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Erfolg für Meinungsfreiheit: Flüchtlingsrat Brandenburg obsiegt vor BVerfG

Gratulation!

 

P1070518Einen über­ra­schend ein­deu­ti­gen Erfolg hat der Flücht­lings­rat Bran­den­burg mit einer Beschwer­de vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erzielt: den Kolleg_innen vom Flücht­lings­rat gebührt gro­ßer Dank nicht nur für ihre jah­re­lan­ge exzel­len­te Arbeit im Sin­ne und zur Unter­stüt­zung von Flücht­lin­gen, Migrant_innen und Ille­ga­li­sier­ten und gegen Ras­sis­mus und behörd­li­che Will­kür, son­dern auch dafür, dass sie die­sen Strauß mit dem Rechts­amt aus­ge­foch­ten, bis in die höchs­te Instanz getra­gen haben und dem höchs­ten deut­schen Gericht einen Satz wie die­sen  ent­lock­ten: «Es ist zu berück­sich­ti­gen, dass das Recht, Maß­nah­men der öffent­li­chen Gewalt ohne Furcht vor staat­li­chen Sank­tio­nen auch scharf kri­ti­sie­ren zu kön­nen, zum Kern­be­reich der Mei­nungs­frei­heit gehört und bei der Abwä­gung beson­ders zu berück­sich­ti­gen ist.»

Wir doku­men­tu­ie­ren hier die gemein­sa­me Pres­se­er­klä­rung des Flücht­lings­ra­tes Bran­den­burg und des Repu­bli­ka­ni­schen Anwäl­tin­nen- und Anwäl­te­ver­eins (RAV) vom 9. August 2013:

«Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hebt Straf­ur­teil gegen Mit­ar­bei­ter des Flücht­lings­rats Bran­den­burg auf
«Denk­zet­tel für struk­tu­rel­len und sys­tem­in­ter­nen Ras­sis­mus an das Rechts­amt der Stadt Bran­den­burg» des Flücht­lings­rats fällt unter die Mei­nungs­frei­heit

Der Flücht­lings­rat Bran­den­burg hat­te anläss­lich des Anti­ras­sis­mus­ta­ges 2010 einen «Denk­zet­tel für struk­tu­rel­len und sys­tem­in­ter­nen Ras­sis­mus» an das Rechts­amt der Stadt Bran­den­burg an der Havel ver­lie­hen. Mit dem Denk­zet­tel kri­ti­sier­te der Flücht­lings­rat, dass eine Sach­be­ar­bei­te­rin der Behör­de einem Flücht­ling wider bes­se­res Wis­sen eine Vor­täu­schung sei­ner fach­ärzt­lich beschei­nig­ten Gehör­lo­sig­keit unter­stell­te und so sei­nen Antrag auf Ertei­lung einer Auf­ent­halts­er­laub­nis ablehn­te.

Die Sach­be­ar­bei­te­rin des Rechts­amt Bran­den­burg zeig­te dar­auf­hin die Ver­ant­wort­li­chen des Flücht­lings­rats wegen übler Nach­re­de an. Im März 2012 ver­ur­teil­te das Amts­ge­richt Pots­dam zwei Mit­ar­bei­ter des Flücht­lings­ra­tes wegen übler Nach­re­de zu einer Geld­stra­fe. Die gegen das Urteil ein­ge­leg­te Beru­fung wur­de vom Land­ge­richt Pots­dam wegen «offen­sicht­li­cher Unbe­gründet­heit» nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hob mit sei­nem heu­te ver­öf­fent­lich­ten Beschluss die­se Ver­ur­tei­lung auf. Es stell­te fest, dass die gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen die Mit­ar­bei­ter des Flücht­lings­rats in ihrem Grund­recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung ver­let­zen. Zur Begrün­dung führ­te das Ver­fas­sungs­ge­richt aus, dass die Gerich­te den Schutz­ge­halt des Grund­rechts auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung zu Unrecht ver­kürzt hät­ten. Gera­de das Recht, behörd­li­che Maß­nah­men ohne Furcht vor staat­li­chen Sank­tio­nen auch scharf kri­ti­sie­ren zu kön­nen, gehö­re zum Kern­be­reich der Mei­nungs­frei­heit.

«Ich bin sehr froh über die­se kla­re Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, weil damit die Ver­su­che sei­tens der Ver­tre­ter der Stadt Bran­den­burg und der Pots­da­mer Gerich­te, uns mund­tot zu machen, unter­bun­den wor­den sind», so Harald G., einer der Beschwer­de­füh­rer.

Für den Flücht­lings­rat, der sich u.a. als Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on für die Inter­es­sen von Flücht­lin­gen ver­steht und sich mit die­sem Selbst­ver­ständ­nis gegen dis­kri­mi­nie­ren­de und men­schen­un­wür­di­ge Zustän­de und Prak­ti­ken gegen­über Flücht­lin­gen enga­giert, sind die Ver­lei­hun­gen des Denk­zet­tels eine wich­ti­ge Mög­lich­keit, öffent­lich auf unhalt­ba­re Zustän­de auf­merk­sam zu machen.

Vor­stands­mit­glied des Flücht­lings­ra­tes Regi­na Götz: «Immer wie­der sind ins­be­son­de­re Flücht­lin­ge mit staat­li­chem Ras­sis­mus kon­fron­tiert, wie auch das aktu­el­le Bei­spiel der Äuße­run­gen von Rich­te­rin Pet­zoldt am Amts­ge­richt Eisen­hüt­ten­stadt zeigt. Dass uns das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nun in unse­rer Arbeit stärkt und der Kri­mi­na­li­sie­rung unse­rer Tätig­keit ent­schie­den ent­ge­gen tritt, ist für die gesell­schafts­po­li­ti­sche Arbeit gegen struk­tu­rel­len Ras­sis­mus von erheb­li­cher Bedeu­tung.»

Für wei­te­re Infor­ma­tio­nen:

Ent­schei­dung des BVerfG

- Pres­se­mit­tei­lung des BverG»


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