Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


TORTU — Was vom Rassismus bleibt

Asphyx“ von And­rei Cucu. Ein Werk in der Aus­stel­lung „AARC#1 — TORTU“, das ein­drück­lich ver­sucht, die kom­ple­xen Dyna­mi­ken von Ras­sis­mus sicht- und hör­bar zu machen

Wir wol­len eine Dis­kus­si­on zwi­schen Kunst und Poli­tik star­ten“, erklärt Sel­da Asal, die Grün­de­rin des Apart­ment Pro­jects in ihrer Eröff­nungs­re­de zur Aus­stel­lung „AARC#1 – TORTU“. In zwei Ber­li­ner Pro­jekt­räu­men  wer­den am letz­ten Juni-Wochen­en­de im Rah­men einer mul­ti­me­dia­len Aus­stel­lung sie­ben Arbei­ten prä­sen­tiert, die sich die gro­ße Fra­ge nach den Aus­wir­kun­gen von Ras­sis­mus stel­len – und per­sön­li­che Ant­wor­ten lie­fern.  Die bei­den Pro­jekt­räu­me — das Apart­ment Pro­ject in Neu­kölln und das Errant sound in Mit­te — könn­ten unter­schied­li­cher nicht sein: Geschlif­fe­ne Die­len und Stuck­de­cken in einem Hin­ter­hof in Ber­lin-Mit­te und kah­ler Beton­bo­den mit Indus­trie­charme in einer Neben­stra­ße der Son­nen­al­lee in Neu­kölln. Doch die Betreiber*innen der bei­den Räu­me ver­bin­det das gemein­sa­me Bedürf­nis, künst­le­ri­sche Ant­wor­ten zu fin­den auf ein poli­ti­sches The­ma. Ein The­ma, das in den letz­ten Mona­ten auch den gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Dis­kurs immer mehr in Atem hält. Des­halb grün­de­ten die Künstler*innen nach dem ras­sis­ti­schen Mas­sen­mord in Hanau im Febru­ar das „Artists against Racism col­la­bo­ra­ti­ve“ (AARC).


120 Tage nach Hanau: Räume für Solidarität

Themen : Antifa, Antira, Empowerment?!, Neonazismus, Rassismus · 0 Kommentare · von 22. Juni 2020

Gedenk­stät­te vor der ehe­ma­li­gen Shi­sha-Lounge „Mid­ni­ght“ am Heu­markt. (Foto: Hei­ko Koch)

Neun Men­schen mit (fami­liä­rer) Migra­ti­ons­ge­schich­te fan­den am 19. Febru­ar in Hanau einen gewalt­sa­men Tod. Ein 43-jäh­ri­ge Ras­sist erschoss sie und ver­wun­de­te zahl­rei­che wei­te­re Per­so­nen — zum Teil schwer. Am 19. Febru­ar betrat der Täter in der Hanau­er Innen­stadt gegen 22 Uhr zwei Loka­le in der Stra­ße „Am Heu­markt“ und erschoss drei Män­ner. In der Bar „La Vot­re“ den 33-jäh­ri­gen Wirt Kaloy­an Vel­kov, in der Shi­sa-Lounge „Mid­ni­ght“ den 30-jäh­ri­gen Inha­ber Sedat Gür­büz und auf der Stra­ße den 34-jäh­ri­gen Fatih Sara­çoğlu. Anschlie­ßend fuhr er in den benach­bar­ten Stadt­teil Kes­sel­stadt. Auf dem Park­platz vor einem Hoch­haus am Kurt-Schu­ma­cher-Platz erschoss er Vili Vio­rel Păun.


Debatte: Antisemitismuskritik in der Pädagogik

Themen : Allgemein, Antisemitismus, Rassismus · 0 Kommentare · von 18. Mai 2020

Anti­se­mi­ti­sche Ideen und Äuße­run­gen sind gera­de wie­der erschre­ckend aktu­ell (hier Teilnehmer*innen einer „Hygie­ne­de­mos“). Die Fra­ge des päd­ago­gi­schen Umgangs damit natür­lich auch. Foto: Pri­vat

Das Feld von Anti­se­mi­tis­mus­kri­tik und ‑bekämp­fung ist emo­tio­nal und poli­tisch hoch auf­ge­la­den. Im poli­ti­schen Dis­kurs sind man­che Ver­ein­deu­ti­gun­gen und nor­ma­ti­ve Aus­sa­gen nach­voll­zieh­bar und in ein­zel­nen Fäl­len sogar not­wen­dig. Anti­se­mi­tis­mus kann durch Bil­dungs­maß­nah­men nicht abge­schafft wer­den. Was aber im Rah­men der Mög­lich­kei­ten liegt, ist Anti­se­mi­tis­mus „zu erken­nen, Empa­thie mit den Opfern her(zu)stellen sowie Gegen­stra­te­gien (zu) erpro­ben.“ (S.9) Ein sol­ches Bewusst­sein über die Gren­zen des­sen, was Bil­dungs­ar­beit leis­ten kann, liegt quer zu öffent­li­chen und poli­ti­schen Erwar­tun­gen an die Päd­ago­gik, wenn im Anschluss an als anti­se­mi­tisch wahr­ge­nom­me­ne Vor­fäl­le nach der päd­ago­gi­schen Feu­er­wehr geru­fen wird.


#leavenoonebehind: Appelle verhallen ungehört

Kin­der ret­ten“: Der Appell zum Schutz wenigs­tens der ver­letz­lichs­ten Grup­pen unter den an den EU-Außen­gren­zen gestran­de­ten Geflüch­te­ten ver­hallt bis­her unge­hört. Foto: Uwe Hiksch

Die Bun­des­re­gie­rung hat nicht den poli­ti­schen Wil­len Men­schen in Not zu hel­fen!“, beginnt Tareq Alaows von der See­brü­cke sein State­ment auf einer Online-Pres­se­kon­fe­renz, die die See­brü­cke  gemein­sam mit Pro Asyl und den Lan­des­flücht­lings­rä­ten vor weni­gen Tagen aus­ge­rich­tet hat. Unter dem Titel „Nie­mand darf zurück­ge­las­sen wer­den“ berich­te­ten Vertreter*innen die­ser Orga­ni­sa­tio­nen und ein Bewoh­ner der Gemein­schafts­un­ter­kunft in Hen­nings­dorf (Ober­ha­vel) über die Situa­ti­on und die Per­spek­ti­ven von Geflüch­te­ten in Deutsch­land und an den euro­päi­schen Außen­gren­zen.


Sammellager: Rassistisches Corona-Handling

Rech­te von Geflüch­te­ten? „Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“

Die Berich­te aus und über Unter­künf­ten für Geflüch­te­te aus ver­schie­de­nen Tei­len Deutsch­lands zeich­nen alle ein ähn­li­ches Bild: In vie­len Sam­mel­la­gern ist die Situa­ti­on für die Men­schen vor Ort nach wie vor kata­stro­phal. Wir berich­te­ten bereits Mit­te April dar­über: Min­dest­ab­stän­de kön­nen auf­grund der Enge, man­gel­haf­ter Gemein­schafts­toil­let­ten und geteil­ter Wohn­räu­me nicht ein­ge­hal­ten wer­den und füh­ren zu rasan­ten Aus­brei­tungs­ket­ten mit dem SARS-CoV-2-Virus. Feh­len­de und vor­ent­hal­te­ne Infor­ma­tio­nen bzw. deren Über­set­zung bedeu­ten außer­dem  eine enor­me psy­chi­sche Belas­tung für vie­le Bewohner*innen. Ihnen wird dabei regel­mä­ßig jeg­li­che Hand­lungs­mög­lich­keit und Ent­schei­dungs­frei­heit ent­zo­gen.


Klöckners Corona-Regime: Asylsuchende zur Feldarbeit

Screen­shot Auf­ma­cher Bild-Zei­tung

Es muss eigent­lich nicht dar­über dis­ku­tiert wer­den: Wäh­rend der Coro­na-Kri­se muss die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit aus­rei­chen­den und qua­li­ta­tiv guten Lebens­mit­teln gesi­chert wer­den. Das gilt aus­nahms­los für alle. Sowohl für die Bevöl­ke­rungs­grup­pen, deren Ein­kom­men wei­ter gezahlt wer­den oder die ein finan­zi­el­les Pols­ter besit­zen, als auch für die Per­so­nen, die schon seit vie­len Jah­ren einen hohen Teil ihres Ein­kom­mens oder ihrer Trans­fer­leis­tun­gen für die Ver­sor­gung mit Nah­rungs­mit­teln aus­ge­ben müs­sen. Die Ver­sor­gung mit Essen muss an ers­ter Stel­le ste­hen, wes­halb auch aktu­ell die (durch­aus berech­tig­te) lin­ke Kri­tik am Sys­tem der «Tafeln» aus­ge­setzt wer­den soll­te.


Thüringen: Rechte Gewalt in Zeiten der Krise

Pro­tes­te gegen rechts in Erfurt 2019: Die Vie­len gegen den ras­sis­ti­schen „Flü­gel“

713 Fäl­le rech­ter, ras­sis­ti­scher und anti­se­mi­ti­scher Gewalt in Thü­rin­gen zählt die Bera­tungs­stel­le ezra aus Erfurt seit 2015. Das erklär­ten die Sprecher*innen The­re­sa Lauß und Franz Zobel bei einer Pres­se­kon­fe­renz Mit­te März. Sie spra­chen von einer zuneh­men­den Eska­la­ti­on ras­sis­ti­scher Gewalt und von einem damit ein­her­ge­hen­den „Kli­ma der Angst“.
Im letz­ten Jahr regis­trier­te ezra 108 Vor­fäl­le rech­ter Gewalt mit min­des­tens 155 Betrof­fe­nen. Die­se Zah­len von 2019 beschrei­ben zwar einen leich­ten Rück­gang im Ver­gleich zu 166 Taten im Vor­jahr, sind aber — mit einer doku­men­tier­ten Gewalt­tat mit ras­sis­ti­scher Moti­va­ti­on fast jeden drit­ten Tag — den­noch erschre­ckend hoch. Dies sei mit dem gene­rel­len poli­ti­schen Kli­ma der letz­ten Jah­re zu erklä­ren — dem Wachs­tum von Bewe­gun­gen wie Pegi­da und einer Par­tei wie der AfD. So habe es seit 2015 rund 140 Angrif­fe jedes Jahr in Thü­rin­gen gege­ben.


Mehr rassistische Gewalt in Berlin

Auf Rei­sen: Ber­li­ner Kampf gegen Ras­sis­mus, Straf­lo­sig­keit und poli­zei­li­che Untä­tig­keit, die Burak-Initia­ti­ve in Des­sau am 7.1.2018

Das The­ma rech­te, anti­se­mi­ti­sche und ras­sis­ti­sche Gewalt war ver­gan­ge­ne Woche The­ma einer Pres­se­kon­fe­renz im Haus der Demo­kra­tie und Men­schen­rech­te: Die Doku­men­ta­ti­ons- und Bera­tungs­stel­len ReachOut, die  Ber­li­ner Regis­ter­stel­len und Each One (EOTO e.V.) stell­ten ihre Ergeb­nis­se und Ana­ly­sen zu ent­spre­chen­den Vor­fäl­len im ver­gan­ge­nen Jahr vor und berich­te­ten dabei von größ­ten­teils stei­gen­den Zah­len.


Borders kill“: Proteste gegen EU-Grenzterror

Wo ist die Mensch­lich­keit: Demons­tra­ti­on gegen die eska­lie­ren­den Umstän­de an der tür­kisch-grie­chi­schen Gren­ze am Diens­tag in Ber­lin. Foto: Nila Kadi

Open the bor­ders!“ Die Mes­sa­ge ist klar und ein­fach an die­sem Abend, dem ver­gan­ge­nen Diens­tag­abend, an dem sich meh­re­re tau­send Men­schen vor dem Kanz­ler­amt in Ber­lin ver­sam­meln, um gemein­sam zu demons­trie­ren. Demons­trie­ren gegen die EU-Abschot­tungs­po­li­tik und für Bewe­gungs­frei­heit, für die Auf­nah­me von Men­schen, die in Not sind, dafür, zu ver­su­chen, Soli­da­ri­tät mit allen flie­hen­den Men­schen zu zei­gen.


Rechter Männerscheiß: „Steeler Jungs“ in Essen

Themen : Allgemein, Antifa, Neonazismus, Rassismus · 0 Kommentare · von 26. September 2019

Stee­ler Jungs“ im Ein­heits­look. (Foto: H.Koch)

In der Ruhr­me­tro­po­le Essen leben über eine hal­be Mil­lio­nen Men­schen. Gera­de­zu beschei­den zur Gesamt­flä­che und Bewohner*innenzahl nimmt sich dabei der öst­lich gele­ge­ne Stadt­teil Stee­le aus. Die 1929 ein­ge­mein­de­te und zum Stadt­teil mutier­te Klein­stadt wird von sie­ben wei­te­ren Stadt­tei­len ein­ge­rahmt und liegt idyl­lisch an der Ruhr. Von den etwas mehr als 16.000 Einwohner*innen Stee­les besit­zen knapp 15 Pro­zent kei­nen deut­schen Pass.