Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Mehr als nur ästhetische Korrekturen

Empower-Was?

Fes­ti­wal­la 2011, Zugangs­pa­ra­de zum Haus der Kul­tu­ren der Welt. Foto: JTB

Als wir vor ziem­lich genau elf Jah­ren in einem der von den Ber­li­ner Quar­tiers­rä­ten soge­nann­ten sozia­len Brenn­punk­te ein Pro­jekt ins Leben rie­fen, bei dem sich Jugend­li­che aus nicht gera­de pri­vi­le­gier­ten Ver­hält­nis­sen selbst «ermäch­tig­ten» und ihre Anlie­gen in Form von Thea­ter, Musik und Tanz auf eine Büh­ne brach­ten, war der Begriff Empower­ment als päd­ago­gi­scher Ansatz im deutsch­spra­chi­gen Raum noch kein Mode­wort, wie es der­zeit ist.

Heu­te erle­ben wir, dass eini­ge Ansät­ze aus der Bür­ger­rechts- und ande­ren Bewe­gun­gen, in der Pri­vat­wirt­schaft, in den Chef­eta­gen glo­ba­ler Kon­zer­ne und nun auch lang­sam – oft im Schne­cken­tem­po, aber doch zuneh­mend – Ein­gang in behä­bi­ge­re und struk­tur­kon­ser­va­ti­ve­re Insti­tu­tio­nen fin­den wie Schu­len, den öffent­li­chen Dienst und staat­lich geför­der­te Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen in Deutsch­land. Dies ist zum einen sicher­lich der Tat­sa­che geschul­det, dass es mitt­ler­wei­le end­lich auch in Deutsch­land ein All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz gibt, auf des­sen Umset­zung die EU pocht; zum ande­ren ist es auch Aus­druck der Kri­se z.B. der eta­blier­ten Kul­tur­be­trie­be, die ange­sichts lee­rer Zuschau­er­rän­ge den Druck ver­spü­ren, Ver­jün­gungs- und Moder­ni­sie­rungs­stra­te­gi­en zu erpro­ben.

So wird unter dem Stich­wort Diver­si­ty von Personaler_innen die bahn­bre­chen­de Erkennt­nis ver­han­delt, dass inter­kul­tu­rel­le Beleg­schaf­ten und Teams eine Berei­che­rung dar­stel­len kön­nen oder dass qua­li­fi­zier­te Frau­en, Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund oder Behin­de­run­gen, nach­dem sie jahr­zehn­te­lang dis­kri­mi­niert wur­den und immer noch wer­den, den Insti­tu­tio­nen nicht unbe­dingt von allei­ne die Bude ein­ren­nen, son­dern dass es dazu auch Ermu­ti­gung und direk­ter Anspra­che, viel­leicht sogar spe­zi­el­ler För­der­pro­gram­me oder gar Quo­ten bedarf. Empower­ment-Ansät­ze gel­ten mitt­ler­wei­le als Qua­li­täts­merk­mal in Pro­jekt­an­trä­gen für För­der­mit­tel und man­cher Akademiker_in in der Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung wer­den mit­tels des neu­en «Fixstern(s) am Him­mel der psy­cho­so­zia­len Arbeit» gar neue Job­chan­cen eröff­net. Ein Grund zur Freu­de? Wir sehen das mit gemisch­ten Gefüh­len und einer ordent­li­chen Por­ti­on Skep­sis.