Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


We can breathe

Prelude

Als ich in den letzten Monaten gefragt wurde, wie es mir geht, konnte ich meistens nur «besser» sagen. Denn dieses «besser» war für mich existenziell wichtig. Es beschrieb im Kern, wie es mir ging. Es folgte meistens dieser merkwürdige Moment, in dem mir aufgrund der Reaktion meines Gegenübers klar wurde, dass meine Antwort nicht verständlich ist, solange ich nicht benenne, warum es mir denn vorher «schlecht» gegangen war. Es reichte nicht zu sagen, worin die Verbesserung bestand, nein. Ich war irgendwie gezwungen zu benennen, was mein Bezugspunkt war. Was eigentlich der Ausgangspunkt des «besser» war. Um diesen merkwürdigen Moment und die darauf folgende Erklärdynamik zu vermeiden, antwortete ich manchmal mit «gut». Doch das war eine Lüge. Und ich entschied mich für die Wahrheit. Ich entschied, das vorangegangene «Schlechte» offen zu benennen. Seitdem frage ich mich wieder: Ist es möglich, über Selbststärkung und -ermächtigung zu sprechen, ohne darüber zu sprechen, was mich schwächt und entmächtigt? Ist es eigentlich möglich, immer und immer wieder die Befreiung meines Körpers zu proben, ohne zugleich auch aufzuzeigen, wer oder was mir Freiheit raubt? Kann ich von meiner Heilung sprechen, ohne davon zu sprechen, was mich krank macht?