Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Interaktive Karte der Gewalt gegen Flüchtlinge

Hoyers­wer­da 1991, Ros­tock-Lich­ten­ha­gen im Jahr dar­auf. Die­se Namen ste­hen in den Köp­fen vie­ler für den Höhe­punkt der Frem­den­feind­lich­keit und der Gewalt gegen Flücht­lin­ge und Migranten_innen in Deutsch­land, jedoch zugleich für ein abge­schlos­se­nes Kapi­tel. Doch sah das Jahr 2013 eine ste­ti­ge Stei­ge­rung von ras­sis­ti­schen Über­grif­fen, Aktio­nen und Gewalt­ta­ten gegen Flücht­lings­hei­me und deren Bewohner_innen.

Die­se inter­ak­ti­ve Kar­te des Doku­men­ta­ti­ons­ar­chivs «Moni­to­ring Agi­ta­ti­on Against Refu­gees in Ger­ma­ny» (Beob­ach­tung von Het­ze gegen Flücht­lin­ge in Deutsch­land) ver­an­schau­licht die zeit­li­che und räum­li­che Ent­wick­lung von Brand­an­schlä­gen, direk­ten Aktio­nen oder Demons­tra­tio­nen gegen Flücht­lin­ge seit dem 01.01.2013 und wird fort­lau­fend aktua­li­siert. Ein Höhe­punkt ist im Okto­ber und Novem­ber 2013 zu ver­zeich­nen. Zynisch, wur­de zu genau die­ser Zeit doch um die Opfer der Boots­un­glü­cke vor Lam­pe­du­sa getrau­ert.

Zur Kar­te: (http://​www​.dok​-maar​.de/)


15 Jahre „Gubener Hetzjagd“

Themen : Flucht & Asyl, Neonazismus, Rassismus · 0 Kommentare · von 27. Januar 2014

Der Tod des damals 28-jäh­ri­gen alge­ri­schen Asyl­be­wer­bers Farid Guen­doul jährt sich am 13. Febru­ar 2014 zum 15. Mal. Mit dem Datum geht auch ein außer­ge­wöhn­li­ches, von der Rosa Luxem­burg Stif­tung geför­der­tes  Inter­net­pro­jekt zur Doku­men­ta­ti­on der und zum Geden­ken an die ras­sis­ti­sche Tat zuen­de: RE:Guben. Abge­se­hen davon, dass die wun­der­bar gestal­te­te Sei­te rand­voll ist mit inter­es­san­ten und lesens­wer­ten Bei­trä­gen, Audio- und Video-Clips und Foto­gra­fi­en zum The­ma, sei an die­ser Stel­le auch noch ein­mal auf ein beson­ders gelun­ge­nes Teil­pro­jekt in die­sem Zusam­men­hang hin­ge­wie­sen: Unter dem Titel „Ras­sis­ti­sche Gewalt vor Gericht. Gesprä­che über den Fall Guben“  sind Inter­views mit damals am Pro­zess vor dem Land­ge­richt Cott­bus Betei­lig­ten ver­öf­fent­licht, die das Gesche­hen damals noch ein­mal in sei­ner Tie­fe und Bedeu­tung auf­ru­fen. Neben dem Tages­spie­gel-Repor­ter Frank Jan­sen, dem Pro­zess­be­ob­ach­ter der For­schungs­ge­sell­schaft Flucht und Migra­ti­on (FFM), Fried­rich Bur­schel,  und den bei­den Neben­kla­ge-Anwäl­tin­nen Chris­ti­na Clemm und The­da Giencke wer­den auch der Ver­tei­di­ger Chris­ti­an Nord­hau­sen und der — unter­des­sen pen­sio­nier­te — Vor­sit­zen­de Rich­ter Joa­chim Dönitz befragt. Ins­be­son­de­re das Dönitz-Inter­view ist ein höchst beein­dru­cken­des Doku­ment.

Zum Abschluss des Pro­jek­tes und anläss­lich des Jah­res­ta­ges wird in Ber­lin auch eine Aus­stel­lung zum The­ma zu sehen sein:

9a61c0ba7e-1bWenn der so bekloppt ist und durch die Scheibe läuft…“

Guben 15 Jahre nach der tödlichen Hetzjagd auf Farid Guendoul

Aus­stel­lung vom 13. Febru­ar (Ver­nis­sa­ge) bis 13. März 2014 (Finis­sa­ge)

Öff­nungs­zei­ten: Diens­tag bis Sonn­tag ab 16 Uhr, Bild­pro­jek­ti­on auf Anfra­ge, Ein­tritt: frei

In der Nacht vom 12. zum 13. Febru­ar 1999 ver­blu­te­te der alge­ri­sche Asyl­be­wer­ber Farid Guen­doul im Haus­ein­gang der Hugo-Jentsch-Stra­ße 14 in der bran­den­bur­gi­schen Klein­stadt Guben, nach­dem er und sei­ne bei­den Beglei­ter von einer Grup­pe rech­ter Jugend­li­cher gejagt wor­den waren. Die Täter waren in die­ser Nacht unter­wegs auf der Suche nach Men­schen, an denen sie ihren ras­sis­ti­schen Hass aus­las­sen konn­ten. Sie bemäch­tig­ten sich über Stun­den des Rau­mes der Stadt. Zu kei­nem Zeit­punkt tra­fen die Täter dabei auf jeman­den, der sie auf­hielt.

Farid Guen­doul ist eines von 184 Todes­op­fern rech­ter Gewalt seit der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung. Im Ver­gleich zu den meis­ten von ihnen erhiel­ten sein Tod sowie das sich anschlie­ßen­de, mehr als 18 Mona­te dau­ern­de Gerichts­ver­fah­ren eine hohe media­le Auf­merk­sam­keit.

Wer heu­te in Guben nach Zei­chen einer Erin­ne­rung sucht, wird vie­le Leer­stel­len fin­den und ist mit Ableh­nung und Unver­ständ­nis kon­fron­tiert: das Wohn­haus in der Hugo-Jentsch-Stra­ße wur­de abge­ris­sen, Men­schen suchen nach wie vor die Schuld bei Farid Guen­doul und sehen sich in ers­ter Linie als Opfer einer über­re­gio­na­len Bericht­erstat­tung, poli­ti­sche Stel­len ver­wei­gern immer noch eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Tat. Nur ein klei­ner, unschein­ba­rer und häu­fig ver­wahr­los­ter Gedenk­stein auf einer Wie­se erin­nert an Farid Guen­doul.

Die Aus­stel­lung erzählt die Ereig­nis­se die­ser Februar­nacht 1999 vor der Abbil­dung dama­li­ger Ereig­nis­or­te 15 Jah­re nach der Tat. Die Dis­kre­panz zwi­schen dem Ereig­nis und sei­ner Nicht-Ables­bar­keit im Raum ist dabei nicht zu über­brü­cken. Sie ist Teil der Erin­ne­rung und Anlass der Annä­he­rung.

Die Aus­stel­lung ist eine Erin­ne­rungs­in­stal­la­ti­on zum 15. Todes­tag Farid Guen­douls, sie beschließt gleich­zei­tig das Pro­jekt RE:GUBEN, das sich ein Jahr lang Fra­gen nach einem Umgang mit dem Geden­ken an die Todes­op­fer rech­ter Gewalt und der Erin­ne­rung an Farid Guen­doul in Guben gewid­met hat.


«Bei uns brennt es» – Sammelunterkünfte für Asylsuchende und Geduldete als kommunalpolitische Herausforderung

«Bei uns brennt es». Die­sen Satz beka­men wir immer wie­der zu hören, als wir das Tref­fen des bun­des­wei­ten Gesprächs­krei­ses Migra­ti­on der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung am 29. Novem­ber 2013 in Pots­dam vor­be­rei­te­ten. Schwer­punkt war die Pro­ble­ma­tik der Unter­brin­gung von Asyl­su­chen­den bzw. Gedul­de­ten. War ihre Zahl nach der fak­ti­schen Abschaf­fung des Asyl­rechts im Mai 1993 jah­re­lang kon­ti­nu­ier­lich zurück­ge­gan­gen, gibt es in der Bun­des­re­pu­blik neu­er­dings wie­der deut­lich mehr Men­schen, die Schutz vor Ver­fol­gung, Krie­gen und öko­no­mi­scher Per­spek­tiv­lo­sig­keit suchen. Im Gefol­ge fül­len sich die noch bestehen­den Auf­nah­me-Ein­rich­tun­gen, und neue wer­den geschaf­fen. Regel­mä­ßig kommt es dann vor Ort zu teils äußerst aggres­si­vem «Bür­ger_in­nen-Pro­test». Dabei ähneln sich die rechts­po­pu­lis­ti­schen bis offen neo­na­zis­ti­schen Paro­len in Ost und West, in Groß­städ­ten wie in länd­li­chen Gemein­den eben­so wie die Auf­ma­chung der ent­spre­chen­den Face­book-Sei­ten. Bei sei­ner Bera­tung am 29. Novem­ber 2013 in Pots­dam mach­te sich der Gesprächs­kreis Migra­ti­on auf die Suche nach Stra­te­gi­en gegen rech­te Stim­mungs­ma­che und lin­ke Hilf­lo­sig­keit.

Wäh­rend der Ver­dacht einer zen­tra­len Steue­rung durch extre­me rech­te Kräf­te zumin­dest nahe­liegt, füh­len sich kom­mu­nal enga­gier­te Lin­ke und Antirassist_innen, die die Refu­gees schüt­zen und unter­stüt­zen wol­len, oft hilf­los. Auch wenn sie Mandatsträger_innen sind, wer­den sie meist, wie die übri­gen Anwohner_innen, vor voll­ende­te Tat­sa­chen gestellt – wo eine zen­tra­le Ein­rich­tung eröff­net wird, ist Herr­schafts­wis­sen der jewei­li­gen Bürgermeister_innen oder Landrät_innen, die die Ver­trä­ge mit den Betreiber_innen abschlie­ßen und aus Furcht vor der öffent­li­chen Stim­mung häu­fig nur zurück­hal­tend dar­über infor­mie­ren. Zudem tre­ten Lin­ke aus guten Grün­den für eine dezen­tra­le Unter­brin­gung von Geflüch­te­ten ein – also für deren Ver­sor­gung mit Woh­nun­gen –, sehen sich hier aber ver­pflich­tet, sich gegen den rech­ten Mob vor die Sam­mel­un­ter­künf­te zu stel­len.


Eurosur – Das neue Sicherheitspaket der EU verstehen

Themen : Flucht & Asyl, Rassismus · (1) Kommentar · von 13. Januar 2014

Nach dem Boots­un­glück vor der ita­lie­ni­schen Küs­te bei Lam­pe­du­sa im Herbst 2013 wur­den, kata­ly­siert durch die prä­gen­den Bil­der hun­der­ter ertrun­ke­ner Flücht­lin­ge aus Soma­lia und Eri­trea, die Rufe nach Refor­men der EU-Flücht­lings­po­li­tik lau­ter. Wäh­rend allein in den letz­ten zwei Jah­ren min­des­tens 4000 Men­schen so ihr Leben lie­ßen, brauch­te es erst die­ses öffent­lich­keits­wirk­sa­me Ereig­nis, um eine weit­rei­chen­de­re Debat­te zur Asyl- und Zuwan­de­rungs­po­li­tik zu ent­fa­chen.


Antiziganismus prägt Zuwanderungsdebatte

Mar­kus End, Mit­her­aus­ge­ber  der bei­den Bän­de „Anti­zi­ga­nis­ti­sche Zustän­de“ beim Unrast-Ver­lag hat der Deut­schen Wel­le ein lesens­wer­tes Inter­view zu aktu­el­lem Anti­zi­ga­nis­mus gege­ben, auf das hin­zu­wei­sen uns ein Bedürf­ni­us ist:

DW: Herr End, in Deutsch­land wird über die soge­nann­te Armuts­mi­gra­ti­on aus Süd­ost­eu­ro­pa dis­ku­tiert, was stört Sie an die­ser Debat­te?

Mar­kus End: Mir stößt übel auf, dass die­se Debat­te anti­zi­ga­nis­tisch geführt wird. Seit Mit­te 2012 wur­de der Begriff „Armuts­zu­wan­de­rer“ in der Öffent­lich­keit gleich­ge­setzt mit dem Begriff „Roma“. Dadurch wur­den Roma die Eigen­schaf­ten zuge­schrie­ben, die man den soge­nann­ten Armuts­zu­wan­de­rern zuschrieb: Sie wur­den pau­schal als faul und als Sozi­al­schma­rot­zer bezeich­net. Es hieß, sie wür­den Müll und Lärm pro­du­zie­ren oder zur Kri­mi­na­li­tät nei­gen. Wer regel­mä­ßig Medi­en kon­su­mier­te, hat gelernt, dass Roma Armuts­zu­wan­de­rer sei­en.“ Wei­ter


Wir bleiben alle! – Flüchtlingsproteste und Kämpfe für ein Recht auf Stadt in Hamburg

Dansk_Wir blei­ben alle;

ελληνικά_Wir blei­ben alle (ilesxi);

English_Wir blei­ben alle; (green left wee­kly)

Español_Wir blei­ben alle (enlu­cha)

Türkçe_Wir blei­ben alle (mark​sist​.org)

Wäh­rend es vie­ler­orts in Euro­pa zu ras­sis­ti­schen Pogro­men gegen Flücht­lin­ge kommt, erlebt Ham­burg gera­de das Gegen­teil: eine brei­te Bewe­gung für das Blei­be­recht von Flücht­lin­gen, ver­bun­den mit dem Kampf für ein Recht auf Stadt und für die Ver­tei­di­gung eines besetz­ten lin­ken Zen­trums.

Es waren unge­fähr drei­hun­dert west­afri­ka­ni­sche Flücht­lin­ge, die im Früh­jahr 2013 von Liby­en kom­mend Ham­burg erreich­ten. Ihr Weg hat­te sie nach einer gefähr­li­chen Über­fahrt über das Mit­tel­meer zunächst auf die ita­lie­ni­sche Insel Lam­pe­du­sa geführt, nach der sich die Grup­pe in Ham­burg dann benann­te. In Ham­burg ange­kom­men, wei­ger­ten sich die Behör­den unter Ver­weis auf die EU-Richt­li­ni­en, den Flücht­lin­gen eine dau­er­haf­te Unter­kunft zur Ver­fü­gung zu stel­len und ver­such­ten, sie gleich wie­der aus der Stadt zu trei­ben. Doch die Flücht­lin­ge woll­ten nicht wei­ter­zie­hen. Wohin denn auch? Sie ent­schie­den sich zu blei­ben, an die Öffent­lich­keit zu gehen und für ihre Rech­te zu kämp­fen. Sie stie­ßen dabei auf eine spon­ta­ne Wel­le der Sym­pa­thie und Soli­da­ri­tät in Tei­len der Bevöl­ke­rung.

Kir­chen öff­ne­ten ihre Tore, eben­so (wenn auch weni­ger öffent­lich) Mosche­en. Auch links­al­ter­na­ti­ve Zen­tren und Wohn­pro­jek­te nah­men Flücht­lin­ge auf.


Solidarität statt Rassismus

Der anti­fra* Blog schließt sich der bemer­kens­wer­ten Erklä­rung des Netz­wer­kes Kri­ti­sche Migra­ti­ons- und Grenz­re­gi­me­for­schung an und will sei­ne Leser_innen ermun­tern, die Stel­lung­nah­me vom 4. Sep­tem­ber 2013 zu unter­stüt­zen, die bereits von über 1850 Men­schen, dar­un­ter nam­haf­te Wissenschaftler_innen, unter­zeich­net wor­den ist:

solidaritaet-statt-rassismus_140x140Am 2. Sep­tem­ber debat­tier­te der Deut­sche Bun­des­tag den Abschluss­be­richt des NSU-Unter­su­chungs­aus­schus­ses, der das Ver­sa­gen von Sicher­heits­be­hör­den in den letz­ten 13 Jah­ren doku­men­tiert. Bericht und öffent­li­che Debat­te zei­gen, dass ein Teil der gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Eli­ten Deutsch­lands zumin­dest in die­sem Bereich gelernt hat, im Nach­hin­ein Ras­sis­mus zu erken­nen und zu benen­nen. Aber in Soli­da­ri­tät mit den aus­dau­ern­den Kämp­fen von Migrant_innen und Geflüch­te­ten gegen all­täg­li­che Aus­gren­zung und im Ange­sicht neu­er natio­na­lis­ti­scher „Bür­ger­pro­tes­te“ gilt es den Blick end­lich auf die gan­ze Brei­te der ras­sis­ti­schen Mus­ter zu rich­ten, die unse­re Gesell­schaft immer noch prä­gen – und zu han­deln.

Geheim­diens­te und Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den sind im Zuge der Auf­klä­rung der NSU-Mor­de deut­lich in die Kri­tik einer brei­te­ren Öffent­lich­keit gera­ten. Wenn aber von einem sys­te­ma­ti­schen Ver­sa­gen die Rede ist, so begrenzt sich die­se Aus­sa­ge meist auf das Sys­tem der Sicher­heits­be­hör­den und meint nicht die ekla­tan­ten Miss­stän­de des insti­tu­tio­nel­len und all­täg­li­chen Ras­sis­mus in Deutsch­land. Und so wer­den par­al­lel zur Auf­de­ckung der NSU-Struk­tu­ren natio­na­lis­ti­sche Dis­kur­se gegen Migrant_innen, die wie bereits in der Ver­gan­gen­heit „Inte­gra­ti­on“ in den Mit­tel­punkt rücken, wie­der lau­ter. Nicht nur Neo­na­zis, auch „auf­ge­brach­te“ Bürger_innen ver­tre­ten ihre ras­sis­ti­schen Ein­stel­lun­gen öffent­lich, auf der Stra­ße eben­so wie medi­al, und Par­tei­en wie „Pro Deutsch­land“ nut­zen für ihre ras­sis­ti­sche Pro­pa­gan­da die Gunst der Stun­de. Heu­te müs­sen in Deutsch­land wie­der Flücht­lin­ge vor ras­sis­ti­scher Mobi­li­sie­rung flie­hen – in Ber­lin-Hel­lers­dorf richtet(e) sich die­se gegen die Eröff­nung einer Flücht­lings­un­ter­kunft, in Duis­burg-Berg­heim gegen die blo­ße Anwe­sen­heit rumä­ni­scher und bul­ga­ri­scher EU-Bür­ger_in­nen.


Hinterland # 23 erschienen

Hinterland # 23 erschienen

Hin­ter­land #23: Rei­sen (88 Sei­ten, 4,50 €) außer­dem an Bord: Wir kön­nen nicht mehr war­ten! Der Non Citi­zen Pro­test im…


DISS: „Vorhersehbare Katastrophen“

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NPD setzt auf stump­fe Res­sen­ti­ments: Wahl­kampf in Hel­lers­dorf, 24.8.2013

Augen­blick­lich eska­lie­ren wie­der Kon­flik­te um Einwanderer_innen aus Ost­eu­ro­pa und Asyl­su­chen­de in ganz Deutsch­land. Die Situa­tio­nen rund um pre­kä­re Wohn­quar­tie­re von  Migrie­ren­den (zumeist aus Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en, häu­fig vor allem Roma) sowie um Asyl­su­chen­den-Unter­künf­te neh­men an Hef­tig­keit und Gefähr­lich­keit zu, orga­ni­sier­te Nazis machen sich eine ras­sis­ti­sche Stim­mung in wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung zu Nut­ze und befeu­ern die agres­si­ve Stim­mung noch mit Het­ze, Demons­tra­tio­nen und indem sie „Bür­ger­initia­ti­ven“ gegen Sam­mel­un­ter­künf­te und wei­te­ren Zuzug unter­wan­dern.

Die auf­ge­la­de­nen Anwoh­ner_in­nen-Pro­tes­te in Ber­lin Hel­lers­dorf, in Wol­gast, Leip­zig und anders­wo, sowie ras­sis­ti­sche Aus­gren­zung wie etwa in Ber­lin-Rei­ni­cken­dorf wecken Erin­ne­run­gen an die ras­sis­ti­sche Pogrom­stim­mung nach der Wen­de Anfang der 1990er Jah­re im  gan­zen Land. Beson­ders bedroh­lich stellt sich die Situa­ti­on in Duis­burg dar, wo vor dem pre­kä­ren Wohn­quar­tier süd

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900 gegen 50: Anti-NPD-Pro­test in Ber­lin Hel­lers­dorf am 24.8.2013

ost­eu­ro­päi­scher Einwanderer_innen auf­ge­brach­te Anwohner_innen und Nazis sich ver­sam­meln. Es gibt zwar aller­or­ten auch star­ke anti­ras­sis­ti­sche und anti­fa­schis­ti­sche Initia­ti­ven, Pro­tes­te und nächt­li­che Wachen vor den bedroh­ten Gebäu­den, aber die Situa­ti­on kann jeder­zeit außer Kon­trol­le gera­ten.

Unser lang­jäh­ri­ger Part­ner, das Duis­bur­ger Insti­tut für Sprach- und Sozi­al­for­schung (DISS), hat sich nun mit einer Pres­se­er­klä­rung an die Öffent­lich­keit gewandt und vor wei­te­rer Eska­la­ti­on gewarnt. Wir doku­men­tie­ren die PE hier und schlie­ßen uns der Ein­schät­zung und dem poli­ti­schen Weck­ruf der Kolleg_innen in Duis­burg (nicht nur mit Blick auf die Ber­li­ner Situa­ti­on) an:


Erfolg für Meinungsfreiheit: Flüchtlingsrat Brandenburg obsiegt vor BVerfG

Gratulation!

 

P1070518Einen über­ra­schend ein­deu­ti­gen Erfolg hat der Flücht­lings­rat Bran­den­burg mit einer Beschwer­de vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erzielt: den Kolleg_innen vom Flücht­lings­rat gebührt gro­ßer Dank nicht nur für ihre jah­re­lan­ge exzel­len­te Arbeit im Sin­ne und zur Unter­stüt­zung von Flücht­lin­gen, Migrant_innen und Ille­ga­li­sier­ten und gegen Ras­sis­mus und behörd­li­che Will­kür, son­dern auch dafür, dass sie die­sen Strauß mit dem Rechts­amt aus­ge­foch­ten, bis in die höchs­te Instanz getra­gen haben und dem höchs­ten deut­schen Gericht einen Satz wie die­sen  ent­lock­ten: «Es ist zu berück­sich­ti­gen, dass das Recht, Maß­nah­men der öffent­li­chen Gewalt ohne Furcht vor staat­li­chen Sank­tio­nen auch scharf kri­ti­sie­ren zu kön­nen, zum Kern­be­reich der Mei­nungs­frei­heit gehört und bei der Abwä­gung beson­ders zu berück­sich­ti­gen ist.»

Wir doku­men­tu­ie­ren hier die gemein­sa­me Pres­se­er­klä­rung des Flücht­lings­ra­tes Bran­den­burg und des Repu­bli­ka­ni­schen Anwäl­tin­nen- und Anwäl­te­ver­eins (RAV) vom 9. August 2013: