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Vom rassistischen Pogrom ins Europäische Parlament

Mas­si­mi­lia­no Pane­ro und Simo­ne di Ste­fa­no prä­sen­tie­ren das gemein­sa­me Wahl­lo­go am 07.04.2019 (screen­shot)

Ihre Wahl­be­tei­li­gung bei der neun­ten Direkt­wahl zum Euro­päi­schen Par­la­ment im Mai 2019 kün­dig­te am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de die faschis­ti­sche Par­tei Casa­Po­und Ita­lia  an. Par­tei­se­kre­tär Simo­ne di Ste­fa­no prä­sen­tier­te im Innen­mi­nis­te­ri­um das Sym­bol, unter dem die „Faschis­ten des 3. Jahr­tau­send“ antre­ten wer­den, und ver­kün­de­te: „Wir wer­den die [not­wen­di­gen] Unter­schrif­ten [zur Wahl­zu­las­sung] nicht sam­meln müs­sen, auch wenn wir uns auf die­se Even­tua­li­tät bereits vor­be­rei­tet haben, weil sich auf dem von uns prä­sen­tier­ten [Partei]Symbol der Ver­weis auf die „Alli­anz der Euro­päi­schen natio­na­len Bewe­gun­gen“ (AENM) befin­det, die vom unga­ri­schen Euro­pa­par­la­ments­mit­glied Béla Kovács ange­führt wird.“

Die Alli­anz der Euro­päi­schen natio­na­len Bewe­gun­gen

Die Mit­glie­der der „Alli­anz der Euro­päi­schen natio­na­len Bewe­gun­gen“ (AENM) sind die ita­lie­ni­sche „Movi­men­to Socia­le – Fiam­ma Tri­co­lo­re“, die spa­ni­sche „Movi­mi­en­to Soci­al Repu­bli­ca­no“, die eng­li­sche „Bri­tish Natio­nal Par­ty“, die por­tu­gie­si­sche „Par­ti­do Nacio­nal Reno­va­dor“ und seit dem 7. April 2019 eben auch Casa­Po­und Ita­lia.
Der Vor­sit­zen­de der 2009 gegrün­de­ten ultra-rech­ten euro­päi­schen Par­tei­en­al­li­anz AENM ist Béla Kovács. Der Ungar war 2010 dem Abge­ord­ne­ten Zol­tán Bal­c­zó von der neo­na­zis­ti­schen unga­ri­schen Par­tei Job­bik in das Euro­päi­sche Par­la­ment nach­ge­rückt. 2013 folg­te Béla Kovács dem fran­zö­si­schen Faschis­ten Bru­no Goll­nisch als Vor­sit­zen­der der AENM. 2015 wur­de Kovács par­la­men­ta­ri­sche Immu­ni­tät auf­ge­ho­ben, da gegen ihn wegen Spio­na­ge für den KGB ermit­telt wur­de. Und 2016 ver­ließ Kovács die Par­tei Job­bik, die [offi­zi­ell] jeden Kon­takt zur AENM abbrach.
Béla Kovács ist wei­ter­hin der Vor­sit­zen­de der AENM, der Gene­ral­se­kre­tär der AENM ist Vale­rio Cig­net­ti von den ita­lie­ni­schen Faschist*nnen der „Fiam­ma Tri­co­lo­re“, und ihr Schatz­meis­ter ist Zma­go Jelinčič, der Par­tei­vor­sit­zen­de der slo­we­ni­schen Rechts­aus­sen-Par­tei „Slo­we­ni­sche Natio­na­le Par­tei“ (SNS).

Casa­Po­und Ita­lia und die „Dest­re Unite“

Simo­ne di Ste­fa­no erschien am ers­ten April-Wochen­en­de in der Beglei­tung des Turi­ner Mas­si­mi­lia­no Pane­ro, dem Natio­na­len Sekre­tär der rech­ten Kleinst­par­tei „Dest­re Unite“. Mit „Dest­re Unite“, die laut ihrer Inter­net­si­te mit der AENM koope­riert, ist Casa­Po­und Ita­lia für die EU-Wah­len eine Alli­anz ein­ge­gan­gen. Auf Grund des­sen ist das Emblem der „Dest­re Unite“ eben­falls auf dem Wahl­kampf­sym­bol der Casa­Po­und Ita­lia abge­bil­det. Di Ste­fa­no: „Wir wol­len nach Brüs­sel gehen, um die The­men, die von Sal­vi­ni und Di Maio auf­ge­ge­ben wur­den, auf­zu­grei­fen. Ange­fan­gen mit dem Aus­stieg aus dem Euro und der EU, der unse­rer Mei­nung nach der ein­zi­ge Weg ist, um unse­re Sou­ve­rä­ni­tät zurück­zu­ge­win­nen. Jen­seits des Gefäng­nis­ses EU exis­tiert eine Welt, Ita­li­en kann das Japan Euro­pas sein.“

Luca Mar­sel­la, Mas­si­mi­lia­no Pane­ro und Simo­ne di Ste­fa­no prä­sen­tie­ren das gemein­sa­me Wahl­lo­go am 7. April 2019 (screen­shot)

Luca Mar­sel­la bei der ras­sis­ti­schen Casa­Po­und Kund­ge­bung am 6. April 2019 in Tor­re Mau­ra (screen­shot)

Eben­falls bei der Prä­sen­ta­ti­on im Innen­mi­nis­te­ri­um erschien Luca Mar­sel­la aus Ostia. Einen Tag zuvor noch hat­te der Casa­Po­und-Stadt­ab­ge­ord­ne­te im römi­schen Stadt­teil Tor­re Mau­ra bei einer anti-ziga­nis­ti­schen Kund­ge­bung sei­ner Par­tei gegen die dor­ti­ge Unter­brin­gung von Roma­fa­mi­li­en, 37 Erwach­se­nen und 33 Kin­dern, pole­mi­siert. Die Roma waren in der Woche zuvor nach gewalt­tä­ti­gen Pro­tes­ten römi­scher Faschist*innen von „For­za Nuo­va“, „Casa­Po­und Ita­lia“ und Bewohner*innen des Stadt­teils aus dem Vier­tel vor dem ras­sis­ti­schen Mob eva­ku­iert wor­den. Die Demons­tra­ti­on am 6. April 2019 kann man somit als eine ras­sis­ti­sche Sie­ges­pa­ra­de von Casa­Po­und bezeich­nen, eine ras­sis­ti­sche Sie­ges­pa­ra­de einer Par­tei, die im Mai in das EU-Par­la­ment ein­zie­hen will.

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Pres­se zu Tor­re Mau­ra und die ras­sis­ti­schen Angrif­fe im April 2019:

Par­al­lel­welt am Ran­de der Pracht (Süd­deut­sche; 05.04.2019)

Ras­sis­ten ver­trei­ben Roma aus Not­un­ter­kunft in Rom“ (Neue Züri­cher Zei­tung; 04.04.2019)
„Und dann rie­fen die Ver­ges­se­nen nach den Faschis­ten“ (Bas­ler Zei­tung; 06.04.2019)

You­tube:
La Rep­pubbli­ca: Tor­re Mau­ra, l’adolescente che sfi­da Casa­po­und: „Nes­su­no ven­ga lascia­to indie­tro“


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