Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Aufklären und Einmischen

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Kup­pel des Gerichts­saals des NSU Pro­zess in Mün­chen. Foto von Fritz Bur­schel

Eine Ver­an­stal­tung ver­sucht das auf­klä­re­ri­sche Gehalt des Frank­fur­ter Ausch­witz Pro­zess und dem Münch­ner NSU-Pro­zess her­aus­ar­bei­ten

Das Leben von Fritz Bau­er, der Gene­ral­bun­des­an­walt, der die Ver­bre­chen in Ausch­witz vor Gericht brach­te, erfreut sich neu­er cine­as­ti­scher Auf­merk­sam­keit. Nach einer Ver­fil­mung aus dem Jahr 2014 erschien am 01.10.2015 eine neu­er Film über den „Nazi­jä­ger“ Fritz Bau­er. Aber auch absei­tes von Spiel­fil­men ist das Leben und Werk von Fritz Bau­er durch­aus inter­es­sant für die aktu­el­le Zeit. Eine Ver­an­stal­tung in Ber­lin ergrün­det Fritz Bau­ers Ver­ständ­nis des Frank­fur­ter Ausch­witz-Pro­zes­se als mög­li­che Per­spek­ti­ve auf das Münch­ner NSU- Ver­fah­ren. Ein Gast­bei­trag von Ingolf Sei­del.

 


Durch Solidarität die Angst brechen

Foto von Caruso Pinguin https://www.flickr.com/photos/110931166@N08/ Inter­view mit der Intia­ti­ve für die Auf­klä­rung des Mor­des an Burak B. zu ihrer Arbeit, anti­fa­schis­ti­scher und anti­ras­sis­ti­scher Gedenk- und Erin­ne­rungs­po­li­tik, sowie den neus­ten Ent­wick­lun­gen im Fall Burak B. Die Initia­ti­ve  hat sich nach dem Mord an Burak Bek­tas in Ber­lin gegrün­det und ver­an­stal­tet in regel­mä­ßi­gen Abstän­den Gedenk­de­mons­tra­tio­nen und Mahn­wa­chen. Im Zuge der Mahn­wa­che zum drei­ein­halb­jäh­ri­gen Todes­tag von Burak B. am 5.10.2015 wur­de ein Inter­view mit Ulrich von der Initia­ti­ve geführt.


Rassistischer Gimmick

Rewe_Werbung_groß_20.9.2015Der renom­mier­te Schul­buch­ver­lag Klett soll sei­ne ras­sis­ti­sche Schul­buch­rei­he «Mei­ne India­ner­hef­te» ein­stel­len. Das zumin­dest for­dert der Ver­ein glo­kal e.V.  in einem offe­nen Brief. Die kri­ti­sier­ten Hef­te sind Lern­ma­te­ria­li­en für Grund­schul­kin­der, die mit Ano­ki, einem klei­nen «India­ner» illus­triert sind. Der Klett-Ver­lag hat reagiert und glo­kal e.V. ein Gesprächs­an­ge­bot gemacht.

glo­kal kri­ti­siert die Schul­hef­te dafür, dass sie Nati­ve Ame­ri­cans als Mas­kott­chen für Wer­be­zwe­cke miss­brau­chen und sie kli­schee­haft dar­stel­len wür­den. Die­se Kri­tik wird von Orga­ni­sa­tio­nen der Nati­ve Ame­ri­cans und 200 ande­ren Unterzeichner_innen aus Schu­le, Poli­tik und Wis­sen­schaft unter­stützt. Sei­tens Vertreter_innen der Nati­ve Ame­ri­cans in den USA wer­den seit Jah­ren Kam­pa­gnen wie «We are a cul­tu­re, not a cos­tu­me» und «Not your mas­cot» betrie­ben, um auf die ras­sis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung auf­merk­sam zu machen.

Ein Inter­view mit glo­kal e.V.


Was ist «undeutsch»? Sigmar Gabriels Besuch in Heidenau — Ein Kommentar von Jutta Ditfurth

Sig­mar Gabri­el, mit einem Tross von Jour­na­lis­ten und Kapi­tal­ver­tre­tern in Sach­sen unter­wegs, muss­te wohl auch mal einen Anschlags­ort sehen und fuhr am 24.8.2015 nach Hei­denau. Da hat­te der ras­sis­ti­sche Mob schon zwei Tage lang gewü­tet. Die Poli­zei, von den Nazis atta­ckiert, hat­te Antifaschist*innen kran­ken­haus­reif geschla­gen, was die meis­ten Medi­en zu erwäh­nen ver­ga­ßen. Waren ja nur Lin­ke.

Mona­te zu spät kam Gabri­el, aber zwei Tage vor Mer­kel. Das zählt im edlen Wett­be­werb staats­tra­gen­der Par­tei­kon­kur­renz und bei der Pfle­ge des Image des deut­schen «Stand­orts». 

War Gabri­el empa­thisch mit den ange­grif­fe­nen, um ihr Leben fürch­ten­den Flücht­lin­gen? Ich habe nichts davon gele­sen. Will er die Abschaf­fung des Asyl­rechts (unter Mit­wir­kung der SPD 1992 fak­tisch aus dem Grund­ge­setz ent­fernt) rück­gän­gig machen, weil er sich end­lich dafür schämt? Nein. Will er Roma in Deutsch­land zu einem glück­li­chen Leben ver­hel­fen? Nie­mals! Alles «West­bal­kan», wo immer die­ses Land liegt. Hat er sich je klar und deut­lich gegen Ras­sis­mus gestellt? Nein. 

Der ach so deut­sche Vize­kanz­ler und Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Gabri­el fährt nach Hei­denau und sagt wört­lich: «Man darf die­sen Typen, die sich hier in den letz­ten Tagen aus­ge­brei­tet haben, kei­nen Mil­li­me­ter Raum geben. In Wahr­heit sind es die undeut­sches­ten Typen, die ich mir vor­stel­len kann.»  «Undeutsch» sagt der deut­sche Vize­kanz­ler. Eine Aus­sa­ge in jeder Hin­sicht so furcht­bar dumm, reak­tio­när, natio­na­lis­tisch und ahis­to­risch.  


In der rassistischen Zeitmaschine

coraxKom­men die 1990er Jah­re zurück? Also jene Zeit, in der es täg­lich Brand­an­schlä­ge auf Asyl– und Flücht­lings­un­ter­künf­te gab, jene Zeit, in der ras­sis­ti­sche Mor­de aus allen Tei­len der Repu­blik, aber beson­ders aus  Ost­deutsch­land gemel­det wur­den? Kommt all das zurück? Wer die Nach­rich­ten über ras­sis­ti­sche Angrif­fe auf Flücht­lings­un­ter­künf­te, ehren­amt­li­che Hel­fer und Poli­ti­ker, die sich für Flücht­lin­ge enga­gie­ren ver­folgt, kann sich die­ses Ein­drucks nicht erweh­ren. Zu signi­fi­kant ist der Anstieg sol­cher Angrif­fe gegen­über jenen der Jah­re 2013 und 2014. Das Selbst­be­wusst­sein, mit dem Neo­na­zis in der Öffent­lich­keit auf­tre­ten, Ras­sis­mus pro­pa­gie­ren und Gewalt aus­üben, scheint einen neu­en Höhe­punkt zu errei­chen, und der­zeit gren­zen­los zu sein. Wie­der­holt sich also die Geschich­te als bit­te­re, ras­sis­ti­sche Far­ce?


Sowas kommt von sowas her: 8. Mai und NSU

HeilbronnGedenken Im baden-würt­tem­ber­gi­schen Heil­bronn gibt es im Stadt­zen­trum, mit­ten in der Fuß­gän­ger­zo­ne, einen his­to­ri­schen Turm, der als eine Art zen­tra­le Gedenk­stät­te für die Lei­den der Heilbronner_innen in den Krie­gen des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts betrach­tet wer­den kann. Der­lei Denk­mä­ler, meist weni­ger monu­men­tal, gibt es in fast allen Städ­ten Deutsch­lands.

Auf der Spit­ze des Heil­bron­ner Turms sitzt ein gol­de­ner Phö­nix, als „Sym­bol für den Über­le­bens­wil­len der durch den Bom­ben­an­griff am 4. Dezem­ber 1944 stark zer­stör­ten Stadt“. Dass sie die­sen Auf­stieg aus der Asche geschafft hat, so heißt es wei­ter, „ver­dankt die Stadt den Frau­en und Män­nern, wel­che die Schre­cken des Krie­ges und des Natio­nal­so­zia­lis­mus über­lebt haben“.


Rezension: Kommunisten gegen Hitler und Stalin

Themen : Allgemein, Gedenkpolitiken, Geschichte · 0 Kommentare · von 10. März 2015

Mar­cel Bois: Kom­mu­nis­ten gegen Hit­ler und Sta­lin. Die lin­ke Oppo­si­ti­on der KPD in der Wei­ma­rer Repu­blik. Eine Gesamt­dar­stel­lung, Klar­text­ver­lag, Essen 2014, 613 S.

Die MonBois.inddogra­fie basiert auf der im Juli 2014 ver­tei­dig­ten Dis­ser­ta­ti­on des Autors. Nach dem Stu­di­um des Kom­pen­di­ums ist man geneigt, der selbst­be­wuss­ten Behaup­tung im Unter­ti­tel zu glau­ben. Eine Gesamt­dar­stel­lung über eine Grup­pie­rung in der deut­schen Arbei­ter­be­we­gung wird vor­ge­legt, ein facet­ten­rei­cher Text über die Lin­ke Oppo­si­ti­on der KPD der Wei­ma­rer Repu­blik. Vie­le Per­so­nen, Ereig­nis­se und Doku­men­te wer­den vor­ge­stellt und bewer­tet.

Die bemer­kens­wer­te Aus­sa­ge. Mar­cel Bois räumt mit der ver­brei­te­ten Illu­si­on auf, die Lin­ke Oppo­si­ti­on habe vor allem aus Intel­lek­tu­el­len wie Ruth Fischer, Arca­dy Maslow, wie Wer­ner Scholem, Iwan Katz, Karl Korsch und ande­ren bestan­den, sie hät­ten nur weni­ge Anhän­ger in der Arbei­ter­klas­se beses­sen. Vor allem am Wir­ken der erst­mals gründ­lich unter­such­ten soge­nann­ten Wed­din­ger Oppo­si­ti­on wird schlüs­sig nach­ge­wie­sen: Die Lin­ke Oppo­si­ti­on war kei­ne „rei­ne Intel­lek­tu­el­len-Strö­mung.“ Sie war viel­mehr „an vie­len Orten in der loka­len Arbei­ter­be­we­gung ver­an­kert.“ (S. 525f.)