Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus



Braune Wallfahrten nach Rom

Der III.Weg“ auf Besuch bei Casa­Po­und Ita­lia im Janu­ar 2019. Grup­pen­fo­to auf der Via Napo­leo­ne III, Nr. 8 (screen­shot)

Auch in die­sem Jahr fand im römi­schen Stadt­teil Tus­co­la­no der jähr­li­che Gedenk­marsch für die drei faschis­ti­schen Jugend­li­chen Fran­co Bigon­zet­ti, Fran­ces­co Cia­vat­ta und Ste­fa­no Rec­chio­ni in der Via Acca Laren­tia statt. Sie waren dort im Janu­ar 1978 erschos­sen wor­den. Und wie im ver­gan­ge­nen Jahr waren auch in die­sem Jahr vie­le ita­lie­ni­sche Faschist*innen aus unter­schied­li­chen Grup­pen erschie­nen, um den drei Toten den römi­schen Gruß und ein „Pre­sen­te!“  zu ent­bie­ten. Die Bedeu­tung des jähr­li­chen Toten­kults hat unter der Hege­mo­nie von „Casa­Po­und Ita­lia“ in den letz­ten 10 Jah­ren ste­tig zuge­nom­men und ist für die extre­me Rech­te Ita­li­ens immer wei­ter ins Zen­trum gerückt. Unter den zahl­rei­chen Dele­ga­tio­nen waren auch Mit­glie­der aus­län­di­scher Grup­pie­run­gen aus Kana­da, Grie­chen­land, Polen, Schwe­den, der Ukrai­ne usw. ange­reist. Auch eine illus­tre Mischung teu­to­ni­scher Rech­ter hat­te sich ein­ge­fun­den, um am his­to­ri­schen Sitz der faschis­ti­schen Par­tei Nach­kriegs-Ita­li­ens, des „Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no“ (MSI) den längst Ver­stor­be­nen einen letz­ten Gruß nach­zu­brül­len. Die Run­de der Deut­schen spann­te sich dabei von der neo­na­zis­ti­schen Kleinst­par­tei Der III. Weg, dem Lei­ter des völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Pro­jekts „Ein Pro­zent für unser Land“ und Chef des „Jun­g­eu­ro­pa Ver­lags“, Phil­ip Stein, eini­gen Anhän­gern der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung (IB) bis hin zu einem Autor, der für das Online-Por­tal „Phi­lo­so­phia Peren­nis“ des AfD-nahen Theo­lo­gen David Ber­ger über (neu-rech­te) Ereig­nis­se in Ita­li­en schreibt.

Italia docet“

Ita­li­en lehrt“: Dies war das Pos­tu­lat des Rechts­in­tel­lek­tu­el­len und Publi­zis­ten Arthur Moel­ler van den Bruck (1876 — 1925) nach dem Marsch auf Rom der ita­lie­ni­schen Schwarz­hem­den im Okto­ber 1922, in des­sen Anschluss der ita­lie­ni­sche König Vik­tor Ema­nu­el III dem Füh­rer der Faschis­ten Beni­to Mus­so­li­ni die Regie­rungs­ge­walt über­schrieb. Van den Bruck, der im Jah­re 1909 eini­ge Zeit als Bohe­mi­en mit Künst­lern in Flo­renz ver­kehr­te, hat­te die­ses Cre­do schon im Jahr 1911 in Bezug auf den ita­lie­ni­schen Futu­ris­mus in der Zei­tung „Der Tag“ (18.11.1911) ver­wandt. Im Jahr 1922 zähl­te van den Bruck zu den pro­mi­nen­tes­ten Ver­tre­tern der soge­nann­ten Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on der 1920er Jah­re und ein wei­te­res Mal nutz­te er die­ses Cre­do als Titel für einen Arti­kel in der Zei­tung Gewis­sen des rechts­in­tel­lek­tu­el­len Juni­klubs. Damit präg­te er ein Mot­to, das für vie­le euro­päi­sche Rech­te der 1920er Jah­re Gewicht hat­te. Als einer der Ers­ten ver­folg­te er mit gro­ßer Auf­merk­sam­keit die Ent­wick­lung des ita­lie­ni­schen Faschis­mus unter Mus­so­li­ni. Hier­in sah er eine rich­tung­wei­sen­de Syn­the­se von Natio­na­lis­mus und Sozia­lis­mus und einen Teil einer „kon­ser­va­ti­ven Gegen­be­we­gung“, die durch Euro­pa gehen müs­se. Der von dem ehe­ma­li­gen Sozia­lis­ten Mus­so­li­ni stark gepräg­te Faschis­mus erreich­te in der Zwi­schen­kriegs­zeit bzw. bis zur Eta­blie­rung des deut­schen NS-Sys­tems, ein Vor­bild- und Modell­cha­rak­ter für ähn­li­che Bewe­gun­gen in ganz Euro­pa. Rom avan­cier­te zu einem „Gra­vi­ta­ti­ons­zen­trum“ (Hans Woller) für alle neu ent­stan­de­nen faschis­ti­schen Bewe­gun­gen und Par­tei­en. Und eine Audi­enz beim „Duce“ (dt.: Füh­rer) Mus­so­li­ni kam qua­si einer Akkre­di­tie­rung in der faschis­ti­schen Welt gleich.

Viele Wege führen nach Rom

Ob man in einer Art Ana­lo­gie von dem his­to­ri­schen „Ita­lia docet“ auf die heu­ti­gen Moti­ve für die rech­ten Pil­ger­fahr­ten nach Rom schlie­ßen kann? Wer weiß. Das kann einem ver­mut­lich nur die schwarz-brau­ne Pil­ger­schar selbst beant­wor­ten. Der „Drit­te Weg“ zumin­dest schreibt – ganz im Sin­ne eines trans­na­tio­na­len Ideo­lo­gie­trans­fers und „völ­ki­scher Soli­da­ri­tät“: „Unse­re natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­re Bewe­gung ver­steht sich selbst nicht nur als im Kampf um Deutsch­land, son­dern auch im Kampf um Euro­pa ste­hend. Daher ist es für uns eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, uns mit ande­ren euro­päi­schen Bewe­gun­gen auf Basis einer glei­chen oder ähn­li­chen Welt­an­schau­ung und einem ähn­li­chen poli­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis aus­zu­tau­schen und mit ihnen zusam­men­zu­ar­bei­ten. .… Wir kämp­fen einen gemein­sa­men Kampf für ein gemein­sa­mes Ziel: Ein frei­es Euro­pa.“

07.01.2019 — Krän­ze und Ker­zen des „III Wegs“ für die „gefal­le­nen Kame­ra­den“ von der Acca Laren­tia. (screen­shot)

In die­sem Sin­ne leg­te am 7. Janu­ar 2019 Klaus Arm­stroff, der Par­tei­vor­sit­zen­de des „III. Weges“, für die über zwan­zig­köp­fi­ge Rei­se­grup­pe Trau­er­schlei­fen und eine Toten­ker­ze vor der Ehren­ta­fel am MSI-Sitz ab. Einen Abend zuvor hat­ten die deut­schen Recken schon auf dem Kon­zert „Il fuo­co sacro“ (dt.: „Das hei­li­ge Feu­er“) den ita­lie­ni­schen Bands Bron­son, SPQR, Bel­la­toR, Dritt­a­core und Hob­bit gelauscht. Und im Zuge ihrer Rei­se besuch­ten sie die Sehens­wür­dig­kei­ten der „ewi­gen Stadt“, den Vati­kan, die Engels­burg, das Kolos­se­um, und — ganz im Sin­ne der Tra­di­ti­on — das Para­de­bei­spiel faschis­ti­schen Bom­basts, die Espo­si­zio­ne Uni­ver­sa­le di Roma (EUR), das Gelän­de der Welt­aus­stel­lung in Rom 1942. Der „III. Weg“ schrieb von einem „unver­gess­li­chen Ein­druck der Gesamt­at­mo­sphä­re. Hier konn­te mit jedem Atem­zug ein Stück euro­päi­scher Geschich­te geat­met wer­den und sich die Grö­ße der euro­päi­schen Kul­tur tief in das Herz ein­gra­ben.“ Laut ihrem Bericht besuch­te die Rei­se­grup­pe von der Infra­struk­tur „Casa­Pounds“ die Bar „Cut­ty Sark“ und das „Casa­Po­und“ in der Via Napo­leo­ne III. Hier führ­te sie Alber­to „Zip­po“ Pal­la­di­no durchs Haus und sie lie­ßen sich auf dem bekann­ten Flach­dach zusam­men mit ihrer Beglei­te­rin Ole­na Semen­ya­ka, der Koor­di­na­to­rin für inter­na­tio­na­le Bezie­hun­gen der “Azov Reconquista”-Gruppe und Mit­glied des Pres­se Ser­vice des ukrai­ni­schen Azov Regi­ments, für ein Grup­pen­fo­to ablich­ten. Ole­na Semen­ya­ka ist in Deutsch­land wie in Ita­li­en kei­ne Unbe­kann­te und Recon­quis­ta Україна hat­te erst am 6. Janu­ar einen Wer­be­film für „Casa­Po­und Ita­lia“ auf You­tube online gestellt.
Ansons­ten gaben der Bericht der Pil­ger­grup­pe, sowie das am 17. Janu­ar aus­ge­strahl­te Inter­view mit Alber­to Pal­la­di­no genau die Halb­wahr­hei­ten und Ver­dre­hun­gen wie­der, die man von einer sol­chen Glau­bens­ge­mein­schaft erwar­ten kann. So spra­chen sie über das Ent­rich­ten des römi­schen Gru­ßes wäh­rend des Trau­er­mar­sches: „Dazu wer­den eben­so vie­le Hän­de zum römi­schen Gruß in die Luft gereckt, trotz des­sen Straf­bar­keit. Kein Gesetz kann die Aus­füh­rung des­sen ver­hin­dern, was den Teil­neh­mern Befehl des Gewis­sens ist“. Und wei­ter: „Der ‚rechts­po­pu­lis­ti­sche‘ ita­lie­ni­sche Prä­si­dent [sic!], Matteo Sal­vi­ni, von der Par­tei Lega äußer­te im Übri­gen erst vor Kur­zem: ‚Der rich­ti­ge Platz für die­je­ni­gen, die ihre Hand heben, ist das Gefäng­nis‘. Er ver­deut­lich­te damit sei­ne Geis­tes­bru­der­schaft mit sei­nen bun­des­deut­schen Polit­kol­le­gen.“
Zunächst ist der römi­sche Gruß in Zusam­men­hang mit dem Geden­ken an Ver­stor­be­ne in Ita­li­en nicht (mehr) straf­bar. Das Gesetz, das ihn unter Stra­fe stell­te, kam im übri­gen so gut wie nie für den römi­schen Gruß zur Anwen­dung. Im Juni 2017 ist außer­dem zum Ent­set­zen vie­ler ita­lie­ni­scher Demokrat*innen vom römi­schen Kas­sa­ti­ons­ge­richts­hof per Dekret die Straf­lo­sig­keit des römi­schen Grus­ses im Zusam­men­hang mit einem Geden­ken an Ver­stor­be­ne ver­kün­det wor­den (Sen­ten­za n. 282982017). So ist erst letz­te Woche in Turin ein Pro­zess gegen neun „CasaPound“-Mitglieder ein­ge­stellt wor­den, die am 22. Okto­ber 2017 den römi­schen Gruß auf einem Fried­hof ent­rich­tet hat­ten und dafür ange­zeigt wor­den waren.
Und was den Kom­men­tar des Innen­mi­nis­ters — nicht Prä­si­den­ten — Sal­vi­ni angeht: Dies dürf­te sich auf ein Inter­view bezie­hen, in dem er sag­te: „Pos­to gius­to per chi aggre­dis­ce è la gale­ra“ (dt.: „Der rich­ti­ge Platz für die, die Ande­re angrei­fen, ist das Gefäng­nis“). Die­se Aus­sa­ge bezog sich auf einen Angriff von Faschist*innen der „Avan­guar­dia Nazio­na­le“, „For­za Nuo­va“ und „Fiam­me Nere“ am Nach­mit­tag des 7. Janu­ar auf dem zen­tra­len Fried­hof Roms. Wäh­rend einer Kund­ge­bung zu Acca Laren­tia  waren dabei zwei Jour­na­lis­ten des „L’Espresso“ atta­ckiert wor­den. Einer der Angrei­fer soll der loka­le „For­za Nuova“-Führer Giu­lia­no Cas­tel­li­no sein. Cas­tel­li­no war frü­her Mit­glied der „Fiam­ma Tri­co­lo­re“, als auch „Casa­Po­und“ noch Teil der faschis­ti­schen Tra­di­ti­ons-Par­tei war. Zusam­men besetz­ten die bei­den Grup­pen 2007 ein Haus in der Via Vala­di­er und nann­ten es Casa d’I­ta­lia Pra­ti.

22. April 2017 — Vale­rio Bene­detti, ein Ver­tre­ter von „Fons Peren­nis“ und Phil­ip Stein auf dem Kon­gress des Bloc­co Stu­den­tes­co in Rom (screen­shot)

Auf der Kund­ge­bung in der Via Acca Laren­tia dürf­ten die Kame­ra­den des „III. Wegs“ wei­te­ren Deut­schen begeg­net sein. So z.B. Phil­ip Stein, dem Lei­ter der rech­ten Kam­pa­gnen­platt­form „Ein Pro­zent für unser Land“ und des Jun­g­eu­ro­pa-Ver­lags. Es ist nicht Steins ers­ter Besuch in Rom und beim MSI-Sitz in der Acca Laren­tia. Schon im April 2017 saß er auf dem Podi­um des Kon­gres­ses Euro­pa – Comu­ni­ta di popo­li civil­ta des „Bloc­co Stu­den­tes­co“, der Schü­ler- und Stu­die­ren­den­or­ga­ni­sa­ti­on der „Casa­Po­und Ita­lia“. Neben ihm saßen Adria­no Sci­an­ca, der Kul­tur­spre­cher der „Casa­Po­und“, Chia­ra del Fiac­co, die ein­fluss­rei­che Faschis­tin und Inha­be­rin des rech­ten Mode­la­dens „Bad­abing“, der neu-rech­te Autor Juli­en Lan­gel­la aus Frank­reich, der His­to­ri­ker Vale­rio Bene­detti von „Il Pri­ma­to Nazio­na­le“ und ande­re Exponent*innen der extre­men Rech­ten Euro­pas. Zum Acca Laren­tia in Rom 2019 soll Phil­ip Stein in Beglei­tung von Vol­ker Ziercke und Jörg Dit­tus aus dem Milieu der Iden­ti­tä­ren ange­reist sein.

Screen­shot von der Sen­dung „Fas­sa­den­de­mo­kra­tie“ des „AfD Wendezeit“-Kanals auf You­tube: zu sehen sind David Ber­ger (li.) und Jür­gen Elsäs­ser vom „Com­pact“ — Maga­zin

Aber auch das AfD-Umfeld durf­te auf dem Auf­marsch nicht feh­len. Auf dem Online-Por­tal Phi­lo­so­phia Peren­nis des theo­lo­gi­schen Rechts­aus­le­gers David Ber­gers erschien am 16. Janu­ar ein begeis­ter­ter Erleb­nis­be­richt über den faschis­ti­schen Auf­marsch mit dem Titel Stil­le in Rom … des Archi­tek­tur­his­to­ri­kers Wulf D. Wag­ner, einem Mit­un­ter­zeich­ner der Erklä­rung 2018. Der 51jährige schwu­le Theo­lo­ge und Publi­zist Ber­ger ist Kura­to­ri­ums­mit­glied der AfD-nahen Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung. Die Nähe Ber­gers poli­ti­scher Posi­tio­nen zu denen der Casa­Po­und Ita­lia ist auch an ande­rer Stel­le sei­nes Blogs – in einem von ihm gege­be­nen Inter­view in der Janu­ar­aus­ga­be 2019 der „Il Pri­ma­to Nazio­na­le“ — ersicht­lich. Das Inter­view, das der als Mis­ter Homo­pho­bia 2017 prä­mier­te Ber­ger dem faschis­ti­schen Monats­blatt gab, kann man auf sei­nen Blog unter dem Titel „Hüten wir uns vor der Auf­lö­sung des klas­si­schen Ide­als von Ehe und Fami­lie!“ ein­le­sen und wur­de schon von dem Maga­zin Queer​.de the­ma­ti­siert.

Kri­tik an der Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft mit Faschist*innen, dem Inter­view­part­ner Vale­rio Bene­detti und den geäu­ßer­ten Posi­tio­nen Ber­gers ver­sucht man mit einem Nach­trag zu Wag­ners Arti­kel bei­zu­kom­men. Der Jung­his­to­ri­ker Vale­rio Bene­detti, der im Jahr 2017 von Frank­fur­ter Antifaschist*innen als Theo­re­ti­ker und Ideo­lo­ge des Neo-Faschis­mus geoutet wur­de,  wird auf Ber­gers Blog zu einem bekann­ten Publi­zis­ten sti­li­siert. Kein Wort zu des­sen Wir­ken in Ita­li­en und Deutsch­land, wie z.B. des­sen Auf­tritt im letz­ten August in Dres­den beim Jun­g­eu­ro­pa Ver­lag. Das faschis­ti­sche Monats­blatt „Il Pri­ma­to Nazio­na­le“, das seit sei­nem Bestehen jedes Cover und jede Auf­ma­cher-Sto­ry mit einer hass­erfüll­ten Feind­mar­kie­rung gegen Demokrat*innen und Humanist*innen ver­sieht, wird auf Ber­gers Blog zu einer „ernst genom­me­nen Zeit­schrift“. Und man befin­det: „Jeder freie Den­ker und His­to­ri­ker darf schrei­ben, wo er will. Wenn die lin­ke TAZ, das ‚Neue Deutsch­land‘ oder die neu­rech­te Sezes­si­on oder Tumult mich fra­gen, schrei­be ich dort. Was ein ande­rer drei Sei­ten zuvor oder zwei nach mir schreibt, hat mit mir nichts zu tun. Es ist unser Recht unse­re Gedan­ken und unser Wis­sen zu ver­brei­ten!“

Geor­gia Melo­ni, Par­tei­che­fin der „Fratel­li d‚Italia“ in der Janu­ar-Aus­ga­be der „Il Pri­ma­to Nazio­na­le“ 2019 (screen­shot)

Da kann man nur sagen: Gleich und gleich gesellt sich gern. Nicht nur David Ber­ger als Kura­tor der AfD-Stif­tung gibt der faschis­ti­schen „Il Pri­ma­to Nazio­na­le“ ein Inter­view. Auch Geor­gia Melo­ni, die Par­tei­vor­sit­zen­de der (post)faschistischen Fratel­li d‚Italia, gibt in die­ser Janu­ar-Aus­ga­be dem Maga­zin ein Inter­view. Mit ähn­li­chen rhe­to­ri­schen Abwehr­mus­tern wie Ber­ger reagier­te im Jahr 2014 der gla­mou­rö­se Phi­lo­soph und angeb­li­che Marx-Exper­te Die­go Fus­a­ro, auf den man sich auf Ber­gers Blog als Kron­zeu­gen für die angeb­li­che Unver­fäng­lich­keit der „Il Pri­ma­to Nazio­na­le“ beruft. Fus­a­ro wur­de im Febru­ar 2014 für sei­nen ers­ten ange­kün­dig­ten Auf­tritt bei „Casa­Po­und Ita­lia“ unter dem Titel „Ció che è vivo ciò che è mor­to in Marx“ (dt.: „Was lebt und was tot ist bei Marx“) öffent­lich kri­ti­siert. Damals schreck­te der bis dato nur als Marx-Spe­zia­list bekann­te und gern auf lin­ken, glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen gese­he­ne Aka­de­mi­ker noch vor sei­nem Auf­tritt im Haupt­sitz der „Casa­Po­und Ita­lia“ zurück.

 

Die­go Fus­a­ro, Alex­an­der Dugin, Mau­ri­zio Murel­li, Adria­no Scia­na und Fran­ces­co Pol­ac­chi am 20.6.2018 in Mai­land (screen­shot)

Eine poli­ti­sche Ein­sicht lag dem aber nicht zugrun­de. Zwar sah sich Die­go Fus­a­ro zu einer Distan­zie­rung von den Faschist*innen genö­tigt, jam­mer­te aber, er sei in sei­nen Per­sön­lich­keits­rech­ten ein­ge­schränkt – wie heu­te David Ber­ger. Mitt­ler­wei­le ist Fus­a­ro gänz­lich in der Neu­en Rech­ten ange­kom­men, debat­tiert auf Kon­fe­ren­zen mit dem Grand­sei­gneur der „Nou­vel­le Droi­te“ Alain de Benoist, dem rus­si­schen Natio­nal-Bol­sche­wis­ten Alek­san­dr Dugin, dem wegen Ermor­dung eines Poli­zis­ten ver­ur­teil­ten Mai­län­der Faschis­ten, Ver­le­gers und Autors Mau­ri­zio Murel­li u.a., hält Vor­trä­ge auf „Casa­Po­und“-Kon­gres­sen und schreibt Gast­bei­trä­ge in diver­sen neu-rech­ten Publi­ka­tio­nen.

 

Ange­sichts die­ses offen­sicht­li­chen trans­na­tio­na­len Ideo­lo­gie­trans­fers deut­scher Rech­ter, rus­si­scher Nationalist*innen, fran­zö­si­scher Völ­ki­scher und ita­lie­ni­scher Faschist*innen und der zuneh­men­den „Serio­si­fi­zie­rung“ die­ser kru­den Dis­kur­se bis hin­ein in die par­la­men­ta­ri­sche Rech­te muss man sich nicht über den gesamt-euro­päi­schen Rechts­ruck wun­dern.

 

 

 

 


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