Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Lenin heißt jetzt Jesus

Themen : Gedenkpolitiken, Neonazismus, NSU-Komplex · 0 Kommentare · von 17. Oktober 2013

EisenkinderDie net­ten Kolleg_innen von kri​tisch​-lesen​.de haben eine Rezen­si­on des Buches „Eisen­kin­der“ von Sabi­ne Renne­fanz aus mei­ner Feder ver­öf­fent­licht: es ist die Lang­ver­si­on einer Rezen­si­on,  die in ana­ly­se + kri­tik, Nr. 585, vom 14.8.2013 gekürzt erschie­nen ist, und die den geneig­ten Leser_innen nicht vor­ent­hal­ten wer­den soll:

http://​www​.kri​tisch​-lesen​.de/​r​e​z​e​n​s​i​o​n​/​l​e​n​i​n​-​h​e​i​s​s​t​-​j​e​t​z​t​-​j​e​sus

 


Rezension: Kurze Geschichte der Antisemitismusdebatte in der deutschen Linken

Ver­folgt man die ein­schlä­gi­gen Debat­ten, so kann man sich oft des Ein­drucks nicht erweh­ren, dass die deut­sche Lin­ke ihren ganz eige­nen Nah­ost­kon­flikt aus­trägt. Über­iden­ti­fi­ka­ti­on und unre­flek­tier­te Soli­da­ri­tät ent­we­der mit Isra­el oder mit Paläs­ti­na tra­gen beson­ders in den letz­ten zwölf Jah­ren zu einer in Tei­len hoch­emo­tio­na­len Debat­ten­kul­tur bei, die eine sach­li­che Erör­te­rung und dif­fe­ren­zier­te Zugän­ge zur Pro­ble­ma­tik erschwe­ren, wenn nicht unmög­lich machen. Alter­na­ti­ve lin­ke Per­spek­ti­ven auf den Kon­flikt zwi­schen Isra­el und Paläs­ti­na, die die berech­tig­ten Inter­es­sen aller in der Regi­on leben­der Men­schen im Auge haben und daher etwa eine ana­ly­ti­sche Gleich­ran­gig­keit von Kolo­nia­lis­mus­kri­tik, Anti­se­mi­tis­mus­kri­tik und Ideo­lo­gie­kri­tik ein­for­dern sowie die Anwen­dung glei­cher uni­ver­sa­lis­ti­scher Stan­dards an die Beur­tei­lung der Kon­flikt­par­tei­en, gel­ten in hoch­dog­ma­ti­schen Milieus als nicht dis­kurs­fä­hig.


«Gastarbeiterinnen» in Kärnten. Arbeitsmigration in Medien und persönlichen Erinnerungen

«Gast­ar­bei­te­rin­nen» in Kärn­ten resul­tiert aus einem For­schungs­pro­jekt an der Alpen-Adria-Uni­ver­si­tät Kla­gen­furt, das die Spu­ren der weib­li­chen Arbeits­mi­gra­ti­on unter­sucht. Es ist in drei Tei­le geglie­dert: Nach der Ein­lei­tung wird der theo­re­ti­sche Rah­men der Arbeit zu Migra­ti­on, Erin­ne­rung und Geschlecht dar­ge­stellt, dann wer­den Tages­zei­tun­gen der 1960er und 1970er Jah­re unter­sucht und zum Schluss Aus­zü­ge aus bio­gra­fi­schen Inter­views doku­men­tiert und reflek­tiert.


Fragt uns, wir sind die Letzten

Themen : Gedenkpolitiken, Neonazismus · 0 Kommentare · von 16. September 2013
Fragt uns, wir sind die Letzten

Lek­tü­re-Emp­feh­lung Wer die Ver­an­stal­tun­gen mit dem Sobi­bór-Über­­­le­­ben­­den Phi­lip Bia­lo­witz in Ber­lin und ande­ren Städ­ten erlebt hat, wird die­ser Ver­öf­fent­li­chung sicher…


Reise in die kritische Selbstreflexion

Themen : Gedenkpolitiken, Rassismus · 0 Kommentare · von 16. September 2013
Exzellentes Bildungsmaterial des Vereins glokal e.V.: „Mit kolonialen Grüßen… Berichte und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet“

 

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Stra­ßen­blo­cka­de von Landbesetzer_innen: wäh­rend ein  Land­grab­bing unvor­stell­ba­ren Aus­ma­ßes in den Län­dern des glo­ba­len Südens statt­fin­det, müs­sen die Elen­den um ihre win­zi­gen Par­zel­len fürch­ten (wie hier 2011 in Nord-Argen­ti­ni­en in Ledes­ma, Pro­vin­cia de Sal­ta) Foto: Bur­schel

Spä­tes­tens mit der Euro­päi­schen Expan­si­on ist ein welt­wei­tes Unter­drü­ckungs­sys­tem ent­stan­den, in wel­chem nicht-wei­ße Men­schen von wei­ßen Europäer_innen zu Mil­lio­nen aus­ge­beu­tet, ver­sklavt, ver­schleppt, miss­han­delt und ermor­det wur­den. Die­ser Zustand der Ungleich­heit und Ungleich­wer­tig­keit, die Zwei­tei­lung der Welt in die Pri­vi­le­gier­ten und die Miss­brauch­ten, ent­wi­ckel­te sich auch über die poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Epo­chen Feu­da­lis­mus, Auf­klä­rung, Indus­tria­li­sie­rung, Impe­ria­lis­mus und Kolo­nia­lis­mus sowie Kapi­ta­lis­mus wei­ter und hat bis heu­te Bestand. Ein mör­de­ri­scher, aber funk­tio­nel­ler Ras­sis­mus, der sich im Lau­fe des 19. Jahr­hun­derts pseu­do-wis­sen­schaft­li­che Wei­hen zuleg­te und im Holo­caust einen bis­her ein­ma­li­gen, unvor­stell­bar grau­sa­men Kli­max sah, lie­fert für die­sen Zustand eine dau­er­haf­te Grund­la­ge, die den glo­ba­li­sier­ten All­tag mit kata­stro­pha­ler Dyna­mik bestimmt. Eine über­wie­gend männ­lich sozia­li­sier­te, wei­ße, hete­ro­se­xu­ell ori­en­tier­te, mehr oder min­der gebil­de­te Klas­se aus den west­li­chen Indus­trie­na­tio­nen oder dem glo­ba­len Nor­den domi­niert jede Ent­wick­lung auf dem Glo­bus und bestimmt die Geschi­cke der Welt und der Men­schen,  die auf ihm leben, vor allem im glo­ba­len Süden. Der Anspruch wei­ßer Antirassist_innen muss also von jeher sein, die eige­ne Pri­vi­le­giert­heit in die­ser Kon­stel­la­ti­on zu erken­nen und das eige­ne Weiß­sein kri­tisch zu reflek­tie­ren, um zu ver­hin­dern, dass sie die anso­zia­li­sier­te Domi­nanz im All­tag, im Dis­kurs, in Poli­tik, Geschlechts­le­ben und poli­ti­scher Pra­xis immer und immer wie­der repro­du­zie­ren und die inak­zep­ta­blen Ver­hält­nis­se auf die­sem Pla­ne­ten zemen­tie­ren. Wer als der­art sozia­li­sier­te Per­son im Wes­ten auf­ge­wach­sen ist, kann sich über die­se ver­häng­nis­vol­le Situa­ti­on wohl bewusst sein und dabei unter Umstän­den nicht mer­ken, dass er oder sie auch mit einem liber­tä­ren, wie auch immer lin­ken und kri­ti­schen Anspruch den­noch Teil des Pro­blems bleibt und Struk­tu­ren der Ungleich­wer­tig­keit repro­du­ziert.


Aufstand in Sobibór: Ein Zeitzeuge berichtet

Themen : Gedenkpolitiken · 0 Kommentare · von 3. September 2013

Phi­lip Bia­lo­witz berich­tet der­zeit als Zeit­zeu­ge in ver­schie­de­nen Län­dern über die Ereig­nis­se im Ver­nich­tungs­la­ger Sob­obór Mit­te Okto­ber 1943: er ist einer der letz­ten Über­le­ben­den des Auf­stan­des dort.

Am kom­men­den Mon­tag, 9. Sep­tem­ber 2013, ist er — auf Ein­la­dung der geschätz­ten Kolleg_innen vom Bil­dungs­werk Sta­nis­law Hantz - in Ber­lin zu Gast: eine sel­te­ne und wert­vol­le Gele­gen­heit, über das Gesche­hen damals aus dem Mun­de eines Augen­zeu­gen zu hören.

PhilippBialowitz

Phil­ipp Bia­lo­witz

Aufstand in Sobibór

Ver­an­stal­tung mit Phi­lip Bia­lo­witz

Ein­füh­rung: Prof. Tho­mas Sand­küh­ler

Datum: 9. Sep­tem­ber 2013, 19 Uhr

Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin Haupt­ge­bäu­de (Unter den Lin­den 6, Raum 2002)

Im Ver­nich­tungs­la­ger Sobi­bór wur­den in den Jah­ren 1942 und 1943 min­des­tens 180.000 jüdi­sche Men­schen ermor­det. Die Lei­chen der Män­ner, Frau­en und Kin­der wur­den zu Beginn in Mas­sen­grä­bern ver­scharrt, spä­ter wur­den sie unter frei­em Him­mel ver­brannt. Am 14. Okto­ber 1943 star­te­ten die jüdi­schen  Häft­lin­ge einen Auf­stand. Sie töte­ten meh­re­re SS-Män­ner und Ange­hö­ri­ge der Wach­mann­schaf­ten und orga­ni­sier­ten die Flucht, bei der über 600 Men­schen ent­ka­men. Min­des­tens 47 von ihnen erleb­ten das Kriegs­en­de. Der Auf­stand von Sobi­bór war eine der wich­tigs­ten Wider­stands­hand­lun­gen gegen die deut­sche Ver­nich­tungs­po­li­tik und schloss an eine Rei­he von Aktio­nen an,  von denen die Auf­stän­de in den Ghet­tos von War­schau und Białys­tok sowie im Ver­nich­tungs­la­ger Treb­lin­ka die bekann­tes­ten sind.

Phi­lip Bia­lo­witz war einer der Auf­stän­di­schen von Sobi­bór. Auf­ge­wach­sen in dem ost­pol­ni­schen Schtetl Izbi­ca, wur­de er im April 1943 nach Sobi­bór depor­tiert. Nur weni­ge konn­ten dort dem Tod ent­rin­nen. Eini­ge wur­den nach der Ankunft zur Arbeit aus­ge­wählt, um den Lager­be­trieb auf­rech­zu­hal­ten. Einer von ihnen war Phi­lip Bia­lo­witz.

Nach dem Krieg wan­der­te er in die USA aus, wo er bis heu­te lebt. 2010 sag­te er als Zeu­ge im Dem­jan­juk-Pro­zess in Mün­chen aus.

Hier fin­det man wei­te­re Infor­ma­tio­nen auf Face­book.


75 Jahre «Stadt des KdF-Wagen»

Themen : Gedenkpolitiken · 0 Kommentare · von 19. Juli 2013

75_jahre_wolfsburgEnde Juni 2013 fei­er­te die Stadt Wolfs­burg mit gro­ßem Auf­wand ihr 75–jähriges Bestehen. Bun­te Fes­te mit Hüpf­bur­gen, kuli­na­ri­sche Lecke­rei­en, ein 38 Meter hohes Rie­sen­rad, Kon­zer­te, Wein und Gesang über meh­re­re Tage. Rund 200.000 Besucher_innen ver­setz­ten die Stadt in einen freu­de­tau­meln­den Aus­nah­me­zu­stand. «Das Wolfs­bur­ger Geburts­tags­fest hat gezeigt, was die Stadt kann: eine tol­le Par­ty ver­an­stal­ten und rich­tig gut fei­ern», bilan­zier­te so auch fol­ge­rich­tig Joa­chim Schinga­le von der Wolfs­burg-Mar­ke­ting-Gesell­schaft. So fei­er­te man sich selbst und sei­ne Geschich­te, und blen­de­te die­se dabei doch fast gänz­lich aus. Wer will beim Fei­ern denn da auch schon an einen NS-Mus­ter­be­trieb, an «Kraft durch Freu­de», an Zwangs­ar­beit und KZ-Skla­v_in­nen den­ken? Wolfs­burg vor 75 Jah­ren, war da nicht was?


«Bruderland ist abgebrannt»

bruderland

Mit Bru­der­land ist abge­brannt för­der­te die Rosa-Luxem­burg-Stif­tung und nament­lich das Fach­re­fe­rat Neo­na­zis­mus und Strukturen/Ideologien der Ungleich­wer­tig­keit im ver­gan­ge­nen Herbst 2012 die Ver­an­stal­tungs­rei­he eines ange­se­he­nen Koope­ra­ti­ons­part­ners, des Zen­trums für Demo­kra­tie Trep­tow-Köpe­nick. Der staats­of­fi­zi­el­le «Anti­fa­schis­mus» wur­de dabei einer kri­ti­schen Aus­leuch­tung unter­zo­gen, For­men des Ras­sis­mus in der DDR-Gesell­schaft wur­den eben­so wie Anti­se­mi­tis­mus und das Auf­tre­ten von Neo­na­zis the­ma­ti­siert. Die Aus­rich­tung der Rei­he und der Fokus auf kri­tik­wür­di­ge Erschei­nun­gen in der DDR wur­de von Tei­len der lin­ken Öffent­lich­keit mit Irri­ta­ti­on und Ver­är­ge­rung auf­ge­nom­men, da sie posi­ti­ve Aspek­te im sozia­lis­ti­schen Staat der Nach­kriegs­zeit nicht wür­di­ge. Von einer «Dele­gi­ti­mie­rung» der DDR wur­de gespro­chen.
Audio- und Video-Doku­men­ta­tio­nen der in der Kri­tik ste­hen­den Ver­an­stal­tun­gen und wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Rei­he fin­den Sie hier:
* «Mythos Anti­fa­schis­mus» Video­do­ku­men­ta­ti­on der letz­ten Debat­te aus der umstrit­te­nen Rei­he «Bru­der­land ist abge­brannt!», u.a. mit Gre­gor Gysi., 31.10.2012
* Ver­tra­g­ar­bei­ter in der DDR, Podi­um mit Tama­ra Hent­schel (ehe­ma­li­ge DDR-Wohn­heim­be­treue­rin für Vietnames_innen, seit 1993 Geschäfts­füh­re­rin des Ver­eins Reis­trom­mel e.V.), Susan­ne Harm­sen (Jour­na­lis­tin, Mache­rin der gleich­na­mi­gen Auss­stel­lung), Dr. Nguy­en van Huong (Mit­ar­bei­ter im Büro des Beauf­trag­ten für Inte­gra­ti­on und Migra­ti­on des Lan­des Ber­lin) und der Fil­me­ma­che­rin Ange­li­ka Nguy­en, 8.10.2012
* Anti­se­mi­tis­mus in der DDR, Vor­trag und Dis­kus­si­on mit Jan Rie­be von der Ama­deu Anto­nio Stif­tung, 11.10.2012
* Frem­de und Fremd-Sein in der DDR, Vor­trag mit Dis­kus­si­on mit dem His­to­ri­ker Dr. Patri­ce G. Pou­trus (Lehr­be­auf­trag­ter an der Pro­fes­sur für Zeit­ge­schich­te der Mar­tin-Luther-Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg), Susan­ne Harm­sen (Aus­stel­lungs­ma­che­rin und freie Jour­na­lis­tin) und Ange­li­ka Nguy­en (Film­wis­sen­schaft­le­rin und Auto­rin), 17.10.2012

RE:GUBEN. Oder was bisher geschah

<span class="caps">RE</span>:<span class="caps">GUBEN</span>. Oder was bisher geschah

Eine neu­ar­ti­ge Idee steckt hin­ter dem Inter­­net-Pro­­jekt RE:Guben, das im Lau­fe des Jah­res vor dem 15. Jah­res­tag des Todes des…


Auf dem Weg zum Einwanderungsland – Vetragsarbeit in der DDR

Die Situa­ti­on der DDR-Ver­trags­ar­bei­ter_in­nen ist kaum auf­ge­ar­bei­tet. Das Stand­punk­te­pa­pier «Auf dem Weg zum Ein­wan­de­rungs­land. Nur bil­li­ge Arbeits­kräf­te und kaum gedul­de­te Frem­de? Zur Situa­ti­on der Ver­trags­ar­bei­ter in der DDR wäh­rend der 1970er und 1980er Jah­re» von Jörg Rös­ler folgt dem Ziel einer dif­fe­ren­zier­ten, wis­sen­schaft­lich gestütz­ten Auf­ar­bei­tung.

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