Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


NSU, Frauen und DDR

Themen : Neonazismus, NSU-Komplex · 0 Kommentare · von 9. Juli 2013

«Ham­mer, die Frau!», bricht es aus Hol­ger G. her­aus, wenn er von sei­ner Lebens­ge­fähr­tin spricht. Hol­ger G. ist neben Cars­ten S. einer der Ange­klag­ten im NSU-Pro­zess vor dem OLG Mün­chen, der angeb­lich aus der rech­ten Sze­ne aus­ge­stie­gen und infol­ge­des­sen bereit ist, vor Gericht auch gegen sei­ne eins­ti­gen «Freun­de» aus­zu­sa­gen. Und in sei­nen Anga­ben zur Per­son und einer abge­le­se­nen Erklä­rung fal­len vor allem die Hin­wei­se auf die DDR und die Frau­en in sei­nem Leben auf. Über die Freund­schaft mit den mut­maß­li­chen NSU-Mör­der_in­nen etwa sagt er: «Unse­re gan­ze Sze­ne stell­te damals auf die­sen ver­meint­li­chen Kame­rad­schafts-Wert ab. Und aus mei­ner gan­zen Jugend­er­zie­hung – Jung­pio­nie­re, Thäl­mann­pio­nie­re, FDJ – hat­te ich gelernt, dass es wich­tig ist, für ande­re ein­zu­ste­hen.» Auch Cars­ten S., der zuletzt unter Trä­nen und emo­tio­na­len Auf­wal­lun­gen «aus­pack­te» und u.a. auch auf einen wei­te­ren NSU-Anschlag bereits im Jahr 1999 in Nürn­berg mit einer Spreng­fal­le in einer Taschen­lam­pe hin­wies, war begeis­tert von den Uni­for­men und dem roten Hals­tuch der Pio­nie­re. In Hol­ger G.s Leben spie­len vor allem die Frau­en eine ent­schei­den­de Rol­le: Sei­ne Mut­ter habe ihn, das «Nest­häk­chen», all­zu nach­sich­tig behan­delt und so abdrif­ten las­sen in die Nazi-Sze­ne, eine Freun­din habe ihn mit einem «Kame­ra­den» betro­gen, was ihn zum Aus­stieg aus der Sze­ne bewo­gen habe, und sei­ne aktu­el­le Freun­din, von der er gera­de durch das Zeu­gen­schutz­pro­gramm getrennt sei, sei genau die rich­ti­ge Art von Frau für einen wie ihn: Sie fas­se ihn hart an, zie­he ihn zur Ver­ant­wor­tung und sage, wo es lang­ge­he… Wes­halb er aber auch nach dem angeb­li­chen Aus­stieg aus der Sze­ne 2004 noch bis 2011 mit den NSU-Leu­ten in Kon­takt blieb und sie mit Hilfs­diens­ten (Rei­se­pass) unter­stütz­te, blieb bis­her unbe­ant­wor­tet.


«Das Problem heißt Rassismus»

Gespräch über die Lebens­si­tua­ti­on von Migran­ten in der BRD, staat­li­chen Ras­sis­mus und Ver­säum­nis­se lin­ker Poli­tik mit Koray Yıl­maz-Gün­ay, Refe­rent für Migra­ti­on bei der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung

 

Sie enga­gie­ren sich seit Jah­ren nicht nur beruf­lich für Migran­ten. Wie ist es aktu­ell um deren Rech­te in der Bun­des­re­pu­blik bestellt?

Ich wünsch­te, die Fra­ge wäre ein­fach zu beant­wor­ten. Wir könn­ten das Zuwan­de­rungs­ge­setz auf­schla­gen und noch ein paar Grund­la­gen­tex­te und wüss­ten, wie es um Teil­ha­be und Gleich­be­hand­lung bestellt ist. Lei­der ist die Situa­ti­on anders. Jede Bun­des­re­gie­rung legt ein Tole­ranz­pro­gramm auf. Für man­che Grup­pen wird hier und da eini­ges ver­bes­sert, ande­res ver­schlech­tert sich. Es gibt ja kei­ne ein­heit­li­che Grup­pe «der Migran­ten».