Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus



Mahnruf: Antifaschismus tut not!

Das Dra­ma von Faschis­mus und Flucht: Das Mahn­mal für Wal­ter Ben­ja­min in Port­bou, wo er sich, nach­dem er unter Füh­rung von Lisa Fitt­ko schon die Pyre­nä­en zu fuß über­wun­den hat­te, aus Angst vor Aus­lie­fe­rung an die Gesta­po am 26. Sep­tem­ber 1940 das Leben nahm.

Erklärung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Internationalen Jahrestreffens des Vereins Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939 e.V.

73 Jah­re nach der Befrei­ung vom Faschis­mus beob­ach­ten wir mit gro­ßer Sor­ge Rechts­ten­den­zen nicht nur in Deutsch­land und Euro­pa, son­dern welt­weit. Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus, Anti­zi­ga­nis­mus, Natio­na­lis­mus bezie­hungs­wei­se Chau­vi­nis­mus, Auto­ri­ta­ris­mus, dazu Homo­pho­bie und Aus­gren­zung von Min­der­hei­ten aller Art, zum Bei­spiel von Behin­der­ten – das, was die Wis­sen­schaft „grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit“ nennt, nimmt aller­or­ten zu und kenn­zeich­net die gegen­wär­ti­ge Ent­wick­lung. „Rechts­po­pu­lis­ti­sche“ oder offen faschis­ti­sche Par­tei­en sind in einer immer grö­ßer wer­den­den Zahl von Län­dern an der Regie­rung betei­ligt, auch und gera­de in Euro­pa.

Das beun­ru­higt uns. Wir, der Ver­ein Kämp­fer und Freun­de der Spa­ni­schen Repu­blik 1936–1939 e.V., gegrün­det von ehe­ma­li­gen Mit­glie­dern der Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den, deren Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen und Freun­den, ste­hen ein für die Idea­le, die damals die Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den beseel­ten. Die Inter­bri­ga­den unter­stütz­ten die durch einen faschis­ti­schen Mili­tär­putsch bedroh­te Spa­ni­sche Repu­blik und ihre demo­kra­tisch gewähl­te Regie­rung. Die Inter­bri­ga­dis­ten, Frei­wil­li­ge aus allen Tei­len der Welt, wuss­ten: Wür­den die Putsch­ge­ne­rä­le gewin­nen, wäre ein zwei­ter Welt­krieg unver­meid­lich und der Faschis­mus eine kon­kre­te Gefahr für ganz Euro­pa. Die Inter­bri­ga­dis­ten behiel­ten recht – lei­der. Vie­le von ihnen kämpf­ten nach dem Sieg Fran­cos und dem Über­fall Hit­ler­deutsch­lands auf sei­ne Nach­bar­län­der in den Wider­stands­be­we­gun­gen der besetz­ten Län­der oder in den Arme­en der Staa­ten der Anti-Hit­ler-Koali­ti­on, oder sie lit­ten und star­ben in deut­schen KZs.

Das Ver­mächt­nis der Inter­bri­ga­dis­ten ver­pflich­tet uns, war­nend unse­re Stim­me zu erhe­ben, wo immer Grund­sät­ze der Huma­ni­tät miss­ach­tet oder Men­schen wegen ihrer Haut­far­be, ihrer Her­kunft, ihrer Reli­gi­on oder aus ande­ren Grün­den dis­kri­mi­niert oder ver­folgt wer­den. In den Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den waren alle Men­schen gleich; so berich­te­ten Afro­ame­ri­ka­ner, die in der US-ame­ri­ka­ni­schen Frei­wil­li­gen­ein­heit, der „Lin­coln-Bri­ga­de“, dien­ten, spä­ter begeis­tert, dort sei­en sie zum ers­ten Mal in ihrem Leben nicht dis­kri­mi­niert wor­den.

Wir wis­sen, wel­che Bedeu­tung das Asyl­recht für die Inter­bri­ga­dis­ten wie für alle ande­ren, die aus Deutsch­land und Öster­reich flie­hen muss­ten, hat­te. Hät­ten damals mehr Län­der Flücht­lin­ge auf­ge­nom­men, hät­ten viel mehr Men­schen faschis­ti­scher Ver­fol­gung ent­kom­men kön­nen. Schon aus die­sem Grun­de wen­den wir uns scharf gegen jede Ein­schrän­kung des Asyl­rechts. Aber auch der Umstand, dass eini­ge euro­päi­sche Regie­run­gen Flücht­lin­ge als Bedro­hung wahr­neh­men und lie­ber im Mit­tel­meer ertrin­ken las­sen als zu ret­ten, ist für uns gänz­lich inak­zep­ta­bel. Jeder Mensch ist es wert, geret­tet zu wer­den; auf jeden ein­zel­nen Men­schen kommt es an.

Mit Trost und auch mit Genug­tu­ung erfüllt uns aller­dings der Umstand, dass Spa­ni­en heu­te zu den weni­gen Län­dern in Euro­pa gehört, in denen es (zumin­dest bis­lang) kei­ne auf­stre­ben­de „rechts­po­pu­lis­ti­sche“ oder faschis­ti­sche Bewe­gung gibt. Im Gegen­teil: Kürz­lich demons­trier­ten in Bar­ce­lo­na Hun­der­tau­sen­de und for­der­ten die spa­ni­sche Regie­rung auf, mehr Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men: Bar­ce­lo­na als offe­ner Hafen für Geflüch­te­te und als Vor­bild für Deutsch­land und Euro­pa. Die­ses Bei­spiel zeigt uns: Auf­rech­ter Gang, mensch­li­che Grund­hal­tung, Empa­thie und Zivil­cou­ra­ge, gepaart mit anti­fa­schis­ti­scher Gesin­nung, sind das, was Euro­pa heu­te braucht. Set­zen wir uns dafür ein, ganz im Sin­ne der Kämp­fer und Freun­de der Spa­ni­schen Repu­blik 1936 bis 1939!

Ber­lin, 29./30. Sep­tem­ber 2018


SHARE :