Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Solidarität statt Rassismus

Der anti­fra* Blog schließt sich der bemer­kens­wer­ten Erklä­rung des Netz­wer­kes Kri­ti­sche Migra­ti­ons- und Grenz­re­gi­me­for­schung an und will sei­ne Leser_innen ermun­tern, die Stel­lung­nah­me vom 4. Sep­tem­ber 2013 zu unter­stüt­zen, die bereits von über 1850 Men­schen, dar­un­ter nam­haf­te Wissenschaftler_innen, unter­zeich­net wor­den ist:

solidaritaet-statt-rassismus_140x140Am 2. Sep­tem­ber debat­tier­te der Deut­sche Bun­des­tag den Abschluss­be­richt des NSU-Unter­su­chungs­aus­schus­ses, der das Ver­sa­gen von Sicher­heits­be­hör­den in den letz­ten 13 Jah­ren doku­men­tiert. Bericht und öffent­li­che Debat­te zei­gen, dass ein Teil der gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Eli­ten Deutsch­lands zumin­dest in die­sem Bereich gelernt hat, im Nach­hin­ein Ras­sis­mus zu erken­nen und zu benen­nen. Aber in Soli­da­ri­tät mit den aus­dau­ern­den Kämp­fen von Migrant_innen und Geflüch­te­ten gegen all­täg­li­che Aus­gren­zung und im Ange­sicht neu­er natio­na­lis­ti­scher „Bür­ger­pro­tes­te“ gilt es den Blick end­lich auf die gan­ze Brei­te der ras­sis­ti­schen Mus­ter zu rich­ten, die unse­re Gesell­schaft immer noch prä­gen – und zu han­deln.

Geheim­diens­te und Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den sind im Zuge der Auf­klä­rung der NSU-Mor­de deut­lich in die Kri­tik einer brei­te­ren Öffent­lich­keit gera­ten. Wenn aber von einem sys­te­ma­ti­schen Ver­sa­gen die Rede ist, so begrenzt sich die­se Aus­sa­ge meist auf das Sys­tem der Sicher­heits­be­hör­den und meint nicht die ekla­tan­ten Miss­stän­de des insti­tu­tio­nel­len und all­täg­li­chen Ras­sis­mus in Deutsch­land. Und so wer­den par­al­lel zur Auf­de­ckung der NSU-Struk­tu­ren natio­na­lis­ti­sche Dis­kur­se gegen Migrant_innen, die wie bereits in der Ver­gan­gen­heit „Inte­gra­ti­on“ in den Mit­tel­punkt rücken, wie­der lau­ter. Nicht nur Neo­na­zis, auch „auf­ge­brach­te“ Bürger_innen ver­tre­ten ihre ras­sis­ti­schen Ein­stel­lun­gen öffent­lich, auf der Stra­ße eben­so wie medi­al, und Par­tei­en wie „Pro Deutsch­land“ nut­zen für ihre ras­sis­ti­sche Pro­pa­gan­da die Gunst der Stun­de. Heu­te müs­sen in Deutsch­land wie­der Flücht­lin­ge vor ras­sis­ti­scher Mobi­li­sie­rung flie­hen – in Ber­lin-Hel­lers­dorf richtet(e) sich die­se gegen die Eröff­nung einer Flücht­lings­un­ter­kunft, in Duis­burg-Berg­heim gegen die blo­ße Anwe­sen­heit rumä­ni­scher und bul­ga­ri­scher EU-Bür­ger_in­nen.


Hinterland # 23 erschienen

Hinterland # 23 erschienen

Hin­ter­land #23: Rei­sen (88 Sei­ten, 4,50 €) außer­dem an Bord: Wir kön­nen nicht mehr war­ten! Der Non Citi­zen Pro­test im…


DISS: „Vorhersehbare Katastrophen“

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NPD setzt auf stump­fe Res­sen­ti­ments: Wahl­kampf in Hel­lers­dorf, 24.8.2013

Augen­blick­lich eska­lie­ren wie­der Kon­flik­te um Einwanderer_innen aus Ost­eu­ro­pa und Asyl­su­chen­de in ganz Deutsch­land. Die Situa­tio­nen rund um pre­kä­re Wohn­quar­tie­re von  Migrie­ren­den (zumeist aus Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en, häu­fig vor allem Roma) sowie um Asyl­su­chen­den-Unter­künf­te neh­men an Hef­tig­keit und Gefähr­lich­keit zu, orga­ni­sier­te Nazis machen sich eine ras­sis­ti­sche Stim­mung in wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung zu Nut­ze und befeu­ern die agres­si­ve Stim­mung noch mit Het­ze, Demons­tra­tio­nen und indem sie „Bür­ger­initia­ti­ven“ gegen Sam­mel­un­ter­künf­te und wei­te­ren Zuzug unter­wan­dern.

Die auf­ge­la­de­nen Anwoh­ner_in­nen-Pro­tes­te in Ber­lin Hel­lers­dorf, in Wol­gast, Leip­zig und anders­wo, sowie ras­sis­ti­sche Aus­gren­zung wie etwa in Ber­lin-Rei­ni­cken­dorf wecken Erin­ne­run­gen an die ras­sis­ti­sche Pogrom­stim­mung nach der Wen­de Anfang der 1990er Jah­re im  gan­zen Land. Beson­ders bedroh­lich stellt sich die Situa­ti­on in Duis­burg dar, wo vor dem pre­kä­ren Wohn­quar­tier süd

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900 gegen 50: Anti-NPD-Pro­test in Ber­lin Hel­lers­dorf am 24.8.2013

ost­eu­ro­päi­scher Einwanderer_innen auf­ge­brach­te Anwohner_innen und Nazis sich ver­sam­meln. Es gibt zwar aller­or­ten auch star­ke anti­ras­sis­ti­sche und anti­fa­schis­ti­sche Initia­ti­ven, Pro­tes­te und nächt­li­che Wachen vor den bedroh­ten Gebäu­den, aber die Situa­ti­on kann jeder­zeit außer Kon­trol­le gera­ten.

Unser lang­jäh­ri­ger Part­ner, das Duis­bur­ger Insti­tut für Sprach- und Sozi­al­for­schung (DISS), hat sich nun mit einer Pres­se­er­klä­rung an die Öffent­lich­keit gewandt und vor wei­te­rer Eska­la­ti­on gewarnt. Wir doku­men­tie­ren die PE hier und schlie­ßen uns der Ein­schät­zung und dem poli­ti­schen Weck­ruf der Kolleg_innen in Duis­burg (nicht nur mit Blick auf die Ber­li­ner Situa­ti­on) an:


Erfolg für Meinungsfreiheit: Flüchtlingsrat Brandenburg obsiegt vor BVerfG

Gratulation!

 

P1070518Einen über­ra­schend ein­deu­ti­gen Erfolg hat der Flücht­lings­rat Bran­den­burg mit einer Beschwer­de vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erzielt: den Kolleg_innen vom Flücht­lings­rat gebührt gro­ßer Dank nicht nur für ihre jah­re­lan­ge exzel­len­te Arbeit im Sin­ne und zur Unter­stüt­zung von Flücht­lin­gen, Migrant_innen und Ille­ga­li­sier­ten und gegen Ras­sis­mus und behörd­li­che Will­kür, son­dern auch dafür, dass sie die­sen Strauß mit dem Rechts­amt aus­ge­foch­ten, bis in die höchs­te Instanz getra­gen haben und dem höchs­ten deut­schen Gericht einen Satz wie die­sen  ent­lock­ten: «Es ist zu berück­sich­ti­gen, dass das Recht, Maß­nah­men der öffent­li­chen Gewalt ohne Furcht vor staat­li­chen Sank­tio­nen auch scharf kri­ti­sie­ren zu kön­nen, zum Kern­be­reich der Mei­nungs­frei­heit gehört und bei der Abwä­gung beson­ders zu berück­sich­ti­gen ist.»

Wir doku­men­tu­ie­ren hier die gemein­sa­me Pres­se­er­klä­rung des Flücht­lings­ra­tes Bran­den­burg und des Repu­bli­ka­ni­schen Anwäl­tin­nen- und Anwäl­te­ver­eins (RAV) vom 9. August 2013:


Filmpremiere: „Can’t be silent“

Filmpremiere: „Can’t be silent“

Kon­zert­rei­se durch Lager­land Julia Oel­kers ist mit ihrem berüh­ren­den Doku-Film „Can’t be silent“ ganz bei den „Refu­gees“ „Good things come…


Europäische und griechische Migrationspolitik in Zeiten der Krise

migrations-seminarGrie­chen­land ist heu­te eines der bedeu­tends­ten Tran­sit­län­der für Migrant_innen und Flücht­lin­ge, deren Ziel die Euro­päi­sche Uni­on ist. Für vie­le wird Grie­chen­land aber aus einem Tran­sit­land zu einem Land der Inter­nie­rung, in dem sie die letz­te Hoff­nung ver­lie­ren. Der stei­gen­de Migra­ti­ons­fluss und das Aus­blei­ben eines umsetz­ba­ren Rechts­rah­mens zur Auf­nah­me die­ser Men­schen führt in Ver­bin­dung mit den durch die Wirt­schafts­kri­se beding­ten sozio-poli­ti­schen Umstän­den zur Ver­elen­dung der Migrant_innen und Flücht­lin­ge sowie zu ras­sis­ti­schen Reak­tio­nen bei gro­ßen Tei­len der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung. Um die­sen Phä­no­me­nen ent­ge­gen­zu­wir­ken, sind sowohl die Siche­rung eines men­schen­wür­di­gen Auf­ent­halts als auch die For­mu­lie­rung einer euro­päi­schen Migra­ti­ons­po­li­tik eine drin­gen­de Prio­ri­tät. Das Ver­bin­dungs­bü­ro der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung in Athen sieht hier einen sei­ner Schwer­punk­te. Hier fin­det sich bei­spiels­wei­se die Doku­men­ta­ti­on des Semi­nars «Euro­päi­sche und grie­chi­sche Migra­ti­ons­po­li­tik in Zei­ten der Kri­se», dass vom 3.–6. Dezem­ber 2012 in Athen statt­fand.


#cross_solidarity: Internationalismus heute?

Wäh­rend sich inter­na­tioFoto Cross Solidaritynale Soli­da­ri­tät in den 1980er und 90er Jah­ren vor allem auf Län­der und Bewe­gun­gen des Glo­ba­len Südens bezog, enstan­den zu Beginn des 21. Jahr­hun­derts auch inner­eu­ro­päi­sche Akteu­re, die die tra­di­tio­nel­len Bewe­gun­gen vor Her­aus­for­de­run­gen stell­ten (etwa die Euro­päi­schen Mär­sche gegen Erwerbs­lo­sig­keit, M 15, Block­u­py oder Occu­py Wall­street). Wie haben sie auf die­se Her­aus­for­de­run­gen reagiert? Mit den Ver­än­de­run­gen in Deutsch­land, in Euro­pa und welt­weit ist Cross-Soli­da­ri­ty heu­te auch in Euro­pa zum The­ma gewor­den. Spä­tens­tens mit der Defi­ni­ti­on von EU-Poli­tik­fel­dern (etwa Flucht/Asyl) und den Aus­te­ri­täts­pro­gram­men, die Grie­chen­land und ande­ren süd­eu­ro­päi­schen Län­dern auf­er­legt wur­den, sind her­kömm­li­che Gren­zen zwi­schen Natio­nal­staa­ten in der EU bzw. zwi­schen der EU und ande­ren Welt­re­gio­nen nicht mehr so ein­fach aus­zu­ma­chen.


Bedingungen für Solidarität zwischen «Communities»

Das Ball­haus Naun­yn­stra­ße in Ber­lin-Kreuz­berg und das Kul­tur und Gesell­schafts­ma­ga­zin frei­text hat­ten Wissenschaftler_innen, Künster_innen und Aktivist_innen ein­ge­la­den, um über die ras­sis­ti­schen Medi­en­dis­kur­se der letz­ten Jah­re und die poli­ti­schen Kämp­fe um eine Neu­de­fi­nie­rung der Gesell­schaft zu spre­chen – und vor allem über Wir­kun­gen auf die ver­schie­de­nen Com­mu­nities of Color. Einer­seits gibt es mitt­ler­wei­le brei­te­re gesell­schaft­li­che Debat­ten über Ras­sis­mus, ande­rer­seits wur­den in den Dis­kus­sio­nen über Black­fa­cing an deutsch­spra­chi­gen Büh­nen und über den Umgang mit ras­sis­ti­scher Spra­che in Kin­der­bü­chern die Wider­stän­de dage­gen all­zu deut­lich. Wie zuletzt der Eklat im taz-Lab («Mei­ne Damen und Her­ren, lie­be N-Wör­ter und Innen») zeig­te, kann statt gemein­sa­mem Vor­ge­hen sehr schnell auch eine Ent­so­li­da­ri­sie­rung statt­fin­den, die all­zu gut in die Kar­ten der ras­sis­tisch struk­tu­rier­ten Gesell­schaft spielt.

Die Fra­ge, wie Hier­ar­chi­sie­run­gen zwi­schen Com­mu­nities auf­ge­bro­chen wer­den und unter­schied­li­che Erfah­rungs­hin­ter­grün­de eine Stär­kung bedeu­ten kön­nen, anstatt in die Sack­gas­se von Ent­so­li­da­ri­sie­rung und Eth­ni­sie­rung zu steu­ern, stand im Mit­tel­punkt der Dis­kus­si­on von Bil­gin Aya­ta, Tayo Onu­tor, Mut­lu Ergün, Gra­da Kilom­ba, Isi­do­ra Rand­je­lo­vic, Koray Yıl­maz-Gün­ay und Kofi Yak­po (via Sky­pe). Hier fin­det sich die Audio­auf­zeich­nung (Deutsch/Englisch) der Dis­kus­si­on vom 27. Juni 2013.


Unwürdig und menschenverachtend: EU setzt bei Asyl weiter auf Abschottung

Am 7. Juni 2013 ver­ab­schie­de­te das Euro­päi­sche Par­la­ment das neue Asyl-Paket der EU, das neben klei­ne­ren Ver­bes­se­run­gen in Ein­zel­be­rei­chen vor allem Ver­schlech­te­run­gen für Asyl­su­chen­de brin­gen wird. In der Rei­he «Euro­pa alter­na­tiv: Live aus dem Euro­päi­schen Par­la­ment» dis­ku­tier­ten am 19. Juni 2013 Cor­ne­lia Ernst, MdEP DIE LINKE, und Koray Yıl­maz-Gün­ay, Refe­rent für Migra­ti­on bei der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung, über die kon­kre­ten Ver­än­de­run­gen – und die blei­ben­de Not­wen­dig­keit für ein grund­le­gend ande­res Euro­päi­sches Asyl­sys­tem.

EU setzt bei Asyl wei­ter auf Abschot­tung Teil 1 (exter­ner Link)

EU setzt bei Asyl wei­ter auf Abschot­tung Teil 2 (exter­ner Link)

EU setzt bei Asyl wei­ter auf Abschot­tung Teil 3 (exter­ner Link)


Migration and the City. Ein israelisch-deutscher Workshop in Berlin.

Seit 2009 orga­ni­siert das Büro der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung in Tel Aviv den Aus­tausch zwi­schen Politiker_innen, poli­ti­schen und sozia­len Bewe­gun­gen und Aktivist_innen zu Her­aus­for­de­run­gen und Stra­te­gi­en lin­ker Metro­po­len­po­li­tik in israe­li­schen und deut­schen Städ­ten. Nach Work­shops in Tel Aviv und Ham­burg nutz­ten Stadtpolitiker_innen und Aktivist_innen aus Tel Aviv und Ber­lin vom 2. bis 4. Mai 2013 in Ber­lin den Work­shop «Migra­ti­on and the City» zum Erfah­rungs­aus­tausch und Dia­log.

Migra­ti­on ist vor allem Migra­ti­on in Städ­te – sie waren und sind Ziel von Migrant_innen, die als Flücht­lin­ge, auf der Suche nach Arbeits­plät­zen, als Stu­die­ren­de, Künstler_innen oder aus ande­ren Grün­den ihren Her­kunfts­ort ver­las­sen. Städ­te wie Tel Aviv oder Ber­lin sind daher nicht zuletzt auch Orte, in denen die Fol­gen staat­li­cher Ein­wan­de­rungs- und Flücht­lings­po­li­tik und des staat­li­chen Umgangs mit Migrant_innen sicht­bar und zum Gegen­stand loka­ler Aus­ein­an­der­set­zun­gen wer­den.