Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Ursula Haverbeck: Leugnen bis zum letzten Atemzug

Themen : Allgemein, Antisemitismus, Geschichte, Neonazismus · 0 Kommentare · von 20. November 2020

Blu­men für die Holo­caust­leug­ne­rin: Ursu­la Haver­beck ist in der „poli­ti­schen Erwach­se­nen­bil­dung“ tätig. Vor Gericht ver­tritt sie der noto­ri­sche Wolf­ram Nah­rath.     Foto: Kim Winkler

92 Jah­re und kein biss­chen wei­se: Vor dem Amts­ge­richt Tier­gar­ten begann Mit­te Novem­ber der Pro­zess gegen die noto­ri­sche Holo­caust­leug­ne­rin Ursu­la Haver­beck. Ange­klagt ist die Hoch­be­tag­te wegen Volks­ver­het­zung. Sie muss sich nicht das ers­te Mal wegen eines sol­chen Vor­wurfs ver­ant­wor­ten. Erst Anfang Novem­ber wur­de sie aus einer zwei­jäh­ri­gen Haft ent­las­sen, die sie wegen mehr­ma­li­ger Leug­nung des Holo­caust antre­ten musste. 


Halle Prozess: Attentäter voll schuldfähig

Tagen im Pro­vi­so­ri­um: In der Biblioi­thek des Land­ge­richts Mag­de­burg wird das Atten­tat von Hal­le ver­han­delt    Foto: Burschel

Ich füh­le mich in mei­ner Ehre als Anti­se­mit ver­letzt, dass man mir das unter­stellt!“ und „Ich glau­be nicht an Ver­schwö­rungs­theo­rien, die jüdi­sche Welt­ver­schwö­rung gibt es wirk­lich!“ So und ähn­lich reagiert der Atten­tä­ter von Hal­le wütend auf die Vor­stel­lung des psych­ia­tri­schen Gut­ach­tens, dass am 18. Ver­hand­lungs­tag des Hal­le-Pro­zes­ses der wich­tigs­te Punkt auf der Tages­ord­nung ist.


80. Todestag Walter Benjamins: Erinnern heißt kämpfen

Ein Gedenk­ort für Wal­ter Ben­ja­min: Eine Trep­pe der Erin­ne­rung an den jüdi­schen Phi­lo­so­phen im kata­la­ni­schen Port Bou, wo er sich das Leben auf der Flucht vor den Nazis nahm.

In der Nacht vom 26. auf den 27. Sep­tem­ber 1940 starb Wal­ter Ben­ja­min. Der Foto­gra­fin Hen­ny Gur­land, die wie Ben­ja­min Teil der Flüch­ten­den-Grup­pe auf ihrem Fuß­weg über die Pyre­nä­en bis zur spa­nisch-fran­zö­si­schen Gren­ze war, soll er Stun­den vor sei­nem Tod einen Abschieds­brief über­ge­ben haben. Sein Freund und Kol­le­ge Theo­dor W. Ador­no hät­te ihn erhal­ten sol­len, erklä­rend, dass die „aus­weg­lo­se Situa­ti­on“ sei­ner miss­lin­gen­den Flucht aus Vichy-Frank­reich Ben­ja­min kei­ne ande­re Mög­lich­keit gelas­sen habe, als den Frei­tod zu wählen.


Debatte: Antisemitismuskritik in der Pädagogik

Themen : Allgemein, Antisemitismus, Rassismus · 0 Kommentare · von 18. Mai 2020

Anti­se­mi­ti­sche Ideen und Äuße­run­gen sind gera­de wie­der erschre­ckend aktu­ell (hier Teilnehmer*innen einer „Hygie­ne­de­mos“). Die Fra­ge des päd­ago­gi­schen Umgangs damit natür­lich auch. Foto: Privat

Das Feld von Anti­se­mi­tis­mus­kri­tik und ‑bekämp­fung ist emo­tio­nal und poli­tisch hoch auf­ge­la­den. Im poli­ti­schen Dis­kurs sind man­che Ver­ein­deu­ti­gun­gen und nor­ma­ti­ve Aus­sa­gen nach­voll­zieh­bar und in ein­zel­nen Fäl­len sogar not­wen­dig. Anti­se­mi­tis­mus kann durch Bil­dungs­maß­nah­men nicht abge­schafft wer­den. Was aber im Rah­men der Mög­lich­kei­ten liegt, ist Anti­se­mi­tis­mus „zu erken­nen, Empa­thie mit den Opfern her(zu)stellen sowie Gegen­stra­te­gien (zu) erpro­ben.“ (S.9) Ein sol­ches Bewusst­sein über die Gren­zen des­sen, was Bil­dungs­ar­beit leis­ten kann, liegt quer zu öffent­li­chen und poli­ti­schen Erwar­tun­gen an die Päd­ago­gik, wenn im Anschluss an als anti­se­mi­tisch wahr­ge­nom­me­ne Vor­fäl­le nach der päd­ago­gi­schen Feu­er­wehr geru­fen wird.


Thüringen: Rechte Gewalt in Zeiten der Krise

Pro­tes­te gegen rechts in Erfurt 2019: Die Vie­len gegen den ras­sis­ti­schen „Flü­gel“

713 Fäl­le rech­ter, ras­sis­ti­scher und anti­se­mi­ti­scher Gewalt in Thü­rin­gen zählt die Bera­tungs­stel­le ezra aus Erfurt seit 2015. Das erklär­ten die Sprecher*innen The­re­sa Lauß und Franz Zobel bei einer Pres­se­kon­fe­renz Mit­te März. Sie spra­chen von einer zuneh­men­den Eska­la­ti­on ras­sis­ti­scher Gewalt und von einem damit ein­her­ge­hen­den „Kli­ma der Angst“.
Im letz­ten Jahr regis­trier­te ezra 108 Vor­fäl­le rech­ter Gewalt mit min­des­tens 155 Betrof­fe­nen. Die­se Zah­len von 2019 beschrei­ben zwar einen leich­ten Rück­gang im Ver­gleich zu 166 Taten im Vor­jahr, sind aber — mit einer doku­men­tier­ten Gewalt­tat mit ras­sis­ti­scher Moti­va­ti­on fast jeden drit­ten Tag — den­noch erschre­ckend hoch. Dies sei mit dem gene­rel­len poli­ti­schen Kli­ma der letz­ten Jah­re zu erklä­ren — dem Wachs­tum von Bewe­gun­gen wie Pegi­da und einer Par­tei wie der AfD. So habe es seit 2015 rund 140 Angrif­fe jedes Jahr in Thü­rin­gen gegeben.


Architektonischer Antisemitismus

Es kommt echt nicht häu­fig vor, dass ich eine Zeit­schrift von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te durch­le­se: Die aktu­el­le ARCH+ Nr. 235 zu „Rech­ten Räu­men“ habe ich atem­los durch­ge­le­sen, ent­setzt vom faschis­ti­schen Pan­ora­ma eines Euro­pas auf dem Weg in die Bar­ba­rei, das das Heft abschrei­tet. Und die­se Aus­ga­be einer renom­mier­ten Archi­tek­tur-Zeit­schrift ist durch­aus nicht nur für Baumeister*innen und Architekturkritiker*innen (Sind wir das nicht alle?) inter­es­sant und schafft es „Rech­te Räu­me“ zu defi­nie­ren, die dahin­ter lie­gen­de Städ­te­bau­po­li­tik, die bau­li­che geschichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Erin­ne­rungs­kul­tur und den rech­ten Rekon­struk­ti­ons­wahn frei­zu­le­gen und den Zusam­men­hang her­zu­stel­len zur aktu­el­len völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Renais­sance und zum offe­nen Faschis­mus in Europa. 


Projekttag mit Nazi: Intervention im Hamburger Schulskandal

Eine het­ze­ri­sche Ver­tei­di­gungs­re­de des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Rechts­an­walts Alfred Holl aus dem Jahr 1924, auf die sich Wolf ohne Abstri­che beruft. Für die Schul­be­hör­de offen­bar kein Problem.

Nach den Aus­ein­an­der­set­zun­gen an zwei Ham­bur­ger Schu­len zum anti­fa­schis­ti­schen Enga­ge­ment eini­ger ihrer Schü­ler war es am Hele­ne-Lan­ge-Gym­na­si­um mit Bil­li­gung der Schul­be­hör­de zu einer Vor­trags­ver­an­stal­tung des AfD-Poli­ti­kers und Mit­glieds der Bür­ger­schaft, Alex­an­der Wolf, gekom­men. Dass Wolf ein lupen­rei­ner Nazi mit enthu­si­as­ti­schen Bezü­gen zum Natio­nal­so­zia­lis­mus ist, war dabei kein Hin­de­rungs­grund. Ein erschüt­tern­des Bei­spiel für ver­scho­be­ne und ver­schro­be­ne Sag­bar­keits­gren­zen, aus der Feder eines Schü­ler­va­ters, des Poli­to­lo­gen Dr. Mar­kus Mohr.


Rosa Luxemburgs Rückkehr nach Zamość

Die Wahr­heit kommt immer ans Licht. Selbst Gott kann die Wahr­heit nicht ändern. Das kön­nen nur His­to­ri­ker.“ Der das sagt, ist Pro­fes­sor Nicho­las Kittri, der hoch betag­te Nef­fe des Wider­stands­kämp­fers Leon Feld­hend­ler, dem an die­sem Tag pos­tum ein hoher Orden des pol­ni­schen Mili­tärs ver­lie­hen wird. Anlass ist der 75. Jah­res­tag des Häft­lings­auf­stands im deut­schen Mas­sen­mord­la­ger Sobi­bór in Ost­po­len, nahe der ukrai­ni­schen und der weiß­rus­si­schen Gren­ze. Am 14. Okto­ber 1943 erho­ben sich die jüdi­schen Häft­lin­ge, die den Nazis als Instru­men­te der Ver­nich­tung in den Gas­kam­mern von Sobi­bór dien­ten, gegen ihre Pei­ni­ger. Feld­hend­ler und der Leut­nant der Roten Armee, Alex­an­der Pet­scher­ski, führ­ten den Auf­stand an. Die Gefan­ge­nen töte­ten 12 SS-Män­ner und tra­ten eine ver­zwei­fel­te Flucht durch Sta­chel­draht­ver­hau und das Minen­feld an. Von den etwa 365 Flie­hen­den erreich­ten nur rund 200 den nahen, ret­ten­den Wald und flo­hen wei­ter. Bis zur Befrei­ung durch die Rote Armee Mit­te 1944 wur­den wei­te­re etwa 150 Geflo­he­ne durch die Deut­schen, durch pol­ni­sche Kol­la­bo­ra­teu­re und anti­se­mi­ti­sche Par­ti­sa­nen­grup­pen ermor­det. 47 der ehe­ma­li­gen Sobi­bór-Häft­lin­ge über­leb­ten die deut­sche Besatzung. 


Bastion Social – eine französische Bewegung à la CasaPound

Die faschis­ti­sche Bewe­gungs­par­tei „Casa­Pound Ita­lia“ fin­det euro­pa­weit Nach­ah­mer. Zur Zeit ist es die natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Sam­mel­be­we­gung „Bas­ti­on Social“, die in Frank­reich von sich Reden macht.

für Car­lo und Nel­lo Rosselli

In den letz­ten Wochen hat eine neue extrem rech­te Bewe­gung mit den Namen „Bas­ti­on Social“ in Stras­bourg, Lyon und Cham­bé­ry drei Sit­ze eröff­net. Die Eröff­nung eines wei­te­ren Stütz­punkts wur­de für den 10. Febru­ar in Aix-en-Pro­vence ange­kün­digt. Trei­ben­de Kraft der Bewe­gung ist die extrem rech­te Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­ti­on „Grou­pe Uni­on Défen­se“ (GUD). Mit der „Bas­ti­on Social“, die das ers­te Mal im Mai 2017 mit einer Haus­be­set­zung in Lyon von sich reden mach­te, ist eine Samm­lungs­be­we­gung ent­stan­den, die sich bemüht in dem außer­par­la­men­ta­ri­schen Bereich der extre­men Rech­ten unter­schied­li­che Grup­pen zusam­men­zu­füh­ren, zu ver­ein­heit­li­chen und eine natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung nach dem Vor­bild der „Casa­Pound Ita­lia“ in Frank­reich zu kreieren.


1938Projekt: Das Leo Baeck Institute präsentiert „Posts from the Past“

1938Projekt: Das Leo Baeck Institute präsentiert „Posts from the Past“

Ger­ne wei­sen wir auf ein außer­ge­wöhn­li­ches und berüh­ren­des Online- und Aus­stel­lungs­pro­jekt des Leo Baeck Insti­tuts New York | Ber­lin hin…