Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Wurzen again: „Das Problem heißt Rassismus“ – Antifa-Kundgebung im braunen Herzen des Muldentals

Es war in der Tat wie­der gru­se­lig in Wur­zen, wo etwa 250 Antifaschist_innen gegen die aktu­el­len ras­sis­ti­schen Angrif­fe auf Geflüch­te­te pro­tes­tier­ten. Es war klar, dass unter den Demons­trie­ren­den kaum Men­schen aus Wur­zen sein wür­den und das sich Leu­te von der Demo, die sich außer­halb der Poli­zei­sper­ren um den Kund­ge­bungs­ort im Stadt­park direkt neben dem Bahn­hof der Joa­chim-Rin­gel­natz-Stadt bewegt hät­ten, sich in gro­ße Gefahr bege­ben hät­ten, denn die Stra­ßen kon­trol­liert dort der orga­ni­sier­te Nazimob: eine neue SA mar­schiert in Wur­zen und anders­wo (wie etwa zeit­gleich in Cott­bus). Aus gege­be­nem Anlass doku­men­tie­ren wir hier den Demo­auf­ruf des Bünd­nis­ses „Irgend­wo in Deutsch­land“, der auf die schwe­ren ras­sis­ti­schen Angrif­fe, die ver­hee­ren­de media­le Bericht­erstat­tung und die erschre­cken­den poli­zei­li­chen und poli­ti­schen Reak­tio­nen dar­auf ein­geht. Dar­un­ter die Pres­se­mit­tei­lung des Bünd­nis­ses zu den Angrif­fen schwer bewaff­ne­ter Nazis auf die Anti­fa-Demons­tra­ti­on am Sams­tag:

Im Stadt­park von Wur­zen: Umla­gert von Poli­zei und Neo­na­zis erho­ben rund 250 Kundgebungsteilnehmer_innen ihre Stim­me gegen den ras­sis­ti­schen Kon­sens in der Rin­gel­natz-Stadt Foto: Bur­schel


CasaPound Italia“ on the rise: „Faschisten des Dritten Jahrtausends“ marschieren mit 5.000 Leuten durch Rom

Geball­te Ladung ita­lie­ni­scher Faschos beim „römi­schen Gruß“ zum Geden­ken an „gefal­le­ne Kame­ra­den“ Anfang Janu­ar in Rom : Gru­sel-Screen­shot auf You­tube

Rund 5.000 Mit­glie­der und Anhänger_innen der faschis­ti­schen Par­tei „Casa­Po­und Ita­lia“ zogen am Sonn­tag, 7. Janu­ar 2018, in einem Gedenk­marsch von der Piaz­za San Gio­van­ni zur Via Acca Laren­tia. Anlass des Gedenk­mar­sches durch den römi­schen Stadt­teil Tus­co­la­no war der Jah­res­tag eines Atten­tats aus den 1970er Jah­ren, aus den „Anni di Piom­bo“ — der „blei­er­nen Zeit“ — wie man auch in Ita­li­en die Zeit der poli­tisch sehr gewalt­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den ver­schie­de­nen poli­ti­schen Lagern der 1970er nennt. Bei dem Atten­tat han­del­te es sich um den Mord an zwei bzw. drei rech­ten Jugend­li­chen vor dem Sitz der faschis­ti­schen Par­tei „Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no“ (MSI) in der Via Acca Laren­tia am 7. Janu­ar 1978.


NSU-Terror: Verfassungsschutzmitarbeiter angeklagt!

Themen : Allgemein, Nebenklage, Neonazismus, NSU-Komplex · 0 Kommentare · von 22. November 2017
NSU-Terror: Verfassungsschutzmitarbeiter angeklagt!

PRESSEMITTEILUNG Ankla­ge gegen „Akten­schred­de­rer von Köln“ • Aktivist_innen besu­chen „Lothar Lin­gen“ an sei­ner jet­zi­gen Arbeits­stät­te • „Lin­gen“ ver­ant­wort­lich für mas­sen­haf­te…


Möllner Rede im HAU: Unbeugsam im Exil

Die Familien Arslan, Yilmaz, Bektaş, Taşköprü, Bejarano und Freunde von Oury Jalloh gemeinsam auf der Bühne des HAU.

Die Fami­li­en Ars­lan, Yil­maz, Bek­taş, Taş­köprü, Beja­ra­no und Freun­de von Oury Jal­loh gemein­sam auf der Büh­ne des HAU. Foto: Peri­nel­li

 

Die Soli­da­ri­tät, Anteil­nah­me und der Wunsch nach wür­di­gem und poli­ti­schem Geden­ken hat­te die Rei­hen des „Heb­bel am Ufer“ bis hin­auf in die schwin­del­erre­gen­den Rän­ge unterm Dach gefüllt. Die „Möll­ner Rede im Exil“ ist seit 2013 im gan­zen Land unter­wegs, nach­dem sie als von den Betrof­fe­nen selbst­be­stimm­ter, kri­ti­scher Teil des offi­zi­el­len Geden­kens von der Stadt Mölln von der Agen­da gestri­chen wor­den war. Jedes Jahr hal­ten bekann­te Per­sön­lich­kei­ten die Rede zum Geden­ken an die bei einem Brand­an­schlag auf das Haus einer tür­ki­schen Fami­lie in Mölln getö­te­ten drei Men­schen: Am 23. Novem­ber 1992 — vor 25 Jah­ren — star­ben die 51jährige Bahi­de und die 10jährige Yeliz Ars­lan sowie die 14jährige Ayşe Yil­maz, nach­dem zwei bekann­te Neo­na­zis das Wohn­haus der Fami­lie Ars­lan in Brand gesetzt hat­ten. Wei­te­re Fami­li­en­mit­glie­der wur­den teil­wei­se sehr schwer ver­letzt.


Italien: Neun Prozent für CasaPound in Ostia

Wahlerfolg für CasaPound Italia: Neun Prozent für die „fascisti del terzo millennio“ in römischem Stadtteil

Luca Mar­sel­la zieht in Roms Stadt­teil Ostia ins Kom­mu­nal­par­la­ment ein und ver­spricht sei­nen Wähler_innen „ihre Wut in die Stadt­ver­wal­tung zu tra­gen“.

Von Heiko Koch

Im Muni­ci­pio X, dem römi­schen Stadt­be­zirk Ostia, war am 5. Novem­ber 2017 Wahl. Zwei Jah­re lang war der Stadt­be­zirk auf Grund von Ver­stri­ckun­gen der ört­li­chen Ver­wal­tung mit der Mafia kom­mis­sa­risch ver­wal­tet wor­den. Nun stan­den erneut Wah­len für den 150 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ßen und unge­fähr 230.000 Einwohner_innen zäh­len­den Bezirk am Tyr­rhe­ni­schen Meer an.


Gedenkort für Burak geschützt

Sebas­ti­an Engel vom Bünd­nis Neu­kölln erläu­tert den Kundgebungsteilnehmer_innen den Kon­text des Pro­tes­tes unweit des Sockels für die Gedenk­ta­fel für den Ermor­de­ten Burak B. Foto: Bur­schel

Den etwa 35 Men­schen, die sich am ver­gan­ge­nen Sonn­tag, 29.10.2017, trotz des wahr­haft wid­ri­gen Wet­ters am künf­ti­gen Gedenk­ort für den Anfang April 2012 ermor­de­ten Burak B. an der Ecke Rudo­wer Str. / Möwen­weg ein­fan­den, war es ein Bedürf­nis, die­sen Ort vor der Prä­senz von Neo­na­zis zu schüt­zen. Die­se hat­ten schräg gegen­über, nahe den Gebäu­den des Kli­ni­kums Neu­kölln eine Kund­ge­bung zum „Geden­ken“ an den 2009 im Neu­köll­ner Hos­pi­tal ver­stor­be­nen Ras­se­f­a­na­ti­ker und Erz­neo­na­zi Jür­gen Rie­ger ange­mel­det: Erschei­nen soll­te an jenem Sonn­tag dann jedoch nie­mand von den brau­nen Hor­den.


#verlagegegenrechts in Frankfurt

Themen : Allgemein, Neonazismus, Rassismus · 0 Kommentare · von 10. Oktober 2017

Auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se vom 11. — 15.Oktober 2017 wer­ben Verleger*innen für eine viel­fäl­ti­ge und soli­da­ri­sche Ver­lags­sze­ne. Damit reagie­ren sie auf einen Zunah­me rechts­ra­di­ka­ler und rechts­po­pu­lis­ti­scher Ver­la­ge und Publi­ka­tio­nen auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se.


Schwarze Wolken über Wurzen

Themen : Allgemein, Neonazismus, Rassismus · 0 Kommentare · von 6. September 2017
"Wenn Du einen Schneck behauchst,

schrumpft er ins Gehäuse,

Wenn du ihn in Kognak tauchst,

sieht er weiße Mäuse."

Joachim Ringelnatz aus Wurzen

 

Eine gro­ße anti­fa­schis­ti­sche Demons­tra­ti­on des Bünd­nis­ses „Irgend­wo in Deutsch­land“ unter dem Mot­to „Das Land – ras­sis­tisch / Der Frie­den – völ­kisch / Unser Bruch – unver­söhn­lich” mit 400 Teil­neh­men­den zog am Sams­tag, 2. Sep­tem­ber 2017 durch Wur­zen und ver­setz­te die Einwohner_innen in Angst und Schre­cken, nach­dem Stadt, Medi­en und Poli­zei „Bil­der wie aus Ham­burg“ beschwo­ren hat­ten. Mit meh­re­ren Hun­dert­schaf­ten, einem Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­do und sage und schrei­be 5 Was­ser­wer­fern führ­ten die „Ord­nungs­kräf­te“ Mäßi­gung und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit in schril­ler Wei­se ad absur­dum.

anti­fra* prä­sen­tiert dazu eine kurz­wei­li­ge Foto­stre­cke.


Sich den NSU-Prozess schönreden

Schön­heit ist eine Fra­ge der Per­spek­ti­ve: Der Bun­ker am Straf­jus­tiz­zen­trum in der Mün­che­ner Nym­phen­bur­ger­stra­ße, in des­sen Innern der NSU-Pro­zess läuft Foto: Bur­schel

Aus der siche­ren Distanz von meh­re­ren Hun­dert Kilo­me­tern kommt die preis­ge­krön­te Zeit-Kolum­nis­tin Özlem Topçu zu dem Schluss, dass der NSU-Pro­zess vor dem Ober­lan­des­ge­richt in Mün­chen durch­aus kei­ne Ent­täu­schung sei, son­dern „viel bringt. Sogar sehr viel“. So fin­det Frau Topçu, dass es schon eine tol­le Sache ist, dass es an der Schuld von Bea­te Zschä­pe inzwi­schen – nach 366 Tagen Pro­zess und über vier Jah­ren Pro­zess­dau­er – kei­ne Zwei­fel mehr gibt und die „Beweis­auf­nah­me die Ankla­ge in vol­lem Umfang bestä­tigt“ habe. Zum Beleg zitiert sie hier­zu aus­ge­rech­net Tho­mas Bli­wier, einen der Anwäl­te von Mit­glie­dern der Fami­lie Yoz­gat, die als Hin­ter­blie­be­ne des am 4. April 2006 in einem Kas­se­ler Inter­net­ca­fé mut­maß­lich vom NSU ermor­de­ten, damals 21-jäh­ri­gen Halit Yoz­gat Neben­klä­ger im Mün­che­ner Ver­fah­ren sind. Gera­de die boh­ren­den Fra­gen und Zwei­fel, die die Neben­kla­ge­ver­tre­ter im Fall Yoz­gat uner­müd­lich for­mu­liert haben, sind bis heu­te unge­klärt und offen. İsmail Yoz­gat, Halits Vater, hat ange­kün­digt, dass er das Urteil von Mün­chen nicht aner­ken­nen wer­de, solan­ge die offe­nen Fra­gen nicht annä­hernd geklärt sind. Gegen den dama­li­gen Mit­ar­bei­ter des hes­si­schen Lan­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz Andre­as Tem­me, der – obwohl zwei­fels­frei zur Tat­zeit am Tat­ort anwe­send – bis heu­te behaup­tet, nichts, aber auch gar nichts mit­be­kom­men zu haben, läuft nun ein Straf­ver­fah­ren wegen uneid­li­cher Falsch­aus­sa­ge und das Lon­do­ner For­schungs­team „Foren­sic Archi­tec­tu­re“ weist ihm zudem nach, dass er die Unwahr­heit gesagt haben muss.


Kreatives Aktenhandling: Wie lange kann der Verfassungsschutz noch seine Mitverantwortung an NSU-Verbrechen vertuschen?

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Hin­ter die tris­ten Mau­ern des Münch­ner OLG hat man immer noch einen bes­se­ren Ein­blick als hin­ter die des GBA, des BKA oder des .       Bild: Fritz Bur­schel

Der Ange­klag­te im NSU-Pro­zess Ralf Wohl­le­ben trug vor sei­ner Inhaf­tie­rung Ende 2011 nachts ein T-Shirt. Das möch­te man zwar gar nicht wis­sen, aber die­ses Schlaf-Shirt hat es in sich: „Eisen­bahn­ro­man­tik“ steht in Frak­tur auf sei­ner Vor­der­sei­te und dar­un­ter sind die Gleis­an­la­gen vor der bekann­ten Sil­hou­et­te des Ver­nich­tungs­la­gers Ausch­witz-Bir­ken­au abge­bil­det. Nach Wohl­le­bens Ein­las­sun­gen im Mün­che­ner Ver­fah­ren Ende 2015, wo er sich im Grun­de als ver­folg­te Unschuld und eben­so auf­rech­ten wie fried­lie­ben­den Natio­na­lis­ten prä­sen­tier­te, hat­ten sich die Anklä­ger der Bun­des­an­walt­schaft (BAW) des viel­sa­gen­den Asser­vats erin­nert und eine Poli­zei­zeu­gin gela­den, die zu die­sem Fund aus­sa­gen soll­te. Das Beweis­stück jeden­falls doku­men­tiert doch eine gewis­se ideo­lo­gi­sche Ein­deu­tig­keit der poli­ti­schen Aus­rich­tung des Ange­klag­ten Wohl­le­ben.