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F wie Antifa

Themen : Что делать? Was tun! · No Comments · von 20. August 2013

Rezen­si­on: Herausgeber_innenkollektiv: »Fan­ti­fa. Femi­nis­ti­sche Per­spek­ti­ven anti­fa­schis­ti­scher Poli­ti­ken«, Ver­lag edi­ti­on assem­bla­ge, Müns­ter 2013, 194 Sei­ten, 12,80 Euro [geför­dert von der Rosa Luxem­burg Stif­tung]

fantifa_layout_final_U1_U4_72dpiFaschis­mus wird meist als zutiefst männ­li­ches Phä­no­men wahr­ge­nom­men, und auch der Anti­fa­schis­mus wird häu­fig als männ­lich domi­niert ange­se­hen. Dies kri­ti­sier­ten links­ra­di­ka­le Frau­en Ende der 1980er Jah­re und grün­de­ten femi­nis­ti­sche Anti­fa-Grup­pen, die ins­be­son­de­re in den frü­hen 1990er Jah­ren aktiv waren. Die meis­ten lös­ten sich dann aber bald wie­der auf.

In die­sen Grup­pen wur­de vor allem über die Rol­le von Män­nern und Frau­en in der Nazi- und der Anti­fa-Sze­ne dis­ku­tiert. Ers­tens gab es unter den Nazis schon immer vie­le Frau­en, womit Frau­en nicht nur Opfer waren, als wel­che sie im Zusam­men­hang mit Nazi-Akti­vi­tä­ten häu­fig genannt wer­den. Die­se Dis­kus­si­on wird in der Frau­en­for­schung unter dem Begriff der (Mit-)Täterschaft von Frau­en an patri­ar­cha­len oder auch faschis­ti­schen Ver­hält­nis­sen geführt. Zum ande­ren kri­ti­sier­ten die Frau­en das domi­nan­te Ver­hal­ten anti­fa­schis­ti­scher Män­ner, die sowohl in Ana­ly­se als auch Pra­xis Men­schen aus­schlie­ßen und sich mit ihrem gewalt­be­rei­ten Auf­tre­ten ihren Fein­den und der Poli­zei letzt­lich recht ähn­lich sei­en.

Das Phä­no­men der »Fan­ti­fa« betrach­tet nun ein neu­es Buch, das im Ver­lag edi­ti­on assem­bla­ge erschie­nen ist. Her­aus­ge­ge­ben wur­de es von zwei Frau­en und zwei Män­nern, die sich in der auto­no­men, anti­ras­sis­ti­schen und anti­fa­schis­ti­schen Lin­ken bewe­gen. Im ers­ten Block las­sen sie Akti­vis­tin­nen aus fünf mitt­ler­wei­le nicht mehr exis­tie­ren­den Fan­ti­fa-Grup­pen in län­ge­ren Inter­views zu Wort kom­men. Im zwei­ten Block wer­den die theo­re­ti­schen Debat­ten noch­mals ver­tieft.

Das Buch macht deut­lich: Anti­se­xis­ti­sches anti­fa­schis­ti­sches Han­deln ist kein »Frau­en­the­ma«. Lin­ke Män­ner tra­gen die hege­mo­nia­len Männ­lich­kei­ten mit und hal­ten die­se auf­recht — dazu fin­den sich zwei span­nen­de Inter­views im drit­ten Teil. Danach wer­den vier bekann­te­re, der­zeit akti­ve, anti­se­xis­ti­sche Anti­fa-Grup­pen aus Leip­zig, Wien, Mar­burg und Bre­men inter­viewt und damit die Ent­wick­lung der letz­ten zehn Jah­re nach­voll­zo­gen. Das Buch holt eine nahe­zu ver­ges­se­ne Debat­te noch­mals ins Bewusst­sein. Eine Debat­te, die bis heu­te nichts von ihrer Dring­lich­keit ein­ge­büßt hat. Mit »Fan­ti­fa« liegt ein lesens­wer­tes Geschichts­buch zu einem heu­te eher ver­ges­se­nen Strang der radi­ka­len Lin­ken vor. Die im Fak­si­mi­le abge­druck­ten Tex­te, die über ein Vier­tel des Buches ein­neh­men, wer­den älte­re Lesen­de eher nost­al­gisch an ihre Jugend erin­nern.

Die­se Rezen­si­on erschien am 14.8. auch im „Neu­en Deutsch­land“.

Eine wei­te­re Rezen­si­on aus ana­ly­se & kri­tik ist auf der RLS-Home­page hier zu fin­den.

 


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