Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


#leavenoonebehind: Appelle verhallen ungehört

Kin­der ret­ten“: Der Appell zum Schutz wenigs­tens der ver­letz­lichs­ten Grup­pen unter den an den EU-Außen­gren­zen gestran­de­ten Geflüch­te­ten ver­hallt bis­her unge­hört. Foto: Uwe Hiksch

Die Bun­des­re­gie­rung hat nicht den poli­ti­schen Wil­len Men­schen in Not zu hel­fen!“, beginnt Tareq Alaows von der See­brü­cke sein State­ment auf einer Online-Pres­se­kon­fe­renz, die die See­brü­cke  gemein­sam mit Pro Asyl und den Lan­des­flücht­lings­rä­ten vor weni­gen Tagen aus­ge­rich­tet hat. Unter dem Titel „Nie­mand darf zurück­ge­las­sen wer­den“ berich­te­ten Vertreter*innen die­ser Orga­ni­sa­tio­nen und ein Bewoh­ner der Gemein­schafts­un­ter­kunft in Hen­nings­dorf (Ober­ha­vel) über die Situa­ti­on und die Per­spek­ti­ven von Geflüch­te­ten in Deutsch­land und an den euro­päi­schen Außen­gren­zen.


Kein Problem mit rechtem Terror

Themen : Allgemein, Antifa, Antira, Neonazismus, NSU-Komplex · 0 Kommentare · von 26. März 2020

#SayTheir­N­a­mes: Erin­ne­rungs­zei­chen für die Ermor­de­ten in Ber­lin-Neu­kölln

Am Ran­de einer der ers­ten Kund­ge­bun­gen nach dem Mas­sa­ker von Hanau, dem acht Besu­cher und eine Ange­stell­te in zwei Shi­sha-Bars sowie die Mut­ter des Atten­tä­ters zum Opfer gefal­len waren, stell­te sich der hes­si­sche Minis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier, nach den übli­chen Betrof­fen­heits­übun­gen auf der Büh­ne, live den Fra­gen des Repor­ters Mar­kus Gür­ne für den ARD-Brenn­punkt am 20. Febru­ar. Gür­ne stell­te die durch­aus nahe­lie­gen­de Fra­ge: „War­um hat Hes­sen eigent­lich so ein beson­de­res Pro­blem?“ Dass Bouf­fier sagen wür­de: „Ich glau­be nicht, dass wir ein beson­ders Pro­blem haben“, war klar.


Klöckners Corona-Regime: Asylsuchende zur Feldarbeit

Screen­shot Auf­ma­cher Bild-Zei­tung

Es muss eigent­lich nicht dar­über dis­ku­tiert wer­den: Wäh­rend der Coro­na-Kri­se muss die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit aus­rei­chen­den und qua­li­ta­tiv guten Lebens­mit­teln gesi­chert wer­den. Das gilt aus­nahms­los für alle. Sowohl für die Bevöl­ke­rungs­grup­pen, deren Ein­kom­men wei­ter gezahlt wer­den oder die ein finan­zi­el­les Pols­ter besit­zen, als auch für die Per­so­nen, die schon seit vie­len Jah­ren einen hohen Teil ihres Ein­kom­mens oder ihrer Trans­fer­leis­tun­gen für die Ver­sor­gung mit Nah­rungs­mit­teln aus­ge­ben müs­sen. Die Ver­sor­gung mit Essen muss an ers­ter Stel­le ste­hen, wes­halb auch aktu­ell die (durch­aus berech­tig­te) lin­ke Kri­tik am Sys­tem der «Tafeln» aus­ge­setzt wer­den soll­te.


Yalla Intersektionalität!

Ein Abend in der Fahi­mi-Bar mit Lady Bitch Ray

Bei Rey­han Şahin aka „Lady Bitch Ray“ han­delt es sich um eine viel­sei­ti­ge Frau, die sich ihres Kön­nens und ihres Wis­sens bewusst ist. Man nennt sie auch Dr. Bitch Ray, ein Name der sowohl ihren 2012 erwor­be­nen Dok­tor­ti­tel, als auch ihren Künst­le­rin­nen­na­men als Rap­pe­rin ent­hält. Rey­han ist eine Rap­pe­rin, wie man sie sonst in Deutsch­land nicht kennt: Aka­de­misch ver­siert, poli­tisch aktiv und zugleich sex­po­si­tiv rap­pend. Der Kar­rie­re als „Lady Bitch Ray“ hat sie mitt­ler­wei­le jedoch den Rücken zuge­wandt. Sie hat­te genug von den Sexis­men und Ras­sis­men in der Hip-Hop-Com­mu­ni­ty, genug davon sich selbst erklä­ren und recht­fer­ti­gen zu müs­sen, genug davon „mit einer Wand zu reden.“ Immer­hin hat sie vor andert­halb Jah­ren noch ein­mal zwei Rap-Songs ein­ge­spielt.  Nun ver­brei­tet sie ihre Gedan­ken auf neu­em Wege, wie zum Bei­spiel über ihr drit­tes und neus­tes Buch: Yal­la Femi­nis­mus!


Klimawandel und Faschismus

Tagebau Welzow-Süd: Blühende Landschaften. Foto: Burschel

Tage­bau Wel­zow-Süd: Blü­hen­de Land­schaf­ten. Foto: Bur­schel

Auf den ers­ten Blick schei­nen die anti­fa­schis­ti­sche und die Kli­ma­ge­rech­tig­keits­be­we­gung wenig gemein zu haben. Die Autor*innen die­ses Bei­trags, Ila­na Krau­se und Florain Tel­ler, fra­gen nach Mög­lich­kei­ten und ver­wei­sen auf Not­wen­dig­kei­ten einer Ver­zah­nung anti­fa­schis­ti­scher Kämp­fe mit jenen der Kli­ma­ge­rech­tig­keits­be­we­gung. Ein Mobi­li­sie­rungs­bei­trag zum Kli­ma­camp in Pödel­witz im Leip­zi­ger Land vom 3. — 12.8.2019, das die Rosa-Luxem­burg-Stif­tung för­dert.


100 Jahre Abschiebehaft“: Flüchtlingsräte gegen Abschottung

Bil­der­stre­cke von Anto­nia Manns, Livia Spitz und Melis­sa Tobi (Hin­ter­land S. 35)

Im Süden: Hin­ter­land
Unter dem Mot­to „100 Jah­re Abschie­be­haft“ hat die gesell­schafts­kri­ti­sche Quar­tals­schrift des bay­ri­schen Flücht­lings­ra­tes Hin­ter­land mit sei­ner ers­ten Aus­ga­be die­ses Jah­res nicht nur einen bri­san­ten Schwer­punkt gesetzt, son­dern auch eine Kam­pa­gne lan­ciert. Die Kam­pa­gne soll mehr Öffent­lich­keit für die Geschich­te und Aktua­li­tät von Abschie­bung, Abschie­be­haft und Abschot­tungs­po­li­tik schaf­fen. Die Absur­di­tät des Kon­zep­tes Abschie­be­haft wird in den zahl­rei­chen Bei­trä­gen sehr deut­lich: die Inhaf­tier­ten haben sich kei­ner­lei Straf­tat schul­dig gemacht und wer­den den­noch ihrer Frei­heit beraubt; und oft scheint im deut­schen Kon­text die viel gelob­te Rechts­staat­lich­keit bei die­ser Haft wenig Bedeu­tung zu haben.


Mit dem „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“ in den autoritären Staat

Vier­tel­jah­res­heft des Baye­ri­schen Flücht­lings­rats „Hin­ter­land“, Nr. 41: „100 Jah­re Abschie­be­haft“

Ein neu­es Gesetz, gepaart mit Abschre­ckungs­maß­nah­men, soll Geflüch­te­te bun­des­weit zu völ­lig recht­lo­sen Men­schen machen, über die der Staat will­kür­lich ver­fü­gen kann. Ein Kom­men­tar.

Seit der „Flücht­lings­kri­se“ 2015, die in Wahr­heit eine Kri­se der Behör­den im Umgang mit Geflüch­te­ten war, erle­ben wir einen Abbau des Flücht­lings­rechts in erschre­cken­dem Aus­maß. Unab­läs­sig spuckt das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um Papie­re, Ent­wür­fe, Geset­zes­vor­ha­ben aus, ein­zeln oder zu Pake­ten geschnürt. Oft sind die Gemein­hei­ten ver­steckt: Wohl­fahrts­ver­bän­de bekom­men höchs­tens 48 Stun­den für eine Stel­lung­nah­me, über­for­der­te Parlamentarier*innen win­ken die Geset­ze durch.


Integriert euch mit unseren Geschichten“: Der Mord an Burak Bektaş

Gedenk­ver­an­stal­tung für Burak am 7.4.2019 in Süd-Neu­kölln. [Foto: Mil­den­ber­ger]

Der 22-jäh­ri­ge Neu­köll­ner Burak Bek­taş wur­de vor sie­ben Jah­ren auf offe­ner Stra­ße erschos­sen. Bis heu­te sind der Täter oder die Täter*innen nicht gefasst. Am 7. April 2019 ver­sam­mel­ten sich um die 250 Men­schen im Süden Neu­köll­ns, um Buraks zu geden­ken und an die vie­len Fra­ge­zei­chen zu erin­nern, die der nach wie vor unge­klär­te Mord­fall auf­wirft.

Stadtteil-Antifa „Quarticciolo Ribelle“: „Wir schaffen es nur in der Tragödie zusammenzuhalten“

Themen : Allgemein, Antifa, Antira, Europäischer Faschismus · 0 Kommentare · von 8. November 2018

Pale­s­tra Popola­re Quar­tic­cio­lo

Wir befin­den uns zur Zeit an einem kri­ti­schen Punkt – einem ent­schei­den­den Moment. ‚Casa­Pound Ita­lia‘ ver­fügt über eine sehr gro­ße Bewe­gung. Aber wir kön­nen sie stop­pen, wenn wir es schaf­fen mit ande­ren Genoss*innen koor­di­niert zusam­men zu arbei­ten. Wenn wir aber war­ten, wer­den sie wei­ter wach­sen und es wird sehr schwer für uns wer­den.“ So Pie­tro, ein Mit­glied des anti­fa­schis­ti­schen Kol­lek­tivs „Quar­tic­cio­lo Ribel­le“ aus Rom.
Am 25. Sep­tem­ber die­sen Jah­res traf sich antifra*-Korrespondent Hei­ko Koch mit Pie­tro und Mar­co in dem von ihrem Kol­lek­tiv besetz­ten Haus an der Piaz­za Quar­tic­cio­lo in Rom. Er befrag­te sie zu der poli­ti­schen Situa­ti­on in Ita­li­en, sowie zu der Stadt­teil­ar­beit ihre Kol­lek­tivs. Im Anschluss an das Inter­view zeig­ten sie mir den von ihnen betrie­be­nen „Pale­s­tra Popola­re Quar­tic­cio­lo“, der sich unweit des Piaz­za in der Via Ost­u­ni 4 befin­det und wo gera­de ein Box­trai­ning für Teen­ager statt­fand.


Interview: „Wir müssen die Potentiale einer ‚Antifra‘-Bewegung weiterdenken“

Themen : Allgemein, Antifa, Antira, Geschichte · 0 Kommentare · von 8. Oktober 2018

Der Rechts­ruck in Deutsch­land, wel­cher 2015 bald nach dem Som­mer der Migra­ti­on ein­setz­te, ver­langt nach Ant­wor­ten. Bei der Suche danach hilft ein Blick in die Geschich­te des Kamp­fes gegen Rechts. Alex­an­der Hum­mel sprach mit Fried­rich ‚Fritz‘ Bur­schel über die Geschich­te der Anti­fa- und Anti­ra-Bewe­gung, ihre Unter­schie­de und Gemein­sam­kei­ten und die Per­spek­ti­ven einer ‚Antifra‘-Bewegung, wel­che die fal­schen Gegen­sät­ze auf­hebt.

Com­mu­ne: Bevor wir auf die Ver­schrän­kung von Anti­fa­schis­mus und Anti­ras­sis­mus zu spre­chen kom­men, müs­sen wir zunächst die bei­den Kon­zep­te klar aus­ein­an­der hal­ten kön­nen. Wie wür­dest du Anti­fa­schis­mus einer­seits und Anti­ras­sis­mus ande­rer­seits defi­nie­ren?

Fritz Bur­schel: Anti­fa­schis­mus zu defi­nie­ren, ist nicht so leicht; der his­to­ri­sche Bezugs­punkt ist die Anti­fa­schis­ti­sche Akti­on der 1920er und 1930er Jah­re, wo es ein kla­res Feind­bild gab und eine recht ein­deu­ti­ge Aus­rich­tung als mili­tan­te Gegen­wehr und Selbst­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on – natür­lich im Rah­men einer revo­lu­tio­nä­ren, zumin­dest sozia­lis­ti­schen Arbeiter_innenbewegung.