Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Straßenumbenennung und weißer Stress

 

Abs­tract

Der Bei­trag the­ma­ti­siert den mit dem Beschluss der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung Ber­lin-Mit­te vom 17. März 2016 offi­zi­ell begon­ne­nen Pro­zess der Umbe­nen­nung von Stra­ßen im Ber­li­ner „Afri­ka­ni­schen Vier­tel“ und wei­ße Abwehr am Bei­spiel der media­len Debat­te im Anschluss an die Ver­öf­fent­li­chung alter­na­ti­ver Namens­vor­schlä­ge Ende Mai 2017. Die dis­ku­tier­ten Medi­en­bei­trä­ge zur Stra­ßen­um­be­nen­nung, die in den zwei Wochen nach der Namens­ver­öf­fent­li­chung publi­ziert wur­den, wer­den im Hin­blick auf wei­ße Abwehr­stra­te­gi­en bespro­chen und in Bezie­hung zum Umgang mit Ras­sis­mus in Deutsch­land gesetzt. Von die­ser Kon­tex­tua­li­sie­rung aus­ge­hend plä­diert der Text für eine flä­chen­de­cken­de ras­sis­mus­kri­ti­sche Bil­dung, die den Zusam­men­hang von Kolo­nia­lis­mus und Ras­sis­mus bis in die Gegen­wart zum The­ma macht.


Wirklich Willkommen? Anmerkungen zum Thema deutsche «Willkommenskultur»

Wirklich Willkommen? Anmerkungen zum Thema deutsche «Willkommenskultur»

Seit die kata­stro­pha­le Lage an den euro­päi­schen Gren­zen im Som­mer 2015 die Bun­des­re­gie­rung dazu nötig­te, mehr Geflüch­te­te auf­zu­neh­men, ist die…


Rassistischer Gimmick

Rewe_Werbung_groß_20.9.2015Der renom­mier­te Schul­buch­ver­lag Klett soll sei­ne ras­sis­ti­sche Schul­buch­rei­he «Mei­ne India­ner­hef­te» ein­stel­len. Das zumin­dest for­dert der Ver­ein glo­kal e.V.  in einem offe­nen Brief. Die kri­ti­sier­ten Hef­te sind Lern­ma­te­ria­li­en für Grund­schul­kin­der, die mit Ano­ki, einem klei­nen «India­ner» illus­triert sind. Der Klett-Ver­lag hat reagiert und glo­kal e.V. ein Gesprächs­an­ge­bot gemacht.

glo­kal kri­ti­siert die Schul­hef­te dafür, dass sie Nati­ve Ame­ri­cans als Mas­kott­chen für Wer­be­zwe­cke miss­brau­chen und sie kli­schee­haft dar­stel­len wür­den. Die­se Kri­tik wird von Orga­ni­sa­tio­nen der Nati­ve Ame­ri­cans und 200 ande­ren Unterzeichner_innen aus Schu­le, Poli­tik und Wis­sen­schaft unter­stützt. Sei­tens Vertreter_innen der Nati­ve Ame­ri­cans in den USA wer­den seit Jah­ren Kam­pa­gnen wie «We are a cul­tu­re, not a cos­tu­me» und «Not your mas­cot» betrie­ben, um auf die ras­sis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung auf­merk­sam zu machen.

Ein Inter­view mit glo­kal e.V.


«Unfassbare Geschichtsvergessenheit»

Unser Koope­ra­ti­ons­part­ner Ama­ro Foro e.V. ver­öf­fent­licht aus Anlass des Gedenk­ta­ges an den Geno­zid an Sin­ti und Roma wäh­rend des Natio­nal­so­zia­lis­mus eine Pres­se­mit­tei­lung zu den aktu­ell im Zuge der aggres­si­ven, von der CSU eska­lier­ten «Zuwan­de­rungs­de­bat­te» gefor­der­ten Son­der­la­gern für «Bal­kan­flücht­lin­ge». Der von Horst See­ho­fer ein­ge­brach­te Vor­schlag, die Geflüch­te­ten aus Staa­ten wie Maze­do­ni­en und Koso­vo in Son­der­la­ger unter­zu­brin­gen, wird von Ama­ro Foro auf das Schärfs­te kri­ti­siert. Vie­le der «Bal­kan­flücht­lin­ge» sei­en Roma, wes­halb der ras­sis­ti­sche Vor­schlag des baye­ri­schen Minis­ter­prä­si­den­ten von einer «unfassbare[n] Geschichts­ver­ges­sen­heit» zeu­ge. Der Vor­sit­zen­de Merd­jan Jaku­pov, selbst Rom aus Maze­do­ni­en, erklärt dazu: «Anläss­lich des 2. August wird in Deutsch­land von Sin­ti und Roma des Geno­zids im Natio­nal­so­zia­lis­mus gedacht. In der Nacht zum 2. August wur­den in Ausch­witz fast 3000 Men­schen im soge­nann­ten Zigeu­ner­la­ger ermor­det. Es ist unfass­bar, dass heu­te ein Minis­ter­prä­si­dent in Deutsch­land tat­säch­lich Son­der­la­ger für eine bestimm­te Grup­pe von Flücht­lin­gen vor­schla­gen kann, ohne sofort zurück­tre­ten zu müs­sen.»


Im Zweifel für Racial Profiling

Vor dem Amts­ge­richt Tier­gar­ten ist ein 55-jäh­ri­ger Mann ange­klagt. Er weint. Nicht nach dem Urteil oder wenn er sich gegen die Vor­wür­fe sei­tens der Staats­an­walt­schaft wehrt, son­dern immer dann, wenn er schil­dert, wie es sich für ihn anfühlt, ras­sis­tisch behan­delt zu wer­den. Wenn er von einem Poli­zist als Affe bezeich­net wird – zwei Mal. Auch auf Nach­fra­ge, ob er ihn gera­de rich­tig ver­stan­den habe. Und wenn er beim Jog­gen im Park von Polizist_innen über Wochen auf­fäl­lig beob­ach­tet wird, wenn sie ganz lang­sam mit dem Strei­fen­wa­gen neben ihm her fah­ren. »That’s a tra­ves­ty!«, das sei eine Tra­ves­tie, so beur­teilt der Ange­klag­te das Ver­fah­ren, nach­dem die Rich­te­rin ihr Urteil ver­kün­det hat. Mit die­ser Aus­sa­ge ver­ab­schie­det er sich, als er aus Pro­test den Saal ver­lässt: »I can’t lis­ten to this any­mo­re«, er kön­ne das nicht mehr hören.

 


Racial Profiling

 

Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den erkennt in Raci­al Pro­filing kei­ne Grund­rechts­ver­let­zung

racial profiling

Für das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den stellt eine öffent­li­che Stig­ma­ti­sie­rung durch die Poli­zei kei­ne »tief­grei­fen­de spe­zi­fi­sche Grund­rechts­ver­let­zung« für die betrof­fe­nen Men­schen dar. Raci­al Pro­filing wur­de nicht als ras­sis­ti­sche Struk­tur in der Poli­zei­ar­beit erkannt.


Parteinahme und Augenhöhe

Sym­po­si­um zur Wür­di­gung des Wer­kes der jüngst ver­stor­be­nen Bir­git Rom­mels­pa­cher

 

dominanzkultur reloadedUner­war­tet und plötz­lich ist Bir­git Rom­mels­pa­cher gestor­ben: Am 16. April die­ses Jah­res im Alter von 69 Jah­ren in Frank­furt. Dort hat­te sie an der Goe­the-Uni­ver­si­tät Tage zuvor eine Seni­or­pro­fes­sur ange­tre­ten. Anfang Juli fand im Audi­max der Ali­ce-Salo­mon-Hoch­schu­le (ASH) in Ber­lin-Hel­lers­dorf nun eine Gedenk­ver­an­stal­tung statt, die Bir­git Rom­mels­pa­cher als Mensch und ihr Werk als Akti­vis­tin und Wis­sen­schaft­le­rin wür­dig­te. Rom­mels­pa­chers intel­lek­tu­el­ler Scharf­sinn in der Gesell­schafts­ana­ly­se und ihre gerech­ten sowie muti­gen For­de­run­gen, ihre stö­ren­de und auch selbst­re­flek­tie­ren­de Kri­tik hät­ten ohne ihre sozia­le Kom­pe­tenz die Anwe­sen­den nicht der­art nach­drück­lich ver­än­dert. Durch ihr Leben inmit­ten der Men­schen, die am Gedenk­abend zu Wort kamen, hat­te sie eben­so gewiss wie mit ihrer wis­sen­schaft­li­chen und poli­ti­schen Arbeit einen gro­ßen Ein­fluss.


In der Geschichte über real vorhandene Menschen fehlen die Menschen

inva kuhn amrInva Kuhn erklärt in ihrem Ein­füh­rungs­buch anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus

«Wie sonst ist die reflex­haf­te Reak­ti­on von fast der Hälf­te der Deut­schen zu erklä­ren, in der Bun­des­re­pu­blik leb­ten zu vie­le Mus­li­me, bei einem tat­säch­lich geschätz­tem Anteil von vier bis fünf Pro­zent an der Gesamt­be­völ­ke­rung? War­um den­ken über 54 Pro­zent, dass Mus­li­me in Deutsch­land zu vie­le For­de­run­gen stel­len?»

Manch­mal ist die Prä­senz des Ras­sis­mus so all­ge­gen­wär­tig, dass man ver­gisst zu fra­gen – war­um? Wenn alle eine Mei­nung zu Char­lie Heb­do oder PEGIDA haben, ist es ein­fach, auf das «Wie» oder «Was» zu fokus­sie­ren: Wie kön­nen PEGIDA so viel Macht erwer­ben? Was kön­nen wir dage­gen tun? Die­sen Feh­ler begeht Inva Kuhn nicht. In ihrem poli­tik­wis­sen­schaft­li­chen Buch Anti­mus­li­mi­scher Ras­sis­mus. Auf Kreuz­zug für das Abend­land, unter­nimmt sie es, die Fra­gen nach dem «Wie» und dem «War­um» mit­ein­an­der zu ver­bin­den.


Wahlrecht für formalrechtliche Ausländer_innen – Die Notwendigkeit einer Reform des Wahlrechts

Buchcover: Aced/Düzyol/Rüzgar/Schaft (Hg.): Migration, Asyl und (Post-) Migrantische Lebenswelten in Deutschland. Bestandsaufnahme und Perspektiven migrationspolitischer Praktiken.

Aced/Düzyol/Rüzgar/Schaft (Hg.): Migra­ti­on, Asyl und (Post-) Migran­ti­sche Lebens­wel­ten in Deutsch­land. Bestands­auf­nah­me und Per­spek­ti­ven migra­ti­ons­po­li­ti­scher Prak­ti­ken. Müns­ter: Lit-Ver­lag.

Etwa sechs Mil­lio­nen Men­schen wur­de die Chan­ce ver­wehrt, an den Bun­des­tags­wah­len im Sep­tem­ber 2013 teil­zu­neh­men. For­mal­recht­li­che Ausländer_innen kön­nen nicht an Wah­len auf Lan­des- und Bun­des­ebe­ne teil­neh­men, nur EU-Bür­ger_in­nen haben das Par­ti­zi­pa­ti­ons­recht auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. In der Regel wer­den im öffent­li­chen Dis­kurs zwei Lösungs­an­sät­ze für die­se Pro­ble­ma­tik genannt:

  • die Erleich­te­rung des Zugangs zur deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit und
  • die Aus­wei­tung des Wahl­rechts auf kom­mu­na­ler Ebe­ne.

Bei­de Optio­nen die­nen nur als Teil­lö­sun­gen, da Staa­t­an­ge­hö­rig­keit kei­ne Vor­aus­set­zung sein soll­te, um fun­da­men­ta­le Rech­te wahr­neh­men zu kön­nen. Dar­über hin­aus wür­de eine Erleich­te­rung der Ein­bür­ge­rung wei­ter­hin hohe Hür­den mit sich brin­gen, denn momen­tan befin­den sich offen­sicht­lich dis­kri­mi­nie­ren­de Vor­aus­set­zun­gen im Ein­bür­ge­rungs­pro­zess – die­se müss­ten erst dras­tisch ver­än­dert wer­den. Das Erlan­gen des Wahl­rechts nur auf kom­mu­na­ler Ebe­ne ist kei­nes­wegs aus­rei­chend. Obwohl es ein posi­ti­ver Schritt auf dem Weg zu einer gleich­be­rech­tig­te­ren Gesell­schaft wäre, wer­den wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen auf Lan­des- und Bun­des­ebe­ne getrof­fen, die alle in Deutsch­land leben­den Men­schen beein­flus­sen und nicht nur die for­mal­recht­li­chen Deut­schen.


Skandal: Wandbild zum NSU-Terror zerstört

Skandal: Wandbild zum NSU-Terror zerstört

Eil­mel­dung vom 3.6.2014 zur lau­fen­den Zer­stö­rung des Wand­bilds zum Nagel­bom­ben­an­schlag in der Köl­ner Keup­stra­ße 2004 in Ber­­lin-Kreu­z­­berg *Ber­li­ner Lan­des­kri­mi­nal­amt lässt…