Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Skandal in Echtzeit

Themen : Allgemein, NSU-Komplex · (1) Kommentar · von 2. August 2014
Rezension: Andreas Förster (Hg.): Geheimsache NSU. Zehn Morde, von Aufklärung keine Spur. Verlag Klöpfer & Meyer 2014, 315 Seiten, ISBN 978−3−86351−086−2

 

Buch­co­ver „Geheim­sa­che NSU

Andre­as Förs­ter, der als frei­er Autor unter ande­rem für die Ber­li­ner Zei­tung arbei­tet, kann als mode­ra­ter und zuver­läs­si­ger Inves­ti­ga­tiv-Jour­na­list gel­ten, der wenig Auf­he­bens um sei­ne Per­son macht. Zum NSU hat er die stich­hal­tigs­ten und bes­ten Bestands­auf­nah­men zu Unge­reimt­hei­ten bei den Ermitt­lun­gen und was die Ver­stri­ckun­gen deut­scher Behör­den angeht gelie­fert. So waren die Erwar­tun­gen an ein Buch, das Förs­ter zum NSU-Kom­plex her­aus­ge­ben wür­de, hoch. Das Buch ist im Juni 2014 erschie­nen, heißt „Geheim­sa­che NSU. Zehn Mor­de, von Auf­klä­rung kei­ne Spur“ und ist zumin­dest kei­ne Ent­täu­schung. Im Gegen­teil, für inter­es­sier­te Men­schen, die beim wöchent­li­chen Par­force-Ritt im Mün­che­ner Gerichts­saal ein­fach nicht mehr mit­kom­men, die die tau­send Din­ge nicht mehr über­bli­cken, die außer­halb des Gerichts­saals eben­falls im Wochen­takt – wie etwa der Tod bis­her zwei­er Zeu­gen – für Ent­set­zen und Irri­ta­ti­on sor­gen, und die das Gefühl haben, eini­ge bri­san­te Fra­gen wer­den amt­li­cher­seits im Sin­ne einer zwei­fel­haf­ten Staats­rä­son has­tig weg­ge­fegt, für die ist das Buch genau das rich­ti­ge: eine auf gnä­di­gen 300 Sei­ten kon­zen­trier­te, schnell und gut les­ba­re Ein­füh­rung in die blin­den Fle­cken des NSU-Kom­ple­xes.

Stän­dig kom­men neue Details und Indi­zi­en in die­sem kom­ple­xen Fall an die Öffent­lich­keit“, stellt Förs­ter fest (S. 12) und damit klar, dass das Buch nur eine „vor­über­ge­hen­de Bestands­auf­nah­me“ sein kann. Und er benennt die­je­ni­gen, denen es über­las­sen bleibt, gegen den Wider­stand offi­zi­el­ler Stel­len, die offe­nen Fra­gen zu stel­len, zurück­ge­hal­te­ne Infor­ma­tio­nen und Ermitt­lungs­er­geb­nis­se auf­zu­stö­bern und „sich mit behörd­li­chen Stel­lung­nah­men nicht zufrie­den­ge­ben“: enga­gier­te Jour­na­lis­ten und „akri­bisch arbei­ten­de Neben­kla­ge­an­wäl­te“. Zwar ver­gisst er in sei­nem Vor­wort völ­lig, die kon­ti­nu­ier­li­che und unab­hän­gi­ge Recher­che von Anti­fa-Grup­pen zu erwäh­nen, die viel dazu bei­ge­tra­gen haben, ein ers­tes Gesamt­bild einer rechts­ter­ro­ris­ti­schen Bewe­gung in Deutsch­land zu erlan­gen, aber mit die­sem Ver­säum­nis steht er im Main­stream, zu dem er in letz­ter Kon­se­quenz doch zählt, nicht allein. Geschenkt.


Probleme mit Prostitution?

Ich dan­ke PG Macio­ti für den durch­dach­ten Bei­trag. Er zeigt her­vor­ra­gend auf, wie Pro­sti­tu­ti­on auf his­to­risch spe­zi­fi­sche Wei­se gesell­schaft­lich her­vor­ge­bracht wird. Macio­ti sieht die Ursa­chen deut­li­cher Abhän­gig­keits­ver­hält­nis­se, von denen eini­ge Sexarbeiter_innen betrof­fen sind, nicht in der Pro­sti­tu­ti­on per se. Viel­mehr sei­en die­se bedingt durch Huren­stig­ma, recht­li­che Dis­kri­mi­nie­rung und eine Viel­zahl gesell­schaft­li­cher Bedin­gun­gen, die nicht unmit­tel­bar mit der Pro­sti­tu­ti­on zu tun haben, sich aber beson­ders stark im stig­ma­ti­sier­ten Sex­ge­wer­be nie­der­schla­gen: v.a. herr­schen­de Geschlech­ter­ver­hält­nis­se, Migra­ti­ons­re­gime, kapi­ta­lis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on der Erwerbs­ar­beit und unglei­che Ver­mö­gens­ver­tei­lung. Dem kann ich nur zustim­men.


Fragen Sie uns selbst!

Themen : Allgemein, Sexarbeit · 0 Kommentare · von 17. Juni 2014

Von Doris Win­ter

PG Macio­ti spricht mir aus dem Her­zen. Ich fing mit 18 Jah­ren mit Sex­ar­beit an und habe vie­le Jah­re ange­schafft. Dabei litt ich sowohl unter der frü­he­ren Gesetz­ge­bung vor 2002 als auch unter dem Huren­stig­ma. Nicht unter mei­nem Job selbst, den moch­te ich, schon allei­ne wegen der finan­zi­el­len Unab­hän­gig­keit, der frei­en Zeit­ein­tei­lung und den Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten jeder ein­zel­nen Situa­ti­on. Ich lern­te viel und habe nie bereut, die­sen Weg ein­ge­schla­gen zu haben. Par­al­lel dazu begann ich eine Aus­bil­dung, um eine beruf­li­che Alter­na­ti­ve in der Tasche zu haben. Auch damals gab es schon eine Art «Ret­tungs­in­dus­trie». Ich geriet an einen Ermitt­lungs­rich­ter, der unbe­dingt mei­nen dama­li­gen Bor­dell­be­trei­ber ein­buch­ten woll­te. Das woll­te aller­dings ich nicht, denn mein Arbeits­platz war fair orga­ni­siert, ich war zufrie­den dort.


Die Forderungen der Hurenbewegung sind noch immer nicht umgesetzt

Von Mare­en Hey­ing

Zunächst möch­te ich PG Macio­ti für ihr sehr gutes Stand­punk­te-Papier dan­ken. Die Auto­rin ist äußerst gut infor­miert und weiß, wor­über sie schreibt – gera­de beim The­ma Sex­ar­beit ist das lei­der kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Im Gegen­teil. Men­schen lie­ben es, sich zu Pro­sti­tu­ti­on zu äußern, ohne auch nur im Ansatz zu wis­sen, wie sich das so genann­te «Rot­licht­mi­lieu» bestimmt und wie es den über­wie­gend weib­li­chen Sex­ar­bei­te­rin­nen geht. Und nein, es reicht nicht aus, einen Main­stream-Pres­se-Arti­kel gele­sen zu haben. Son­dern wer sich zu Sex­ar­beit äußert, soll­te sich mit den Posi­tio­nen der in der Pro­sti­tu­ti­on Täti­gen beschäf­ti­gen; durch Gesprä­che, das Lesen von Huren­zeit­schrif­ten und -büchern und durch genau­es Hin­hö­ren statt vor­schnel­ler mora­li­scher Bewer­tung. Wir Lin­ke glau­ben doch auch sonst nicht, was uns die Medi­en ver­kau­fen wol­len, war­um bei der Pro­sti­tu­ti­on?


«Macht- und Gewaltausübung sind kein Kundenmerkmal»

Themen : Allgemein, Sexarbeit · (1) Kommentar · von 17. Juni 2014

Von Chris­tia­ne Howe

Pro­sti­tu­ti­on ist, wie auch PG Macio­ti in ihrem Bei­trag fest­stellt, ein sehr facet­ten­rei­ches und kom­ple­xes Feld. Nicht nur in Deutsch­land bestehen bis heu­te unter­schied­li­che ethi­sche Grund­hal­tun­gen zu die­ser Art der Tätig­keit. Kate­go­ri­en wie Men­schen­wür­de, indi­vi­du­el­le Hand­lungs­frei­heit, sexu­el­le Selbst­be­stim­mung sowie Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau wer­den hier in unter­schied­li­cher Wei­se inhalt­lich gefüllt und gegen­ein­an­der abge­wo­gen.


Bildungsangebote

Themen : Allgemein · 0 Kommentare · von 12. Juli 2013

Hier fin­den Sie eine Aus­wahl aktu­el­ler Bil­dungs­an­ge­bo­te der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung. Wenn für Sie nicht das pas­sen­de dabei ist oder Sie eige­ne Ide­en ver­wirk­li­chen wol­len, spre­chen Sie uns an! Wir kön­nen Sie bei der inhalt­li­chen und metho­di­schen Kon­zi­pie­rung unter­stüt­zen oder pas­sen­de Referent_innen, Trainer_innen oder Moderator_innen aus Ihrer Regi­on ver­mit­teln.

Fried­rich Bur­schel: Neo­na­zis­mus und Ideologien/Strukturen der Ungleich­wer­tig­keit

Koray Yıl­maz-Gün­ay: Migra­ti­on und Migra­ti­ons­po­li­tik

Eva-Bea­trix Kuhn: Wei­ter­bil­dung für Poli­tik


Themen : Allgemein · (1) Kommentar · von 1. Januar 2012

Die unge­bro­che­ne Tra­di­ti­on des Juden­has­ses und sei­ne Über­tra­gung in aktu­el­le Dis­kur­se.