Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


  • 1990er Pogro­me
    Steht für die mehr als 450 ras­sis­ti­schen Angrif­fe auf Migran­t_in­nen- und Flücht­lings­un­ter­künf­te in ganz Deutsch­land, die in den Pogro­men in Hoyers­wer­da im Sep­tem­ber 1991 und Rostock/Lichtenhagen im August 1992 kul­mi­nier­ten.
  • Abschie­bung
    Staat­li­che Zwangs­maß­nah­me zur Durch­set­zung der Aus­rei­se­pflicht in das ursprüng­li­che Her­kunfts­land der betrof­fe­nen Per­son oder in einen Dritt­staat.
  • Anti­deutsch
    Strö­mung inner­halb der poli­ti­schen Lin­ken, die sich ins­be­son­de­re gegen deut­schen Natio­na­lis­mus und unter­schied­li­che Aus­prä­gun­gen des Anti­se­mi­tis­mus wen­det.
  • Anti­ju­da­is­mus
    Begriff für die reli­gi­ös begrün­de­te Feind­schaft gegen­über Jüd_innen und der jüdi­schen Reli­gi­on, seit der Tren­nung von Chris­ten­tum und Juden­tum im 2. Jahr­hun­dert.
  • Anti­mus­li­mi­scher Ras­sis­mus
    Indi­vi­du­el­le, insti­tu­tio­nel­le und struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung und/oder Gewalt gegen­über Men­schen isla­mi­schen Glau­bens und gegen­über als mus­li­misch mar­kier­ten Men­schen und Insti­tu­tio­nen.
  • Anti­se­mi­tis­mus
    Indi­vi­du­el­le, insti­tu­tio­nel­le und struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung und/oder Gewalt gegen­über Men­schen jüdi­schen Glau­bens und gegen­über als jüdisch mar­kier­ten Men­schen und Insti­tu­tio­nen.
  • Anti­zi­ga­nis­mus
    Indi­vi­du­el­le, insti­tu­tio­nel­le und struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung und/oder Gewalt gegen­über als Roma und Sin­ti mar­kier­ten Men­schen und Insti­tu­tio­nen und die geziel­te Erzeu­gung nega­ti­ver Bil­der die­ser Min­der­heit, die mit sozia­len Pro­ble­men auf­ge­la­den wer­den.
  • Anti­zio­nis­mus
    Rich­tet sich gegen die Errich­tung bzw. die Exis­tenz des Staa­tes Isra­el als jüdi­scher Staat im Sin­ne Theo­dor Herzls als Heim­statt der Jüd_innen in aller Welt (ent­lehnt der hebräi­schen Bezeich­nung für den Tem­pel­berg Zion).
  • Arbeits­mi­gra­ti­on
    Kurz- und lang­fris­ti­ge, sai­so­na­le oder Ein- bzw. Aus­wan­de­rung bei Gele­gen­heit von Men­schen zum Zweck der Arbeits­su­che oder -auf­nah­me.
  • Armuts­ein­wan­de­rung
    Abwer­ten­der Begriff, der seit dem Inkraft­tre­ten der Arbeit­neh­mer_in­nen-Frei­zü­gig­keit in der Euro­päi­schen Uni­on (EU) für Men­schen aus Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en stark an Popu­la­ri­tät gewann, oft im Kon­text von Roma­feind­lich­keit/Anti­zi­ga­nis­mus.
  • Asylbewerber_innen
    Per­son, die in Deutsch­land auf der Grund­la­ge: Arti­kel 16a Grund­ge­setz sowie auch in ande­ren Län­dern auf­grund inter­na­tio­na­ler Über­ein­kom­men wie des Abkom­mens über die Rechts­stel­lung der Flücht­lin­ge (Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on) Schutz vor Ver­fol­gung suchen und deren Asyl­ver­fah­ren noch nicht abge­schlos­sen ist.
  • Asyl­su­chen­de
    Per­son, die in Deutsch­land auf der Grund­la­ge: Arti­kel 16a Grund­ge­setz sowie auch in ande­ren Län­dern auf­grund inter­na­tio­na­ler Über­ein­kom­men wie des Abkom­mens über die Rechts­stel­lung der Flücht­lin­ge (Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on) Schutz vor Ver­fol­gung suchen und deren Asyl­ver­fah­ren noch nicht abge­schlos­sen ist.
  • Ausländer_innen
    Im Ver­wal­tungs­deutsch Men­schen, die nicht die Staats­an­ge­hö­rig­keit des Lan­des besit­zen, in dem sie sich auf­hal­ten.
  • Aussiedler_innen
    Migrant_innen, die auf­grund ihrer «deut­schen Volks­zu­ge­hö­rig­keit» (§ 6 Bun­des­ver­trie­be­nen­ge­setz) auf der Grund­la­ge des Bluts­recht (ius san­gui­nis) bis Ende 1992 in die BRD ein­wan­dern konn­ten und bestimm­te Pri­vi­le­gi­en genos­sen. Seit 1993 «Spätaussiedler_innen» genannt, heu­te ande­ren Migrant_innen weit­ge­hend gleich­ge­stellt und häu­fig ähn­lich dis­kri­mi­niert.
  • Blaue Kar­te EU
    Auf­ent­halts- und Arbeits­ge­neh­mi­gung für «Hoch­qua­li­fi­zier­te» aus Nicht-EU-Län­dern.
  • Blue Card EU
    Auf­ent­halts- und Arbeits­ge­neh­mi­gung für «Hoch­qua­li­fi­zier­te» aus Nicht-EU-Län­dern.
  • Cri­ti­cal Whiteness
    (Auf Deutsch oft auch: «kri­ti­sches Weiß­sein»): Teil der Ras­sis­mus-For­schung und anti­ras­sis­ti­schen Bewe­gung, der den Blick nicht auf die «Opfer» von Ras­sis­mus rich­tet, son­dern die Kon­struk­ti­on von Weiß­sein und die damit ver­bun­de­nen Pri­vi­le­gi­en kri­tisch in den Blick nimmt.
  • Cross-Soli­da­ri­ty
    Soli­da­ri­tät, Orga­ni­sie­rung, Ver­net­zung und Koope­ra­ti­on über Staa­ten- und die Gren­zen von Orga­ni­sa­ti­ons- und Unter­drü­ckungs­for­men hin­weg.
  • Deut­sche Akti­ons­grup­pen
    Die Deut­schen Akti­ons­grup­pen waren eine neo­na­zis­ti­sche ter­ro­ris­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on. Gegrün­det wur­de sie 1980 von Man­fred Roeder mit dem Ziel Anschlä­ge auszuführen.Im Jahr 1980 ver­üb­ten sie ins­ge­samt fünf Spreng­stoff­an­schlä­ge und zwei Brand­an­schlä­ge gegen Ein­rich­tun­gen und Behör­den der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Anfang Sep­tem­ber 1980 wur­den die Deut­schen Akti­ons­grup­pen von den Ermitt­lungs­be­hör­den ver­bo­ten, gegen vier Mit­glie­der der Ver­ei­ni­gung ankla­ge wie Mit­glied einer ter­ro­ris­ti­scher Ver­ei­ni­gung und etli­cher Anschlä­ge ange­klagt. Man­fred Roeder wur­de 1982 zu einer Frei­heits­stra­fe von 13 Jah­ren ver­ur­teilt.
  • Deut­sche Volks­uni­on (DVU)
    Die Deut­sche Volks­uni­on (Kurz­be­zeich­nung: DVU, auch Lis­te D) war eine neo­na­zis­ti­sche Par­tei in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land . Sie wur­de 1971 als Ver­ein und 1987 als poli­ti­sche Par­tei gegrün­det. Über den Zeit­raum von 38 Jah­ren wur­de sie vom Ver­le­ger Ger­hard Frey, der von der Grün­dung im Jahr 1971 bis 2009 Vor­sit­zen­der war, auto­ri­tär geführt. Von 2009 bis zur Auf­lö­sung 2011 hat­te Mat­thi­as Faust die­ses Amt inne. Nach dem Beschluss des DVU-Par­tei­tags vom 12. Dezem­ber 2010 fusio­nier­te die DVU zum 1. Janu­ar 2011 mit der Natio­nal­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Deutsch­lands (NPD).
  • Dis­kri­mi­nie­rung
    Benach­tei­li­gung, Anfein­dung, Her­ab­wür­di­gung, Aus­gren­zung oder sons­ti­ge Ungleich­be­hand­lung von Per­so­nen auf­grund ihrer tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen Zuge­hö­rig­keit zu einer Grup­pe.
  • Dub­lin I
    Ver­ord­nun­gen des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Euro­päi­schen Rats zur Fest­le­gung des für einen Asyl­an­trag zustän­di­gen EU-Mit­glied­staats.
  • Dub­lin II
    Ver­ord­nun­gen des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Euro­päi­schen Rats zur Fest­le­gung des für einen Asyl­an­trag zustän­di­gen EU-Mit­glied­staats.
  • Dub­lin III
    Ver­ord­nun­gen des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Euro­päi­schen Rats zur Fest­le­gung des für einen Asyl­an­trag zustän­di­gen EU-Mit­glied­staats.
  • Dul­dung
    Vor­über­ge­hen­de Aus­set­zung der Abschie­bung einer «aus­rei­se­pflich­ti­gen» Per­son etwa auf­grund von Abschie­be­hin­der­nis­sen im Her­kunfts­land, ohne Arbeits­er­laub­nis. (Recht­li­che Grund­la­ge: Auf­ent­halts­ge­setz, §§ 50–62a.)
  • Eman­zi­pa­ti­on
    Befrei­ung aus unter­drü­cke­ri­schen, dis­kri­mi­nie­ren­den oder ent­mün­di­gen­den poli­ti­schen oder sozia­len Ver­hält­nis­sen; Erlan­gung von Gleich­be­rech­ti­gung, Gleich­stel­lung und Selbst­be­stim­mung.
  • Eth­nic Pro­filing
    Dis­kri­mi­nie­ren­des Han­deln von (Ermittlungs-)Behörden nach Kri­te­ri­en wie eth­ni­scher Zuge­hö­rig­keit, Reli­gi­on oder Her­kunft.
  • Eth­ni­sie­rung
    Zuschrei­bung einer kol­lek­ti­ven Iden­ti­tät auf­grund von Her­kunft, Haut­far­be, Staats­an­ge­hö­rig­keit und ähn­li­cher Merk­ma­le.
  • Euro­päi­sches Asyl­sys­tem
    Ein­heit­li­che Rege­lun­gen für Zustän­dig­keit und Ver­fah­ren in Bezug auf Asyl sowie Flücht­lings­ab­wehr inner­halb der EU.
  • Euro­sur
    Grenz­über­wa­chungs­sys­tem, unter dem bis­her 18 EU-Staa­ten, die Euro­päi­sche Uni­on sowie die Fron­tex-Grenz­schutz­agen­tur ihre Aktio­nen gegen so genann­te ille­ga­le Migra­ti­on koor­di­nie­ren («Euro­pean Bor­der Sur­veil­lan­ce Sys­tem», seit Ende 2013).
  • Extre­mis­mus-Dok­trin
    Ein­di­men­sio­na­le und ver­ein­fa­chen­de Gleich­set­zung von «Rechts-» und «Links­ex­tre­mis­mus». Ange­lehnt an die aus der Tota­li­ta­ris­mus-Dok­trin des Kal­ten Krie­ges her­vor­ge­gan­ge­nen Extre­mis­mus-Theo­rie, unter­schieds­lo­se gesetz­li­che Äch­tung und Ille­ga­li­sie­rung, dis­kri­mi­niert in beson­de­rer Wei­se lin­ke Gesell­schafts­kri­tik und anti­fa­schis­ti­sches Enga­ge­ment. Im Kon­trast zum «Extre­mis­mus» wird die gemä­ßig­te Mit­te der demo­kra­ti­schen Gesell­schaft als gesund, soli­de und dabei nur markt­wirt­schaft­lich gedacht.
  • FRONTEX
    EU-Grenz­schutz-Agen­tur; koor­di­niert seit der Grün­dung im Jahr 2004 die Aktio­nen und Maß­nah­men zur Flücht­lings­ab­wehr inner­halb und außer­halb der EU.
  • Faschis­mus
    Streng hier­ar­chi­sche Regie­rungs­form und eli­tä­re Gesell­schafts­for­ma­ti­on, ohne demo­kra­ti­sche Mei­nungs­frei­heit, auto­ri­tä­rem Füh­rer­prin­zip, offe­nem und extre­mem Ras­sis­mus, mas­si­ve Gewalt gegen Anders­den­ken­de, anti­li­be­ra­ler, völ­ki­scher Ideo­lo­gie und natio­na­lem Chau­vi­nis­mus. Die bru­tals­te Form des Faschis­mus war der deut­sche Natio­nal­so­zia­lis­mus, des­sen Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus zum Holo­caust führ­te.
  • Femi­nis­mus
    Poli­ti­sche sowie aka­de­mi­sche Bewe­gung, die ein­for­dert und dafür ein­tritt, dass Frau­en in exak­ter Gleich­be­rech­ti­gung zu Män­nern leben und an der Gesell­schaft in all ihren Facet­ten teil­ha­ben kön­nen, wozu die bar­rie­re­freie Aus­übung sozia­ler, poli­ti­scher und wirt­schaft­li­cher Rech­te zählt.
  • Fes­tung Euro­pa
    Begriff aus dem deut­schen NS-Jar­gon, der iro­nisch gewen­det kri­tisch genutzt wird für die Abschot­tungs­po­li­tik der EU-Staa­ten gegen­über benach­bar­ten Welt­re­gio­nen (vor allem in Bezug auf die Flücht­lings­ab­wehr).
  • Feu­da­lis­mus
    Staats- und Gesell­schafts­ord­nung, in der die länd­li­che arbei­ten­de Bevöl­ke­rung in abso­lu­ter Abhän­gig­keit (Leib­ei­gen­schaft) von der Herr­schaft (in der Regel: Mon­ar­chie) steht und weit­ge­hend recht­los aus­ge­beu­tet wird.
  • Flücht­ling
    Mensch, der sei­ne Her­kunfts­re­gi­on oder sein Her­kunfts­land auf­grund von Ver­fol­gung, (Bür­ger-) Krieg, Gewalt oder sons­ti­ger, auch öko­no­mi­scher, Not und Chan­cen­lo­sig­keit sowie ande­ren For­men von Bedro­hung ver­las­sen muss­te und in einem ande­ren Land Schutz und Chan­cen­gleich­heit sucht.
  • Frei­zü­gig­keit
    Recht von Deut­schen in Deutsch­land und von EU-Bür­ger_in­nen in Euro­pa, sich in ande­ren EU-Mit­glieds­staa­ten nie­der­zu­las­sen, wo sie es wün­schen, und sich unge­hin­dert dort­hin bewe­gen und dort arbei­ten zu kön­nen.
  • Gast­ar­bei­ter
    Per­so­nen, die auf­grund ver­schie­de­ner Anwer­be­ab­kom­men zwi­schen 1955 und dem Anwer­be­stopp 1973 zur Arbeits­auf­nah­me in die BRD kamen.
  • Gen­der
    Sozi­al kon­stru­ier­te und damit fik­ti­ve Dimen­si­on des Geschlechts, im Gegen­satz zur bio­lo­gi­schen Bestim­mung. Kul­tu­rel­le Tra­di­tio­nen, vor allem aber macht­po­li­ti­sche Hier­ar­chi­en, die kon­stru­iert und durch Geschlech­ter­rol­len auf­recht­erhal­ten wer­den, bedin­gen die Unter­ord­nung des weib­li­chen Geschlechts.
  • Gen­fer Kon­ven­ti­on
    Inter­na­tio­na­les Abkom­men, das den Begriff «Flücht­ling» und einen Min­dest­stan­dard für Schutz­su­chen­de defi­niert. (Gegen­wär­tig 147 Ver­trags­staa­ten.)
  • Glo­ba­li­sie­rungs­kri­tik
    Viel­fäl­ti­ge, durch­aus nicht aus­schließ­lich links-eman­zi­pa­to­ri­sche Bewe­gung, die seit den 1990er Jah­ren die sozia­len, kul­tu­rel­len oder öko­lo­gi­schen Fol­gen stär­ker wer­den­der inter­na­tio­na­ler Ver­flech­tun­gen kri­ti­siert.
  • Graue Wöl­fe
    Graue Wöl­fe (tür­kisch Bozkurt­lar oder Bozkur­tçu­lar) ist die Bezeich­nung für Mit­glie­der der ultra­na­tio­na­lis­ti­schen tür­ki­schen Par­tei der Natio­na­lis­ti­schen Bewe­gung („Mil­liy­e­tçi Hareket Par­ti­si“, MHP), die 1961 von Alpars­lan Tür­keş gegrün­det wur­de. Sie zeich­nen sich durch eine hohe Gewalt­af­fi­ni­tät aus und grei­fen auch in Deutsch­land immer wie­der ver­fein­de­te lin­ke Türk_innen und Kurd_innen an. In der Tür­kei wur­den sie bereits dem Ter­ro­ris­mus und zahl­rei­cher Gewalt­ta­ten bis hin zu Mor­den bezich­tigt Sie bezeich­nen sich selbst als „Idea­lis­ten“ (Ülkü­cü­ler)
  • Holo­caust
    Indus­tri­el­le Mas­sen­ver­nich­tung und sys­te­ma­ti­scher Geno­zid an der jüdi­schen Bevöl­ke­rung Euro­pas von 1941–1945 durch Nazi-Deutsch­land.
  • Ille­ga­li­sier­te
    Per­so­nen, die – etwa nach heim­li­chem Grenz­über­tritt – auf­grund feh­len­der oder abge­lau­fe­ner Aus­weis­do­ku­men­te oder Auf­ent­halts­ti­tel zu «Ille­ga­len» erklärt wer­den.
  • Impe­ria­lis­mus
    Expan­si­ve und aggres­si­ve, gewalt­för­mig mili­tä­ri­sche oder öko­no­mi­sche Aus­wei­tung des Herr­schafts­an­spruchs und -gebiets eines Staa­tes (bei­spiels­wei­se im Kolo­nia­lis­mus); heu­te vor allem gebraucht in der Glo­ba­li­sie­rungs­kri­tik und der Kri­tik des Neo­im­pe­ria­lis­mus bzw. -kolo­nia­lis­mus.
  • Insti­tu­tio­nel­ler Ras­sis­mus
    Form des Ras­sis­mus, die staat­li­chem und nicht-staat­li­chem insti­tu­tio­nel­lem Han­deln/­Nicht-Han­deln inne­wohnt (feh­len­des Wahl­recht oder feh­len­de Reprä­sen­ta­ti­on, Dis­kri­mi­nie­rung beim Zugang zu Bil­dung, Arbeit oder dem Woh­nungs­markt, ras­sis­ti­sche Poli­zei­kon­trol­len etc.)
  • Isla­mo­pho­bie
    Popu­lis­ti­scher Alar­mis­mus und Angst­ma­che­rei gegen­über einer als aggres­siv und raum­grei­fend gezeich­ne­ten isla­mi­schen Reli­gi­on und ihren Anhänger_innen, die als die «Ande­ren» der «christ­lich-abend­län­di­schen» Tra­di­ti­on oder «Wer­te­ge­mein­schaft» als Bedro­hung ent­ge­gen­ge­setzt wer­den.
  • KMII
    (Kein Mensch ist ille­gal): Bun­des­weit agie­ren­de Initia­ti­ve, die 1997 auf der Docu­men­ta X in Kas­sel von zahl­rei­chen kirch­li­chen, gewerk­schaft­li­chen und anti­ras­sis­ti­schen Grup­pen mit dem Ziel gegrün­det wur­de, auf die Situa­ti­on von Men­schen ohne Papie­re, von Abschie­bung Bedroh­ten und Flücht­lin­gen auf­merk­sam zu machen und mit Aktio­nen zivi­len Unge­hor­sams und prak­ti­scher Soli­da­ri­tät nicht nur für deren Rech­te ein­zu­tre­ten, son­dern die­se auch durch­zu­set­zen.
  • Kein Mensch ist ille­gal
    Bun­des­weit agie­ren­de Initia­ti­ve, die 1997 auf der Docu­men­ta X in Kas­sel von zahl­rei­chen kirch­li­chen, gewerk­schaft­li­chen und anti­ras­sis­ti­schen Grup­pen mit dem Ziel gegrün­det wur­de, auf die Situa­ti­on von Men­schen ohne Papie­re, von Abschie­bung Bedroh­ten und Flücht­lin­gen auf­merk­sam zu machen und mit Aktio­nen zivi­len Unge­hor­sams und prak­ti­scher Soli­da­ri­tät nicht nur für deren Rech­te ein­zu­tre­ten, son­dern die­se auch durch­zu­set­zen.
  • Klas­sen­ge­sell­schaft
    Kon­kret ist die immer grö­ßer wer­den­de Lücke zwi­schen armen und rei­chen gemeint und wie sich die­se Ver­hält­nis­se selbst immer wei­ter fes­ti­gen, indem sie Zugang zu Bil­dung und Arbeits­markt bedin­gen.
  • Kul­tu­ra­li­sie­rung
    Zuschrei­bung einer kol­lek­ti­ven Iden­ti­tät auf­grund von Her­kunft, Haut­far­be, Staats­an­ge­hö­rig­keit und ähn­li­cher Merk­ma­le, wird auch Essen­tia­lis­mus genannt.
  • Lis­sa­bon-Ver­trag
    Letz­te umfang­rei­che insti­tu­tio­nel­le Reform der EU (2009), die damit zum ers­ten Mal eine Rechts­per­sön­lich­keit zuge­spro­chen bekam.
  • Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus
    Sozi­al­phi­lo­so­phi­sche Theo­ri­en und/oder gesell­schaft­li­che Rea­li­tä­ten, in denen kul­tu­rel­le Unter­schie­de als schüt­zens­wert ange­se­hen wer­den.
  • NSDAP-Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on (NSDAP-AO)
    Die NSDAP-Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on (NSDAP-AO), auch NSDAP-Auf­bau- und Aus­lands­or­ga­ni­sa­ti­on genannt, ist eine im Jahr 1972 durch den Neo­na­zi Gary Lauck gegrün­de­te Ver­ei­ni­gung mit Haupt­sitz in den USA. Sie ist welt­weit in meh­re­ren Län­dern aktiv und stellt Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al in über 25 Spra­chen her. Ihre poli­ti­schen Zie­le bestehen unter ande­rem in der Wie­der­zu­las­sung der NSDAP und der erneu­ten Errich­tung des Natio­nal­so­zia­lis­mus in Deutsch­land. Unterande­rem grün­de­te sich auch in Able­ger in West-Ber­lin.
  • NSU
    Rech­te Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on, die von 2000–2007 min­des­tens zehn Men­schen umbrach­te, 9 davon aus ras­sis­ti­schen Moti­ven. Ermitt­lun­gen und Pro­zess lau­fen seit der Selbstent­tar­nung im Novem­ber 2011 und brach­ten ekla­tan­tes Behör­den­ver­sa­gen, alar­mie­ren­den gesell­schaft­li­chen Ras­sis­mus und Ver­stri­ckun­gen des Staa­tes, ins­be­son­de­re sei­ner «Ver­fas­sungs­schutz» genann­ten Inlands­ge­heim­diens­te, zu Tage.
  • Nati­on
    Kon­strukt, in dem sich eine Grup­pe auf­grund gemein­sa­mer Merk­ma­le (z.B. Spra­che, Kul­tur, Geschich­te, geo­gra­phi­scher Zusam­men­hang) und fik­ti­ver Gemein­sam­keit als ein­an­der zuge­hö­rig betrach­tet; Begrün­dungs­zu­sam­men­hang von Einschluss/Ausschluss (z.B. über Staats­an­ge­hö­rig­keit).
  • Neben­kla­ge
    Der Ankla­ge gegen die NSU-Ter­ro­ris­ten haben sich mehr als 70 Ange­hö­ri­ge der Mord­op­fer und Geschä­dig­te der Spreng­stoff­an­schlä­ge als Neben­klä­ge­rin­nen und Neben­klä­ger ange­schlos­sen. Sie wer­den von ca. 50 Rechts­an­wäl­tin­nen und Rechts­an­wäl­ten ver­tre­ten. Nähe­re Infor­ma­tio­nen und Doku­men­ta­ti­on aus Sicht der Neben­kla­ge http://​www​.nsu​-neben​kla​ge​.de  
  • Neo­fa­schis­mus
    Sie­he Neo­na­zis­mus, Faschis­mus.
  • Neo­li­be­ra­lis­mus
    Seit Ende der 1970er Jah­re die vor­herr­schen­de öko­no­mi­sche Theo­rie und markt­ra­di­ka­le Pra­xis, nach der Wohl­stand am bes­ten durch Märk­te, Pri­vat­ei­gen­tum und frei­en Han­del zu errei­chen wäre. Der Staat sol­le sich dar­auf beschrän­ken, Märk­te dort zu kre­ieren, wo sie noch nicht exis­tie­ren (z.B. durch Pri­va­ti­sie­rung von öffent­li­chen Res­sour­cen).
  • Neo­na­zis­mus
    Posi­ti­ver Bezug auf den his­to­ri­schen Natio­nal­so­zia­lis­mus, sei­ne Ide­en und Ideo­lo­gi­en in Kom­bi­na­ti­on mit zeit­ge­mä­ßen Orga­ni­sie­rungs- und Ver­net­zungs­for­men (Inter­net etc.). Wesens­be­stand­teil ist ein Kult um das dama­li­ge auto­ri­tä­re und natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Sys­tem (Hit­le­ris­mus, Glo­ri­fi­zie­rung von SS und Wehr­macht) sowie die Rela­ti­vie­rung oder Leug­nung von des­sen Ver­bre­chen.
  • OSZE
    Orga­ni­sa­ti­on für Sicher­heit und Zusam­men­ar­beit in Euro­pa (gegrün­det 1975) als regie­rungs­ko­ope­ra­ti­ve Orga­ni­sa­ti­on.
  • Othe­ring
    Per­so­nen als tat­säch­li­che oder ver­meint­li­che Ange­hö­ri­ge einer eth­ni­schen, kul­tu­rel­len oder reli­giö­sen Grup­pe zu «Ande­ren» machen und wegen ihrer «Anders­ar­tig­keit» aus­schlie­ßen.
  • PHA­RE-Pro­gramm
    Instru­ment der Euro­päi­schen Uni­on zur Her­an­füh­rung von Bei­tritts­kan­di­da­ten (bis 2007, seit­dem: IPA).
  • Patri­ar­chat
    Wört­lich über­setzt Herr­schaft des Vaters, wird der Begriff in Akti­vis­mus und Wis­sen­schaft ver­wen­det, um Herr­schafts­ge­fü­ge und Gen­der­rol­len zu beschrei­ben, die den Mann als der Frau über­ge­ord­net anse­hen. (sie­he auch Gen­der).
  • Peop­le of Color
    Selbst­be­zeich­nung von Men­schen, die gegen­über der Mehr­heits­ge­sell­schaft als nicht-weiß gel­ten und sich wegen bio­lo­gis­ti­scher, kul­tu­ra­lis­ti­scher oder mit Reli­gi­on begrün­de­ter Zuschrei­bun­gen mit all­täg­li­chem, insti­tu­tio­nel­lem und struk­tu­rel­lem Ras­sis­mus kon­fron­tiert sehen.
  • Pogrom
    Ras­sis­tisch begrün­de­ter kol­lek­ti­ver Gewalt­akt eines ad hoc ent­ste­hen­den Mobs gegen­über einer als fremd mar­kier­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pe.
  • Raci­al Pro­filing
    Pra­xis von Poli­zei-, Ermitt­lungs- und ande­ren Behör­den, die sich nicht aus dem Ver­hal­ten einer Per­son, son­dern aus ihrer phä­no­ty­pi­schen Erschei­nung sowie ihrer tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen Zuge­hö­rig­keit zu einer eth­ni­schen Grup­pe oder Reli­gi­ons­ge­mein­schaft her­lei­tet.
  • Ras­sis­mus
    Indi­vi­du­el­le und kol­lek­ti­ve, insti­tu­tio­nel­le und struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung und/oder Gewalt gegen­über Men­schen auf­grund ihrer tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen Zuge­hö­rig­keit zu einer eth­ni­schen, kul­tu­rel­len oder reli­giö­sen Grup­pe.
  • Rechts­ex­tre­mis­mus
    Posi­ti­ver Bezug auf den his­to­ri­schen Natio­nal­so­zia­lis­mus, sei­ne Ide­en und Ideo­lo­gi­en in Kom­bi­na­ti­on mit zeit­ge­mä­ßen Orga­ni­sie­rungs- und Ver­net­zungs­for­men (Inter­net etc.). Wesens­be­stand­teil ist ein Kult um das dama­li­ge auto­ri­tä­re und natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Sys­tem (Hit­le­ris­mus, Glo­ri­fi­zie­rung von SS und Wehr­macht) sowie die Rela­ti­vie­rung oder Leug­nung von des­sen Ver­bre­chen. Als Begriff wegen der Extre­mis­mus-Dok­trin pro­ble­ma­tisch.
  • Rechts­po­pu­lis­mus
    Auf Stim­mungs­ma­che zie­len­de, für den schnel­len Erfolg ver­ein­fa­chen­de und zuspit­zen­de Ant­wor­ten anbie­ten­de Form der poli­ti­schen Ver­laut­ba­rung und Poli­tik: Es gibt ihn in allen poli­ti­schen Strö­mun­gen, er gilt jedoch stets als reak­tio­när und rechts, auch wenn Lin­ke sich sei­ner beflei­ßi­gen. Geht oft ein­her mit ras­sis­ti­schen, anti­se­mi­ti­schen und auto­ri­tä­ren Aus­sa­gen und zielt auf Mas­sen­mo­bi­li­sie­rung. Es gibt auch eli­tä­ren und sozi­al­chau­vi­nis­ti­schen Popu­lis­mus.
  • Refu­gee-Bewe­gung
    Aus Pro­test­mär­schen des spä­ten Jah­res 2012 her­vor­ge­gan­ge­ne Initia­ti­ve, die sich bun­des­weit für die Auf­he­bung der Resi­denz­pflicht sowie die Abschaf­fung von Lagern und Abschie­bun­gen strei­tet.
  • Roma­feind­lich­keit
    Fach­be­griff für den Ras­sis­mus gegen­über Sin­ti und Roma, der Vor­ur­tei­le und Feind­schaft auf indi­vi­du­el­ler, insti­tu­tio­nel­ler und struk­tu­rel­ler Ebe­ne beschreibt, eben­so wie indi­vi­du­el­le, gesell­schaft­li­che und staat­li­che Dis­kri­mi­nie­rung und Ver­fol­gung bis hin zur Gewalt und zu Mord.
  • Rück­füh­rungs­ab­kom­men
    Ver­trag zwi­schen Staa­ten, der die Mög­lich­keit beinhal­tet, unwill­kom­me­ne Einwanderer_innen wie­der in ihr Her­kunfts­land abzu­schie­ben oder aus­zu­wei­sen (Rück­füh­rung), sowie die Ver­pflich­tung, die­se wie­der auf­zu­neh­men (Rück(über)nahme).
  • Rück­schie­bung
    Über­stel­lung von Flücht­lin­gen – etwa nach einer Wei­ter­flucht inner­halb der EU – in das für die Prü­fung der Asyl­be­rech­ti­gung zustän­di­ge EU-Mit­glieds­land (Grund­la­ge: Dub­lin-Ver­ord­nung des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Euro­päi­schen Rats).
  • Rück­über­nah­me­ab­kom­men
    Ver­trag zwi­schen Staa­ten, der die Mög­lich­keit beinhal­tet, unwill­kom­me­ne Einwanderer_innen wie­der in ihr Her­kunfts­land abzu­schie­ben oder aus­zu­wei­sen (Rück­füh­rung), sowie die Ver­pflich­tung, die­se wie­der auf­zu­neh­men (Rück(über)nahme).
  • Schen­ge­ner Abkom­men
    Abkom­men zum schritt­wei­sen Abbau der Grenz­kon­trol­len, zur ein­heit­li­chen Ver­ga­be von Visa etc. zwi­schen ein­zel­nen EU-Staa­ten sowie der Schweiz, Nor­we­gen und Island.
  • Schwar­ze Reichs­wehr
    Ille­ga­le para­mi­li­tä­ri­sche For­ma­tio­nen zur Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik, die unter Bruch des Ver­sail­ler Frie­dens­ver­trags von 1919 von der offi­zi­el­len deut­schen Reichs­wehr geför­dert und zum Teil selbst unter­hal­ten wur­den.
  • Sexis­mus
    Vor­ur­tei­le, Dis­kri­mi­nie­rung, Stig­ma­ti­sie­rung oder Gewalt auf­grund von ver­meint­li­chem oder tat­säch­li­chen gesell­schaft­li­chen Geschlecht, sowie die dar­aus resul­tie­ren­de Unter­drü­ckung.
  • Shoa
    Sys­te­ma­ti­scher Geno­zid an der jüdi­schen Bevöl­ke­rung Euro­pas von 1941–1945 durch Nazi-Deutsch­land (Shoa = hebr. Kata­stro­phe).
  • Sozia­le Exklu­si­on
    Gesell­schaft­li­cher Aus­schluss (zum Bei­spiel von Arbeit, Wohn­raum, Zugang zu Ver­güns­ti­gun­gen und Sozi­al­leis­tun­gen etc.).
  • Sozia­le Segre­ga­ti­on
    Räum­li­che Tren­nung gesell­schaft­li­cher Grup­pen auf­grund bestimm­ter Kri­te­ri­en wie reli­giö­ser oder ethi­scher Zuge­hö­rig­keit oder der finan­zi­el­len Situa­ti­on.
  • Spätaussiedler_innen
    Migrant_innen, die auf­grund ihrer «deut­schen Volks­zu­ge­hö­rig­keit» (§ 6 Bun­des­ver­trie­be­nen­ge­setz) in die BRD ein­wan­dern. Seit 1993 «Spätaussiedler_innen» genannt, heu­te ande­ren Migrant_innen weit­ge­hend gleich­ge­stellt.
  • Struk­tu­rel­ler Ras­sis­mus
    Form des Ras­sis­mus, die staat­li­chem und nicht-staat­li­chem insti­tu­tio­nel­lem Han­deln/­Nicht-Han­deln oder Geset­zen inne­wohnt (feh­len­des Wahl­recht oder feh­len­de Reprä­sen­ta­ti­on, Dis­kri­mi­nie­rung beim Zugang zu Bil­dung, Arbeit oder dem Woh­nungs­markt, ras­sis­ti­sche Poli­zei­kon­trol­len etc.)
  • Sub­si­diä­rer Schutz
    Der «behelfs­mä­ßi­ge Schutz» für Asyl­su­chen­de kommt zur Gel­tung, wenn weder Asyl­be­rech­ti­gung noch Flücht­lings­schutz gewährt wer­den, aber bei einer Abschie­bung schwer­wie­gen­de Gefah­ren für Frei­heit, Leib oder Leben dro­hen wür­den.
  • Ungleich­wer­tig­keit
    Men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie, die Bevöl­ke­rungs­grup­pen auf­grund unter­schied­li­cher Her­kunft, Leis­tungs­fä­hig­keit, Behin­de­rung, sozia­ler Her­kunft, Krank­heit, sexu­el­ler Ori­en­tie­rung oder Geschlecht bewer­tet und unter­schied­li­chen Rang zumisst und sie pau­schal aus­grenzt und ihnen glei­che Rech­te, bis hin zum Exis­tenz­recht, ver­wehrt.
  • V-Leu­te
    Infor­man­ten aus als «extre­mis­tisch» ein­ge­schätz­ten poli­ti­schen Sze­nen, die sich – im Unter­schied zu ver­be­am­te­ten ver­deck­ten Ermittler_innen der Poli­zei – für Geld, Haft­er­leich­te­run­gen, Straf­frei­heit bei zum Teil schwers­ten Delik­ten und sons­ti­gen Ver­güns­ti­gun­gen ver­pflich­ten, ihre Szene/ihre Grup­pe aus­zu­hor­chen und die Behör­den, ins­be­son­de­re Poli­zei und Geheim­diens­te, dar­über zu infor­mie­ren. Mit dem geschei­ter­ten ers­ten NPD-Ver­bots­ver­fah­ren (2001–2003) und nach dem Auf­flie­gen des NSU 2011 als gefähr­lich, inef­fi­zi­ent, unkon­trol­lier­bar in Ver­ruf gera­ten.
  • Ver­trags­ar­beit
    Auf der Basis von zwi­schen­staat­li­chen Ver­trä­gen mit «sozia­lis­ti­schen Bru­der­staa­ten» und ehe­ma­li­gen Kolo­ni­en west­li­cher Mäch­te gere­gel­ter Arbeits­kräf­te-Ein­satz in der ehe­ma­li­gen DDR (v.a. Viet­nam, Ango­la, Mozam­bi­que, Kuba).
  • Wehr­sport­grup­pe (WSG)
    Als Wehr­sport­grup­pe bezeich­ne­ten sich meh­re­re neo­na­zis­ti­sche Ver­ei­ni­gun­gen, die das staat­li­che Gewalt­mo­no­pol ins­be­son­de­re der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht aner­kann­ten bzw. nicht als aus­rei­chend betrach­te­ten und durch mili­tä­ri­sche Übun­gen „Wehr­ertüch­ti­gung” betrie­ben. Karl-Heinz-Hoff­mann grün­de­te 1973 die nach ihm benann­te Wehr­sport­grup­pe Hoff­mann (WSG) in Bay­ern. Die WSG Hoff­mann bezeich­ne­te sich selbst als „nach mili­tä­ri­schen Gesichts­punk­ten orga­ni­sier­ter, straff geführ­ter Frei­wil­li­gen­ver­band“. Die Orga­ni­sa­ti­on und die Tätig­keit der WSG gin­gen dabei auch über die Län­der­gren­zen von Bay­ern hin­aus, meh­re­re Orts­grup­pen ent­stan­den in ande­ren Bun­des­län­dern. Nach Jah­ren der poli­zei­li­chen Untä­tig­keit wur­de sie erst kurz vor dem Okto­ber­fest-Atten­tat im Janu­ar 1980 ver­bo­ten.
  • Wer­te­ge­mein­schaft
    Kon­ser­va­tiv kon­no­tiert, ein selbst pro­kla­mier­ter Zusam­men­schluss und die Iden­ti­fi­zie­rung mit einer Grup­pe von Men­schen, die bestimm­te Wer­te, Vor­stel­lun­gen oder Welt­an­schau­un­gen tei­len und sich dar­auf grün­dend von ande­ren sol­chen Gemein­schaf­ten abgren­zen.
  • Wiking-Jugend (WJ)
    Die Wiking-Jugend (WJ) war eine neo­na­zis­ti­sche Kin­der- und Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on. Die 1952 gegrün­de­te Orga­ni­sa­ti­on wur­de 1994 durch den Bun­des­mi­nis­ter des Innern ver­bo­ten; zum Zeit­punkt des Ver­bots war sie mit 400 bis 500 Mit­glie­dern die größ­te neo­na­zis­ti­sche Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on. Sie agier­te in der Nach­fol­ge der Hit­ler-Jugend und des Bun­des Deut­scher Mädel. Ein Cha­rak­te­ris­ti­kum der Wiking-Jugend war ihr Selbst­ver­ständ­nis als Refu­gi­um einer geschlos­sen natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sozia­li­sa­ti­on von der frü­hen Kind­heit bis ins Erwach­se­nen­al­ter ihrer Mit­glie­der
  • Zir­ku­lä­re Migra­ti­on
    Regu­lier­te tem­po­rä­re Migra­ti­on etwa in Form von Rota­ti­on von Arbeits­kräf­te-Kon­tin­gen­ten, die zwi­schen zwei oder meh­re­ren Staa­ten beschlos­sen und koor­di­niert wird.
  • Zivil­ge­sell­schaft
    Der poli­ti­sche «Raum» zwi­schen Pri­vat­sphä­re und Staat; Ansamm­lung von Orga­ni­sa­tio­nen, Zusam­men­schlüs­sen oder auch ein­zel­nen Per­so­nen, die sich für die Ver­tre­tung ihrer Inter­es­sen orga­ni­sie­ren. Kann ohne Ein­fluss des Staa­tes ein frei­heit­li­cher Dis­kurs­raum sein, in dem nach Gram­sci um poli­ti­sche Deu­tungs­macht und Vor­herr­schaft (Hege­mo­nie) gestrit­ten wird.  
  • Zuwan­de­rungs­ge­setz
    Neu­re­ge­lung des deut­schen Ausländer_innen-Rechts; ers­tes Ein­wan­de­rungs­ge­setz der BRD sowie Rege­lung der Frei­zü­gig­keit von EU-Bür­ger_in­nen (2005).
  • Zwi­ckau­er Ter­ror­zel­le
    Kern der rech­ten Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on «Natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Unter­grund», die min­des­tens zehn Men­schen umge­bracht und aus drei Per­so­nen bestan­den haben soll: Bea­te Zschä­pe, Uwe Mund­los und Uwe Böhn­hardt. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die­se Grup­pe im Unter­grund – anders als bei­spiels­wei­se von der Bun­des­an­walt­schaft behaup­tet – über Jah­re in ein vie­le Hun­dert Per­so­nen umfas­sen­des Netz­werk von Unterstützer_innen – u.a. das Blood & Honour-Netz­werk – ein­ge­bet­tet war, wes­halb der Begriff abzu­leh­nen ist.