Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Buchenwald-Gedenken und Antifaschismus in der DDR

Buchenwald-Gedenken und Antifaschismus in der DDR

Ein alter, hochsensibler Streit ist kürzlich mit dem Radiobeitrag „Mythen und Lügen des DDR-Antifaschismus“ am 3. Februar 2016 auf Deutschlandradio…


Website „Todesopfer rechter Gewalt in Brandenburg“ jetzt aktualisiert

Website „Todesopfer rechter Gewalt in Brandenburg“ jetzt aktualisiert

Zum 20. Todestag von Sven Beuter geht die Opferperspektive mit ihrer aktualisierten Website zu Todesopfern rechter Gewalt in Brandenburg online….


50. Todestag von Emil Julius Gumbel: Vergessener Held der Demokratie

Gedenktafel für die deutschen und österreichischen Flüchtlinge in Sanary-sur-Mer, unter ihnen Emil Julius Gumbel // Bild: Anima (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons


Es herrschte Hochspannung  in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Der Versailler Vertrag wurde als ungerecht in der desaströsen wirtschaftlichen Situation der Nachkriegszeit gesehen. Die Niederlage wurde durch die als demütigend empfundenen Reparationszahlungen noch deutlicher gemacht und das verschärfte die politische Situation. Die junge Weimarer Republik hatte die unmögliche Aufgabe, aus dem Desaster die demokratische Gesellschaft aufzubauen. Obwohl die Weimarer Verfassung in der Zeit enorm fortschrittlich war, hielt die Weimarer Republik dem politischen Druck nicht stand. Justiz, Militär und Verwaltung bestanden zu großen Teilen noch aus den gleichen Leuten wie im Kaiserreich, die die Demokratie zum größten Teil rundweg ablehnten. Die extreme Rechte, die von höchst undemokratischen Idealen geprägt war, und hunderttausende von den Schlachtfeldern heimkehrende Soldaten hätte den Krieg am liebsten weitergeführt und schlossen sich vielfach in antidemokratischen und konterrevolutionären Freikorps zusammen. Das Ideal der demokratischen Republik verschwand hinter der bitteren Realität von wirtschaftlicher Schwäche und brutalen politischen Kämpfen.


Laizismus in der Türkei

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

Die heutige Türkische Republik stellt eine Gesellschaft dar, die sich in einer ständigen Krise befindet. Sie ist ethnisch türkisch und im Sinne der Religiosität eine sunnitische, antidemokratische Struktur. Es zeigt sich ein problematisches Bild, weil die republikanische Gesellschaft Gerechtigkeit, Gleichberechtigung der unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gruppen, Meinungsfreiheit, Presse und Versammlungsrecht vermissen lässt.

Können Sie sich vorstellen, dass das öffentliche Leben  nach sunnitischen Normen geändert, dass während des Fastenmonats das Mittagsessen im öffentlichen Dienst gestrichen, dass der sunnitische Religonsunterricht zum obligatorischen Schulfach wird oder dass im Namen der Pflege der «türkischen Kultur», ImamInnen ins Ausland geschickt und Moscheen aus Steuergeldern finanziert werden? All dies passiert in einem Land, in dessen Verfassung der «Laizismus» eine der wichtigsten Normen darstellt.


«Der normale Österreicher denkt sich bei diesem Gesetz nämlich nicht, dass es regeln soll, wie man hier einen Glauben praktiziert, …»

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

«….sondern dass es regulieren soll, wie sich Ausländer hier zu benehmen hätten

Serdar Somuncu, seines Zeichens Comedian mit grenzüberschreitendem Humor, bringt die Kritik an der Änderung des Islamgesetzes deutlicher auf den Punkt als die islamische Glaubensgemeinschaft. In Österreich ist der Islam seit 1912 eine anerkannte Religionsgemeinschaft. Nachdem die Habsburger 1908 Bosnien annektiert hatten, wurde eine große muslimische Minderheit Teil des Habsburgerreiches und -heeres. Die Islamische Glaubensgemeinschaft ist lange die offizielle und einzige Vertretung der muslimischen Religionsgemeinschaften in Österreich gewesen. Erst seit 2013 kann die Islamisch Alevitische Glaubensgemeinschaft nach einem entsprechenden Verfassungsgerichtshofurteil den Alleinvertretungsanspruch der IGGiÖ in Frage stellen.


«The way out for Muslim societies implies neither a wholesale rejection of Western notions, ideals, and achievements, nor the dogmatic application of an outdated understanding of Islamic principles and values.»

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

Interview with the Lebanese scholar Karim Sadek on Islam, Democracy and the Tunisian thinker and co-founder of the Islamic Ennahda party, Rachid Ghannouchi.

One of the main critiques of Islam often brought forward is that Islam is not compatible with democracy. What is your opinion?

Let me first say that even if we accept, for the sake of the argument, that the claim of the critic is correct, we should ask why is it a critique of Islam if it is not compatible with Democracy.


«Der Ausweg für die muslimischen Gesellschaften führt weder über eine pauschale Verurteilung westlicher Vorstellungen, Ideale und Errungenschaften noch über die dogmatische Umsetzung einer überholten Auffassung islamischer Grundsätze und Werte.»

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

Ein Interview mit dem libanesischen Wissenschaftler Karim Sadek über den Islam, die Demokratie und den tunesischen Denker und Mitbegründer der islamischen Partei Ennahda, Rachid al-Ghannouchi.

Einer der Hauptkritikpunkte am Islam ist die Behauptung, Islam und Demokratie seien nicht miteinander vereinbar. Wie stehen Sie hierzu?

Erlauben Sie mir zunächst folgende Bemerkung: Selbst wenn wir der Diskussion zuliebe annähmen, dass diese Behauptung zutrifft, sollten wir uns fragen, warum es denn eine Kritik am Islam darstellen würde, wenn sich dieser als inkompatibel mit der Demokratie erweist?


Religion als Diskriminierungsmerkmal

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

In Deutschland spielt Religion eine untergeordnete Rolle, so die weit verbreitete Annahme in humanistisch-linken Kreisen. Dass Religion einen gefühlt geringen Stellenwert in der Öffentlichkeit und im Alltag einnimmt, hängt mit der Säkularisierung zusammen, der historisch gewachsenen Trennung von Kirche und Staat. Der Eintritt in die Moderne, so Max Weber 1920 in «Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus», sei mit einer unweigerlichen Entzauberung der Welt verbunden. Wo Vernunft regiert, da sei kein Platz für Religion. In diesem Sinn beruht die Säkularisierungstheorie auf der Annahme, Religion dürfe im öffentlichen Leben keine Rolle spielen, sondern sei Privatsache.


Laizität, oder: wie sag ich’s meinen deutschen Genoss_innen?

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von und 10. Dezember 2015

Nicht erst seit den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo und auf einen koscheren Supermarkt, und seit alle Charlie sind, blicken deutsche Linke häufig mit sehnsüchtigen Augen nach Frankreich, wo sie die offizielle Trennung von Staat und Kirche beneiden, die sie sich für Deutschland herbeisehnen. Laizität, oder Säkularismus nach französischer Art, hat eine lange und komplizierte Geschichte, genauso wie die vielen anderen Formen der Sekularität, die im globalen Nordwesten entwickelt und teilweise im „Rest“ der Welt umgesetzt wurden. Die französische Republik wird oft als die ideale und definitive Trennung von Politik und Religion dargestellt, da sie keine staatlichen Subventionen für Religion vorsieht. Diese radikale Trennung soll die Religionsfreiheit garantieren, sowie für Individualisierung und Privatisierung der Religion sorgen. Für die deutsche Linke, die täglich mit der sogenannten „hinkenden Trennung“ des deutschen Säkularismus in Form von Kirchensteuern, Religionsunterricht an staatlichen Schulen oder mit Kreuzen in den Gerichtsaalen Bayerns konfrontiert ist, klingt es verlockend, eine genuine Befreiung der Politik von der Religion wie in Frankreich zu schaffen. Der deutsche Staat ist – auch wenn es keine offizielle Staatsreligion gibt – christlich, und macht auch keinen großen Hehl draus.


Der Kampf um eine säkulare demokratische Gesellschaft scheint in Palästina fast verloren – alternative Räume sichern!

Themen : Allgemein, Religion · 0 Kommentare · von 10. Dezember 2015

Seit den späten 1980er Jahren und vor allem verknüpft mit der Gründung der islamisch argumentierenden Organisation Hamas im Kontext der ersten Intifada, dem palästinensischen Aufstand gegen die israelische Besatzung, hat sich der politische Islam in den Palästinensischen Gebieten etabliert. Obwohl die palästinensische Gesellschaft ohnehin stark von patriarchal-religiösen Strukturen und Traditionen geprägt ist, haben sich religiöse Bezugnahme und Argumentation seitdem als zentrale Charakteristika von Politik und Gesellschaft konsolidieren können, und die Tendenz ist steigend. Besonders autoritär zeigt sich der politische Islam im Gazastreifen, der seit 2007 von der Hamas regiert wird. Israel reagierte auf die Regierungsübernahme der Hamas mit einer Blockadepolitik, die bis heute anhält und die jegliche Bewegung von Menschen und Waren nach Gaza hinein und von dort hinaus einem komplexen Restriktionsregime unterwirft. Die Abriegelung des Gazastreifens, seit dem Jahr 2013 auch von ägyptischer Seite, hat katastrophale Folgen für das Leben der Menschen vor Ort: ein hohes Maß an Arbeitslosigkeit und Armut, ein eingeschränkter Zugang zu Trinkwasser und Strom, große Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung angesichts fehlender Lebens- und Entwicklungsoptionen sowie der andauernden Bedrohung durch militärische Auseinandersetzungen. Die Bevölkerung des Gazastreifens befindet sich nicht nur in einem permanenten humanitären Ausnahmezustand, sie ist darüberhinaus auch der Politik der Hamas förmlich ausgeliefert.