Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Töten zur Entspannung

Themen : Allgemein · 0 Kommentare · von 10. November 2015

Rezen­si­on: Klaus The­we­leit: Das Lachen der Täter: Brei­vik u.a. Psy­cho­gramm der Tötungs­lust. Wien: Resi­denz Ver­lag, 2015.

Das Lachen der Täter. Breivik u.a. (2015)

Das Lachen der Täter. Brei­vik u.a. (2015)

«Das Lachen der Täter» und nicht der Täte­rin­nen. Das gene­ri­sche Mas­ku­li­num ver­wen­det The­we­leit nicht wie so vie­le um der leich­te­ren Les­bar­keit wil­len. Es ist das Lachen der Täter: der Män­ner und nicht der Frau­en. Denn es gibt kei­ne Täte­rin­nen. Die Kern­the­se des Buchs steckt damit bereits im Titel.

Die Tat, bei der die Män­ner lachen, ist Töten in Form von Mord und Tot­schlag, das Quä­len, Fol­tern und Ver­ge­wal­ti­gen. Die Fra­ge, die sich The­we­leit stellt: War­um lachen Täter dabei? War­um emp­fin­den sie Lust wäh­rend­des­sen oder wenn sie hin­ter­her von ihren Taten berich­ten?


Recht und Billigung

Themen : Allgemein · 0 Kommentare · von 12. Oktober 2015

Pro­zess gegen Anti­fa-Urge­stein Bernd Lan­ger: Gericht sieht in Zei­tungs­in­ter­view den öffent­li­chen Frie­den gestört

antifalogo

Das klas­si­sche Anti­fa-Logo

«Es han­delt sich hier um einen poli­ti­schen Pro­zess», so schließt Bernd Lan­ger sei­ne Erklä­rung vor dem Amts­ge­richt Tier­gar­ten. Er ist ange­klagt, weil er in einem Inter­view mit dem «neu­en deutsch­land» (nd) gesagt hat, dass der Anschlag auf die Zei­tung «Jun­ge Frei­heit» 1994 eine «Super­ak­ti­on» gewe­sen sei. Die Staats­an­walt­schaft warf ihm des­halb Bil­li­gung einer Straf­tat vor: Laut Ankla­ge habe er öffent­lich einen  Brand­an­schlag auf eine Dru­cke­rei in Wei­mar im Jahr 1994 in einer Wei­se gut­ge­hei­ßen, die beson­ders durch sei­ne Wor­te «Der Kampf geht wei­ter», zur Nach­ah­mung auf­ru­fe und somit geeig­net sei, den öffent­li­chen Frie­den zu stö­ren (§ 140 StGB Abs. 2).


Rassistischer Gimmick

Rewe_Werbung_groß_20.9.2015Der renom­mier­te Schul­buch­ver­lag Klett soll sei­ne ras­sis­ti­sche Schul­buch­rei­he «Mei­ne India­ner­hef­te» ein­stel­len. Das zumin­dest for­dert der Ver­ein glo­kal e.V.  in einem offe­nen Brief. Die kri­ti­sier­ten Hef­te sind Lern­ma­te­ria­li­en für Grund­schul­kin­der, die mit Ano­ki, einem klei­nen «India­ner» illus­triert sind. Der Klett-Ver­lag hat reagiert und glo­kal e.V. ein Gesprächs­an­ge­bot gemacht.

glo­kal kri­ti­siert die Schul­hef­te dafür, dass sie Nati­ve Ame­ri­cans als Mas­kott­chen für Wer­be­zwe­cke miss­brau­chen und sie kli­schee­haft dar­stel­len wür­den. Die­se Kri­tik wird von Orga­ni­sa­tio­nen der Nati­ve Ame­ri­cans und 200 ande­ren Unterzeichner_innen aus Schu­le, Poli­tik und Wis­sen­schaft unter­stützt. Sei­tens Vertreter_innen der Nati­ve Ame­ri­cans in den USA wer­den seit Jah­ren Kam­pa­gnen wie «We are a cul­tu­re, not a cos­tu­me» und «Not your mas­cot» betrie­ben, um auf die ras­sis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung auf­merk­sam zu machen.

Ein Inter­view mit glo­kal e.V.


Dialog der Klapptafeln

«We will rise»-Aus­stel­lung zur Refu­gee-Bewe­gung

Kurz vor der Aus­stel­lungs­er­öff­nung Anfang August kam es zu einer hef­ti­gen Debat­te. Im Hof des Fried­richs­hain-Kreuz­berg-Muse­ums dis­ku­tier­ten die Ausstellungsmacher_innen mit der Muse­ums­lei­tung dar­über, ob und wie die Refu­gee-Bewe­gung die Poli­tik des Bezirks kri­ti­sie­ren darf. Der Bezirks­teil Kreuz­berg war einer der Kris­tal­li­sa­ti­ons­punk­te der neu­er­lich erstark­ten Bewe­gung der letz­ten Jah­re. Hier befin­den sich der Ora­ni­en­platz mit dem berühmt gewor­de­nen Pro­test­camp und die mit einem mas­si­ven Poli­zei­auf­ge­bot geräum­te Ger­hart-Haupt­mann-Schu­le.


Den NSU-Prozess öffnen und ent-grenzen

Themen : Allgemein, Gedenkpolitiken, NSU-Komplex · 0 Kommentare · von 10. September 2015

Wie viel Macht steckt in der Archi­tek­tur des Gerichts­saals, wo der NSU-Pro­zess statt­fin­det? Wer erzählt was über den NSU und wes­sen Sicht­wei­se wird gehört? Wer berich­tet zum Pro­zess aus wel­chen Moti­ven? Und war­um dis­ku­tie­ren so vie­le über den NSU, ohne über Ras­sis­mus in der Gesell­schaft zu spre­chen?entgrenzen3

Der Blog nsu­pro­zess­ent­gren­zen stellt wich­ti­ge Fra­gen. Und er gibt mög­li­che Ant­wor­ten.

Der Blog will nicht nur über den Pro­zess selbst infor­mie­ren, son­dern er will ana­ly­sie­ren, näm­lich die Art und Wei­se, wie berich­tet wird. Ein tol­les Ange­bot, aber es wird klar: Der Blog zum NSU-Kom­plex bleibt mit sei­ner Ana­ly­se kom­plex. nsu­pro­zess­ent­gren­zen behan­delt «Macht- und Herr­schafts­ver­hält­nis­se», «die Rol­le von Recht und Raum» und «Nar­ra­ti­ve» – alles kei­ne All­tags­wor­te und nicht so ein­fach zu lesen wie Zei­tungs­ar­ti­kel.


Pegida-Gegner seit Wochen in München in Untersuchungshaft

Der jun­ge Anti­fa­schist Paul wur­de bei Pro­tes­ten gegen die ras­sis­ti­sche Pegi­da-Kund­ge­bung am 20. Juli 2015 auf dem Mün­che­ner Mari­en­platz wegen sei­ner klei­nen Fah­ne von Zivilpolist_innen fest­ge­nom­men. Seit­dem sitzt er in Unter­su­chungs­haft.


«Unfassbare Geschichtsvergessenheit»

Unser Koope­ra­ti­ons­part­ner Ama­ro Foro e.V. ver­öf­fent­licht aus Anlass des Gedenk­ta­ges an den Geno­zid an Sin­ti und Roma wäh­rend des Natio­nal­so­zia­lis­mus eine Pres­se­mit­tei­lung zu den aktu­ell im Zuge der aggres­si­ven, von der CSU eska­lier­ten «Zuwan­de­rungs­de­bat­te» gefor­der­ten Son­der­la­gern für «Bal­kan­flücht­lin­ge». Der von Horst See­ho­fer ein­ge­brach­te Vor­schlag, die Geflüch­te­ten aus Staa­ten wie Maze­do­ni­en und Koso­vo in Son­der­la­ger unter­zu­brin­gen, wird von Ama­ro Foro auf das Schärfs­te kri­ti­siert. Vie­le der «Bal­kan­flücht­lin­ge» sei­en Roma, wes­halb der ras­sis­ti­sche Vor­schlag des baye­ri­schen Minis­ter­prä­si­den­ten von einer «unfassbare[n] Geschichts­ver­ges­sen­heit» zeu­ge. Der Vor­sit­zen­de Merd­jan Jaku­pov, selbst Rom aus Maze­do­ni­en, erklärt dazu: «Anläss­lich des 2. August wird in Deutsch­land von Sin­ti und Roma des Geno­zids im Natio­nal­so­zia­lis­mus gedacht. In der Nacht zum 2. August wur­den in Ausch­witz fast 3000 Men­schen im soge­nann­ten Zigeu­ner­la­ger ermor­det. Es ist unfass­bar, dass heu­te ein Minis­ter­prä­si­dent in Deutsch­land tat­säch­lich Son­der­la­ger für eine bestimm­te Grup­pe von Flücht­lin­gen vor­schla­gen kann, ohne sofort zurück­tre­ten zu müs­sen.»


Im Zweifel für Racial Profiling

Vor dem Amts­ge­richt Tier­gar­ten ist ein 55-jäh­ri­ger Mann ange­klagt. Er weint. Nicht nach dem Urteil oder wenn er sich gegen die Vor­wür­fe sei­tens der Staats­an­walt­schaft wehrt, son­dern immer dann, wenn er schil­dert, wie es sich für ihn anfühlt, ras­sis­tisch behan­delt zu wer­den. Wenn er von einem Poli­zist als Affe bezeich­net wird – zwei Mal. Auch auf Nach­fra­ge, ob er ihn gera­de rich­tig ver­stan­den habe. Und wenn er beim Jog­gen im Park von Polizist_innen über Wochen auf­fäl­lig beob­ach­tet wird, wenn sie ganz lang­sam mit dem Strei­fen­wa­gen neben ihm her fah­ren. »That’s a tra­ves­ty!«, das sei eine Tra­ves­tie, so beur­teilt der Ange­klag­te das Ver­fah­ren, nach­dem die Rich­te­rin ihr Urteil ver­kün­det hat. Mit die­ser Aus­sa­ge ver­ab­schie­det er sich, als er aus Pro­test den Saal ver­lässt: »I can’t lis­ten to this any­mo­re«, er kön­ne das nicht mehr hören.

 


Racial Profiling

 

Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den erkennt in Raci­al Pro­filing kei­ne Grund­rechts­ver­let­zung

racial profiling

Für das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den stellt eine öffent­li­che Stig­ma­ti­sie­rung durch die Poli­zei kei­ne »tief­grei­fen­de spe­zi­fi­sche Grund­rechts­ver­let­zung« für die betrof­fe­nen Men­schen dar. Raci­al Pro­filing wur­de nicht als ras­sis­ti­sche Struk­tur in der Poli­zei­ar­beit erkannt.


Parteinahme und Augenhöhe

Sym­po­si­um zur Wür­di­gung des Wer­kes der jüngst ver­stor­be­nen Bir­git Rom­mels­pa­cher

 

dominanzkultur reloadedUner­war­tet und plötz­lich ist Bir­git Rom­mels­pa­cher gestor­ben: Am 16. April die­ses Jah­res im Alter von 69 Jah­ren in Frank­furt. Dort hat­te sie an der Goe­the-Uni­ver­si­tät Tage zuvor eine Seni­or­pro­fes­sur ange­tre­ten. Anfang Juli fand im Audi­max der Ali­ce-Salo­mon-Hoch­schu­le (ASH) in Ber­lin-Hel­lers­dorf nun eine Gedenk­ver­an­stal­tung statt, die Bir­git Rom­mels­pa­cher als Mensch und ihr Werk als Akti­vis­tin und Wis­sen­schaft­le­rin wür­dig­te. Rom­mels­pa­chers intel­lek­tu­el­ler Scharf­sinn in der Gesell­schafts­ana­ly­se und ihre gerech­ten sowie muti­gen For­de­run­gen, ihre stö­ren­de und auch selbst­re­flek­tie­ren­de Kri­tik hät­ten ohne ihre sozia­le Kom­pe­tenz die Anwe­sen­den nicht der­art nach­drück­lich ver­än­dert. Durch ihr Leben inmit­ten der Men­schen, die am Gedenk­abend zu Wort kamen, hat­te sie eben­so gewiss wie mit ihrer wis­sen­schaft­li­chen und poli­ti­schen Arbeit einen gro­ßen Ein­fluss.