Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


  • 1990er Pogrome
    Steht für die mehr als 450 rassistischen Angriffe auf Migrant_innen- und Flüchtlingsunterkünfte in ganz Deutschland, die in den Pogromen in Hoyerswerda im September 1991 und Rostock/Lichtenhagen im August 1992 kulminierten.
  • Abschiebung
    Staatliche Zwangsmaßnahme zur Durchsetzung der Ausreisepflicht in das ursprüngliche Herkunftsland der betroffenen Person oder in einen Drittstaat.
  • Antideutsch
    Strömung innerhalb der politischen Linken, die sich insbesondere gegen deutschen Nationalismus und unterschiedliche Ausprägungen des Antisemitismus wendet.
  • Antijudaismus
    Begriff für die religiös begründete Feindschaft gegenüber Jüd_innen und der jüdischen Religion, seit der Trennung von Christentum und Judentum im 2. Jahrhundert.
  • Antimuslimischer Rassismus
    Individuelle, institutionelle und strukturelle Diskriminierung und/oder Gewalt gegenüber Menschen islamischen Glaubens und gegenüber als muslimisch markierten Menschen und Institutionen.
  • Antisemitismus
    Individuelle, institutionelle und strukturelle Diskriminierung und/oder Gewalt gegenüber Menschen jüdischen Glaubens und gegenüber als jüdisch markierten Menschen und Institutionen.
  • Antiziganismus
    Individuelle, institutionelle und strukturelle Diskriminierung und/oder Gewalt gegenüber als Roma und Sinti markierten Menschen und Institutionen und die gezielte Erzeugung negativer Bilder dieser Minderheit, die mit sozialen Problemen aufgeladen werden.
  • Antizionismus
    Richtet sich gegen die Errichtung bzw. die Existenz des Staates Israel als jüdischer Staat im Sinne Theodor Herzls als Heimstatt der Jüd_innen in aller Welt (entlehnt der hebräischen Bezeichnung für den Tempelberg Zion).
  • Arbeitsmigration
    Kurz- und langfristige, saisonale oder Ein- bzw. Auswanderung bei Gelegenheit von Menschen zum Zweck der Arbeitssuche oder -aufnahme.
  • Armutseinwanderung
    Abwertender Begriff, der seit dem Inkrafttreten der Arbeitnehmer_innen-Freizügigkeit in der Europäischen Union (EU) für Menschen aus Rumänien und Bulgarien stark an Popularität gewann, oft im Kontext von Romafeindlichkeit/Antiziganismus.
  • Asylbewerber_innen
    Person, die in Deutschland auf der Grundlage: Artikel 16a Grundgesetz sowie auch in anderen Ländern aufgrund internationaler Übereinkommen wie des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Genfer Flüchtlingskonvention) Schutz vor Verfolgung suchen und deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist.
  • Asylsuchende
    Person, die in Deutschland auf der Grundlage: Artikel 16a Grundgesetz sowie auch in anderen Ländern aufgrund internationaler Übereinkommen wie des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Genfer Flüchtlingskonvention) Schutz vor Verfolgung suchen und deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist.
  • Ausländer_innen
    Im Verwaltungsdeutsch Menschen, die nicht die Staatsangehörigkeit des Landes besitzen, in dem sie sich aufhalten.
  • Aussiedler_innen
    Migrant_innen, die aufgrund ihrer «deutschen Volkszugehörigkeit» (§ 6 Bundesvertriebenengesetz) auf der Grundlage des Blutsrecht (ius sanguinis) bis Ende 1992 in die BRD einwandern konnten und bestimmte Privilegien genossen. Seit 1993 «Spätaussiedler_innen» genannt, heute anderen Migrant_innen weitgehend gleichgestellt und häufig ähnlich diskriminiert.
  • Blaue Karte EU
    Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für «Hochqualifizierte» aus Nicht-EU-Ländern.
  • Blue Card EU
    Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für «Hochqualifizierte» aus Nicht-EU-Ländern.
  • Critical Whiteness
    (Auf Deutsch oft auch: «kritisches Weißsein»): Teil der Rassismus-Forschung und antirassistischen Bewegung, der den Blick nicht auf die «Opfer» von Rassismus richtet, sondern die Konstruktion von Weißsein und die damit verbundenen Privilegien kritisch in den Blick nimmt.
  • Cross-Solidarity
    Solidarität, Organisierung, Vernetzung und Kooperation über Staaten- und die Grenzen von Organisations- und Unterdrückungsformen hinweg.
  • Deutsche Aktionsgruppen
    Die Deutschen Aktionsgruppen waren eine neonazistische terroristische Organisation. Gegründet wurde sie 1980 von Manfred Roeder mit dem Ziel Anschläge auszuführen.Im Jahr 1980 verübten sie insgesamt fünf Sprengstoffanschläge und zwei Brandanschläge gegen Einrichtungen und Behörden der Bundesrepublik Deutschland. Anfang September 1980 wurden die Deutschen Aktionsgruppen von den Ermittlungsbehörden verboten, gegen vier Mitglieder der Vereinigung anklage wie Mitglied einer terroristischer Vereinigung und etlicher Anschläge angeklagt. Manfred Roeder wurde 1982 zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt.
  • Deutsche Volksunion (DVU)
    Die Deutsche Volksunion (Kurzbezeichnung: DVU, auch Liste D) war eine neonazistische Partei in der Bundesrepublik Deutschland . Sie wurde 1971 als Verein und 1987 als politische Partei gegründet. Über den Zeitraum von 38 Jahren wurde sie vom Verleger Gerhard Frey, der von der Gründung im Jahr 1971 bis 2009 Vorsitzender war, autoritär geführt. Von 2009 bis zur Auflösung 2011 hatte Matthias Faust dieses Amt inne. Nach dem Beschluss des DVU-Parteitags vom 12. Dezember 2010 fusionierte die DVU zum 1. Januar 2011 mit der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD).
  • Diskriminierung
    Benachteiligung, Anfeindung, Herabwürdigung, Ausgrenzung oder sonstige Ungleichbehandlung von Personen aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit zu einer Gruppe.
  • Dublin I
    Verordnungen des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats zur Festlegung des für einen Asylantrag zuständigen EU-Mitgliedstaats.
  • Dublin II
    Verordnungen des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats zur Festlegung des für einen Asylantrag zuständigen EU-Mitgliedstaats.
  • Dublin III
    Verordnungen des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats zur Festlegung des für einen Asylantrag zuständigen EU-Mitgliedstaats.
  • Duldung
    Vorübergehende Aussetzung der Abschiebung einer «ausreisepflichtigen» Person etwa aufgrund von Abschiebehindernissen im Herkunftsland, ohne Arbeitserlaubnis. (Rechtliche Grundlage: Aufenthaltsgesetz, §§ 50–62a.)
  • Emanzipation
    Befreiung aus unterdrückerischen, diskriminierenden oder entmündigenden politischen oder sozialen Verhältnissen; Erlangung von Gleichberechtigung, Gleichstellung und Selbstbestimmung.
  • Ethnic Profiling
    Diskriminierendes Handeln von (Ermittlungs-)Behörden nach Kriterien wie ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder Herkunft.
  • Ethnisierung
    Zuschreibung einer kollektiven Identität aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Staatsangehörigkeit und ähnlicher Merkmale.
  • Europäisches Asylsystem
    Einheitliche Regelungen für Zuständigkeit und Verfahren in Bezug auf Asyl sowie Flüchtlingsabwehr innerhalb der EU.
  • Eurosur
    Grenzüberwachungssystem, unter dem bisher 18 EU-Staaten, die Europäische Union sowie die Frontex-Grenzschutzagentur ihre Aktionen gegen so genannte illegale Migration koordinieren («European Border Surveillance System», seit Ende 2013).
  • Extremismus-Doktrin
    Eindimensionale und vereinfachende Gleichsetzung von «Rechts-» und «Linksextremismus». Angelehnt an die aus der Totalitarismus-Doktrin des Kalten Krieges hervorgegangenen Extremismus-Theorie, unterschiedslose gesetzliche Ächtung und Illegalisierung, diskriminiert in besonderer Weise linke Gesellschaftskritik und antifaschistisches Engagement. Im Kontrast zum «Extremismus» wird die gemäßigte Mitte der demokratischen Gesellschaft als gesund, solide und dabei nur marktwirtschaftlich gedacht.
  • FRONTEX
    EU-Grenzschutz-Agentur; koordiniert seit der Gründung im Jahr 2004 die Aktionen und Maßnahmen zur Flüchtlingsabwehr innerhalb und außerhalb der EU.
  • Faschismus
    Streng hierarchische Regierungsform und elitäre Gesellschaftsformation, ohne demokratische Meinungsfreiheit, autoritärem Führerprinzip, offenem und extremem Rassismus, massive Gewalt gegen Andersdenkende, antiliberaler, völkischer Ideologie und nationalem Chauvinismus. Die brutalste Form des Faschismus war der deutsche Nationalsozialismus, dessen Rassismus und Antisemitismus zum Holocaust führte.
  • Feminismus
    Politische sowie akademische Bewegung, die einfordert und dafür eintritt, dass Frauen in exakter Gleichberechtigung zu Männern leben und an der Gesellschaft in all ihren Facetten teilhaben können, wozu die barrierefreie Ausübung sozialer, politischer und wirtschaftlicher Rechte zählt.
  • Festung Europa
    Begriff aus dem deutschen NS-Jargon, der ironisch gewendet kritisch genutzt wird für die Abschottungspolitik der EU-Staaten gegenüber benachbarten Weltregionen (vor allem in Bezug auf die Flüchtlingsabwehr).
  • Feudalismus
    Staats- und Gesellschaftsordnung, in der die ländliche arbeitende Bevölkerung in absoluter Abhängigkeit (Leibeigenschaft) von der Herrschaft (in der Regel: Monarchie) steht und weitgehend rechtlos ausgebeutet wird.
  • Flüchtling
    Mensch, der seine Herkunftsregion oder sein Herkunftsland aufgrund von Verfolgung, (Bürger-) Krieg, Gewalt oder sonstiger, auch ökonomischer, Not und Chancenlosigkeit sowie anderen Formen von Bedrohung verlassen musste und in einem anderen Land Schutz und Chancengleichheit sucht.
  • Freizügigkeit
    Recht von Deutschen in Deutschland und von EU-Bürger_innen in Europa, sich in anderen EU-Mitgliedsstaaten niederzulassen, wo sie es wünschen, und sich ungehindert dorthin bewegen und dort arbeiten zu können.
  • Gastarbeiter
    Personen, die aufgrund verschiedener Anwerbeabkommen zwischen 1955 und dem Anwerbestopp 1973 zur Arbeitsaufnahme in die BRD kamen.
  • Gender
    Sozial konstruierte und damit fiktive Dimension des Geschlechts, im Gegensatz zur biologischen Bestimmung. Kulturelle Traditionen, vor allem aber machtpolitische Hierarchien, die konstruiert und durch Geschlechterrollen aufrechterhalten werden, bedingen die Unterordnung des weiblichen Geschlechts.
  • Genfer Konvention
    Internationales Abkommen, das den Begriff «Flüchtling» und einen Mindeststandard für Schutzsuchende definiert. (Gegenwärtig 147 Vertragsstaaten.)
  • Globalisierungskritik
    Vielfältige, durchaus nicht ausschließlich links-emanzipatorische Bewegung, die seit den 1990er Jahren die sozialen, kulturellen oder ökologischen Folgen stärker werdender internationaler Verflechtungen kritisiert.
  • Graue Wölfe
    Graue Wölfe (türkisch Bozkurtlar oder Bozkurtçular) ist die Bezeichnung für Mitglieder der ultranationalistischen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung („Milliyetçi Hareket Partisi“, MHP), die 1961 von Alparslan Türkeş gegründet wurde. Sie zeichnen sich durch eine hohe Gewaltaffinität aus und greifen auch in Deutschland immer wieder verfeindete linke Türk_innen und Kurd_innen an. In der Türkei wurden sie bereits dem Terrorismus und zahlreicher Gewalttaten bis hin zu Morden bezichtigt Sie bezeichnen sich selbst als „Idealisten“ (Ülkücüler)
  • Holocaust
    Industrielle Massenvernichtung und systematischer Genozid an der jüdischen Bevölkerung Europas von 1941–1945 durch Nazi-Deutschland.
  • Illegalisierte
    Personen, die – etwa nach heimlichem Grenzübertritt – aufgrund fehlender oder abgelaufener Ausweisdokumente oder Aufenthaltstitel zu «Illegalen» erklärt werden.
  • Imperialismus
    Expansive und aggressive, gewaltförmig militärische oder ökonomische Ausweitung des Herrschaftsanspruchs und -gebiets eines Staates (beispielsweise im Kolonialismus); heute vor allem gebraucht in der Globalisierungskritik und der Kritik des Neoimperialismus bzw. -kolonialismus.
  • Institutioneller Rassismus
    Form des Rassismus, die staatlichem und nicht-staatlichem institutionellem Handeln/Nicht-Handeln innewohnt (fehlendes Wahlrecht oder fehlende Repräsentation, Diskriminierung beim Zugang zu Bildung, Arbeit oder dem Wohnungsmarkt, rassistische Polizeikontrollen etc.)
  • Islamophobie
    Populistischer Alarmismus und Angstmacherei gegenüber einer als aggressiv und raumgreifend gezeichneten islamischen Religion und ihren Anhänger_innen, die als die «Anderen» der «christlich-abendländischen» Tradition oder «Wertegemeinschaft» als Bedrohung entgegengesetzt werden.
  • KMII
    (Kein Mensch ist illegal): Bundesweit agierende Initiative, die 1997 auf der Documenta X in Kassel von zahlreichen kirchlichen, gewerkschaftlichen und antirassistischen Gruppen mit dem Ziel gegründet wurde, auf die Situation von Menschen ohne Papiere, von Abschiebung Bedrohten und Flüchtlingen aufmerksam zu machen und mit Aktionen zivilen Ungehorsams und praktischer Solidarität nicht nur für deren Rechte einzutreten, sondern diese auch durchzusetzen.
  • Kein Mensch ist illegal
    Bundesweit agierende Initiative, die 1997 auf der Documenta X in Kassel von zahlreichen kirchlichen, gewerkschaftlichen und antirassistischen Gruppen mit dem Ziel gegründet wurde, auf die Situation von Menschen ohne Papiere, von Abschiebung Bedrohten und Flüchtlingen aufmerksam zu machen und mit Aktionen zivilen Ungehorsams und praktischer Solidarität nicht nur für deren Rechte einzutreten, sondern diese auch durchzusetzen.
  • Klassengesellschaft
    Konkret ist die immer größer werdende Lücke zwischen armen und reichen gemeint und wie sich diese Verhältnisse selbst immer weiter festigen, indem sie Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt bedingen.
  • Kulturalisierung
    Zuschreibung einer kollektiven Identität aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Staatsangehörigkeit und ähnlicher Merkmale, wird auch Essentialismus genannt.
  • Lissabon-Vertrag
    Letzte umfangreiche institutionelle Reform der EU (2009), die damit zum ersten Mal eine Rechtspersönlichkeit zugesprochen bekam.
  • Multikulturalismus
    Sozialphilosophische Theorien und/oder gesellschaftliche Realitäten, in denen kulturelle Unterschiede als schützenswert angesehen werden.
  • NSDAP-Aufbauorganisation (NSDAP-AO)
    Die NSDAP-Aufbauorganisation (NSDAP-AO), auch NSDAP-Aufbau- und Auslandsorganisation genannt, ist eine im Jahr 1972 durch den Neonazi Gary Lauck gegründete Vereinigung mit Hauptsitz in den USA. Sie ist weltweit in mehreren Ländern aktiv und stellt Propagandamaterial in über 25 Sprachen her. Ihre politischen Ziele bestehen unter anderem in der Wiederzulassung der NSDAP und der erneuten Errichtung des Nationalsozialismus in Deutschland. Unteranderem gründete sich auch in Ableger in West-Berlin.
  • NSU
    Rechte Terrororganisation, die von 2000–2007 mindestens zehn Menschen umbrachte, 9 davon aus rassistischen Motiven. Ermittlungen und Prozess laufen seit der Selbstenttarnung im November 2011 und brachten eklatantes Behördenversagen, alarmierenden gesellschaftlichen Rassismus und Verstrickungen des Staates, insbesondere seiner «Verfassungsschutz» genannten Inlandsgeheimdienste, zu Tage.
  • Nation
    Konstrukt, in dem sich eine Gruppe aufgrund gemeinsamer Merkmale (z.B. Sprache, Kultur, Geschichte, geographischer Zusammenhang) und fiktiver Gemeinsamkeit als einander zugehörig betrachtet; Begründungszusammenhang von Einschluss/Ausschluss (z.B. über Staatsangehörigkeit).
  • Nebenklage
    Der Anklage gegen die NSU-Terroristen haben sich mehr als 70 Angehörige der Mordopfer und Geschädigte der Sprengstoffanschläge als Nebenklägerinnen und Nebenkläger angeschlossen. Sie werden von ca. 50 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten vertreten. Nähere Informationen und Dokumentation aus Sicht der Nebenklage http://www.nsu-nebenklage.de  
  • Neofaschismus
    Siehe Neonazismus, Faschismus.
  • Neoliberalismus
    Seit Ende der 1970er Jahre die vorherrschende ökonomische Theorie und marktradikale Praxis, nach der Wohlstand am besten durch Märkte, Privateigentum und freien Handel zu erreichen wäre. Der Staat solle sich darauf beschränken, Märkte dort zu kreieren, wo sie noch nicht existieren (z.B. durch Privatisierung von öffentlichen Ressourcen).
  • Neonazismus
    Positiver Bezug auf den historischen Nationalsozialismus, seine Ideen und Ideologien in Kombination mit zeitgemäßen Organisierungs- und Vernetzungsformen (Internet etc.). Wesensbestandteil ist ein Kult um das damalige autoritäre und nationalsozialistische System (Hitlerismus, Glorifizierung von SS und Wehrmacht) sowie die Relativierung oder Leugnung von dessen Verbrechen.
  • OSZE
    Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (gegründet 1975) als regierungskooperative Organisation.
  • Othering
    Personen als tatsächliche oder vermeintliche Angehörige einer ethnischen, kulturellen oder religiösen Gruppe zu «Anderen» machen und wegen ihrer «Andersartigkeit» ausschließen.
  • PHARE-Programm
    Instrument der Europäischen Union zur Heranführung von Beitrittskandidaten (bis 2007, seitdem: IPA).
  • Patriarchat
    Wörtlich übersetzt Herrschaft des Vaters, wird der Begriff in Aktivismus und Wissenschaft verwendet, um Herrschaftsgefüge und Genderrollen zu beschreiben, die den Mann als der Frau übergeordnet ansehen. (siehe auch Gender).
  • People of Color
    Selbstbezeichnung von Menschen, die gegenüber der Mehrheitsgesellschaft als nicht-weiß gelten und sich wegen biologistischer, kulturalistischer oder mit Religion begründeter Zuschreibungen mit alltäglichem, institutionellem und strukturellem Rassismus konfrontiert sehen.
  • Pogrom
    Rassistisch begründeter kollektiver Gewaltakt eines ad hoc entstehenden Mobs gegenüber einer als fremd markierten Bevölkerungsgruppe.
  • Racial Profiling
    Praxis von Polizei-, Ermittlungs- und anderen Behörden, die sich nicht aus dem Verhalten einer Person, sondern aus ihrer phänotypischen Erscheinung sowie ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder Religionsgemeinschaft herleitet.
  • Rassismus
    Individuelle und kollektive, institutionelle und strukturelle Diskriminierung und/oder Gewalt gegenüber Menschen aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit zu einer ethnischen, kulturellen oder religiösen Gruppe.
  • Rechtsextremismus
    Positiver Bezug auf den historischen Nationalsozialismus, seine Ideen und Ideologien in Kombination mit zeitgemäßen Organisierungs- und Vernetzungsformen (Internet etc.). Wesensbestandteil ist ein Kult um das damalige autoritäre und nationalsozialistische System (Hitlerismus, Glorifizierung von SS und Wehrmacht) sowie die Relativierung oder Leugnung von dessen Verbrechen. Als Begriff wegen der Extremismus-Doktrin problematisch.
  • Rechtspopulismus
    Auf Stimmungsmache zielende, für den schnellen Erfolg vereinfachende und zuspitzende Antworten anbietende Form der politischen Verlautbarung und Politik: Es gibt ihn in allen politischen Strömungen, er gilt jedoch stets als reaktionär und rechts, auch wenn Linke sich seiner befleißigen. Geht oft einher mit rassistischen, antisemitischen und autoritären Aussagen und zielt auf Massenmobilisierung. Es gibt auch elitären und sozialchauvinistischen Populismus.
  • Refugee-Bewegung
    Aus Protestmärschen des späten Jahres 2012 hervorgegangene Initiative, die sich bundesweit für die Aufhebung der Residenzpflicht sowie die Abschaffung von Lagern und Abschiebungen streitet.
  • Romafeindlichkeit
    Fachbegriff für den Rassismus gegenüber Sinti und Roma, der Vorurteile und Feindschaft auf individueller, institutioneller und struktureller Ebene beschreibt, ebenso wie individuelle, gesellschaftliche und staatliche Diskriminierung und Verfolgung bis hin zur Gewalt und zu Mord.
  • Rückführungsabkommen
    Vertrag zwischen Staaten, der die Möglichkeit beinhaltet, unwillkommene Einwanderer_innen wieder in ihr Herkunftsland abzuschieben oder auszuweisen (Rückführung), sowie die Verpflichtung, diese wieder aufzunehmen (Rück(über)nahme).
  • Rückschiebung
    Überstellung von Flüchtlingen – etwa nach einer Weiterflucht innerhalb der EU – in das für die Prüfung der Asylberechtigung zuständige EU-Mitgliedsland (Grundlage: Dublin-Verordnung des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats).
  • Rückübernahmeabkommen
    Vertrag zwischen Staaten, der die Möglichkeit beinhaltet, unwillkommene Einwanderer_innen wieder in ihr Herkunftsland abzuschieben oder auszuweisen (Rückführung), sowie die Verpflichtung, diese wieder aufzunehmen (Rück(über)nahme).
  • Schengener Abkommen
    Abkommen zum schrittweisen Abbau der Grenzkontrollen, zur einheitlichen Vergabe von Visa etc. zwischen einzelnen EU-Staaten sowie der Schweiz, Norwegen und Island.
  • Schwarze Reichswehr
    Illegale paramilitärische Formationen zur Zeit der Weimarer Republik, die unter Bruch des Versailler Friedensvertrags von 1919 von der offiziellen deutschen Reichswehr gefördert und zum Teil selbst unterhalten wurden.
  • Sexismus
    Vorurteile, Diskriminierung, Stigmatisierung oder Gewalt aufgrund von vermeintlichem oder tatsächlichen gesellschaftlichen Geschlecht, sowie die daraus resultierende Unterdrückung.
  • Shoa
    Systematischer Genozid an der jüdischen Bevölkerung Europas von 1941–1945 durch Nazi-Deutschland (Shoa = hebr. Katastrophe).
  • Soziale Exklusion
    Gesellschaftlicher Ausschluss (zum Beispiel von Arbeit, Wohnraum, Zugang zu Vergünstigungen und Sozialleistungen etc.).
  • Soziale Segregation
    Räumliche Trennung gesellschaftlicher Gruppen aufgrund bestimmter Kriterien wie religiöser oder ethischer Zugehörigkeit oder der finanziellen Situation.
  • Spätaussiedler_innen
    Migrant_innen, die aufgrund ihrer «deutschen Volkszugehörigkeit» (§ 6 Bundesvertriebenengesetz) in die BRD einwandern. Seit 1993 «Spätaussiedler_innen» genannt, heute anderen Migrant_innen weitgehend gleichgestellt.
  • Struktureller Rassismus
    Form des Rassismus, die staatlichem und nicht-staatlichem institutionellem Handeln/Nicht-Handeln oder Gesetzen innewohnt (fehlendes Wahlrecht oder fehlende Repräsentation, Diskriminierung beim Zugang zu Bildung, Arbeit oder dem Wohnungsmarkt, rassistische Polizeikontrollen etc.)
  • Subsidiärer Schutz
    Der «behelfsmäßige Schutz» für Asylsuchende kommt zur Geltung, wenn weder Asylberechtigung noch Flüchtlingsschutz gewährt werden, aber bei einer Abschiebung schwerwiegende Gefahren für Freiheit, Leib oder Leben drohen würden.
  • Ungleichwertigkeit
    Menschenverachtende Ideologie, die Bevölkerungsgruppen aufgrund unterschiedlicher Herkunft, Leistungsfähigkeit, Behinderung, sozialer Herkunft, Krankheit, sexueller Orientierung oder Geschlecht bewertet und unterschiedlichen Rang zumisst und sie pauschal ausgrenzt und ihnen gleiche Rechte, bis hin zum Existenzrecht, verwehrt.
  • V-Leute
    Informanten aus als «extremistisch» eingeschätzten politischen Szenen, die sich – im Unterschied zu verbeamteten verdeckten Ermittler_innen der Polizei – für Geld, Hafterleichterungen, Straffreiheit bei zum Teil schwersten Delikten und sonstigen Vergünstigungen verpflichten, ihre Szene/ihre Gruppe auszuhorchen und die Behörden, insbesondere Polizei und Geheimdienste, darüber zu informieren. Mit dem gescheiterten ersten NPD-Verbotsverfahren (2001–2003) und nach dem Auffliegen des NSU 2011 als gefährlich, ineffizient, unkontrollierbar in Verruf geraten.
  • Vertragsarbeit
    Auf der Basis von zwischenstaatlichen Verträgen mit «sozialistischen Bruderstaaten» und ehemaligen Kolonien westlicher Mächte geregelter Arbeitskräfte-Einsatz in der ehemaligen DDR (v.a. Vietnam, Angola, Mozambique, Kuba).
  • Wehrsportgruppe (WSG)
    Als Wehrsportgruppe bezeichneten sich mehrere neonazistische Vereinigungen, die das staatliche Gewaltmonopol insbesondere der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkannten bzw. nicht als ausreichend betrachteten und durch militärische Übungen „Wehrertüchtigung” betrieben. Karl-Heinz-Hoffmann gründete 1973 die nach ihm benannte Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) in Bayern. Die WSG Hoffmann bezeichnete sich selbst als „nach militärischen Gesichtspunkten organisierter, straff geführter Freiwilligenverband“. Die Organisation und die Tätigkeit der WSG gingen dabei auch über die Ländergrenzen von Bayern hinaus, mehrere Ortsgruppen entstanden in anderen Bundesländern. Nach Jahren der polizeilichen Untätigkeit wurde sie erst kurz vor dem Oktoberfest-Attentat im Januar 1980 verboten.
  • Wertegemeinschaft
    Konservativ konnotiert, ein selbst proklamierter Zusammenschluss und die Identifizierung mit einer Gruppe von Menschen, die bestimmte Werte, Vorstellungen oder Weltanschauungen teilen und sich darauf gründend von anderen solchen Gemeinschaften abgrenzen.
  • Wiking-Jugend (WJ)
    Die Wiking-Jugend (WJ) war eine neonazistische Kinder- und Jugendorganisation. Die 1952 gegründete Organisation wurde 1994 durch den Bundesminister des Innern verboten; zum Zeitpunkt des Verbots war sie mit 400 bis 500 Mitgliedern die größte neonazistische Jugendorganisation. Sie agierte in der Nachfolge der Hitler-Jugend und des Bundes Deutscher Mädel. Ein Charakteristikum der Wiking-Jugend war ihr Selbstverständnis als Refugium einer geschlossen nationalsozialistischen Sozialisation von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter ihrer Mitglieder
  • Zirkuläre Migration
    Regulierte temporäre Migration etwa in Form von Rotation von Arbeitskräfte-Kontingenten, die zwischen zwei oder mehreren Staaten beschlossen und koordiniert wird.
  • Zivilgesellschaft
    Der politische «Raum» zwischen Privatsphäre und Staat; Ansammlung von Organisationen, Zusammenschlüssen oder auch einzelnen Personen, die sich für die Vertretung ihrer Interessen organisieren. Kann ohne Einfluss des Staates ein freiheitlicher Diskursraum sein, in dem nach Gramsci um politische Deutungsmacht und Vorherrschaft (Hegemonie) gestritten wird.  
  • Zuwanderungsgesetz
    Neuregelung des deutschen Ausländer_innen-Rechts; erstes Einwanderungsgesetz der BRD sowie Regelung der Freizügigkeit von EU-Bürger_innen (2005).
  • Zwickauer Terrorzelle
    Kern der rechten Terrororganisation «Nationalsozialistischer Untergrund», die mindestens zehn Menschen umgebracht und aus drei Personen bestanden haben soll: Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Es ist davon auszugehen, dass diese Gruppe im Untergrund – anders als beispielsweise von der Bundesanwaltschaft behauptet – über Jahre in ein viele Hundert Personen umfassendes Netzwerk von Unterstützer_innen – u.a. das Blood & Honour-Netzwerk – eingebettet war, weshalb der Begriff abzulehnen ist.