Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Empowerment ist ein politischer Begriff

Themen : Allgemein, Empowerment?!, Rassismus · (1) Kommentar · von 14. Januar 2015

Žakli­na, wel­che Bedeu­tung hat Empower­ment für dich?

Für mich per­sön­lich ist Empower­ment eine wich­ti­ge Hand­lungs­op­ti­on in mei­nem Leben: mit Men­schen zusam­men­zu­kom­men, die mich in mei­nen Fra­gen und in den Belan­gen unter­stüt­zen, wo ich auch Unter­stüt­zung geben kann, wo ich Stär­kung erfah­ren und soli­da­risch sein kann. Empower­ment ist ein Pro­zess und auch ein Raum, wo ich mit Gleich­ge­sinn­ten zusam­men­sit­zen und Hand­lungs­stra­te­gien ent­wi­ckeln kann. Empower­ment wird oft mit Selbst­er­mäch­ti­gung über­setzt. Ich glau­be, Selbst­er­mäch­ti­gung ist Teil von Empower­ment-Pro­zes­sen, aber wenn wir bei Selbst­er­mäch­ti­gung ste­hen blei­ben, dann kriegt es auch etwas Neo­li­be­ra­les: «Ja, wenn du willst, dann schaffst du es!» Mit Selbst­er­mäch­ti­gung ist im Grun­de gemeint, Räu­me zu haben, in denen ich mich mit Gleich­ge­sinn­ten aus­tau­schen kann. Das muss aber auch wei­ter­ge­hen. Über die­se Räu­me des Aus­tau­sches hin­aus müs­sen For­de­run­gen durch­ge­setzt wer­den, gera­de im Bereich von Ras­sis­mus und Herr­schafts­ver­hält­nis­sen. Es darf nicht bei einem «Ich muss mich selbst stär­ken» ste­hen blei­ben.


Zur Notwendigkeit einer rassismuskritischen Sprache

Denk- und Hand­lungs­for­men, die an ras­sis­ti­sche Unter­schei­dun­gen anschlie­ßen und die kul­tu­rell-dis­kur­si­ve Gel­tung die­ser For­men bekräf­ti­gen, ver­mit­teln auf unter­schied­li­chen gesell­schaft­li­chen Ebe­nen Wirk­lich­keit. Die­se Wirk­lich­keit betrifft Ein­zel­per­son und Grup­pen; sie ist aber auch kenn­zeich­nend für orga­ni­sa­tio­na­le (etwa für Insti­tu­tio­nen des Bil­dungs­sys­tems) und struk­tu­rel­le Zusam­men­hän­ge (etwa Recht­spre­chung). Dis­kur­se und Pra­xen, die Aus­druck natio-eth­no-kul­tu­rel­ler Domi­nanz­ver­hält­nis­se sind, bestä­ti­gen und sta­bi­li­sie­ren das Sys­tem ras­sis­ti­scher Unter­schei­dun­gen.

Ras­sis­mus­kri­tik bezeich­net ein erkennt­nis­po­li­ti­sches Enga­ge­ment, das Deu­tun­gen und Ter­mi­ni, eine Spra­che also anbie­tet, erprobt, wei­ter­ent­wi­ckelt, um die­ses macht­vol­le Sys­tem als sol­ches zu erken­nen, refle­xiv, kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Mit­tels Spra­che und Kri­tik kön­nen Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven ent­wi­ckelt wer­den.


Gemeinsam könnten wir das Haus rocken!

Themen : Allgemein, Empowerment?! · 0 Kommentare · von und 14. Januar 2015

Ein Inter­view mit Nina und Son­gül

Nina und Son­gül, ihr habt 2012 die Aus­stel­lung «Lux like Comic – (Un)Mögliche Bil­dungs­we­ge» erstellt. Wie seid ihr auf die Idee gekom­men?

Unser Bil­dungs­auf­trag im Rah­men der Stif­tung war ein Kon­zept zu ent­wi­ckeln, dass die Bil­dungs­si­tua­ti­on von Men­schen, die kei­nen aka­de­mi­schen Hin­ter­grund haben, the­ma­ti­siert und in die Öffent­lich­keit bringt. In einem klei­nen Rah­men konn­ten wir Stu­di­en­sti­pen­di­en für die­se Ziel­grup­pe ver­ge­ben und somit Ein­zel­per­so­nen über eine Finan­zie­rung und Beglei­tung den Zugang zu Hoch­schu­len ermög­li­chen. Unse­re Pro­jekt­ziel­grup­pe waren Men­schen ohne aka­de­mi­schen Bil­dungs­hin­ter­grund, das bedeu­tet Men­schen, deren Elter_n nicht stu­diert haben und die sich im Über­gang von Schule/Praktikum ins Berufsleben/Studium befin­den.

Die finan­zi­el­len Rah­men­be­din­gun­gen waren in die­sem Pro­jekt ziem­lich gut. Da konn­ten wir unse­re Ideen und Krea­ti­vi­tät gut ent­fal­ten. Was uns etwas Druck berei­tet hat, war, dass wir nur eine sehr begrenz­te Zeit hat­ten, die­ses Pro­jekt umzu­set­zen. Und wir woll­ten das Pro­jekt ja über einen lin­ken Kreis von Inter­es­sier­ten hin­aus in die Öffent­lich­keit brin­gen – und zwar mit Berück­sich­ti­gung von struk­tu­rel­len Macht­ver­hält­nis­sen, die bei Dis­kur­sen rund um PISA meis­tens aus dem Blick gera­ten. Daher woll­ten wir das The­ma so ange­hen, dass es alle angeht und alle inter­es­siert. Dazu bedurf­te es auch, dass wir das The­ma aus den aka­de­mi­schen Kon­tex­ten raus­ho­len und bar­rie­re­frei­er gestal­ten.