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Eine kurze Geschichte faschistischer Squats in Italien

Demons­tra­ti­ons­auf­ruf: „Casa­Po­und — non si toc­ca!“ (dt.: Casa­Po­und macht man nicht an!) (screen­shot)

Mit­glie­der der Bewe­gungs­par­tei Casa­Po­und Ita­lia demons­trier­ten am 8. Febru­ar 2019 vor dem Cam­pi­do­glio, dem Sitz des römi­schen Bür­ger­meis­ter­amts. Unter dem Mot­to “Casa­Po­und non si toc­ca!” (dt.: Casa­Po­und rührt man nicht an!) pro­tes­tier­ten sie gegen den Rats­be­schluss von Ende Janu­ar 2019, der die Räu­mung der Casa­Po­und-Zen­tra­le in der Via Napo­leo­ne III fest­legt. Mit der Räu­mung die­ses Gebäu­des wür­de nicht nur die bekann­tes­te Beset­zung ita­lie­ni­scher Faschist*innen enden. Auch das Wahr­zei­chen der Casa­Po­und Ita­lia als natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung wäre „tem­pi pas­sa­ti“ (dt.: ver­gan­ge­ne Zei­ten). Grund genug, sich die Geschich­te der Beset­zun­gen „sot­to il tri­co­lo­re e non sot­to la ban­die­ra ros­sa“ (dt.: Unter der natio­na­len [Tri­ko­lo­re] und nicht der roten Fah­ne), wie Par­tei­chef Gian­lu­ca Ianon­ne es bezeich­ne­te, genau­er anzu­se­hen.

Faschis­ti­sche Sozi­al­zen­tren — Cen­tri Socia­li di des­tra

Zu einem Novum in der Rech­ten — und das nicht nur in Ita­li­en — zäh­len die soge­nann­ten „Cen­tri Socia­li di Des­tra“ (dt. Rech­te Sozi­al­zen­tren). Die­se rech­ten Haus­be­set­zun­gen ent­stan­den Anfang des Jahr­tau­sends in Ita­li­en und fan­den ihren Akti­ons­schwer­punkt in Rom. Einer der Haupt­prot­ago­nis­ten war die Bewe­gung Casa­Po­und.

Bis zur Jahr­tau­send­wen­de waren Haus­be­set­zun­gen als rebel­li­sche Form des Pro­tests und wider­stän­di­ge Raum­nah­me ein Pri­mat der lin­ken, sub­kul­tu­rel­len und pro­gres­si­ven sozia­len Bewe­gun­gen gewe­sen. Jetzt prak­ti­zier­te sie auch die radi­ka­le Rech­te. Die­se Beset­zun­gen fan­den euro­pa­weit viel Beach­tung und Auf­merk­sam­keit: Nicht nur in der bür­ger­li­chen Pres­se, die sich am ille­ga­len Novum erfreu­te, und bei der poli­ti­schen Lin­ken, die sich um ein Allein­stel­lungs­merk­mal beraubt sah. Auch bei den rech­ten Par­tei­en und Bewe­gun­gen sorg­ten die Beset­zun­gen für Furo­re. Heu­te gehört es für bewe­gungs­ori­en­tier­te Rech­te unter­schied­lichs­ter Strö­mun­gen und Par­tei­en zum „guten Ton“ ein­mal im Haupt­sitz der Casa­Po­und Ita­lia — in der Via Napo­leo­ne III Num­mer 8 — gewe­sen zu sein. Dafür rei­sen sie aus allen euro­päi­schen Län­dern, aber auch aus Kana­da, den USA, Argen­ti­ni­en usw. an. Ein Foto auf der Dach­ter­ras­se des Casa­Po­und-Haupt­sit­zes kommt einer Tro­phäe, ein Foto mit dem „Füh­rer“ Gian­lu­ca Ianon­ne einem Adels­schlag gleich. Denn Casa­Po­und Ita­lia hat es geschafft, sich welt­weit als natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Avant­gar­de zu pro­fi­lie­ren. Und dies auch über den Ruf, die „Haus­be­set­zer von Rechts“ zu sein. Ein Ruf, der so nicht den Tat­sa­chen ent­spricht. Gibt es doch jen­seits der Casa­Po­und Ita­lia faschis­ti­sche Beset­zun­gen, die, anders als Casa­Po­und Ita­lia, auch heu­te noch Wohn­raum aus poli­ti­schen Moti­ven beset­zen. Für die­se rech­ten Strö­mun­gen und Par­tei­en gehö­ren Beset­zun­gen aber nicht zu ihrem zen­tra­len Selbst­ver­ständ­nis und/oder Grün­dungs­my­thos. So nutzt z.B. die faschis­ti­sche Kleinst­par­tei „For­za Nuo­va“ (dt.: Neue Kraft) unter Rober­to Fio­re Haus­be­set­zun­gen rein optio­nal in ihrer ras­sist­si­chen Kam­pa­gnen­po­li­tik. Und die Faschis­ten des römi­schen Cen­tro di Des­tra „Foro 753“ nut­zen ihre Immo­bi­lie als sozi­al-poli­ti­schen Treff­punkt, ohne dar­in mehr als einen wich­ti­gen Fak­tor ihrer Infra­struk­tur zu ver­ste­hen. Um eine Ver­mark­tung in Form eines Images haben sie sich nie bemüht. Des­we­gen sind die­se rech­ten Beset­zun­gen und ihre Protagonist*innen jen­seits Ita­li­ens auch nicht wei­ter bekannt.

Casa­Po­und Demons­tra­ti­on gegen eine dro­hen­de Räu­mung am 08.02.2019 — Trans­pa­rent: Rag­gi — Bür­ger­meis­te­rin der Roma und Ille­ga­len (screen­shot)

Casa­Po­und hin­ge­gen hat sei­ne Beset­zun­gen als Image in einer Ver­mark­tungs­stra­te­gie opti­mal auf dem Feld der rech­ten Poli­t­in­sze­nie­run­gen plat­ziert. Die­ses Image soll, neben der Pro­pa­gan­da im Hei­mat­land, für einen trans­na­tio­na­len Bekannt­heits­grad sor­gen und dem Export ihres natio­nal-revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gungs­an­sat­zes die­nen. Dabei fällt die Bilanz nach fast zwei Deka­den faschis­ti­scher Beset­zun­gen durch Casa­Po­und äußerst mager aus. Kein Wun­der also, wenn der schma­le Out­put ihrer Beset­zun­gen um so mehr ver­klärt und mytho­lo­gi­siert wird. Dass bei den städ­ti­schen Ankün­di­gun­gen, den Haupt­sitz der Casa­Po­und Ita­lia in Rom räu­men zu wol­len, die Emo­tio­nen der Faschist*innen Ende Janu­ar hoch­koch­ten, kann also nicht ver­wun­dern.1

Casa­Po­und Ita­lia – eine Bewe­gungs­par­tei im Kon­flikt

Gene­rell neh­men die „Cen­tri Socia­li di Des­tra“ für die Bewe­gungs­par­tei Casa­Po­und Ita­lia eine beson­de­re Rol­le ein. Beset­zun­gen waren die expo­nier­te Pra­xis zum Anfang ihrer Bewe­gung und gehö­ren zwin­gend zu ihrer Vita, ihrem Selbst­ver­ständ­nis und ihrer Selbst­dar­stel­lung. Die Beset­zun­gen stel­len ein Kern­ele­ment ihres Anti-Sys­tem-Nar­ra­tivs und natio­nal-revo­lu­tio­nä­ren Mythos dar, den sie immer­fort pro­pa­gie­ren. Schaut man sich die Geschichts­schrei­bung der Casa­Po­und auf ihrer Inter­net­sei­te an 2 [2], so ver­gleicht sie ihre Ent­ste­hungs- und Beset­zungs­ge­schich­te sogar mit dem Oster­auf­stand in Dub­lin von 1916. Casa­Po­und schreibt sich aus Wil­liam But­ler Yeats Gedicht über den Auf­stand „Eas­ter, 1916“ die Zei­le „Eine schreck­li­che Schön­heit wur­de gebo­ren“ zu. Und was wäre die repu­bli­ka­ni­sche Bewe­gung Irlands ohne die Beset­zung und den Kampf um das Gene­ral Post Office (GPO) auf der O‚Connell Street im Zuge die­ses Auf­stan­des? Mit den Beset­zun­gen und vor allem mit ihrer römi­schen Zen­tra­le in der Via Napo­leo­ne III hat sich die Casa­Po­und Ita­lia ein Label ver­passt, posi­tio­niert sich mit dem Haus­be­set­zer-Image stra­te­gisch auf dem Markt der rech­ten Uto­pi­en und ver­kauft so trans­na­tio­nal ihr natio­nal-revo­lu­tio­nä­res Bewe­gungs­mo­dell.

Der Sitz des „Hogar Soci­al Madrid“ in der ehe­ma­li­gen Ban­ca Priva­da de Andor­ra in Madrid (screen­shot)

Kein Wun­der also, dass sich auch die Apo­lo­ge­ten Casa­Pounds in Haus­be­set­zun­gen üben. So das „Hogar Soci­al Madrid“, das seit rund vier Jah­ren grö­ße­re Objek­te in der spa­ni­schen Haupt­stadt besetzt. Oder die „Bas­ti­on Soci­al“, die der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Emma­nu­el Mar­con neben „Blood and Honour“ und „Com­bat 18“ zur Zeit ver­bie­ten will. So besetz­te die Bas­ti­on Soci­al zum Auf­takt ihrer Bewe­gung im Mai 2017 ein Gebäu­de in Lyon.

Haus­be­set­zung der Stras­bur­ger Bas­ti­on Soci­al „L’Ar­ca­dia“ im elsäs­si­schen Ent­z­heim — Febru­ar 2019 (screen­shot)

Und seit dem 16. Febru­ar 2019 hält ihr Straß­bur­ger Able­ger unter dem Namen „L‚Arcadia“ in der elsäs­si­schen Gemein­de Ent­z­heim ein Gehöft besetzt und reno­viert es. Und das rechts­ra­di­ka­le ukrai­ni­sche Azov-Regi­ment bau­te in den letz­ten Jah­ren nicht nur sei­ne mili­tä­ri­sche Infra­struk­tur aus, son­dern gab sich nach Casa­Po­und Ita­lia-Vor­bild einen Zivil­ver­band, eine Par­tei und im Her­zen Kiews ein „Kosa­ken­haus“.

Für die Bewe­gung Casa­Po­und haben ihre Beset­zun­gen, ins­be­son­de­re die via Napo­leo­ne III, einen hohen ideo­lo­gi­schen, pro­pa­gan­dis­ti­schen und stra­te­gi­schen Wert. Zeit­gleich bil­den die Beset­zun­gen und ihr ille­ga­ler Sta­tus aber auch eine Achil­les­fer­se für die auf Lega­li­tät ange­wie­se­ne Wahl­par­tei Casa­Po­und Ita­lia. Ein Wider­spruch, der ange­sichts einer dro­hen­den Räu­mung eine gro­ße inter­ne Spreng­kraft für Casa­Po­und Ita­lia bedeu­tet. Wie soll, darf, kann eine Wahl­par­tei reagie­ren? Wie muss eine natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung das Herz­stück ihres Mythos ver­tei­di­gen? Casa­Po­und Ita­lia steht vor einem Dilem­ma. Wie sie bei einer Räu­mung auch han­deln wür­de, in der einen oder ande­ren Rich­tung wür­de sie einen Ver­lust hin­neh­men müs­sen: Ent­we­der als Par­tei oder als Bewe­gung.

Als Bewe­gungs­par­tei steht Casa­Po­und Ita­lia in einem klas­si­schen Wider­spruch, unter­schied­li­che und teils diver­gie­ren­de Ansät­ze mit­ein­an­der ver­ei­ni­gen zu müs­sen. Mit dem Schritt zur Par­tei hat sich Casa­Po­und nach 10 Jah­ren Bewe­gung nicht nur eine wei­te­re Opti­on zur Erkämp­fung der Macht im Staat geschaf­fen. Casa­Po­und Ita­lia befin­det sich nun als Par­tei in dem ver­re­gel­ten und büro­kra­ti­schen Sys­tem der Par­tei­en, Insti­tu­tio­nen und Ver­wal­tun­gen, sowie in einem ver­pflich­ten­den Sys­tem von Lega­li­tät und Serio­si­tät. Die­ses Sys­tem folgt ande­ren Logi­ken und Gesetz­mä­ßig­kei­ten als eine Bewe­gung. Die­se, die Macht und den Staat sta­bi­li­sie­ren­de Ele­men­te und Kräf­te ver­tra­gen sich schwer mit dem Cha­rak­ter einer Bewe­gung, der es vor­ran­gig dar­um geht, Pro­test zu arti­ku­lie­ren und Aktio­nen mit dem Ziel sozia­ler und poli­ti­scher Ver­än­de­run­gen zu star­ten. Bewe­gun­gen befin­den sich in einem per­ma­nen­ten Zustand der Mobi­li­sie­rung, sonst sta­gnie­ren sie, ver­lie­ren an Kohä­renz, Antrieb und Ziel­set­zun­gen und hören schließ­lich auf Bewe­gung zu sein. Bewe­gun­gen sind dar­auf aus, Stra­te­gie und Tak­tik, Pro­pa­gan­da und Akti­on, Zeit und Ort ihres Akti­vis­mus nach ihren eige­nen Bedürf­nis­sen, Zie­len und Logi­ken der Ver­än­de­rung und nicht nach der ver­ord­nen­den Regeln der jewei­li­gen Macht­struk­tu­ren zu bestim­men, denen sie unter­wor­fen sind. In die­sem — mit dem Wahl­er­folg wach­sen­den — Spa­gat befin­det sich Casa­Po­und Ita­lia seit fünf Jah­ren. Auf der einen Sei­te das Bedürf­nis nach maxi­ma­lem Stim­men­zu­ge­winn und somit Ein­ord­nung in das bür­ger­li­che Par­tei­en­sys­tem mit sei­nen lega­lis­ti­schen Regeln. Auf der ande­ren Sei­te der natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Anspruch eine Bewe­gung im Kampf um die Macht zu sein. Die­ser Kern­wi­der­spruch deu­tet auf Fra­gen mit außer­or­dent­li­chen Spalt- und Zen­tri­fu­gal­kräf­ten für eine Bewe­gungs­par­tei hin: Funk­tio­niert die Par­tei als Dienst­leis­ter der Bewe­gung? Ist die Par­tei Sprach­rohr, Finan­zier und Res­sour­ce der Bewe­gung? Oder ist sie gar Avant­gar­de der Bewe­gung — treibt sie die Bewe­gung nach vor­ne? Und umge­kehrt: Ver­kommt die Bewe­gung ledig­lich zur Rekru­tie­rungs­ba­sis, Mobi­li­sie­rungs- und Wähler*innenreservoir einer sich von der Basis abset­zen­den und ver­bür­ger­li­chen­den Par­tei­struk­tur? Wird die Bewe­gung im Lau­fe der Zeit zu einer abge­nutz­ten und ver­sie­gen­den Schöpf- und Kraft­quel­le der Par­tei? Oder schaf­fen es Par­tei und Bewe­gung sich gegen­sei­tig und dau­er­haft zu ergän­zen und zu befruch­ten?

Man wird sehen, wie sich in Zukunft die Bewe­gungs­par­tei Casa­Po­und Ita­lia ent­wi­ckeln wird. Aktu­ell wür­de eine Räu­mung der Via Napo­leo­ne III nicht nur ein Schlag­licht auf die­se Ent­wick­lung und den inter­nen Kon­flikt wer­fen. Eine Räu­mung der Zen­tra­le der Faschist*innen wür­de zur Zeit den „fascis­ti del ter­zo mill­en­nio“ (dt.: Faschist*innen des 3. Jahr­tau­sends) einen gehö­ri­gen Scha­den zufü­gen.

Rech­te Beset­zun­gen in Rom

Offi­zi­ell ent­stand die Bewe­gung Casa­Po­und Ita­lia am 26. Dezem­ber 2003 anläss­lich der Beset­zung eines sechs­stö­cki­gen Wohn­hau­ses in der Via Napo­leo­ne III im Stadt­teil Esqui­li­no. Die rech­ten Aktivist*innen, die sich in die­ser Nacht des Hau­ses Num­mer 8 unweit des römi­schen Haupt­bahn­hofs bemäch­tig­ten, ent­stamm­ten den ver­schie­de­nen Milieus der extre­men Rech­ten der ita­lie­ni­schen Haupt­stadt. Den Traditionsfaschist*innen der „MSI — Fiam­ma Tri­co­lo­re“, dem natio­nal-revo­lu­tio­nä­ren Skin­he­ad­mi­lieu der „Movi­men­to Poli­ti­co Occi­den­ta­le“, diver­ser faschis­ti­scher Jugend- und Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich der so genann­ten „Ter­za Posi­zio­ne“ (dt.: Drit­ten Posi­ti­on) ver­bun­den sahen, sowie der Sub­kul­tu­ren des Rechts­rocks und der Fuß­ball­sta­di­en. Ihre Beset­zung nann­ten sie „Casa Pound“ — nach dem anti­se­mi­ti­schen, US-ame­ri­ka­ni­schen Lite­ra­ten Ezra Pound (1885 – 1972), der von 1924 bis 1945 in Ita­li­en leb­te und das faschis­ti­sche Regime unter Beni­to Mus­so­li­ni unter­stütz­te.3

Schon ein­ein­halb Jah­re zuvor hat­ten eini­ge von ihnen am 12. Juli 2002 in der Via Tibe­ri­na 801 eine leer­ste­hen­de Lie­gen­schaft — ein ehe­ma­li­ges „casa del fascio“ (dt.: Haus des Faschis­mus) – besetzt. 4 Sie nann­ten die Beset­zung „Casa Mon­tag“, nach dem gleich­na­mi­gen Hel­den aus Ray Brad­bu­rys Roman „Fah­ren­heit 451“, und nutz­ten es für sozio-kul­tu­rel­le und poli­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen. In ihrer Spra­che nann­ten die Faschist*innen die­se Beset­zung eine „Occup­a­zio­ne Non Con­for­me“ (ONC) (dt.: nicht-kon­for­me Beset­zung).

Die Bezeich­nung „non­con­for­me“ wur­de zu einem Mar­ken­zei­chen die­ser Sze­nen — vor allem bei Casa­Po­und. Casa­Po­und ver­steht sich als „non­kon­for­me“ Bewe­gung und nutzt die­se Bezeich­nung für ihre Beset­zun­gen, Buch­hand­lun­gen, Medi­en, Musik­bands, Mode­mar­ken usw. Die­ser Begriff hilft ihr, sich nach außen hin nicht dau­er­haft ver­or­ten und fest­zu­le­gen zu müs­sen, bzw. ver­or­tet und fest­ge­legt zu wer­den. Der­art dif­fus defi­niert und dar­über flu­id hand­lungs­fä­hig, sin­ken die sich bie­ten­de Angriffs­flä­chen für ihre poli­ti­schen Gegner*innen. Somit nutzt Casa­Po­und Ita­lia hier eine der Dis­kurs­stra­te­gi­en der „Nou­vel­le Droi­te“.

Pla­kat zum 10ten Jah­res­tag des rech­ten Sozi­al­zen­trum „Foro 753“ (screen­shot)

Die Beset­zung der „Casa Mon­tag“ und die kom­men­den Beset­zun­gen wur­den nicht allein von dem Kreis getra­gen, der spä­ter Casa­Po­und bil­den soll­te. So besetz­ten ande­re Faschist*innen, die der „Alle­an­za Nazio­na­le“ nahe stan­den, u.a. die „Azio­ne Gio­va­ni“ (dt.: Jun­ge Akti­on), im Sep­tem­ber 2003 ein Gebäu­de in der römi­schen Via Capo D’Africa und nann­ten es „Foro 753“.5 Von die­sen bei­den ers­ten erfolg­rei­chen Beset­zun­gen ermun­tert, erfolg­te eini­ge Mona­te spä­ter die Beset­zung in der Via Napo­leo­ne III. Gian­lu­ca Ianon­ne & Co. zogen von der Peri­phe­rie in das Zen­trum Roms. Aus der Miets­ka­ser­ne in der Nähe des Haupt­bahn­hofs wur­den Natio­nal­fah­nen gehängt und Ban­ner mit den Paro­len „Con­tro ogni usura“, “No al caro­vi­ta” und “L’affitto è usura” (dt.: „Gegen jede Form von Wucher“, „Nein zur (Lebens-)Verteuerung“ und „Mie­te ist Wucher“) an der Fas­sa­de ange­bracht. Die Beset­zung wur­de als „Occup­a­zio­ne a Scopo Abi­ta­tivo“ (OSA) (dt.: Beset­zung zu Wohn­raum­zwe­cken) bezeich­net und soll­te, wie wei­te­re anste­hen­de Beset­zun­gen, neben poli­ti­schen und sozio­kul­tu­rel­len Zwe­cken auch zum Woh­nen für eth­nisch rein „ita­lie­ni­sche“ Fami­li­en die­nen.
„Casa Mon­tag“ an der Via Tibe­ri­na 801 über­nah­men der­weil ande­re, vor allem Mit­glie­der der faschis­ti­schen Kleinst­par­tei „For­za Nuo­va“ nutz­ten das Gebäu­de. Dabei auch als Waf­fen­la­ger für Dut­zen­de ras­sis­ti­sche Über­fäl­le auf ben­ga­li­sche Einwander*innen in Rom in den Jah­re 2012 und 2013. Die­se pogrom­ar­ti­gen Über­fäl­le wur­den unter dem Namen „Ban­g­la Tours“ ita­li­en­weit bekannt. 6

Schon Ende der 1980er und in den 1990er Jah­ren hat­ten ita­lie­ni­sche Faschist*innen ver­sucht mit Beset­zun­gen den seit den 1970er Jah­ren von der radi­ka­len Lin­ken prak­ti­zier­ten Beset­zun­gen der „Cen­tri Socia­li“ nach­zu­ei­fern, waren damit aber zunächst geschei­tert. Erst die Beset­zun­gen in der Via Tibe­ri­na, der Via Capo D’Africa und der Via Napo­leo­ne III führ­ten zu einem dau­er­haf­ten Erfolg. Dies lag vor allem an der Hal­tung des dama­li­gen Bür­ger­meis­ters von Rom, des Sozi­al­de­mo­kra­ten Wal­ter Vel­tro­ni, der von 2001 bis 2008 die Geschi­cke der „ewi­gen Stadt“ lenk­te.[9] Als ehe­ma­li­ger Abge­ord­ne­ter der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Ita­li­ens und Ex-Chef­re­dak­teur der lin­ken Tages­zei­tung „L‚Unità“ befand er, dass auch die ita­lie­ni­schen Neo-Faschist*innen über staat­lich unkon­trol­lier­te Räu­me in Rom ver­fü­gen soll­ten. Selbst ange­sichts der anstei­gen­den faschis­ti­schen Gewalt­ex­zes­se bis hin zum Mord, wie z.B. an den 26jährigen Römer Rena­to Bia­get­ti im Jahr 2006, blieb Vel­tro­ni 7 bei die­ser Mei­nung und tole­rier­te die Beset­zun­gen der Faschist*innen in der von ihm regier­ten Stadt. Die faschis­ti­sche Jugend Roms nutz­te den für sie aus­ge­roll­ten „roten Tep­pich“ und star­te­te im Som­mer 2004 eine Rei­he von Haus­be­set­zun­gen in der Haupt­stadt, denen sie die Bezeich­nung „Casa d’I­ta­lia“ (dt. Ita­lie­ni­sches Haus) gaben. Dabei schei­ter­ten sie an den kapi­ta­lis­ti­schen Eigen­tums­ver­hält­nis­sen. Ande­re Immo­bi­li­en­be­sit­zer besa­ßen nicht so viel Tole­ranz wie die Ex-Kommunist*innen der römi­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie. Die Beset­zun­gen der „Casa d’I­ta­lia Pario­li“ (10.07.2004 – 26.01.2005) in der Via Lima 51, das „Casa d’I­ta­lia Boc­cea“ (17.07.2004 – 11.10.2005) in der Via di Boc­cea 496, sowie des „Casa d’I­ta­lia Tor­ri­no“ (15.08.2004, umge­hend geräumt) in der Via Mar del­la Cina und die Beset­zung des „Mafar­ka“ in der Via dei Set­te Cami­ni 11 (15.08.2004, umge­hend geräumt) währ­ten nicht lan­ge. Eine wei­te­re Beset­zung unter den Namen der futu­ris­ti­schen Roman­fi­gur „Mafar­ka“ in der Via­le Etio­pia 81 schei­ter­te eben­falls und wur­de im Dezem­ber 2004 zeit­nah geräumt. Waren also die anfäng­li­chen Beset­zun­gen aus den Jah­ren 2002 und 2003 von Erfolg gekrönt, schei­ter­ten die Beset­zun­gen in den Jah­ren 2004 und 2005 über kurz oder lang.

Die rech­te Besetzer*innen-Szene Roms wur­de erst wie­der im Jahr 2006 aktiv. Sie nann­ten sich nun „Cir­cui­to OSA/ONC“ (dt.: Lei­tung der Beset­zun­gen für Wohn­raum und der nicht-kon­for­men Beset­zun­gen) oder „Coor­di­na­men­to OSA“ (dt.: Koor­di­na­ti­on von Beset­zun­gen für Wohn­raum) und Gian­lu­ca Ianon­ne trat als ihr Spre­cher auf. So wur­den am 8. März 2006 Räum­lich­kei­ten für eine Sport­hal­le mit den Namen „Pale­s­tra Popola­re Pri­mo Car­ne­ra“ in der Via Ser­gio Tofa­no 6 im Stadt­teil Vig­ne Nuo­ve besetzt. Die­ser Ort gelang­te Jah­re spä­ter zu eini­ger Berühmt­heit, da er zu die­sem Zeit­punkt Sitz der neo-nazis­ti­schen Grup­pe „Mili­tia“ gewor­den war, gegen die wegen diver­ser anti­se­mi­ti­scher Pro­pa­gan­da­de­lik­te und Angrif­fe ermit­telt wur­de. 8 Eine wei­te­re Ört­lich­keit wur­de am 13. Juni 2006 in Via del Tin­to­ret­to besetzt. Auch sie wur­de nach Filip­po Tom­ma­so Mari­net­tis (1876 — 1944) Roman „Mafar­ka der Futu­rist“ aus dem Jahr 1909 benannt. Die unter einer Unter­füh­rung lie­gen­de “Gal­le­ria Mafar­ka” wur­de aber eini­ge Tage spä­ter geräumt. Mit mehr als spär­li­chen Infor­ma­tio­nen belegt sind die angeb­li­chen Wie­der­be­set­zun­gen und ‑bele­bun­gen der „Casa d’Italia“ in den römi­schen Bezir­ken Tori­no und Boc­cea. Ledig­lich die Daten des Räu­mungs­ver­suchs „Casa d’Italia Tor­ri­no“ am 5. Okto­ber 2006 und der Räu­mung des „Casa Ita­lia Boc­cea“ am 11. Okto­ber 2006 sind in Erfah­rung zu brin­gen.9 Eben­falls soll der im Jahr 2006 gegrün­de­te Bloc­co Stu­den­tes­co, die Schü­ler- und Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­ti­on der Casa­Po­und, sei­nen Orga­ni­sa­ti­ons­sitz im glei­chen Jahr im Stadt­teil Fla­mi­nio besetzt haben. Der 15 Qua­drat­me­ter gro­ße Raum an der Piaz­za Perin del Vaga 1 wur­de erst am 23. März 2015 wie­der geräumt.10 Das Jahr 2006 war somit eher ein Jahr der zähen Bemü­hun­gen als ein Jahr des Erfolgs.

Im Jahr 2007 flau­ten die faschis­ti­sche Beset­zungs­be­mü­hun­gen wei­ter ab. Den­noch konn­ten die rech­ten Besetzer*innen eini­ge Erfol­ge ver­zeich­nen. Anfang des Jah­res, am 26. Janu­ar 2007, fand eine Beset­zung „sot­to la ban­die­ra del­la Fiam­ma Tri­co­lo­re“ (dt.: unter der Fah­ne der Fiam­ma Tri­co­lo­re) in der Via degli Orti Di Mala­bar­ba im Stadt­teil Casal Ber­to­ne statt. Hier ent­stand der „Cir­co­lo Futu­ris­ta Casal Ber­to­ne“, der heu­te noch als Casa­Po­und-Sitz besteht. In den Fol­ge­jah­ren beklag­ten die Cen­tri Socia­li des Stadt­teils Über­grif­fe und Gewalt durch die dort ver­keh­ren­den Faschist*innen. In Fol­ge des­sen kam es immer wie­der zu mili­tan­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen rech­ten und lin­ken Hausbesetzer*innen. 11 Die rech­ten Über­grif­fe und Atta­cken ver­hal­fen der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Regie­rung von Rom anschei­nend nicht zur Ein­sicht. Viel­mehr kam die Kom­mu­nal­ver­wal­tung unter Wal­ter Vel­tro­ni den Faschist*innen erneut ent­ge­gen und über­gab den im Juni 2005 ver­trie­be­nen Faschist*innen aus der Via Capo d’Af­ri­ca ein von der Stadt reno­vier­tes und ein­ge­rich­te­tes Gebäu­de in der Via Beve­ri­no 49, wo sich auch heu­te noch ihr „Foro 753“ befin­det. 12 Bei der Ein­wei­hung im Stadt­teil Tor­revec­chia anläss­lich des his­to­ri­schen Grün­dungs­da­tums der Stadt Rom, dem 21. April 753 vor Chris­ti Geburt13, erschien dann auch das Sympathisant*innen- und Unter­stüt­zungs­um­feld des „Foro 753“.14 Ruti­lio Ser­mon­ti 15, einer der Grün­der der „Ordi­ne Nuo­vo“16, Repräsentant*innen der „Fiam­ma Tri­co­lo­re“, der „For­za Nuo­va“ und der „SPQR Skin­heads“. Heu­te fin­den im „Foro 753“ Lesun­gen, Buch­prä­sen­ta­tio­nen, Thea­ter­auf­füh­run­gen, Kon­zer­te und poli­ti­sche Debat­ten statt. Sport­un­ter­richt für Kin­der wird ange­bo­ten, Kampf­sport im eige­nen „Pale­s­tra Mar­co Aure­lio Boxe“ trai­niert, Lebens­mit­tel gesam­melt und an „rein“ ita­lie­ni­sche Fami­li­en ver­teilt. Nach zwölf Jah­ren ist das „Foro 753“ immer noch ein klas­si­sches „Occup­a­zio­ne Non Con­for­me“.

Des wei­te­ren besetz­te am 25. Juni 2007 der Bewe­gungs­flü­gel der Fiam­ma Tri­co­lo­re unter dem heu­ti­gen For­za Nuo­va-Mit­glied Giu­lia­no Cas­tel­li­no17 ein Gebäu­de der SIAE 18 in der Via Vala­di­er im Stadt­teil Pra­ti und nann­te es „Casa d’I­ta­lia Pra­ti“.19 In einer Erklä­rung tra­ten Giu­lia­no Cas­tel­li­no als Prä­si­dent des „Casa d’I­ta­lia Pra­ti“ und Gian­lu­ca Ianon­ne als natio­na­ler Ver­ant­wort­li­cher für die OSA auf. Das „Casa d’I­ta­lia Pra­ti“ wur­de offi­zi­ell am 7. Dezem­ber mit einem Kon­zert der Rechts­Rock-Bands „Zeta­Ze­ro­Al­fa“ und „La Peg­gio Gio­ven­tù“ eröff­net.20 Dabei stan­den Giu­lia­no Cas­tel­li­no als Front­mann von „La Peg­gio Gio­ven­tù“21 und Gian­lu­ca Ianon­ne als Sän­ger von „Zeta­Ze­ro­Al­fa“22 gemein­sam auf der Büh­ne. Wie lan­ge das Gebäu­de besetzt war, ist unklar. Anschei­nend wur­de das Gebäu­de über eini­ge Jah­re hin­weg von Giu­lia­no Cas­tel­li­no und Co. genutzt. Quel­len dazu sind aus den Jah­ren 2009 und 2014 zu fin­den.23
Die Wie­der­be­set­zung der Via­le Etio­pia 81 am 5. Okto­ber 2007 durch eine Grup­pe der „For­za Nuo­va“ schei­ter­te. Das Gebäu­de wur­de eini­ge Tage spä­ter geräumt. Laut Gian­lu­ca Ianon­ne soll zu die­sem Zeit­punkt angeb­lich auch ein Raum von der Asso­cia­zio­ne cul­tu­ra­le “Il cer­chio e la cro­ce“ im Stadt­teil Aure­lio besetzt gewe­sen sein.24

Im Jahr 2008 besetz­te Casa­Po­und mit dem Bloc­co Stu­den­tes­co am 23. April die ehe­ma­li­ge U‑Bahn-Sta­ti­on Olimpico/Farnesina an der Via dei Mon­ti del­la Far­ne­si­na 80. Die ehe­ma­li­ge Metro-Sta­ti­on war anläss­lich der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft 1990 gebaut wor­den und nur einen Monat wäh­rend der inter­na­tio­na­len Spie­le in Betrieb. Seit dem stand sie leer.25 Der Zeit­punkt der Beset­zung war güns­tig gewählt. Am Wochen­en­de nach der Beset­zung gewann Gio­van­ni Ale­man­no26 von der „Alle­an­za Nazio­na­le“ (AN)27die Wah­len zum Bür­ger­meis­ter­amt und beklei­de­te bis 2013 dies Amt in der ita­lie­ni­schen Haupt­stadt. Ange­tre­ten war Gio­van­ni Ale­man­no für die sich im Ent­ste­hen befin­den­de Par­tei­en­fu­si­on aus Ber­lus­co­nis „For­za Ita­lia“ und der „Alle­an­za Nazio­na­le“ — dem „Il Popo­lo del­la Liber­tà“.28 Sein Wer­de­gang und Erfolg als (Post)faschist bis hin zum Bür­ger­meis­ter von Rom spie­gelt die Rechts­ent­wick­lung in Ita­li­en gut wider und sei hier kurz erzählt.

Gio­van­ni Ale­man­no — Wer­de­gang und „Erfolg“ eines (Post-)faschisten

Der 1958 gebo­re­ne Gio­van­ni Ale­man­no war schon früh Mit­glied der „Fron­te del­la Gio­ven­tù“, der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der 1946 gegrün­de­ten faschis­ti­schen Par­tei Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no (MSI)29 gewe­sen. Mehr­mals wur­de er in den 1980er Jah­ren wegen Gewalt­ex­zes­sen ange­klagt und saß wegen eines Angriffs mit einem Molo­tow-Cock­tail auf die sowje­ti­sche Bot­schaft im Jahr 1982 für acht Mona­te im römi­schen Gefäng­nis Rebibbia (Agen­zia Nazio­na­le Stam­pa Asso­cia­ta — Ansa, 15.05.1988)30 In den Jah­ren 1988 bis 1991 war er Vor­sit­zen­der der „Fron­te del­la Gio­ven­tù“. Wie so vie­le Mit­glie­der der MSI voll­zog Ale­man­no die so genann­te „Svol­ta di Fiug­gi“ — die „Wen­de von Fiug­gi“ und die Namens­än­de­rung der „Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no“ (MSI) zur „Alle­an­za Nazio­na­le“ (AN) im Früh­jahr 1995 mit. Der Vor­sit­zen­de der „Alle­an­za Nazio­na­le“ Gian­fran­co Fini 31 ver­pass­te der Par­tei ein neu­es Image und man nann­te sich von nun an post-faschis­tisch. Die AN ver­zich­te­te in der Öffent­lich­keit auf den „römi­schen Gruß“ und das Zei­gen des Kel­ten­kreu­zes, sowie ent­sag­te sie dem all­zu offe­nen Anti­se­mi­tis­mus. Die Besu­che Finis im ehe­ma­li­gen Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Aus­schwitz im Jahr 1999 und in der Holo­caust-Gedenk­stät­te Yad Vashem in Jeru­sa­lem im Jahr 2003 adel­ten ihn für das inter­na­tio­na­le Par­kett und Fini wur­de unter der Regie­rung Ber­lus­co­nis von 2004 bis 2006 zum ita­lie­ni­schen Außen­mi­nis­ter. Finis Kame­rad, Gio­van­ni Ale­man­no, wur­de in den 1990er Jah­ren mehr­mals Abge­ord­ne­ter der AN im Par­la­ment. In den Jah­ren 2001 bis 2005 wur­de Ale­man­no Land- und Forst­wirt­schafts­mi­nis­ter unter Sil­vio Ber­lus­co­ni. Und in den Jah­ren 2004 und 2005 war er stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der „Alle­an­za Nazio­na­le“. Ver­hei­ra­tet war Ale­man­no seit Anfang der 90er Jah­re mit Isa­bel­la Rau­ti,32 der Toch­ter Pino Rau­tis. Der 2012 ver­stor­be­ne Pino Rau­ti zähl­te zu den Grün­dern der 1956 ent­stan­de­nen rech­ten Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Ordi­ne Nuo­vo. Ale­man­nos und Isa­bel­las gemein­sa­mer Sohn Man­fre­di wur­de Mit­glied des Bloc­co Stu­den­tes­co und fiel 2012 in Grie­chen­land auf, als er mit Kame­ra­den den „römi­schen Gruß“ zeig­te.33 Heu­te leben Isa­bel­la Rau­ti und Gio­van­ni Ale­man­no getrennt. Ale­man­no ist der obers­te Par­tei­se­kre­tär der „Movi­men­to Nazio­na­le per la Sov­ra­ni­tà” (MNS) 34Wäh­rend Isa­bel­la Rau­ti für die (post-)faschistische Par­tei „Fratel­li d’I­ta­lia“35 im römi­schen Senat sitzt. In sei­ner Amts­zeit als Bür­ger­meis­ter von 2008 bis 2013 betrieb Ale­man­no der­art ein Sys­tem der Vor­teils­nah­me für sei­ne faschis­ti­schen Kamerad*innen in der öffent­li­chen Ver­wal­tung, dass von sei­ner Amts­zeit als einem „Paren­to­po­li“ (dt.: Vet­tern­wirt­schaft) gespro­chen wird. Zudem lau­fen gegen ihn Ermitt­lun­gen und Ver­fah­ren im Zusam­men­hang mit dem gigan­ti­schen Bestechungs­skan­dal „Mafia Capi­ta­le“. Im lau­fen­den Ver­fah­ren gegen Gio­van­ni Ale­man­no bean­trag­te in die­sem Febru­ar der zustän­di­ge Staats­an­walt fünf Jah­re Haft für Ale­man­no wegen Kor­rup­ti­on. Am 25.02.2019 wur­de der ehe­ma­li­ge Bür­ger­meis­ter Roms zu sechs Jah­ren Haft ver­ur­teilt.

Wur­den Beset­zun­gen der „Cen­tri Socia­li di Des­tra“ in Rom von 2003 bis 2008 unter dem sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Bür­ger­meis­ter Wal­ter Vel­tro­ni tole­riert, so wur­den sie von 2008 bis 2013 unter dem (post-)faschistischen Bür­ger­meis­ter Gio­van­ni Ale­man­no pro­te­giert. Dies ging soweit, dass Gio­van­ni Ale­man­no im Novem­ber 2012 die 11,8 Mil­lio­nen Euro teu­re Immo­bi­lie in der Via Napo­leo­ne III für die Gemein­de Rom erstand, um sie der Casa­Po­und zu über­schrei­ben.36 Das es dazu nicht kam, lag an einem inter­nen Zwist unter den Faschist*innen. Casa­Po­und hat­te Ende 2012 ankün­dig­te, eine eige­ne Par­tei zu grün­den, und trat somit in Kon­kur­renz zu Ale­man­no bei den Wah­len an.

Wie gesagt, der Zeit­punkt zur Beset­zung eines gro­ßen Are­als war im April 2008 durch die rech­ten Besetzer*innen gut gewählt. Die Faschist*innen nann­ten das Geflecht von leer­ste­hen­dem Ton­nen­ge­wöl­be und Hal­len „Area 19“, nach dem Grün­dungs­jahr der „Fasci Ita­lia­ni di Com­bat­ti­men­to” (dt.: Faschis­ti­scher ita­lie­ni­scher Kämp­fer­bund), die am 23. März 1919 von Mus­so­li­ni im Saal des “Cir­co­lo del­l’al­le­an­za indus­tria­le” (dt.: Zir­kel des Indus­trie­ver­band) an der Mai­län­der Piaz­za San Sepol­cro gegrün­det wur­den. Casa­Po­und nutz­te die groß­räu­mi­ge Lie­gen­schaft in den kom­men­den acht Jah­ren vor allem im Som­mer. Dort fan­den Aus­stel­lun­gen, Kon­fe­ren­zen, Kon­zer­te und seit 2009 ihr jähr­li­ches Fest „Tana del­le Tigri“ (dt.: Höh­le der Tiger) statt. Die­ser Kon­zer­te­vent wur­de spä­ter um einem Mixes Mar­ti­al Arts-Wett­be­werb erwei­tert, der von der Casa­Po­und-eige­nen Kampf­sport­or­ga­ni­sa­ti­on “Il Cir­cui­to” orga­ni­siert wur­de.37 Seit 2011 wur­den die Kampf­sport-Wett­be­wer­be inter­na­tio­na­li­siert und fan­den von 2013 bis 2015 unter der Betei­li­gung des Rus­sen Denis Niki­tin und sei­ner Orga­ni­sa­ti­on “White Rex” statt.38 Im Jahr 2015 kün­dig­te die Kom­mu­ne Rom den Umbau und die Inte­gra­ti­on der U‑Bahn-Sta­ti­on Olimpico/Farnesina in das römi­sche U‑Bahn-Netz an. Am 27.08.2015 fan­den die Behör­den das Gelän­de leer und unbe­lebt vor. Casa­Po­und hat­te die “Area 19” wider­stands­los geräumt.39 Das „Tana del­le Tigri“ Fest der Casa­Po­und Ita­lia fin­det seit 2016 im Par­co di Col­le Oppio, genau neben dem gut besuch­ten Kolos­se­um, statt. Im Anschluss an eine ita­li­en­wei­te Demons­tra­ti­on kön­nen hier Faschis­ten und tou­ris­ti­sche Zaun­gäs­te in den Genuss von Rechts­rock und der mas­sen­haf­ten Prä­sen­ta­ti­on des „römi­schen Gru­ßes“ kom­men. Von einem Kampf­sport­tur­nier im Zusam­men­hang mit dem jähr­li­chen Fest ist seit län­ge­rem nichts bekannt.

Eine Beset­zung des leer­ste­hen­den „Cine­ma Puc­ci­no“ in der via Bal­das­s­ar­re Ore­ro im Stadt­teil Casa­l­ber­to­ne durch die Faschist*innen am 11. Juli 2008 schei­ter­te. Der „Cir­co­lo Futu­ris­ta“ von Casa­Po­und und ein “Cir­co­lo Rifor­mis­ta e del­la Liber­tà” konn­ten sich nicht durch­set­zen. Die lin­ken „Cen­tri Socia­li Occupa­ti Auto­ge­s­ti­ti“ (CSOA)40 inter­ve­nier­ten und in Fol­ge der Aus­ein­an­der­set­zun­gen stand das Gebäu­de wei­ter­hin leer.41
Am 30. Novem­ber 2008 wur­de ein wei­te­res Mal ein Miets­haus in der Via Cas­sia 1134 im Sin­ne einer „Occup­a­zio­ne a Scopo Abi­ta­tivo“ von Casa­Po­und besetzt.42 Das Gebäu­de wur­de aber wegen gra­vie­ren­der Män­gel in der Bau­sub­stanz zwei Tage nach der Beset­zung wie­der ver­las­sen.

Mit Aus­nah­me der „Area 19“ war das Jahr 2008 somit nicht erfolg­reich und für die Jah­re 2009 und 2010 wur­den kei­ne wei­te­ren rech­ten Beset­zun­gen in Rom unter­nom­men.

Erst am 5. April 2011kam es wie­der zu einer kurz­fris­ti­gen Beset­zung.43 Die leer­ste­hen­de Grund­schu­le „Pari­ni“ an der Piaz­za Capri wur­de von Casa­Po­und Ita­lia besetzt, aber umge­hend wie­der ver­las­sen.44 Die Grund­schu­le sei laut Pres­se­mit­tei­lun­gen reno­viert wor­den. Nach Ver­hand­lun­gen mit der Stadt­ver­wal­tung fan­den die Fami­li­en, denen der Leer­stand zuge­dacht war, jedoch eine Blei­be in Not­un­ter­künf­ten.45 Aber auch die lin­ken Cen­tri Socia­li des Stadt­teil Mon­te­sa­cro hat­ten sofort ihren Pro­test ange­mel­det und gegen die Beset­zung der Faschist*innen mobi­li­siert.46

Unmit­tel­bar im Anschluss an die­se Räu­mung besetz­te Casa­Po­und ein Haus in der Via Val d’A­la 200,47 räum­te dies aber wie­der Ende Mai 2011. Auch hier war es zu Pro­tes­ten von Anwohner*innen und Lin­ken gekom­men, die kein faschis­ti­sches Zen­trum wie in Casal Ber­to­ne haben woll­ten, von dem sie ras­sis­ti­sche Über­grif­fe auf Migrant*innen und Angrif­fe auf Beset­zun­gen befürch­te­ten. Und die faschis­ti­schen Angrif­fe im Stadt­teil blie­ben nicht aus. So schlu­gen Ende April über ein Dut­zend Faschist*innen sechs Min­der­jäh­ri­ge zusam­men, wor­auf ein Trupp von rund 100 jugend­li­chen Antifaschist*innen ver­such­te das besetz­te Haus der Casa­Po­und zu stür­men. Die Poli­zei ver­hin­der­te dies. So war die Kom­mu­ne froh, dass mit der als frei­wil­lig dekla­rier­ten Räu­mung zwei­er besetz­ter Zen­tren wie­der Ruhe in dem Stadt­teil ein­kehr­te.48 Denn nicht nur die rech­ten Besetzer*innen muss­ten die kom­mu­na­le Lie­gen­schaft im Stadt­teil ver­las­sen. Auch die lin­ken Besetzer*innen muss­ten eines ihrer Zen­tren, das „Puz­zle“ in der Via di Mon­te Meta, am 24. Mai räu­men. Dabei konn­ten sie einen Teil der Räum­lich­kei­ten wei­ter nut­zen und ihre Sozi­al­ar­beit den Bewohner*innen des Stadt­teils zu gute kom­men las­sen.

Anfang Okto­ber 2013 besetz­te Casa­Po­und Ita­lia die Via Val d’A­la 200 ein wei­te­res Mal, wur­de aber eini­ge Stun­den spä­ter durch die Poli­zei geräumt.49 Dies scheint der letz­te Beset­zungs­ver­such zu Wohn­zwe­cken der mitt­ler­wei­le als Wahl­par­tei antre­ten­den Casa­Po­und Ita­lia gewe­sen zu sein.

Fake-Revo­lu­tio­när: Simo­ne di Ste­fa­no insze­niert sich im Sep­tem­ber 2016 bei einer Zwangs­räu­mung (screen­shot)

Ledig­lich eine medi­al insze­nier­te Beset­zung gegen eine Zwangs­räu­mung in der Via del Colos­seo am 29.09.2016 ist bei Casa­Po­und Ita­lia zu regis­trie­ren. Die­se Beset­zung leg­te es aber nicht auf effek­ti­ven Wider­stand gegen Zwangs­räu­mun­gen an. Viel­mehr soll­te die Akti­on über die Teil­nah­me des 42jährigen Simo­ne di Ste­fa­no dazu die­nen, dem blas­sen und akti­ons­fer­nen Wahl­kan­di­da­ten der Casa­Po­und Ita­lia die nöti­ge „Street­credi­bi­li­ty“ für die Bewe­gungs­ba­sis und die not­wen­di­ge Image von Kohä­renz in sozia­len Aus­sa­gen für die Wäh­ler­schaft zu ver­pas­sen. Beset­zun­gen, bes­ser gesagt: Blo­cka­den, durch Casa­Po­und Ita­lia fin­den nur noch als tem­po­rä­re Pro­test­for­men statt, die als direk­te Akti­on den all­täg­li­chen Ablauf von Rats­sit­zun­gen, in Büros und an Fir­men­ein­gän­gen tref­fen sol­len. Und der Bloc­co Stu­den­tes­co, die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Casa­Po­und Ita­lia, nutzt Beset­zun­gen von Schul­ge­bäu­den zur Durch­set­zung ihrer schul­in­ter­nen For­de­run­gen. Beset­zun­gen à la „Cen­tri Socia­li di Des­tra“ fin­det man bei Casa­Po­und Ita­lia seit einem Jahr­zehnt nicht mehr. Und die letz­te Beset­zung für ein „Casa d’I­ta­lia“ ist eben­falls sechs Jah­re her.

Der Teil der rechts­ra­di­ka­len Sub­kul­tur Roms, der zusam­men mit den Casa­Po­und Akti­vis­ten Anfang der 2000er mit den Beset­zun­gen ange­fan­gen hat­te und wie Casa­Po­und in der Fiam­ma Tri­co­lo­re unter­ge­kom­men war, blieb auch wei­ter der Akti­ons­form der Beset­zun­gen treu. Sie­he Giu­lia­no Cas­tel­li­no und das „Casa d’I­ta­lia Pra­ti“. Auch in den kom­men­den Jah­ren war die­se Sze­ne mit Beset­zun­gen aktiv und the­ma­ti­sier­ten mit­tels die­ser Akti­ons­form die stei­gen­de Woh­nungs­mi­se­re in Rom — immer wie­der, unter ande­ren Namen und in neu­en Alli­an­zen. Und weit län­ger als Casa­Po­und betrie­ben sie die­se Pra­xis. Giu­lia­no Cas­tel­li­no gehört dabei zu den bekann­tes­ten Expo­nen­ten die­ses Krei­ses, die sich heu­te der „For­za Nuo­va“ (FN) zuge­hö­rig füh­len. Cas­tel­li­no ist mitt­ler­wei­le hoch­ran­gi­ger „For­za Nuova“-Funktionär und Koor­di­na­tor von „Roma ai Roma­ni“ (dt.: Rom den Römern), einer Grup­pe, die der „For­za Nuo­va“ nahe steht.

So besetz­ten Cas­tel­li­no und sein Anhang am 25. Juni 2012 das „Cine­ma Augus­tus“ am Cor­so Vit­to­rio Ema­nue­le 203, um einen sozia­len Treff­punkt dar­aus zu machen. Das ehe­ma­li­ge Kino wur­de aber am 26. März des fol­gen­den Jah­res wie­der geräumt.50 Im Dezem­ber 2012 führ­te die FN drei sym­bo­li­sche Beset­zun­gen gegen Spe­ku­la­tio­nen durch.51 Am 9. Dezem­ber 2016 besetz­te die FN kurz­fris­tig eine Eta­ge des Über­gangs­wohn­heims von Tor­revec­chia, um gegen die Woh­nungs­not zu pro­tes­tie­ren.52 Und am 30. Janu­ar 2017 besetz­te die Grup­pe „Roma ai Roma­ni“ unter Giu­lia­no Cas­tel­li­no tem­po­rär ein Haus in der Via Car­di­na­le Cel­so Cos­t­an­ti­ni.53 Ein wei­te­res Mal besetz­te „Roma ai Roma­ni“ und „For­za Nuo­va“ kur­ze Zeit das ehe­ma­li­ge faschis­ti­sche „Casa del­la Gio­ven­tù“ am Lar­go Aschianghi.54 So eine ver­mut­lich nicht kom­plet­te Über­sicht der Beset­zun­gen durch die „For­za Nuo­va“ und ihrer Struk­tu­ren in Rom.

Neben die­sen völ­kisch-kon­ta­mi­nier­ten, sym­bo­li­schen Aktio­nen gegen Wohn­raum­spe­ku­la­ti­on und für bezahl­ba­ren Wohn­raum orga­ni­sier­te „For­za Nuo­va“ auch Beset­zun­gen mit ande­ren poli­ti­schen Hin­ter­grün­den. So im Rah­men inner­par­tei­li­cher Aus­ein­an­der­set­zun­gen, wie z.B. im Sep­tem­ber 2017.55

For­za Nuo­va bei einer Ver­teil­ak­ti­on von Lebens­mit­tel an „rein“ ita­lie­ni­sche Fami­li­en in der römi­schen Via Taran­to (screen­shot)

Aber auch in ihren ras­sis­ti­schen Mobi­li­sie­run­gen der letz­ten Jah­re setz­te „For­za Nuo­va“ Beset­zun­gen als Kampf­form in Rom ein. So nahm die faschis­ti­sche Kleinst­par­tei im Jahr 2016 meh­re­re neben­ein­an­der lie­gen­de Läden der öffent­li­chen Immo­bi­li­en­agen­tur Ater in der Via Taran­to in Beschlag, um in dem römi­schen Stadt­teil San Gio­van­ni Lebens­mit­tel an „rein ita­lie­ni­sche“ Fami­li­en abzu­ge­ben.56 Die­ser Treff­punkt der „For­za Nuo­va“ und die Lebens­mit­tel­ver­tei­lun­gen gibt es noch heu­te.57

Waren die­se Beset­zun­gen als Mit­tel zur Inklu­si­on von Men­schen gedacht, so nutz­te die „For­za Nuo­va“ Beset­zun­gen auch als Mit­tel zur Exklu­si­on von Men­schen. Die Inklu­si­on gilt den „eth­nisch rei­nen“ Italiener*innen, die Exklu­si­on den Migrant*innen. Dabei ist bei einer Inklu­si­on nicht an die bestehen­de sozio-poli­ti­sche Ord­nung Ita­li­ens gedacht, son­dern an das Modell, das sich die Faschist*innen alter­na­tiv für Ita­li­en den­ken. Inklu­si­on in eine „Volks­ge­mein­schaft in spe“, bzw. in die Bewe­gung dort­hin. Mit die­ser „natio­na­len Soli­da­ri­tät“ gilt es Sym­pa­thi­en zu wecken und Anhänger*innen zu rekru­tie­ren. Haus­be­set­zun­gen wer­den als Mit­tel zur ras­sis­ti­schen Segre­ga­ti­on und Selek­ti­on ver­stan­den.
So besetz­te „For­za Nuo­va“ im Janu­ar 2017 kurz­fris­tig den Teil­be­reich eines Gebäu­des, das von der Kom­mu­ne als tem­po­rä­re Unter­kunft für durch­rei­sen­de Migrant*innen gedacht war.58 Ein ande­res Mal wur­de eine Beset­zung am 22. März 2017 als Pro­test­form gegen die geplan­te Unter­kunft von Migrant*innen im römi­schen Stadt­teil Tri­on­fa­le genutzt.59 Aber auch in unbe­deu­ten­de­ren Fäl­len nutz­te die „For­za Nuo­va“ die­se Akti­ons­form. So etwa am 24. Janu­ar 2017 zur Ver­trei­bung einer ägyp­ti­schen Fami­lie aus einem Wohn­haus. Die Immo­bi­li­en­ge­sell­schaft Ater ließ hier ein „ita­lie­ni­sches“ Paar zwangs­räu­men und sprach einer ande­ren — dies­mal aus­län­di­schen — Fami­lie die leer wer­den­de Woh­nung zu. So agier­te „For­za Nuo­va“ auf einer eth­nisch zuschrei­ben­den Ebe­ne und spiel­te in der Woh­nungs­fra­ge die Bedürf­nis­se von auto­chtho­ner und nicht-auto­chtho­ner Bevöl­ke­rung gegen­ein­an­der aus.60 In Rah­men die­ser Aus­ein­an­der­set­zung fand vier Tage spä­ter eine wei­te­re Beset­zung des Ater-Sit­zes statt.61 Auch „For­za Nuo­va“ pola­ri­siert, eth­ni­siert und eska­liert die bestehen­den sozia­len Wider­sprü­che. Haus­be­set­zun­gen sind für sie ein Mit­tel der ras­sis­ti­schen Mobi­li­sie­rung und Stra­ßen­po­li­tik.

Längst spricht man von den ras­sis­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in Ita­li­ens Vor­städ­ten als „guer­ra tra pove­ri“ (dt.: Krieg unter Armen)62, einem Krieg, bei dem nicht ein­mal die faschis­ti­schen Hassprediger*innen aktiv wer­den müs­sen, wie die Ver­trei­bung einer marok­ka­ni­schen Fami­lie im römi­schen Stadt­teil San Basi­lio im Dezem­ber 2016 beweist.63

Rech­te Beset­zun­gen außer­halb Roms

Aber auch fern­ab von Rom fan­den rech­te Beset­zun­gen statt. Die­se wur­den von unter­schied­li­chen faschis­ti­schen Grup­pen durch­ge­führt. Oft wur­den die rech­ten Beset­zun­gen in kur­zer Zeit von der Poli­zei geräumt. So im Juli 2001 das „Spa­zio Socia­le Vener­di 13“ in Vicen­za64, in Cata­nia im Jahr 2005, in Turin, Bari und Bre­scia im Jahr 2008 und in Ostia Lido im Jahr 2009. Auch die Beset­zung eines leer­ste­hen­den Klos­ters in Nea­pel durch Casa­Po­und am 12. Sep­tem­ber 2009 konn­te sich nicht hal­ten. Antifaschist*innen hat­ten kur­zer­hand in der Nähe des „Hic Mane­bi­mus Opti­me“ (H.M.O.) (dt. Hier wird es uns sehr gut erge­hen) eine eige­ne Beset­zung insze­niert. Der nea­po­li­ta­ni­schen Poli­zei wur­de die ent­stan­de­ne Dyna­mik zu viel und sie räum­te bei­de Gebäu­de. Im März 2010 kam es in Pescia zu einer kurz­fris­ti­gen sym­bo­li­schen Beset­zung und in Lame­zia Ter­me schei­ter­te eine „Occup­a­zio­ni a Scopo Abi­ta­tivo“ in dem glei­chen Jahr nach kur­zer Zeit. Und auch die Beset­zung der Via Fos­se Arma­te 69 am 28.September 2012 in Mai­land durch Casa­Po­und währ­te nur kurz.

Pla­kat zum 12ten Jah­res­tag der Beset­zung des „Casa­Po­und Lati­na“ (screen­shot)

Erfolg­reich waren bzw. Bestand hat­ten fol­gen­de Beset­zun­gen: Am 26. Dezem­ber 2006 wur­de im 70 Kilo­me­ter von Rom ent­fernt lie­gen­den Lati­na ein leer­ste­hen­des Haus des ita­lie­ni­schen Ener­gie­kon­zerns „Enel S.p.A.“ besetzt. Die Besetzer*innen nann­ten es Casa­Po­und Lati­na. Im Dezem­ber letz­ten Jah­res fei­er­te Casa­Po­und Lati­na sein 12jähriges Bestehen.65 Am 9. April 2009 wur­de das „Spa­zio Libe­ro Cer­van­tes“ in der Via San­ta Sofia 42 in Cata­nia besetzt.66 Es exis­tiert seit neun Jah­ren und ist das ein­zi­ge „Occup­a­zio­ne Non Con­for­me“ in Süd­ita­li­en. Im Som­mer 2017 sol­len die Faschist*innen des „Spa­zio Libe­ro Cer­van­tes“ gehol­fen haben, die ras­sis­ti­sche und men­schen­feind­li­che Anti-Migra­ti­ons­ak­ti­on der so genann­ten „Iden­ti­tä­ren“ mit dem Schiff „C‑Star“ vor­zu­be­rei­ten.

Casa d‚Italia Col­le­ver­de — Auf­lö­se­er­klä­rung, Febru­ar 2019 (screen­shot)

Außer­halb, aber noch zur Metro­po­li­tan­stadt Rom zäh­lend, wur­de am 4. Juni 2007 in der rund 90.000 Einwohner*innen zäh­len­den Stadt Gui­do­nia Mon­te­ce­lio, das „Casa d’I­ta­lia Col­le­ver­de“ besetzt. Bis in den Febru­ar die­sen Jah­res bewohn­ten Besetzer*innen die ehe­ma­li­ge Schu­le in der Via Monte­bi­an­co 27 im Stadt­teil Col­le­ver­de. Oben­drein dien­te die rund 30 Kilo­me­ter vom römi­schen Zen­trum gele­ge­ne Immo­bi­lie als Kon­zert- und Ver­an­stal­tungs­ort diver­ser Grup­pen der extre­men Rech­ten, wie der „Azio­ne Tra­di­zio­na­le“, „Coor­di­na­men­to Mili­tan­te“, „Rai­Do“, aber auch von Nazi-Skin­heads. Am 20. Febru­ar 2019 wur­de das Gebäu­de von der Poli­zei geräumt.67

Der Stand der Din­ge

Längst ist die Nut­zung der Akti­ons­form der Haus­be­set­zung durch extre­me Rech­te kein Novum mehr in Ita­li­en. Und vor­bei sind die Zei­ten, da Haus­be­set­zun­gen ein Pri­mat eman­zi­pa­to­ri­scher, lin­ker oder sub­kul­tu­rel­ler Bewe­gun­gen waren. Schwer­punkt der Besetzer*innenbewegung von Rechts war bzw. ist Rom. Dabei ist in der Haupt­stadt nicht allein die Casa­Po­und Ita­lia als Akteu­rin zu nen­nen. Par­tei­na­he Struk­tu­ren der ehe­ma­li­gen „Alle­an­za Nazio­na­le“, vor allem aber die „For­za Nuo­va“, haben Beset­zun­gen schon lan­ge in ihren Akti­ons­ka­non inte­griert. Dabei ist es Casa­Po­und Ita­lia, die die „Cen­tri Socia­li di Des­tra“ wie ein Güte­sie­gel für sich bean­spru­chen. Sie nutzt die Beset­zun­gen zur Insze­nie­rung als natio­nal-revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung und Spe­cial-Brand im trans­na­tio­na­len Export ihres Bewe­gungs­mo­dells.

Im Jahr 2019 — nach 18 Jah­ren Beset­zun­gen von Rechts — kön­nen die “Cen­tri Socia­li di Des­tra” lan­des­weit nur auf sechs bestehen­de Squats ver­wei­sen. Und von die­sen “Cen­tri Socia­li di Des­tra” kann Casa­Po­und Ita­lia ledig­lich drei Beset­zun­gen auf sich ver­bu­chen. Die Lan­des­haupt­stadt weist vier rech­te Beset­zun­gen auf. Davon hält Casa­Po­und Ita­lia zwei besetz­te Objek­te. Den „Cir­co­lo Futu­ris­ta Casal Ber­to­ne“ und die „Via Napo­leo­ne III“. Mit dem „Foro 753“ ver­fü­gen die der ehe­ma­li­gen „Alli­an­za Nazio­na­le“ nahen Struk­tu­ren über eine lang­jäh­ri­ges Zen­trum und die „For­za Nuo­va“ hält seit drei Jah­ren die Via Taran­to im Stadt­teil San Gio­van­ni besetzt. Von den zwei außer­halb Roms lie­gen­den Beset­zun­gen ist nur die Beset­zung in Lati­na der Casa­Po­und Ita­lia zuzu­rech­nen.

Die Zei­ten, in denen sich faschis­ti­sche Neu­be­set­zun­gen in Ita­li­en hal­ten kön­nen, sind schon lan­ge vor­bei. Und auch die Beset­zun­gen der „For­za Nuo­va“, die sie in ihren Kam­pa­gnen für eth­nisch „rein ita­lie­ni­sche“ Fami­li­en und/oder zur Ver­trei­bung migran­ti­scher Fami­li­en unter­nimmt, haben eine kur­ze Lebens­dau­er und wei­sen eher einen sym­bo­li­schen Cha­rak­ter auf. Casa­Po­und Ita­lia hat seit 2013 kei­nen wahr­nehm­ba­ren Beset­zungs­ver­such mehr unter­nom­men. Ihre letz­te erfolg­rei­che Beset­zung liegt 11 Jah­re zurück und wur­de im Jahr 2015 geräumt. Die Bilanz die Casa­Po­und Ita­lia auf­zu­wei­sen hat ist — gelin­de gesagt — mick­rig. Und das nicht nur im Ver­gleich zu den besetz­ten Zen­tren der Lin­ken und der „Recht auf Wohnen“-Bewegung. Da hilft es wenig, wenn auf dem Wiki­pe­dia-Arti­kel zu den “Cen­tri Socia­li di Des­tra” für Rom neun, statt vier Beset­zun­gen auf­ge­zählt wer­den.68 Zu einer Aktua­li­sie­rung des Wiki-Ein­trags fehlt es den Autor*innen anschei­nend an Mut.69 Nicht Casa­Po­und Ita­lia, son­dern die „For­za Nuo­va“ sind zur Zeit die Faschist*innen, die Haus­be­set­zun­gen als Instru­ment in ihrer Stra­ßen­mo­bi­li­sie­rung und Kam­pa­gnen­po­li­tik aktiv ein­bau­en. Casa­Po­und Ita­lia hin­ge­gen ruht sich auf alten Lor­bee­ren aus.

Auch das Image der Casa­Po­und Ita­lia als Kämp­fe­rin für Wohn­rech­te steht auf schwa­chen Füßen. Ihr Nar­ra­tiv, das der Haupt­sitz in der Via Napo­leo­ne III für in Not gera­te­ne ita­lie­ni­sche Fami­li­en eine Zuflucht dar­stel­len wür­de, ist stark umstrit­ten. Die Haupt­stadt­pres­se bestrei­tet die­se Selbst­dar­stel­lung und spricht mitt­ler­wei­le vom „Grand Hotel Casa­Po­und“ 70, das vor­wie­gend den eige­nen Mit­glie­dern und Freund*innen zu Gute käme. Die Bewohner*innen wür­den sich jeder Kon­trol­le ent­zie­hen. Dadurch wür­de der Stadt Rom allein im Jahr 300.000 Euro Miet­ein­nah­men ent­ge­hen. Auf­ge­rech­net auf die Jah­re der Beset­zung hät­te Casa­Po­und Ita­lia der Stadt Rom ca. 4 Mil­lio­nen Euro abge­nom­men. Und so wie die Kom­mu­ne sich nicht um eine Räu­mung des Gebäu­des küm­mert, wird den Faschist*innen trotz des „Decre­to Lupi“ aus dem Jahr 2014 auch nicht der not­wen­di­ge Strom und das Was­ser abge­sperrt.

Und auch die Funk­ti­on eines Sozi­al­zen­trums wird für den Haupt­sitz der Casa­Po­und Ita­lia bestrit­ten. Die Nach­bar­schaft wür­de, so die Pres­se, das Gebäu­de nicht als inter­ak­ti­ven sozia­len Part­ner emp­fin­den, son­dern allein als ein poli­ti­sches Zen­trum, von dem dann und wann Patrouil­len, so genann­te “pas­seg­gia­te per la sicu­rez­za” (dt.: Sicher­heits­spa­zier­gän­ge), in den Stadt­teil ein­si­cker­ten, um eine faschis­ti­sche Ord­nungs­macht zu spie­len und Anwohner*innen ras­sis­tisch zu drang­sa­lie­ren. Indi­rekt passt dies auch zu der Selbst­dar­stel­lung der Casa­Po­und, die von sich als eine „ambascia­ta d’Italia” (dt.: ita­lie­ni­sche Bot­schaft) in einem mul­ti-eth­ni­schen Stadt­teil spricht.

Wann wird der Haupt­sitz der Casa­Po­und Ita­lia geräumt?

Von 2003 bis 2008 wur­den die rech­ten Beset­zun­gen in Rom von dem sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Bür­ger­meis­ter tole­riert, von 2008 bis 2013 von dem (post-)faschistischen Bür­ger­meis­ter beschirmt und von 2013 bis 2016 igno­rier­ten die Stadt­obe­ren sie ein­fach. Seit Mit­te 2016 hat Rom mit der 40jährigen Vir­gi­nia Rag­gi von der Par­tei „Movi­men­to 5 Stel­le“ eine neue Bür­ger­meis­te­rin. Und seit Mit­te 2018 hat Ita­li­en einen neu­en Innen­mi­nis­ter, Matteo Sal­vi­ni. Sal­vi­ni drängt seit Beginn sei­ner Amts­zeit dar­auf, besetz­te Häu­ser und Fabri­ken zu räu­men. Und wenn es nach ihm geht sol­len min­des­tens 22 von den fast 100 Beset­zun­gen in Rom bis Ende des Jah­res geräumt wer­den. Zwei­fels­oh­ne ste­hen den lin­ken Beset­zun­gen in Rom und ganz Ita­li­en sehr har­te Zei­ten bevor. Was heißt die­ser Räu­mungs­wil­le aber für die „Cen­tri Socia­li di Des­tra“ und Casa­Po­und Ita­lia?

Schon im Novem­ber 2017 ließ die amtie­ren­de Bür­ger­meis­te­rin von Rom eine lan­ge von der Ver­wal­tung ver­ges­se­ne Räum­lich­keit der „Fratel­li d‚Italia – Alle­an­za Nazio­na­le“ in der Col­le Oppio räu­men.71 Seit 1972 hat­te zunächst die MSI, dann alle fol­gen­den faschis­ti­schen Nut­zer kei­ne Mie­te gezahlt. Und zu Beginn des letz­ten Jah­res war seit lan­gem das ers­te Mal in der Pres­se die Rede davon, dass das inter­na­tio­na­le Aus­hän­ge­schild der Casa­Po­und Ita­lia, die Via Napo­leo­ne III, geräumt wer­den sol­le. Die Füh­rer der Casa­Po­und Ita­lia schäum­ten vor Wut. Gian­lu­ca Ianon­ne sprach davon, dass eine Räu­mung ein Kriegs­akt wäre und sie bereit sei­en bei der Ver­tei­di­gung des Hau­ses zu ster­ben: „Sarebbe [un] atto di guer­ra. [Sia­mo] Pron­ti a mor­i­re per difen­der­la.”72 Und Simo­ne di Ste­fa­no pro­phe­zei­te, dass sie die Via Napo­leo­ne III mit Zäh­nen und Klau­en ver­tei­di­gen wür­den: „Resis­te­remo con ung­hie e den­ti“.73

Dies war zu Zei­ten des ita­lie­ni­schen Wahl­kampfs und die Ankün­di­gun­gen erschie­nen als ein Wahl­ma­nö­ver der Par­ti­to Demo­cra­ti­co. Als dann aber am 22. Okto­ber 2018 eine ange­kün­dig­te Abord­nung der Finanz­po­li­zei das Haus für eine Inspek­ti­on des Rech­nungs­hofs auf Zustand, Män­gel, Nut­zung und Anzahl der Bewohner*innen unter­su­chen und betre­ten woll­te, stell­ten sich ihr Casa­Po­und Mit­glie­der in den Weg und bedroh­ten die Beam­ten mit einem „Blut­bad“. Sie ver­kün­de­ten „Se ent­ra­te finis­ce nel san­gue“ (dt.: Wenn ihr ein­tre­tet, endet das im Blut).74 Die Inspek­ti­on der Immo­bi­lie und ihres Sta­tus wur­de abge­bro­chen. Nach außen hin ver­kün­de­te Casa­Po­und, ihre Ver­wei­ge­rung einer Inspek­ti­on wäre zum Schutz der Wür­de der dort leben­den Fami­li­en erfolgt.75 Bedro­hun­gen und Belei­di­gun­gen hät­ten Mili­tan­te der Casa­Po­und Ita­lia nicht aus­ge­spro­chen. Für den 27. Okto­ber lud Simo­ne di Ste­fa­no, der Par­tei­se­kre­tär der Casa­Po­und Ita­lia, zum „Tag der offe­nen Tür“. An die­sem Tag prä­sen­tier­ten sich angeb­lich in dem Haus leben­de Fami­li­en der Pres­se. Am 28. Okto­ber konn­ten die Finanz­be­am­ten das Gebäu­de betre­ten und eine Inspek­ti­on vor­neh­men. Wäh­rend­des­sen tru­del­ten die Soli­da­ri­täts­adres­sen unter­schied­li­cher faschis­ti­scher Grup­pen aus Kana­da, den USA, Por­tu­gal, Spa­ni­en, Frank­reich, Kor­si­ka, Ser­bi­en, der Schweiz und ande­ren Län­dern in Rom ein und ver­kün­de­ten das unzer­trenn­li­che Band der Kame­rad­schaft mit den von Räu­mung bedroh­ten ita­lie­ni­schen Kamerad*innen. Seit­dem schwelt der Kon­flikt um eine anste­hen­de Räu­mung. Im Novem­ber letz­ten Jah­res äußer­te die Bür­ger­meis­te­rin Vir­gi­nia Rag­gi: „Casa­po­und? Sia­mo pron­ti, con­to su un sosteg­no del gover­no“ (dt.: Casa­po­und? Wir sind bereit, ich zäh­le auf die Unter­stüt­zung der Regie­rung).76

Ende Janu­ar 2019 haben „Movi­men­to 5 Stel­le“ und „Par­ti­do Demo­cra­ti­co“ im Gemein­de­rat der Stadt Rom mehr­heit­lich für eine umge­hen­de Räu­mung der Via Napo­leo­ne III Num­mer 8 gestimmt.77 Damit exis­tiert auf der loka­len Ebe­ne ein kla­rer Ent­scheid des Stadt­rats zur Räu­mung der faschis­ti­schen Zen­tra­le. Nun liegt die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung bei Matteo Sal­vi­ni, dem rechts­po­pu­lis­ti­schen Innen­mi­nis­ter Ita­li­ens. Sal­vi­ni wur­de befragt und äußer­te, dass die Räu­mung von Casa­Po­und nicht drin­gend sei. Der­zeit stän­den ande­re Pro­jek­te zur Räu­mung an.78

Gemein­sa­mes Essen 2015 — Matteo Sal­vi­ni mit der Casa­Po­und Füh­rungs­rie­ge (screen­shot)

Es ist zu bezwei­feln, dass der Innen­mi­nis­ter sei­ne Mei­nung ändern wird. Casa­Po­und Ita­lia war in dem Wahl­bünd­nis “Sov­ra­ni­tà — Pri­ma gli Ita­lia­ni” im Jahr 2015 sein Bünd­nis­part­ner. Damals traf sich Sal­vi­ni zum Essen mit der Füh­rungs­spit­ze Casa­Po­und Ita­li­as in der “Oste­ria Ange­li­no dal 1899”, dem Restau­rant Gian­lu­ca Ianon­nes in Rom.79 Gemein­sam trat man in Lis­ten zu diver­sen Kom­mu­nal­wah­len an und bestritt in Mai­land und Rom gemein­sa­me Kund­ge­bun­gen und Demons­tra­tio­nen.

Mai 2018. Der ita­lie­ni­sche Innen­mi­nis­ter Matteo Sal­vi­ni mit Pivert-Jacke beim End­spiel End­spiel Juven­tus gegen Milan im römi­schen Olym­pia­sta­di­on (screen­shot)

Im Mai 2018 zeig­te sich der ange­hen­de Innen­mi­nis­ter dann beim End­spiel Juven­tus gegen Milan im römi­schen Olym­pia­sta­di­on in einer Jacke der faschis­ti­schen Mode­mar­ke Pivert, die von Casa­Po­und-Mit­glie­dern betrie­ben wird. 80 Und erst Mit­te Dezem­ber 2018 bewarb Sal­vi­ni das Buch „Come la Sab­bia di Herat“ (dt.: Wie der Sand von Herat) von Chia­ra Gian­ni­ni, das im Casa­Po­und Ver­lag „Altaf­or­te Edi­zio­ni“81 erschien. Aber auch jen­seits die­ser all­täg­li­chen Distanz­lo­sig­keit des neu­en Innen­mi­nis­ters Ita­li­ens zu Apo­lo­ge­ten der faschis­ti­schen Dik­ta­tur unter Beni­to Mus­so­li­ni, funk­tio­niert die Arbeits­tei­lung zwi­schen den Faschist*innen der Casa­Po­und Ita­lia und der Lega her­vor­ra­gend. So war es die Casa­Po­und Ita­lia, die wochen­lang gegen die migran­ti­sche Beset­zung der ehe­ma­li­gen Peni­cil­lin-Fabrik LEO Roma in der Via Tibur­ti­na im Stadt­teil hetz­te und Kund­ge­bun­gen vor dem besetz­ten Gelän­de abhielt, bevor das Gebäu­de im Dezem­ber 2018 von den Sicher­heits­be­hör­den unter Anwe­sen­heit des Innen­mi­nis­ters Sal­vi­ni geräumt wur­de. Die For­de­rung der rech­ten Hausbesetzer*innen gegen die Beset­zung der migran­ti­schen Hausbesetzer*innen war „Bas­ta Deg­ra­do: Scom­be­ria­mo­li!“ (dt.: Schluss mit der Ver­wahr­lo­sung: Räu­men wir sie!)

Fly­er der Casa­Po­und Ita­lia aus dem Som­mer 2018 gegen migran­ti­sche Händ­ler an ita­lie­ni­schen Strän­den (screen­shot)

Ein wei­te­res Akti­ons­feld, das sich Lega und Casa­Po­und Ita­lia im letz­ten Jahr teil­ten war der Vigi­lan­tis­mus. Im ver­gan­ge­nen Som­mer patrouil­lier­ten Grup­pen von Casa­Po­und- und Lega-Mit­glie­dern an ita­lie­ni­schen Strän­den, um migran­ti­sche Kleinst­händ­ler an ihrem Mini-Erwerb — dem Ver­kauf von Decken, Son­nen­creme, Was­ser­eis, Melo­nen etc. — zu hin­dern und sie von den Strän­den zu ver­trei­ben. Die selbst­er­nann­ten “pas­seg­gia­te per la sicu­rez­za” (dt: Sicher­heits­spa­zier­gän­ge), die nichts wei­ter sind als faschis­ti­scher Vigi­lan­tis­mus 82 zur ras­sis­ti­schen Ein­schüch­te­rung, Bedro­hung und Ver­trei­bung, set­zen Sal­vi­nis Sicher­heits­ge­set­ze und sei­ne ras­sis­ti­sche Ver­trei­bungs­po­li­tik fak­tisch um. Qua­si ein faschis­ti­sches Vor­ex­er­zie­ren, wie sich die Lega und Casa­Po­und Ita­lia den ita­lie­ni­schen All­tag vor­stel­len.

Geht es nach Sal­vi­ni, so hat das Vor­ge­hen gegen die von Lin­ken besetz­ten Sozi­al­zen­tren Vor­rang. Laut Anga­ben des Innen­mi­nis­te­ri­ums gibt es in Ita­li­en 165 selbst­ver­wal­te­te Sozi­al­zen­tren, von denen sich 87 in einem lega­len und 78 in einem ille­ga­len recht­li­chen Sta­tus befin­den. 33 besetz­te Zen­tren befin­den sich in der Lom­bar­dei, davon 24 Beset­zun­gen in Mai­land. In Lati­um gibt es 28 selbst­ver­wal­te­te Sozi­al­zen­tren. Mit einer Aus­nah­me befin­den sich alle in Rom. In Kam­pa­ni­en gibt es 15 Stand­or­ten, davon 7 in Nea­pel. In der Emi­lia Roma­gna gibt es 14 Beset­zun­gen, davon 5 in Bolo­gna. Und in der Tos­ka­na gibt es laut Innen­mi­nis­te­ri­um der­zeit 12 sozia­le Zen­tren, von denen sich sie­ben in Flo­renz befin­den. Ande­re Zen­tren fol­gen in ande­ren Regio­nen der Halb­in­sel.83 So zeig­te sich Matteo Sal­vi­ni am 13. Febru­ar erfreut, dass im letz­ten hal­ben Jahr fünf Beset­zun­gen in Flo­renz geräumt wur­den. Laut der Nach­rich­ten­agen­tur Aska äußer­te der Innen­mi­nis­ter: „Die Maß­nah­men zur Räu­mung der besetz­ten Gebäu­de hat­ten eine umge­hen­de Prio­ri­tät. … Zuerst mit der Ad-hoc-Richt­li­nie und dann mit dem Sicher­heits­de­kret haben wir effek­ti­ve Instru­men­te zur Bekämp­fung miss­bräuch­li­cher Beset­zun­gen geschaf­fen. Von Wor­ten zu Fak­ten.„84

Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Haupt­sitz der Casa­Po­und Ita­lia in der Via Napo­leo­ne III in der nächs­ten Zeit nicht geräumt wird. Somit wird Gian­lu­ca Ianon­ne, der “schwar­ze Her­bergs­va­ter” der Via Napo­leo­ne, wie ihn der deut­sche Neu­rech­te Mar­tin Licht­mesz nann­te, nicht in die Ver­le­gen­heit kom­men und sich auf dem Altar der Nati­on für das faschis­ti­sche Haupt­quar­tier im Stadt­teil Esqui­li­no opfern müs­sen. Das Gebäu­de wird ver­mut­lich noch eine Zeit­lang als inter­na­tio­na­les Aus­hän­ge­schild und zur Mythen­bil­dung der “fascis­ti del ter­zo mil­le­nio” die­nen. Und wie um ihre dau­er­haf­te Prä­senz zu unter­strei­chen, kün­dig­te der Par­tei­se­kre­tär Simo­ne di Ste­fa­no einen Tag nach dem Räu­mungs­be­schluss aus dem Stadt­rat die Kan­di­da­tur der Casa­Po­und Ita­lia für das EU-Par­la­ment an.

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Auszüge dieses Textes übersetzte freundlicherweise Simone Constantini von dem Blog "Brenner Basis Demokratie" und veröffentlichte ihn unter dem Titel "Centri soziali fascisti in Italia".
Die Übersetzung erschien ebenfalls auf der Site von "Osservatorio Democratico sulle nuove destre" von Saverio Ferrari.
Ebenso auf der Internet-Site von "Osservatorio Repressione" unter dem gleichen Titel.

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1 „Cam­pi­do­glio, ok a mozio­ne sgom­be­ro edi­fi­cio occup­a­to da Casa­Po­und“ (La Repubbli­ca, 29.01.2019)

2 „La sto­ria   —   Una ter­ri­bi­le bel­lez­za è nata” (Casa­Po­und Ita­lia — Inter­net­si­te)

3 Wiki­pe­dia: Ezra Pound

4 „I colo­ri del nero: il ros­so. Casa­Po­und“ (You­Tube, Video von 2004)

5 „Il cen­tro socia­le? Anche di Des­tra Ecco le Occup­a­zio­ni Non Con­for­mi“ (La Repubbli­ca, 25.01.2004)

6 „I raid di For­za Nuo­va con­tro i ben­ga­le­si: «Pest­ag­gi ter­a­peu­ti­ci»“ (Cor­rie­re del­la Sera, 4.1.2016) „For­za Nuo­va, i tra­di­to­ri «pro­ces­sa­ti» nel caso­la­re con i bus­ti del Duce“ (Cor­rie­re del­la Sera, 19.01.2016); „Ope­ra­zio­ne “Ban­g­la­tour”: indaga­ti per vio­len­ze raz­zis­te 13 gio­va­ni di estre­ma des­tra“ (Fan­page, 14.01.2016)

7 Wiki­pe­dia: Wal­ter Vel­tro­ni

8 „Inau­gu­ra­zio­ne Pale­s­tra Popola­re Pri­mo Car­ne­ra e sede M.P. Mili­tia“ (You­tube, 30.09.2009); „Mili­tia, arre­sta­to Ste­fa­no Schia­vul­li sequestra­ta la pale­s­tra Pri­mo Car­ne­ra“ (La Repubbli­ca, 11.06.2010)

9 „Sgom­be­ri a sen­so uni­co“ (Il Giorna­le, 12.10.2006); „Sgom­ba­ta Casa d’I;„Quartiere Casa­l­ber­to­ne“ (Autis­ti­ci, Doku­men­ta­ti­on aus dem Jahr 2012); „Casal Ber­to­ne, batta­glia in piaz­za tra cen­tri socia­li e Casa­Po­und“ (La Repubbli­ca, 27.02.2017)

12 Face­book-Site des Foro 753; „L’evento. Die­ci anni di Foro 753: a Roma il pri­mo mee­ting degli spa­zi socia­li non con­for­mi“ (Bar­ba­dil­lo, 05.102013)

13 Wiki­pe­dia: Nata­le di Roma

14 „L’organizzazione di Alle­an­za Nazio­na­le “Foro753”“ (Maldes­tra, 17.03.2009)

15 Wiki­pe­dia: Ruti­lio Ser­mon­ti

17″…ari­ec­co Cas­tel­li­no, le nuo­ve avven­ture del coor­di­na­to­re roma­no di For­za Nuo­va“ (osser­va­to­rio sul fascis­mo a roma, 25.07.2018)

19 „Pra­ti, palaz­zo occup­a­to da ultrà di des­tra La Siae den­un­cia Comu­ne e pre­fet­to“ (La Repubbli­ca, 03.01.2009)

20 „Casa d’i­ta­lia Pra­ti“ (Forum Ter­mo Metro­po­li­ti­co, 07.12.2007)

21 „Musi­che dal fron­te – la peg­gio gio­ven­tù“ (Blog: Defend Ita­lia, 25.11.2018)

23 „Pra­ti, palaz­zo occup­a­to da ultrà di des­tra La Siae den­un­cia Comu­ne e pre­fet­to“ (La Repubbli­ca, 03.01.2009); Casa d’I­ta­lia Pra­ti (You­Tube, 25.20.2014)

24 „Inter­vis­ta a Gian­lu­ca Ian­no­ne di Casa Pound“ (Blog: Spa­zio attivo – il Can­noc­chia­le, 25.04.2008)

25 „Occupa­ta da Bloc­co stu­den­tes­co la sta­zio­ne del Far­neto a Roma“ (Blog Vigna­cla­ra, 23.04.2008)

26 Wiki­pe­dia: Gio­van­ni Ale­man­no

30 „Ecco chi è Ale­man­no. …“ (Web-Archiv: liblab​.it, 22.04.2008)

31 Wiki­pe­dia: Gian­fran­co Fini

32 Wiki­pe­dia: Isa­bel­la Rau­ti

33 Man­fre­di, core di Ale­man­no (Let­te­ra 43, 01.10.2012)

35 Wiki­pe­dia: Fratel­li d’I­ta­lia

36 „Casa­po­und, nel bilan­cio comu­na­le 11 milio­ni di euro per l’acquisto del­la sede di via Napo­leo­ne III (Ric­car­do Cor­buc­ci, 13.05.2011); „Il Comu­ne «com­pra» la casa di Casa­po­und“ (Cor­rie­re dell Sera, 09.11.2012); „Bufe­ra sul bilan­cio: 11 milio­ni per il palaz­zo di Casa­po­und“ (Roma today, 26.04.2012); „Casa Pound, con la casa e sen­za Pound“ (Il Fat­to Quo­ti­dia­no, 13.01.2012)

37 “Tana del­le Tigri Inter­na­tio­nal Figh­t­ing — Il 13 e 14 Mag­gio ad Area 19“ (Casa­Po­und Ita­lia, 30.03.2011)

38 „Der Neo­na­zi-Krie­ger“ (Der Spie­gel, 14.02.2019)

39 „Mon­te Mario, sgom­be­ra­ta la sta­zio­ne Far­neto: era occupa­ta da ‚Area 19“ (Roma Today, 27.8.2015)

42 „Roma: Casa­Po­und occupa sta­bi­le per 25 fami­g­lie in via Cas­sia“ (ADN Kro­nos, 30.11.2008)

43 „Occup­a­zio­ne Casa­Po­und: ten­sio­ne davan­ti alla scuo­la“ (Roma Today, 05.04.2011); „Casa­po­und occupa la Scuo­la Pari­ni, …“ (Roma Today, 05.04.2011); „Casa­po­und occupa la Pari­ni, la sinis­tra insor­ge“ (Roma Today, 06.04.2011)

44 „Casa­po­und occupa la Scuo­la Pari­ni, …“ (Roma Today, 05.04.2011)

45 „Casa­Po­und, blitz in scuo­la in disu­so ma alla fine lascia l’oc­cup­a­zio­ne“ (La Repubbli­ca, 05.14.20119)

46 „Fuo­ri i fascis­ti da Mon­te­sa­cro, la scuo­la è un bene comu­ne!“ (Glo­bal Pro­ject, 05.04.2011)

47 „Mon­te­sa­cro: Casa­po­und occupa l’ex palaz­zet­to Enel di via Val D’A­la“ (Mon­te­sa­cro Today, 06.04.2011)

48 „Muni­ci­pio IV, accordo rag­gi­un­to sgom­be­ra­ti Val D’A­la e Puz­zle“ (La Repubbli­ca, 24.05.2011); „Aggres­sio­ne a Talen­ti, è scon­tro Sen­za Tre­gua con­tro Casa­Po­und“ (La Repubbli­ca, 27.04.2011); Fotos: „Pra­ti Fis­ca­li, ten­sio­ni e pro­tes­te I col­let­ti­vi con­tro Casa­Po­und“ (La Repubbli­ca, 27.04.2011); Aggre­di­ti dai mili­tan­ti di Casa­Po­und“ Ten­sio­ni e taf­fe­rug­li duran­te il cor­teo“ (La Repubbli­ca, 28.04.2011); „Casa­Po­und, „Bom­ba car­ta e scrit­ta con­tro Zip­po nel palaz­zo a via Val D’A­la““ (La Repubbli­ca, 29.04.2011)

49 „Occup­a­zio­ne lam­po di Casa­po­und nel palaz­zo di via Val D’A­la, poi lo sgom­be­ro“ (La Repubbli­ca, 15.10.2013)

50 „Occup­a­to il cine­ma Augus­tus, Cas­tel­li­no: „Spa­zio abban­do­n­a­to““ (Roma Today, 25.06.2012); „Sgom­be­ra­to l’ex cine­ma Augus­tus“ (La Repubbli­ca, 26.03.2013)

51EUR: For­za Nuo­va occupa Tre Fon­ta­ne, Lun­eur ed ex Velo­dro­mo“ (Roma Today, 12.11.2012)

52 „Roma ai roma­ni, case agli ita­lia­ni“: blitz di citta­di­ni e For­za Nuo­va, occup­a­to il muni­ci­pio XIV(tg 5 stel­le, 09.12.2016)

53 „Roma ai Roma­ni e l’oc­cup­a­zio­ne del­le case libe­ra a Pri­ma­val­le“ (Fasci­na­zio­ne, 30.01.2017)

54 „Roma, ex Gil di Tras­te­ve­re: alt­ri due milio­ni dal­la Regio­ne per la ria­per­tu­ra a lug­lio“ (La Repubbli­ca, 22.04.2017)

55 „Roma, ri-occup­a­zio­ne via Pai­si­el­lo: pc che “scotta­no” nell’ex sede di Fran­ces­co Stor­ace“ (Osser­va­to­re Ita­lia, 18.09.2017); „No Ius soli e via gli immi­gra­ti, For­za Nuo­va apre il „forti­no“ di via Pai­si­el­lo ai roma­ni sen­za­ca­sa“ (Il Tem­po, 31.08.2017)

56 „Roma, For­za Nuo­va occupa edi­fi­ci Ater a San Gio­van­ni. „Men­sa per soli ita­lia­ni““ (La Repubbli­ca, 11.09.2017); „Roma, sull’Appia via il Cen­tro socia­le ma rima­ne lo spa­zio occup­a­to da For­za Nuo­va“ (Cor­rie­re del­la Ser­ra, 04.09.2018)

57 Foto der For­za Nuo­va in der Via Ater (Face­book Site von For­za Nuo­va, 12.11.2017)

58 „Migran­ti al Ferr­ho­tel, pro­tes­ta la des­tra roma­na. Il comi­ta­to: „Non per­met­te­remo l’a­per­tu­ra““ (Roma Today, 21.01.2017)

59 „Roma, blitz di For­za Nuo­va e Roma ai roma­ni: „No sfrat­ti per cen­tro acco­gli­en­za““ (La Repubbli­ca, 22.03.2017)

60 „Sfrat­to a una don­na incin­ta. E il Comu­ne assegna la casa agli egi­zia­ni“ (Il giorna­le, 24.01.2017)

61 „Estre­ma des­tra con­tro gli sfrat­ti: „Noi rego­la­ri da 753 anni pri­ma di Cris­to““ (Il giorna­le, 28.01.2017)

62 „Roma, quel­la guer­ra tra pove­ri che rac­con­ta un’Italia sco­no­sci­u­ta alle éli­te“ (Il Fat­to Quo­ti­dia­no, 07.12.2016)

63 „Roma, gli abi­tan­ti del­le case popola­ri cac­cia­no una famiglia maroc­chi­na: “Qui non vogli­a­mo negri”“ (Il Fat­to Quo­ti­dia­no, 06.12.2016); „Famiglia maroc­chi­na cac­cia­ta a Roma, Comu­ne: “La casa è sta­ta rioc­cupa­ta, ma non sap­pia­mo da chi”“ (Il Fat­to Quo­ti­dia­no, 08.12.2016)

64 Spa­zio Socia­le “Vener­dì 13”, Vicen­za“ (digi​lan​der​.libe​ro​.it, Juli 2001)

65 Foto: „12 anni di Casa­Po­und Lati­na“ (Face­book-Site: Casa­Po­und Lati­na, 23.11.2018)

66 Inter­net-Site Spa­zio libe­ro Cer­van­tes, La sto­ria

67 „Col­le­ver­de di Gui­do­nia: sgom­be­ra­ta l’oc­cup­a­zio­ne di Casa d’I­ta­lia“ (Roma today, 20.02.2019)

68 Lis­ta Cen­tri Socia­li Roma­ni (Romattiva.wordpress)

70 „I came­ra­ti abu­si­vi di Casa­Po­und: paren­ti e amici vivo­no gra­tis nel cen­tro di Roma“ (L‚Espresso, 01.03.2018)

71 „Il Cam­pi­do­glio M5S sfrat­ta Fratel­li d’I­ta­lia da Col­le Oppio“ (Next Quo­ti­dia­no, 01.11.2017)

72 „Roma, pron­to lo sgom­be­ro di Casa­Po­und, Ian­no­ne: “Sarebbe atto di guer­ra. Pron­ti a mor­i­re per difen­der­la”“ (Caglia­ri­pad., 25.01.2018)

73 „Casa­Po­und, Di Ste­fa­no: „Resis­te­remo con ung­hie e den­ti““ (Il giorna­le, 23.01.2018)

74 „Blitz a Casa­Po­und, minac­ce ai finan­zie­ri: «Se pro­va­te ad ent­ra­re finis­ce nel san­gue»“ (Il Mess­ag­ge­ro, 23.10.2018); „Casa­po­und, blitz Finan­za nel­la sede di Roma respin­to: ‚Se ent­ra­te finis­ce nel san­gue‘“ (Blas­ting News, 23.10.2018)

75 „Casa­Po­und bloc­ca la per­qui­si­zio­ne e ‚cac­cia‘ la Finan­za: „Trop­pe tele­ca­me­re, non garan­ti­ta digni­tà dei resi­den­ti““ (Roma Today, 23.10.2018)

76 „Sgom­be­ri, Rag­gi: «Casa­po­und? Sia­mo pron­ti, con­to su un sosteg­no del gover­no»“ (Il Mess­ag­ge­ro, 23.11.2018)

77 „Cam­pi­do­glio, ok a mozio­ne sgom­be­ro edi­fi­cio occup­a­to da Casa­Po­und“ (La Repubbli­ca, 29.01.2019)

78 „Sal­vi­ni sullo sgom­be­ro di Casa­Po­und: «Pri­ma ci occup­er­e­mo degli edi­fi­ci per­i­co­l­a­n­ti»“ (Giorna­l­et­tis­mo, 29.01.2019); „Sgom­be­ro Casa­po­und, Sal­vi­ni fre­na Rag­gi: „Pri­ma edi­fi­ci insta­bi­li e sot­to seque­s­tro““ (Roma Today, 30.01.2019)

79 „Esqui­li­no, cacio pepe e Casa­Po­und Da capo a oste, l’al­tra vita di Ian­no­ne“ (Cor­rie­re del­la Ser­ra, 05.08.2012); „Quan­do Matteo Sal­vi­ni anda­va a cena con Casa­Po­und“ (Next Quo­ti­dia­nio, 12.05.2018)

80 „Sal­vi­ni ver­sio­ne ultrà allo sta­dio: tra i vip con il ‚giub­bet­to sim­bo­lo di Casa­Po­und‘“ (La Rep­pu­bli­ca, 11.05.2018)

81 Foto: Matteo Sal­vi­ni und Chia­ra Gian­ni­ni (Face­book-Site: Altaf­or­te Edi­zio­ni, 17.12.2018)

82 Wiki­pe­dia: Vigi­lan­tis­mus

83 „Sal­vi­ni dichia­ra guer­ra ai cen­tri socia­li: sono per­i­co­lo­si“ (aska­news, 19.02.2019)

84 „Firen­ze, Sal­vi­ni: bene quin­to sgom­be­ro in sei mesi“ (aska­news, 13.02.2019)


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