Die schiefe Debatte: Verbot der Grauen Wölfe

Kein Fuß­breit den Faschist*innen der Grau­en Wöl­fe — ob in der Tür­kei oder hier oder sonst­wo (Screen­shot eines Anti-Graue-Wölfe-Stickers)

Wer die jüngs­ten Dis­kus­sio­nen seit Herbst 2020 und ins­be­son­de­re die Bun­des­tags-Debat­te am 18. Novem­ber 2020 ver­folgt hat, wur­de den Ein­druck nicht los, dass die euro­päi­schen Regie­run­gen tür­ki­schen Neo­fa­schis­ten (Aslan/Bozay, 2012, Çakır 2000, Ram­mes­tor­fer 2018, Hoffmann/Opperskalski/Solmaz 1981) den Krieg erklärt hät­ten. Es schien ein neu­er Wind in Euro­pa zu wehen – der Wind eines regie­rungs­amt­lich ver­ord­ne­ten Anti­fa­schis­mus. Wei­ter­le­sen „Die schie­fe Debat­te: Ver­bot der Grau­en Wölfe“

High Court Pretoria: Keine Entlassung von Chris Hanis Mörder

Geden­ken für Chris Hani Foto: South Afri­can Histo­ry Archi­ves (SAHA)

In der Pha­se des Über­gan­ges von der Apart­heid in die Post-Apart­heid-Ära nah­men gewalt­tä­ti­ge rech­te Aktio­nen in Süd­afri­ka zu. Bekann­tes Bei­spiel ist die Ermor­dung von Chris Hani, Gene­ral­se­kre­tär der Süd­afri­ka­ni­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei (SACP) und Stabs­chef des Umkhon­to weSiz­we, dem bewaff­ne­ten Arm des Afri­ka­ni­schen Natio­nal­kon­gres­ses (ANC). Am 10. April 1993 erschoss Janusz Waluś, ein 1986 in Süd­afri­ka ein­ge­bür­ger­ter Pole, Hani vor sei­nem Wohn­haus in Boks­burg. Mit­ten in der grund­stür­zen­den Über­gangs­pha­se zu einem demo­kra­ti­schen Süd­afri­ka war es der Mord an Hani, der das Land an den Rand eines Bür­ger­kriegs brach­te. Nur eine Fern­seh­an­spra­che des nach­ma­li­gen Prä­si­den­ten Nel­son Man­de­la und die rela­tiv schnel­le Auf­klä­rung des Mor­des konn­ten die auf­ge­heiz­ten Gemü­ter nach dem Mord an dem popu­lä­ren Poli­ti­ker beru­hi­gen. Wei­ter­le­sen „High Court Pre­to­ria: Kei­ne Ent­las­sung von Chris Hanis Mörder“

Graphic Novel „Nacht über Brest“

Die Gra­phic Novel Nacht über Brest“ trägt den Unter­ti­tel „Sep­tem­ber 1937 – Der spa­ni­sche Bür­ger­krieg lan­det in der Bre­ta­gne“ und könn­te glatt als Spio­na­ge­thril­ler unter dem Mot­to „Geschüt­telt, nicht gerührt“ durch­ge­hen. Aber man sagt ja, das die Phan­ta­sie nur ein bil­li­ger Abklatsch der Rea­li­tät sei. Wei­ter­le­sen „Gra­phic Novel „Nacht über Brest““

80. Todestag Walter Benjamins: Erinnern heißt kämpfen

Ein Gedenk­ort für Wal­ter Ben­ja­min: Eine Trep­pe der Erin­ne­rung an den jüdi­schen Phi­lo­so­phen im kata­la­ni­schen Port Bou, wo er sich das Leben auf der Flucht vor den Nazis nahm.

In der Nacht vom 26. auf den 27. Sep­tem­ber 1940 starb Wal­ter Ben­ja­min. Der Foto­gra­fin Hen­ny Gur­land, die wie Ben­ja­min Teil der Flüch­ten­den-Grup­pe auf ihrem Fuß­weg über die Pyre­nä­en bis zur spa­nisch-fran­zö­si­schen Gren­ze war, soll er Stun­den vor sei­nem Tod einen Abschieds­brief über­ge­ben haben. Sein Freund und Kol­le­ge Theo­dor W. Ador­no hät­te ihn erhal­ten sol­len, erklä­rend, dass die „aus­weg­lo­se Situa­ti­on“ sei­ner miss­lin­gen­den Flucht aus Vichy-Frank­reich Ben­ja­min kei­ne ande­re Mög­lich­keit gelas­sen habe, als den Frei­tod zu wäh­len. Wei­ter­le­sen „80. Todes­tag Wal­ter Ben­ja­mins: Erin­nern heißt kämpfen“

CasaPound tritt in Südtirol zur Wahl an

Ripu­li­re L‚Alto Adi­ge“ — „Süd­ti­rol Rei­ni­gen“: Wahl­pla­kat von Casa­Pound im Jahr 2018

Rin inne Kart­üb­beln, rut ut de Kart­üb­beln“: Seit über 140 Jah­ren steht die­ser Spruch in Deutsch­land für einen unge­ord­ne­ten mili­tä­ri­schen Manö­ver­ein­satz. Und die­ser Spruch fällt einem auch ange­sichts der Pres­se­mit­tei­lung vom 26. Juli von Casa­Pound in Bozen ein. Die kom­mu­na­le Sek­ti­on der faschis­ti­schen Par­tei näm­lich will im Sep­tem­ber die­sen Jah­res - trotz der Ein­stel­lung der Par­tei­en­ak­ti­vi­tä­ten der Gesamt­par­tei — an den Kom­mu­nal­wah­len in Süd­ti­rol teil­neh­men.
Wei­ter­le­sen „Casa­Pound tritt in Süd­ti­rol zur Wahl an“

Rezension: „Der Fotograf von Mauthausen“

Cover: Der Foto­graf von Mauthausen

Den Comic „Der Foto­graf von Maut­hau­sen“ hielt ich zum ers­ten Mal im Mai die­ses Jah­res in Hän­den. Ich saß auf der Pro­me­na­de von Dono­s­tia. Oder auch San Sebas­ti­an, wie die Spa­ni­er zu der bas­ki­schen Küs­ten­stadt sagen.

Dono­s­tia liegt kei­ne 100 Kilo­me­ter von Guer­ni­ka ent­fernt. Der Stadt, die im April 1937 durch ein Bom­ben­ge­schwa­der der deut­schen Luft­waf­fe, der Legi­on Con­dor, fast voll­stän­dig zer­stört wur­de. Das faschis­ti­sche Ita­li­en und das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Deutsch­land waren dem 1936 put­schen­den Gene­ral Fran­cis­co Fran­co zur Hil­fe geeilt und hat­ten Waf­fen und Sol­da­ten zur Zer­schla­gung der demo­kra­ti­schen Repu­blik nach Spa­ni­en geschickt. Drei Jah­re dau­er­te der blu­ti­ge Bür­ger­krieg, der vie­len auch als Vor­läu­fer des 2. Welt­kriegs gilt. Der demo­kra­tisch gewähl­ten Regie­rung, wie auch den rech­ten Put­schis­ten eil­ten inter­na­tio­nal unter­schied­li­che Men­schen und Staa­ten zu Hil­fe. Wei­ter­le­sen „Rezen­si­on: „Der Foto­graf von Mauthausen““

Architektonischer Antisemitismus

Es kommt echt nicht häu­fig vor, dass ich eine Zeit­schrift von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te durch­le­se: Die aktu­el­le ARCH+ Nr. 235 zu „Rech­ten Räu­men“ habe ich atem­los durch­ge­le­sen, ent­setzt vom faschis­ti­schen Pan­ora­ma eines Euro­pas auf dem Weg in die Bar­ba­rei, das das Heft abschrei­tet. Und die­se Aus­ga­be einer renom­mier­ten Archi­tek­tur-Zeit­schrift ist durch­aus nicht nur für Baumeister*innen und Architekturkritiker*innen (Sind wir das nicht alle?) inter­es­sant und schafft es „Rech­te Räu­me“ zu defi­nie­ren, die dahin­ter lie­gen­de Städ­te­bau­po­li­tik, die bau­li­che geschichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Erin­ne­rungs­kul­tur und den rech­ten Rekon­struk­ti­ons­wahn frei­zu­le­gen und den Zusam­men­hang her­zu­stel­len zur aktu­el­len völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Renais­sance und zum offe­nen Faschis­mus in Euro­pa. Wei­ter­le­sen „Archi­tek­to­ni­scher Antisemitismus“

CasaPound Italia in der Krise

Kom­mu­ne Rom con­tra Casa­Pound Italia

Die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der Stadt­ver­wal­tung Rom und Casa­Pound Ita­lia über die Haus­be­set­zung in der Via Napo­leo­ne III geht wei­ter. Am 25. Juli erschien die amtie­ren­de Bür­ger­meis­te­rin Vir­gi­nia Rag­gi mit Ver­tre­tern der Stadt und der Poli­zei vor dem Gebäu­de Nr. 8 in der Via Napo­leo­ne III und for­der­te die faschis­ti­sche Bewe­gung medi­en­wirk­sam auf, den Schrift­zug Casa­Pound von der Fas­sa­de zu ent­fer­nen. Casa­Pound Ita­lia hat­te die lati­ni­schen Let­tern im Jahr 2008 ohne Geneh­mi­gung über den Ein­gang der Miets­ka­ser­ne ange­bracht. Die Bür­ger­meis­te­rin setz­te den Rechts­ra­di­ka­len eine Frist für den Rück­bau. Ande­ren­falls wür­de die Stadt Rom die Ent­fer­nung der Let­tern ver­an­las­sen. Die Ver­tre­ter der Casa­Pound Ita­lia gaben sich selbst­be­wusst, leg­ten jedoch kurz vor dem Ablauf des gesetz­ten Ulti­ma­tums selbst Hand an und ent­fern­ten zäh­ne­knir­schend den im Stil der 1920er Jah­re gestal­te­ten CasaPound-Schriftzug.

Dies ist ein wei­te­rer Schritt in den Bemü­hun­gen der Kom­mu­ne Rom, das von den Faschist*innen im Dezem­ber 2003 besetz­te Gebäu­de wie­der selbst zu ver­wal­ten. 4,6 Mil­lio­nen Euro Miet­ein­nah­men sol­len der Kom­mu­ne durch die Fremd­nut­zung durch Casa­Pound ent­gan­gen sein. In den ers­ten fünf Jah­ren wur­de die Beset­zung durch den sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Bür­ger­meis­ter Wal­ter Vel­tro­ni tole­riert. Sein Nach­fol­ger, der Faschist Gio­van­ni Ale­man­no, pro­te­gier­te wäh­rend sei­ner Amts­zeit von 2008 bis 2013 Casa­Pound Ita­lia. In den Jah­ren 2013 bis 2016 igno­rier­ten die Stadt­obe­ren die „Faschis­ten des 21. Jahr­hun­derts“, wie sie sich sel­ber nen­nen, und ihre Beset­zung. Erst mit der letz­ten Kom­mu­nal­wahl und der seit Mit­te 2016 amtie­ren­den Bür­ger­meis­te­rin Vir­gi­nia Rag­gi von der Par­tei Movimento5Stelle bekam Casa­Pound Ita­lia Gegen­wind. Seit Anfang die­sen Jah­res steht der Ent­schluss der Rats­mehr­heit aus Movimento5Stelle und Par­ti­to Demo­cra­ti­co fest, dass die Beset­zung zu räu­men sei. Allein der Innen­mi­nis­ter Matteo Sal­vi­ni von der ras­sis­ti­schen Lega sträubt sich, die kom­mu­na­le Ent­schei­dungs­ho­heit der Haupt­stadt zu akzep­tie­ren und ver­wei­gert sei­ne Zustim­mung zu die­ser poli­zei­li­chen Maß­nah­me. Sal­vi­ni und Casa­Pound Ita­lia koope­rier­ten vor eini­gen Jah­ren in dem Wahl­bünd­nis „Sov­ra­ni­ta“ [dt.: Sou­ve­rä­ni­tät]. Dar­über hin­aus lässt Sal­vi­ni kei­ne Gele­gen­heit aus, sei­ne Sym­pa­thien für Casa­Pound Ita­lia zu bekun­den. Dies führ­te Mit­te Mai die­sen Jah­res zu einem erneu­ten Skan­dal, als der Casa­Pound Ver­lag „Altaf­or­te Edi­zio­ni“ den Inter­view­band der Jour­na­lis­tin Chia­ra Gian­ni­ni „Io sono Matteo Sal­vi­ni“ auf der Turi­ner Buch­mes­se prä­sen­tie­ren wollte.

„Ich bin Sal­vi­ni. …“ aus dem Ver­lag Manu­s­kr­itum, Erschei­nungs­da­tum im Sep­tem­ber 2019 (screen­shot)

(Das Buch „Io sono Matteo Sal­vi­ni“ soll dem­nächst in dem mit Götz Kubit­scheks Antai­os Ver­lag ver­bun­de­nen Manu­scrip­tum Ver­lag unter dem Titel „Ich bin Matteo Sal­vi­ni“ erschei­nen. Ein Vor­wort dazu lie­fern der Autor des „Jun­g­eu­ro­pa Ver­lags“ Eber­hard Straub und der  „Jun­ge Frei­heit“ Autor Wulf D. Wag­ner. Wag­ner ver­öf­fent­lich­te Anfang die­sen Jah­res einen begeis­ter­ten Bericht über den Casa­Pound-Auf­marsch zu Acca Laren­tia auf dem Online-Por­tal Phi­lo­so­phia Peren­nis.)

 

Casa­Pound in der Krise

Wie lan­ge Matteo Sal­vi­ni bei der der­zei­ti­gen Regie­rungs­kri­se noch Innen­mi­nis­ter bleibt ist frag­lich. Ein neu­er Innen­mi­nis­ter wür­de vor der Ent­schei­dung ste­hen, die von der Lan­des­haupt­stadt ein­ge­for­der­te Räu­mung der Casa­Pound Beset­zung wei­ter­hin wie Sal­vi­ni zu behin­dern oder dem Ersu­chen der Stadt Rom nach­zu­kom­men, das Gebäu­de in der Via Napo­leo­ne III Nr. 8 poli­zei­lich räu­men zu las­sen. Für Casa­Pound bedeu­tet die even­tu­el­le Räu­mung ein gro­ßes Pro­blem. Ist doch die Via Napo­leo­ne III ihr offi­zi­el­les Aus­hän­ge­schild als natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­re Bewe­gung. Zum jet­zi­gen Zeit­punkt die­ses Aus­hän­ge­schild zu ver­lie­ren wäre für Casa­Pound Ita­lia desas­trös. Und so wun­dert es nicht, dass sich der Par­tei­se­kre­tär von Casa­Pound Ita­lia, Simo­ne di Ste­fa­no, am 22. August fast panisch für Neu­wah­len aus­spricht. Dies in der Hoff­nung Matteo Sal­vi­ni als kom­men­den Regie­rungs­chef zu sehen. Eine Regie­rungs­um­bil­dung und Koali­ti­on aus Movimento5Stelle und sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Par­ti­to Demo­cra­ti­co käme für Casa­Pound Ita­lia denk­bar schlecht.

Die Bewe­gung befin­det sich zur Zeit in einer Kri­se. Sie hat im Juni die­sen Jah­res ihre seit fünf Jah­ren ver­folg­te Stra­te­gie, als Wahl­par­tei anzu­tre­ten, für been­det erklärt. Nun muss die Füh­rung der Casa­Pound Ita­lia eine neue, gang­ba­re Stra­te­gie in der sich rapi­de ver­än­dern­den poli­ti­schen Situa­ti­on Ita­li­ens kre­ieren. Sie muss ihre Mit­glie­der und Anhänger*innen für die­se neue Stra­te­gie gewin­nen und dabei ver­mut­lich eine wei­te­re Abwan­de­rung von Mit­glie­dern, Wähler*innen und Sympathisant*innen zu ande­ren rech­ten Par­tei­en hin­neh­men müs­sen. Eine wei­te­re Abwan­de­rung, denn schon bei der Euro­pa­wahl ent­schie­den sich vie­le ihrer Wähler*innen für die Lega oder Fratel­li d‚Italia. Das Glei­che gilt für die ca. 100 Mandatsträger*innen, die für Casa­Pound Ita­lia in diver­sen kom­mu­na­len Räten sit­zen. Als Casa­Pound Ita­lia zur Jah­res­wen­de 201718 Wahl­er­fol­ge erziel­te, wech­sel­ten in Geno­va, Man­to­va, Mon­te­li­bret­ti, Trenza­no, Colo­g­no Mon­ze­se, Nero­la, Vil­la­no­va di San Boni­fa­cio Mandatsträger*innen der faschis­ti­schen Fratel­li d‚Italia und der Lega zu Casa­Pound Ita­lia. Jetzt könn­te sich ein umge­kehr­ter Trend voll­zie­hen. Zudem beinhal­te­te die Stra­te­gie auf Wah­len zu set­zen, dass Casa­Pound Ita­lia flä­chen­de­ckend in Ita­li­en als Par­tei prä­sent sein muss­te bzw. sein woll­te. Dies war ver­bun­den mit dem Kon­zept eines ste­ten Auf­baus einer dazu not­wen­di­gen Infra­struk­tur, u.a. der Eröff­nung neu­er Par­tei­sit­ze. Seit dem Jahr 2013, als Casa­Pound das ers­te Mal als Wahl­par­tei antrat, ist durch­schnitt­lich jeden Monat ein neu­er Par­tei­sitz eröff­net wor­den. Im Jahr 2013 ver­füg­te Casa­Pound über 51 Stütz­punk­te. Mit der letz­ten Eröff­nung in Fla­mi­nio am 18. Mai die­ses Jah­res beläuft sich die Anzahl ihrer Nie­der­las­sun­gen auf 144. (So Casa­Pound Ita­lia. Mei­ne Zäh­lung ergibt 142 Sit­ze.) Wird Casa­Pound Ita­lia die­se Par­tei­sit­ze unter den jet­zi­gen Bedin­gun­gen hal­ten kön­nen? Wie sieht es mit den finan­zi­el­len Res­sour­cen der Bewe­gung aus? Dar­über hin­aus ste­hen dem­nächst in Mai­land, Rom, Nea­pel, Turin, Genua und Bari diver­se Straf­pro­zes­se wegen schwe­rer Straf­ta­ten gegen füh­ren­de Reprä­sen­tan­ten der Casa­Pound Ita­lia an. Dazu der Pro­zess gegen zwei Casa­Pound Mit­glie­der, die am12. April die­sen Jah­res eine Kame­ra­din besof­fen mach­ten, in den Casa­Pound Sitz „Old Man­ners Tavern“ in Viter­bo lock­ten, sie bewusst­los schlu­gen und meh­re­re Stun­den ver­ge­wal­tig­ten. Haus­durch­su­chun­gen bei den bei­den Ver­ge­wal­ti­gern von Casa­Pound Ita­lia för­der­ten ein Han­dy mit Film­auf­nah­men der Ver­ge­wal­ti­gung zu Tage. Einer der bei­den Täter, Fran­ces­co Chi­ri­coz­zi, saß für Casa­Pound im Rat der Com­mu­ne Val­lera­no, wo Casa­Pound Ita­lia bei der letz­ten Kom­mu­nal­wahl mehr als 21 % der Stim­men und drei Rats­sit­ze bekam. Auch das dürf­te der Bewe­gung Kopf­zer­bre­chen bereiten.

Nach außen hin gibt sich Casa­Pound Ita­lia unbe­ein­druckt und ver­brei­tet im In- und Aus­land Zuver­sicht. So zeig­te sich Anfang August Alber­to Pal­la­di­no in einem auf dem Blog des rech­ten Jun­g­eu­ro­pa-Ver­lags erschie­ne­nen Inter­view selbst­be­wusst und zuver­sicht­lich ange­sichts der Auf­for­de­rung der Bür­ger­meis­te­rin von Rom, den Schrift­zug zu ent­fer­nen. Geführt hat­te das Inter­view John Hoe­wer, Bei­sit­zer im Vor­stand der Jun­gen Alter­na­ti­ve im Bun­des­land Sach­sen-Anhalt. Hoe­wer war es auch, der sich im Juli die­ses Jah­res auf dem Jun­g­eu­ro­pa-Blog an einer Ana­ly­se des Casa­Pound-Aus­stiegs aus der Par­tei­en­land­schaft ver­such­te. Der Ver­lag Jun­g­eu­ro­pa wur­de 2016 durch den umtrie­bi­gen rech­ten Ver­le­ger Phil­ip Stein gegrün­det und zeigt offen sei­ne Sym­pa­thie für den (neu­en) ita­lie­ni­schen Faschis­mus. Zum Ein­kni­cken der ita­lie­ni­schen Faschist*innen und dem Selbst-Hand­an­le­gen an den his­to­ri­schen Schrift­zug erschien dann aber nichts mehr auf der Inter­net­si­te des rech­ten Verlags.

Das Pal­la­di­no von Casa­Pound zum Inter­view­part­ner von Hoe­wer avan­cier­te, ver­wun­dert nicht. Im August 2018 gas­tier­te Pal­la­di­no neben Vale­rio Bene­detti und Ole­na Semen­ya­ka auf einer Tagung des Jun­g­eu­ro­pa Ver­lags mit dem Titel „Jun­g­eu­ro­pa-Forum“. Und in die­sem Jahr dürf­te Alber­to Pal­la­di­no der Refe­rent gewe­sen sein, der im „Flam­berg“, dem iden­ti­tä­ren Treff­punkt in Hal­le (Saa­le), beim ita­lie­ni­schen Abend über den „Kul­tur­kampf von Rechts“ referierte.

Inter­es­sant für den Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess von Casa­Pound Ita­lia dürf­te das nächs­te natio­na­le Fest, das seit 2008 statt­fin­den­de „Dire­zio­ne Rivo­lu­zio­ne“ [dt.: Rich­tung Revo­lu­ti­on] wer­den. Es fin­det Anfang Sep­tem­ber in Vero­na statt. Noch sind Referent*innen, Vor­trä­ge und Arbeits­grup­pen nicht ange­kün­digt. Das Musik­pro­gramm hin­ge­gen wur­de schon bekannt gege­ben. Am Don­ners­tag, 5. Sep­tem­ber, sol­len „Topi Neri“, „Sköll“, „Deci­ma Bal­der“ und „RDD“ auf­tre­ten, am Frei­tag, 6. Sep­tem­ber, „SPQR“, „Bron­son“, „Sum­bu Bro­thers“, „Bel­la­tor“ und „DPR“ aus Chi­le. Und für Sams­tag, 7. Sep­tem­ber“, sind „Zeta­Ze­ro­Al­fa“, „Ulti­ma Fron­tie­ra“ „ADL 122“ „Wild Alley“ und „Fan­tas­mi del Pas­sa­to“ ange­kün­digt — eine wah­re Hor­ror­lis­te faschis­ti­scher „Kul­tur“.

Zei­tungs­ar­ti­kel zum The­ma: Roma, Rag­gi nel palaz­zo occup­a­to da Casa­Pound: „Via la scrit­ta dal­la fac­cia­ta“ (La Repub­bli­ca, 25.07.2019); Via la scrit­ta Casa­Pound dal­la sede Rag­gi: „Ora sgom­be­ria­mo il palaz­zo“ (La Repub­bli­ca, 07.08.2019)

Klimawandel und Faschismus

Tagebau Welzow-Süd: Blühende Landschaften. Foto: Burschel
Tage­bau Wel­zow-Süd: Blü­hen­de Land­schaf­ten. Foto: Burschel

Auf den ers­ten Blick schei­nen die anti­fa­schis­ti­sche und die Kli­ma­ge­rech­tig­keits­be­we­gung wenig gemein zu haben. Die Autor*innen die­ses Bei­trags, Ila­na Krau­se und Florain Tel­ler, fra­gen nach Mög­lich­kei­ten und ver­wei­sen auf Not­wen­dig­kei­ten einer Ver­zah­nung anti­fa­schis­ti­scher Kämp­fe mit jenen der Kli­ma­ge­rech­tig­keits­be­we­gung. Ein Mobi­li­sie­rungs­bei­trag zum Kli­ma­camp in Pödel­witz im Leip­zi­ger Land vom 3. — 12.8.2019, das die Rosa-Luxem­burg-Stif­tung för­dert. Wei­ter­le­sen „Kli­ma­wan­del und Faschismus“

Aus für CasaPound-Partei

Simo­ne di Ste­fa­no: „Rin inne Kart­üb­beln, rut ut de Kart­üb­beln“ (Screen­shot)

Gut einen Monat war es still um die faschis­ti­sche Bewe­gungs­par­tei Casa­Pound Ita­lia gewe­sen. Seit ihrem kata­stro­pha­len Wahl­er­geb­nis von 0,33 Pro­zent der abge­ge­be­nen Stim­men bei der Wahl zum EU-Par­la­ment Ende Mai 2019 gab es zwar eini­ge Ver­an­stal­tun­gen der Faschist*innen und auch das Casa­Pound Fes­ti­val „Tana del­le tigri 11“ fand am 22. Juni in Rom mit gro­ßer Betei­li­gung statt. Aber die übli­chen Medi­en­ka­nä­le der „fascis­ti del ter­zo mill­en­nio“ (dt.: Faschis­ten des 21. Jahr­hun­derts) erschie­nen merk­wür­dig ver­waist, ihre ansons­ten groß­spu­ri­gen Ankün­di­gun­gen unter­blie­ben und die Auf­trit­te ihrer Exponent*innen wirk­ten gera­de­zu zag­haft. Seit dem 27. Juni 2019 ist nun die Kat­ze aus dem Sack: Casa­Pound gibt ihre Par­tei­ar­beit auf. Wei­ter­le­sen „Aus für CasaPound-Partei“