Neonazismus · 0 Kommentare · von 22. April 2020

Selbst­er­mäch­ti­gung Betrof­fe­ner rech­ter und ras­sis­ti­scher Gewalt: Ein ein­drück­li­che­res Bei­spiel für die­ses Empower­ment als die jähr­li­che Oury-Jal­loh-Demo am 7. Janu­ar in Des­sau — hier 2020

Kon­ti­nui­tä­ten rech­ter Gewalt. Ideo­lo­gien – Prak­ti­ken – Wir­kun­gen“ woll­te eine Tagung Mit­te Febru­ar am Leib­niz-Zen­trum für zeit­his­to­ri­sche For­schung in Pots­dam abschrei­ten. Der Zeit­his­to­ri­sche Arbeits­kreis Extre­me Rech­te hat­te dazu ein­ge­la­den, aus­ge­rich­tet wur­de sie vom Leib­niz-Zen­trum für Zeit­his­to­ri­sche For­schung Pots­dam, dem Moses Men­dels­sohn Zen­trum Pots­dam, dem Han­nah Arendt Insti­tut für Tota­li­ta­ris­mus­for­schung Dres­den und dem Fritz Bau­er Insti­tut Frank­furt am Main. In der Ein­la­dung wie­sen die Organisator*innen dar­auf hin, dass „extrem rech­tes Den­ken stets Teil der deut­schen Geschich­te im 20. Jahr­hun­dert“ war und gewalt­för­mi­ges Han­deln seit jeher zur poli­ti­schen Pra­xis der „natio­na­len Oppo­si­ti­on“ gehört.


Edelweißpiraten: Erinnerung an Walter Gebhard

Edel­weiss­pi­ra­ten-Graf­fi­to in der Langestraße/Dortmund (Foto: H.Koch)

Es geht nur dar­um zu sagen, was man die­sen jun­gen Leu­ten mit dem Pro­zess und der Behand­lung ange­tan hat. Das das Unrecht war …“. So Inge Nies­wand über ihren Bru­der Wal­ter Geb­hard und sei­ne Freund*innen aus einer Dort­mun­der Edel­weiss­pi­ra­ten-Cli­que, die in einem gro­ßen Pro­zess im Okto­ber 1943 ver­ur­teilt wur­den. Ein Gespräch über genera­tio­nen­über­grei­fen­de Trau­ma­ti­sie­rung durch die Ver­fol­gung des NS-Sys­tems mit der Dort­mun­de­rin Inge Nieswand.


Architektonischer Antisemitismus

Es kommt echt nicht häu­fig vor, dass ich eine Zeit­schrift von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te durch­le­se: Die aktu­el­le ARCH+ Nr. 235 zu „Rech­ten Räu­men“ habe ich atem­los durch­ge­le­sen, ent­setzt vom faschis­ti­schen Pan­ora­ma eines Euro­pas auf dem Weg in die Bar­ba­rei, das das Heft abschrei­tet. Und die­se Aus­ga­be einer renom­mier­ten Archi­tek­tur-Zeit­schrift ist durch­aus nicht nur für Baumeister*innen und Architekturkritiker*innen (Sind wir das nicht alle?) inter­es­sant und schafft es „Rech­te Räu­me“ zu defi­nie­ren, die dahin­ter lie­gen­de Städ­te­bau­po­li­tik, die bau­li­che geschichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Erin­ne­rungs­kul­tur und den rech­ten Rekon­struk­ti­ons­wahn frei­zu­le­gen und den Zusam­men­hang her­zu­stel­len zur aktu­el­len völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Renais­sance und zum offe­nen Faschis­mus in Europa. 


Projekttag mit Nazi: Intervention im Hamburger Schulskandal

Eine het­ze­ri­sche Ver­tei­di­gungs­re­de des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Rechts­an­walts Alfred Holl aus dem Jahr 1924, auf die sich Wolf ohne Abstri­che beruft. Für die Schul­be­hör­de offen­bar kein Problem.

Nach den Aus­ein­an­der­set­zun­gen an zwei Ham­bur­ger Schu­len zum anti­fa­schis­ti­schen Enga­ge­ment eini­ger ihrer Schü­ler war es am Hele­ne-Lan­ge-Gym­na­si­um mit Bil­li­gung der Schul­be­hör­de zu einer Vor­trags­ver­an­stal­tung des AfD-Poli­ti­kers und Mit­glieds der Bür­ger­schaft, Alex­an­der Wolf, gekom­men. Dass Wolf ein lupen­rei­ner Nazi mit enthu­si­as­ti­schen Bezü­gen zum Natio­nal­so­zia­lis­mus ist, war dabei kein Hin­de­rungs­grund. Ein erschüt­tern­des Bei­spiel für ver­scho­be­ne und ver­schro­be­ne Sag­bar­keits­gren­zen, aus der Feder eines Schü­ler­va­ters, des Poli­to­lo­gen Dr. Mar­kus Mohr.


Trümmerschatten der verratenen Revolution

Trümmerschatten der verratenen Revolution

Ein­füh­rungs­re­de zur Ver­nis­sa­ge der Aus­stel­lung >wo liegt die Erin­ne­rung< von Ras­so Rot­ten­fuß­er, in den Stu­di­os Lich­ten­berg, am 22.3.2019


Bauhaus und Antifaschismus: Aktion beim „Feine Sahne Fischfilet“-Konzert in Dessau

Das Bau­haus in Des­sau, hoch­prä­ten­tiö­ses UNESCO-Kul­tur­er­be, hat sich die­ses Ver­mächt­nis­ses als unwür­dig gezeigt: Die Direk­to­rin der geschichts­träch­ti­gen Ein­rich­tung ver­wies nach etwa 100 Kon­zer­ten in Koope­ra­ti­on mit dem ZDF den öffent­lich-recht­li­chen Sen­der des Hau­ses, als die Ros­to­cker Punk­band „Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let“ auf dem Pro­gramm stand. Die Begrün­dung war unpo­li­tisch, dumm und geschichts­los, der im Grun­de anti­fa­schis­ti­schen Geschich­te des Bau­hau­ses in kei­ner Wei­se ange­mes­sen. Man hat­te allen Erns­tes argu­men­tiert, die Design- und Archi­tek­tur­schu­le als Unesco-Welt­kul­tur­er­be­stät­te sol­le nicht zum Aus­tra­gungs­ort poli­ti­scher Agi­ta­ti­on und Aggres­si­on werden.