Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Projekttag mit Nazi: Intervention im Hamburger Schulskandal

Eine het­ze­ri­sche Ver­tei­di­gungs­re­de des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Rechts­an­walts Alfred Holl aus dem Jahr 1924, auf die sich Wolf ohne Abstri­che beruft. Für die Schul­be­hör­de offen­bar kein Pro­blem.

Nach den Aus­ein­an­der­set­zun­gen an zwei Ham­bur­ger Schu­len zum anti­fa­schis­ti­schen Enga­ge­ment eini­ger ihrer Schü­ler war es am Hele­ne-Lan­ge-Gym­na­si­um mit Bil­li­gung der Schul­be­hör­de zu einer Vor­trags­ver­an­stal­tung des AfD-Poli­ti­kers und Mit­glieds der Bür­ger­schaft, Alex­an­der Wolf, gekom­men. Dass Wolf ein lupen­rei­ner Nazi mit enthu­si­as­ti­schen Bezü­gen zum Natio­nal­so­zia­lis­mus ist, war dabei kein Hin­de­rungs­grund. Ein erschüt­tern­des Bei­spiel für ver­scho­be­ne und ver­schro­be­ne Sag­bar­keits­gren­zen, aus der Feder eines Schü­ler­va­ters, des Poli­to­lo­gen Dr. Mar­kus Mohr.


Aktuelle IMI-Studie zum „Hannibal-Komplex“

Das Logo des „Uniter e.V.“

Die aktu­el­le Stu­die der Infor­ma­ti­ons­stel­le Mili­ta­ri­sie­rung (Tübin­gen) wid­met sich dem mili­tan­ten Neo-Nazi-Netz­werk in Bun­des­wehr, Geheim­diens­ten, Poli­zei, Jus­tiz und Par­la­men­ten. Die Stu­die is von Luca Heyer, hat 16 Sei­ten und ist datiert auf den 13. Juni 2019, einen Tag nach den Raz­zi­en in Meck­len­burg-Vor­pom­mern wegen Muni­ti­ons­diebstals gegen SEK-Beam­te, die im Zusam­men­hang mit dem Netz­werk zu sehen sind. Heyer lie­fert eine beach­tens­wer­te Zusam­men­fas­sung der Fak­ten über die­sen Orga­ni­sie­rungs­an­satz an der Schnitt­stel­le zwi­schen Staat und faschis­ti­scher Bewe­gung.


Integriert euch mit unseren Geschichten“: Der Mord an Burak Bektaş

Gedenk­ver­an­stal­tung für Burak am 7.4.2019 in Süd-Neu­kölln. [Foto: Mil­den­ber­ger]

Der 22-jäh­ri­ge Neu­köll­ner Burak Bek­taş wur­de vor sie­ben Jah­ren auf offe­ner Stra­ße erschos­sen. Bis heu­te sind der Täter oder die Täter*innen nicht gefasst. Am 7. April 2019 ver­sam­mel­ten sich um die 250 Men­schen im Süden Neu­köllns, um Buraks zu geden­ken und an die vie­len Fra­ge­zei­chen zu erin­nern, die der nach wie vor unge­klär­te Mord­fall auf­wirft.

Ob Ost, ob West: Braune Berliner Kontinuitäten

Immer wie­der? Aus­stel­lung in der Zions­kir­che

Die Kon­ti­nui­tät

Manch­mal erstaunt es, wie über­rascht man­che Men­schen auf die immer stär­ke­re Sicht­bar­keit der extre­men Rech­ten oder auf die Auf­de­ckung des NSU reagie­ren. Eine Wan­der­aus­stel­lung in Ber­lin unter­nimmt nun den Ver­such, die aktu­el­len Ver­hält­nis­se in einen his­to­ri­schen Kon­text zu set­zen und auf­zu­zei­gen, dass vie­le heu­ti­ge Struk­tu­ren eigent­lich kein neu­es Phä­no­men dar­stel­len. Die Aus­stel­lung trägt den Titel  „Immer wie­der? Extre­me Rech­te und Gegen­wehr in Ber­lin seit 1945“ und betrach­tet bei­spiel­haft an zehn Ereig­nis­sen die Kon­ti­nui­tät neo­fa­schis­ti­schen Den­kens und Han­delns im Ber­li­ner Kon­text.


Vom rassistischen Pogrom ins Europäische Parlament

Mas­si­mi­lia­no Pane­ro und Simo­ne di Ste­fa­no prä­sen­tie­ren das gemein­sa­me Wahl­lo­go am 07.04.2019 (screen­shot)

Ihre Wahl­be­tei­li­gung bei der neun­ten Direkt­wahl zum Euro­päi­schen Par­la­ment im Mai 2019 kün­dig­te am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de die faschis­ti­sche Par­tei Casa­Po­und Ita­lia  an. Par­tei­se­kre­tär Simo­ne di Ste­fa­no prä­sen­tier­te im Innen­mi­nis­te­ri­um das Sym­bol, unter dem die „Faschis­ten des 3. Jahr­tau­send“ antre­ten wer­den, und ver­kün­de­te: „Wir wer­den die [not­wen­di­gen] Unter­schrif­ten [zur Wahl­zu­las­sung] nicht sam­meln müs­sen, auch wenn wir uns auf die­se Even­tua­li­tät bereits vor­be­rei­tet haben, weil sich auf dem von uns prä­sen­tier­ten [Partei]Symbol der Ver­weis auf die „Alli­anz der Euro­päi­schen natio­na­len Bewe­gun­gen“ (AENM) befin­det, die vom unga­ri­schen Euro­pa­par­la­ments­mit­glied Béla Kovács ange­führt wird.“


Faschistische europäische Vernetzung in Brüssel

30.03.2019 — „The Vor­tex Londinium“-Konferenz in Brüs­sel mit Kon­stan­ti­nos Bovia­t­sos, Juli­an Ben­der, Fran­ces­co Sus­in­no, Andrea Bonaz­za, Valen­tin Lin­der und einer Unbe­kann­ten (screen­shot)

Vertreter*innen ver­schie­de­ner natio­nal-revo­lu­tio­nä­rer Bewe­gun­gen und Bewe­gungs­par­tei­en tra­fen sich am 30. März 2019  in der bel­gi­schen Haupt­stadt. Aus­ge­rich­tet hat­te das Tref­fen die eng­li­sche Depen­dance von Casa­Po­und Ita­lia „The Vor­tex Lon­di­ni­um“ und, mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit, Kon­stan­ti­nos Bovia­t­sos, der Assis­tent des EU-Par­la­men­ta­ri­ers Geor­gi­os Epit­i­dei­os von der grie­chischNa­zi-Par­tei „Gol­de­ne Mor­gen­rö­te“.


Ein „schwarzer Samstag“ in Mailand

Anti­fa­schis­ti­scher Pro­test in Mai­land am 23. März 2019 — „Faschis­ten: Zom­bies ges­tern-Zom­bies heu­te-Zom­bies mor­gen“ (Foto: H. Koch)

Die lom­bar­di­sche Haupt­stadt Mai­land erleb­te am ver­gan­ge­nen Sams­tag einen „saba­to nero“ (dt.: schwar­zer Sams­tag). Im Lau­fe des Tages fan­den meh­re­re faschis­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen anlässlich des 100ten Jah­res­tag der Grün­dung der faschis­ti­schen Kampf­bün­de, der „Fasci ita­li­ani di com­bat­ti­men­to“, statt. Die­se para­mi­li­tä­ri­schen Mili­zen wur­den am 23. März 1919 in einem Saal des „Cir­co­lo dell’alleanza indus­tri­alean der Piaz­za San Sepol­cro in Mai­land von Beni­to Mus­so­lini gegrün­det. Kei­nen Monat spä­ter star­te­ten die in Ita­li­en wegen ihrer schwar­zen Uni­for­mie­rung auch „camicie nere“ (dt.: Schwarz­hem­den) genann­ten Faschis­ten ihre ers­ten Angrif­fe auf die orga­ni­sier­te Arbei­ter­be­we­gung. Wäh­rend eine Grup­pe derFasci di Com­bat­ti­men­to“ am 15. April in Mai­land eine Gewerk­schaftsdemons­tra­ti­on angriff, wobei es Tote gab, atta­ckier­te eine ande­re Grup­pe der Faschis­ten den Sitz der sozia­lis­ti­schen Zei­tung „Avan­ti“ und setz­te ihn in Brand. Dies war der Auftakt des­sen, was Mus­so­li­ni am 23. März pro­kla­mierte: „[Heu­te] grün­den wir eine Gegen­par­tei, die Fasci di Com­bat­ti­men­to, sie wen­det sich gegen zwei Gefah­ren. Ers­tens gegen den Hass der Lin­ken und zwei­tens gegen deren Zer­stö­rungs­wut.“ Alles wei­ter ist jedem guten Geschichts­buch zu ent­neh­men.


Eine kurze Geschichte faschistischer Squats in Italien

Demons­tra­ti­ons­auf­ruf: „Casa­Po­und — non si toc­ca!“ (dt.: Casa­Po­und macht man nicht an!) (screen­shot)

Mit­glie­der der Bewe­gungs­par­tei Casa­Po­und Ita­lia demons­trier­ten am 8. Febru­ar 2019 vor dem Cam­pi­do­glio, dem Sitz des römi­schen Bür­ger­meis­ter­amts. Unter dem Mot­to “Casa­Po­und non si toc­ca!” (dt.: Casa­Po­und rührt man nicht an!) pro­tes­tier­ten sie gegen den Rats­be­schluss von Ende Janu­ar 2019, der die Räu­mung der Casa­Po­und-Zen­tra­le in der Via Napo­leo­ne III fest­legt. Mit der Räu­mung die­ses Gebäu­des wür­de nicht nur die bekann­tes­te Beset­zung ita­lie­ni­scher Faschist*innen enden. Auch das Wahr­zei­chen der Casa­Po­und Ita­lia als natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung wäre „tem­pi pas­sa­ti“ (dt.: ver­gan­ge­ne Zei­ten). Grund genug, sich die Geschich­te der Beset­zun­gen „sot­to il tri­co­lo­re e non sot­to la ban­die­ra ros­sa“ (dt.: Unter der natio­na­len [Tri­ko­lo­re] und nicht der roten Fah­ne), wie Par­tei­chef Gian­lu­ca Ianon­ne es bezeich­ne­te, genau­er anzu­se­hen.


Nach 15 Jahren Besetzung: Räumung der „Casa Pound“ in Rom beschlossen

Objekt der Begier­de: Die „Casa Pound“ in der Via Napo­leo­ne III Nr. 8 Foto: Hei­ko Koch

Lan­ge hat es gedau­ert. 15 Jah­re nach der Beset­zung der „Casa Pound“ in der Via Napo­leo­ne III im Dezem­ber 2003 durch die neo­fa­schis­ti­sche Bewe­gung der „Casa­Po­und Ita­lia” hat sich der Stadt­rat von Rom ent­schlos­sen, eine Reso­lu­ti­on zur Räu­mung der Zen­tra­le der „Faschis­ten des 3. Jahr­tau­sends“ zu ver­ab­schie­den. Ende Janu­ar votier­ten drei­ßig Abge­ord­ne­te der Par­tei­en „Par­ti­to Demo­cra­ti­co“ und „Movimento5Stelle“ (Fünf-Ster­ne-Bewe­gung) für die Räu­mung in dem Stadt­teil Esque­lino. Vier Stim­men von der rechts­po­pu­lis­ti­schen „Lega“ und der (post-)faschistischen „Fratel­li d‚Italia“ wand­ten sich gegen die Reso­lu­ti­on.


Braune Wallfahrten nach Rom

Der III.Weg“ auf Besuch bei Casa­Po­und Ita­lia im Janu­ar 2019. Grup­pen­fo­to auf der Via Napo­leo­ne III, Nr. 8 (screen­shot)

Auch in die­sem Jahr fand im römi­schen Stadt­teil Tus­co­la­no der jähr­li­che Gedenk­marsch für die drei faschis­ti­schen Jugend­li­chen Fran­co Bigon­zet­ti, Fran­ces­co Cia­vat­ta und Ste­fa­no Rec­chio­ni in der Via Acca Laren­tia statt. Sie waren dort im Janu­ar 1978 erschos­sen wor­den. Und wie im ver­gan­ge­nen Jahr waren auch in die­sem Jahr vie­le ita­lie­ni­sche Faschist*innen aus unter­schied­li­chen Grup­pen erschie­nen, um den drei Toten den römi­schen Gruß und ein „Pre­sen­te!“  zu ent­bie­ten. Die Bedeu­tung des jähr­li­chen Toten­kults hat unter der Hege­mo­nie von „Casa­Po­und Ita­lia“ in den letz­ten 10 Jah­ren ste­tig zuge­nom­men und ist für die extre­me Rech­te Ita­li­ens immer wei­ter ins Zen­trum gerückt. Unter den zahl­rei­chen Dele­ga­tio­nen waren auch Mit­glie­der aus­län­di­scher Grup­pie­run­gen aus Kana­da, Grie­chen­land, Polen, Schwe­den, der Ukrai­ne usw. ange­reist. Auch eine illus­tre Mischung teu­to­ni­scher Rech­ter hat­te sich ein­ge­fun­den, um am his­to­ri­schen Sitz der faschis­ti­schen Par­tei Nach­kriegs-Ita­li­ens, des „Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no“ (MSI) den längst Ver­stor­be­nen einen letz­ten Gruß nach­zu­brül­len. Die Run­de der Deut­schen spann­te sich dabei von der neo­na­zis­ti­schen Kleinst­par­tei Der III. Weg, dem Lei­ter des völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Pro­jekts „Ein Pro­zent für unser Land“ und Chef des „Jun­g­eu­ro­pa Ver­lags“, Phil­ip Stein, eini­gen Anhän­gern der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung (IB) bis hin zu einem Autor, der für das Online-Por­tal „Phi­lo­so­phia Peren­nis“ des AfD-nahen Theo­lo­gen David Ber­ger über (neu-rech­te) Ereig­nis­se in Ita­li­en schreibt.