Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Grau-brauner Terror: Graue Wölfe in Deutschland und Berlin

Themen : Allgemein, Neonazismus, NSU-Komplex, Rassismus · 0 Kommentare · von 8. Dezember 2015
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Sym­bol der Grau­en Wöl­fe, Quel­le: Wiki­pe­dia

Die Wöl­fe heu­len wie­der

Eine Schlan­ge bil­det sich vor dem Süd­block in Ber­lin Kreuz­berg. Zwei schwarz geklei­de­te Per­so­nen bewa­chen den Ein­gang, kon­trol­lie­ren die War­ten­den und las­sen immer nur drei Men­schen nach­ein­an­der in das Lokal. Im nahen Umfeld ste­hen meh­re­re Per­so­nen mit Tele­fo­nen und beob­ach­ten die Men­ge. Sze­nen, die an einem Frei­tag- oder Sams­tag­abend nichts Unge­wöhn­li­ches sind, an einem Mitt­woch­abend im Dezem­ber aber eher über­ra­schend. Im Gebäu­de erwar­tet die Gäs­te an die­sem Abend indes kei­ne Musik, son­dern eine Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung zu den tür­ki­schen ultra­na­tio­na­lis­ti­schen „Grau­en Wöl­fen“. Gela­den hat­ten die lin­ke pro-kur­di­sche HDP Ber­lin (Hal­kların Demo­kra­tik Par­ti­si, deutsch: Demo­kra­ti­sche Part­nei der Völ­ker), der Ber­li­ner RLS-Able­ger Hel­le Pan­ke und TOP Ber­lin.


Odfried Hepp in Ost-Berlin: Stasi und (west-)deutsche Nazis

Themen : Allgemein, Antisemitismus, Neonazismus, NSU-Komplex · 0 Kommentare · von 4. Dezember 2015

Uwe Mund­los, Uwe Böhn­hardt (1. und 3. v. rechts) und spä­te­re Unter­stüt­zer des NSU 1996 vor dem Gerichts­ge­bäu­de in Jena, wo sich Man­fred Roeder ver­ant­wor­ten muss­te Bild: apa­biz e.V.

Die Über­schnei­dun­gen und teil­wei­se gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung von Geheim­diens­ten und Neo­na­zis sind in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (BRD) nicht erst seit der Selbstent­tar­nung des NSU (Natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Unter­grund) immer wie­der vor­ge­kom­men. Im Ver­lauf der Geschich­te der BRD gab es immer wie­der undurch­sich­ti­ge Seil­schaf­ten zwi­schen den Inlands- sowie Aus­lands­ge­heim­diens­ten und der (west-)deutschen Neo­na­zi­sze­ne. Aber auch auf der ande­ren Sei­te des Eiser­nen Vor­hangs in der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik (DDR) wur­de die deut­sche Neo­na­zi­sze­ne inten­siv beob­ach­tet und Infor­ma­tio­nen, teil­wei­se auch über mensch­li­che Quel­len, ein­ge­holt. Bei eini­gen Fäl­len gab es sogar akti­ve Unter­stüt­zung durch die Staats­si­cher­heits­or­ga­ne der DDR. Der Jour­na­list Andre­as Förs­ter hat sich durch die Sta­si-Akten der Abtei­lung 22, die Abtei­lung des Minis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit, zustän­dig für „Ter­ror­ab­wehr“, gear­bei­tet und eini­ge inter­es­san­te Ver­bin­dun­gen zwi­schen füh­ren­den (west-)deutschen Neo­na­zi-Kadern der 1980er Jah­re und der DDR her­aus­ge­ar­bei­tet. In einem Vor­trag bei der Hel­len Pan­ke  berich­te­te er über sei­ne Ergeb­nis­se.


Erfahrungsbericht: NSU-Prozess

Besu­cher­ein­gang zum NSU Pro­zess Foto: Robert Andre­asch

Über den Besuch von vier Pro­zess­ta­gen im Okto­ber 2015 und Novem­ber 2015

Ich woll­te schon so viel frü­her hier sein, im Straf­jus­tiz­zen­trum Mün­chen, wo das Ober­lan­des­ge­richt (OLG) im Saal 101 tagt. Bea­te Zschä­pe, Ralf Wohl­le­ben, André Emin­ger, Hol­ger Ger­lach, Cars­ten Schult­ze, all die Rechts­ter­ro­ris­ten von nahem sehen. Die Stim­mung des Pro­zes­ses auf­neh­men. Das „Thea­ter­spiel“ des Gerichts, das mir so vie­le schon beschrie­ben haben, mit eige­nen Augen sehen. Das Gele­se­ne und Erzähl­te in Erfah­rung umwan­deln.

Am Ende war es der 30.9.2015, Pro­zess­tag 233. Ich kam gera­de von der soge­nann­ten „Bal­kan­rou­te“ , war in vier Tagen 2000 Kilo­me­ter unun­ter­bro­chen unter­wegs, um Geflüch­te­te auf ihrem Weg nach und in Euro­pa ansatz­wei­se zu unter­stüt­zen; davor die Wochen war ich in Frei­tal, Hei­denau, Dres­den, um dem ras­sis­ti­schen Mob in sei­nem Bio­top etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Die Erfah­run­gen des „Som­mers der Migra­ti­on“ und die Pogrom­stim­mung in Sach­sen lagen hin­ter mit.

Dann Mitt­woch­mor­gen 8:30 in der Nym­phen­bur­ger­stra­ße in Mün­chen im NSU–Prozess, meh­re­re Besu­che folg­ten und wer­den fol­gen. Was erwar­te­te ich? Trau­er, Ohn­macht, Bedrü­ckung, Wut, Schock, Resi­gna­ti­on?! Sicher kann ich das nicht sagen, doch schon zu Beginn sah ich mich mit einem Gedan­ken­cock­tail kon­fron­tiert.


EDEWA: Berlins erster widerständiger Supermarkt

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Regal des EDEWA, Foto: Mar­co Schott

EDEWA: Ber­lins ers­ter wider­stän­di­ger Super­markt

Inter­es­siert beugt sich eine „Kun­din“ über eine Packung „Super­blöd­manns“, ein an die „Scho­ko­küs­se“ ange­lehn­tes Pro­dukt im ers­ten anti­ras­sis­ti­schen und wider­stän­di­gen Super­markt Ber­lins, kurz EDEWA. Nach dem Öff­nen erwar­ten die Besucher_innen kei­ne süßen Lecke­rei­en, son­dern wei­ße und schwar­ze Scho­ko­küs­se aus Papp­ma­sche, auf deren Unter­sei­te Gedich­te der schwar­zen Femi­nis­tin May Ayim geklebt sind. Die­se und wei­te­re anti­ras­sis­ti­sche und anti­se­xis­ti­sche Pro­dukt-Adap­tio­nen las­sen sich in der EDE­WA-Filia­le in Neu­kölln bestau­nen. EDEWA steht für „Ein­kaufs­ge­nos­sen­schaft anti­ras­sis­ti­schen Wider­stan­des“, eine inter­ak­ti­ve Wan­der­aus­stel­lung, die ihre Besucher_innen auf Ras­sis­men und Sexis­men, sowie ande­ren Unter­drü­ckungs­for­men inner­halb der Mehr­heits­ge­sell­schaft auf­merk­sam machen will.

Dabei haben die Initiator_innen eine Kulis­se gewählt, die jede_r von uns kennt. In Form eines Super­mark­tes zei­gen sie die Dis­kri­mi­nie­rung anhand einer brei­ten Palet­te von Pro­duk­ten, die uns im täg­li­chen Leben so oder so ähn­lich begeg­nen. Am 15.11.2015 fand die Eröff­nung inklu­si­ve Füh­rung durch die „Filia­le“ statt. Dazu kamen etwa 60 Per­so­nen in die klei­ne, namen­lo­se Gale­rie in die Weser­stra­ße 176 in Ber­lin-Neu­kölln.


Antifa heißt Arbeitskampf“

Themen : Allgemein, Antisemitismus, Neonazismus, Rassismus · 0 Kommentare · von 11. November 2015
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Anti­fa Kon­gress­tag Quel­le: http://​anti​fa​kon​gress​.blog​sport​.eu/

Auf einem Kon­gress in Mün­chen dis­ku­tiert die Anti­fa­schis­ti­sche Bewe­gung neue Poli­tik­stra­te­gi­en

Was heißt Anti­fa? Vier Jah­re nach dem Auf­flie­gen des NSU, nach über zwei Jah­ren ras­sis­tisch- völ­ki­scher Eska­la­ti­on, pogrom­ar­ti­ger Aus­schrei­tun­gen in Hei­denau, Frei­tal und ande­ren Orten, täg­li­chen Angrif­fen auf Geflüch­te­te und ihre Supporter*innen und dem (Wieder-)Erstarken der AfD scheint die­se Fra­ge zur­zeit dra­ma­ti­sche Rele­vanz zu haben. Zu tun gäbe es genug für die anti­fa­schis­ti­sche Bewe­gung in Deutsch­land, befän­de die­se sich nicht seit meh­re­ren Jah­ren in einer struk­tu­rel­len Kri­se. Daher müs­sen neue Orga­ni­sie­rungs- und Poli­tik­kon­zep­te her. Raus aus der Defen­si­ve, hin zu einer hand­lungs­fä­hi­gen Bewe­gung, die Ant­wor­ten parat hat. Der Anti­fa-Kon­gress in Mün­chen hat die­se Dis­kus­si­on nun erneut in den Mit­tel­punkt gestellt.


Deutschrock: Ausdruck gesellschaftlichen Rollbacks

Die Doku­men­ta­ti­on „Deut­sche Pop Zustän­de — eine Geschich­te rech­ter Musik in Deutsch­land“ widemt sich der Ent­wick­lung neo­na­zis­ti­scher Musik in Deutsch­land

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Neo­na­zi-Kon­zert in Mai­land 2015 Foto: indy­me­dia

Für Uwe Mund­los, Uwe Böhn­hard und Bea­te Zschä­pe, die Rechts­ter­ro­ris­ten des NSU (Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grund), spiel­te neo­na­zis­ti­sche Musik immer eine wich­ti­ge Rol­le. So ist das ers­te Beken­ner­vi­deo der Mor­de und Bom­ben­an­schlä­ge mit den Lie­dern „Am Puls der Zeit“ und „Kraft für Deutsch­land“ der Band „Noie Wer­te“, Urge­stein der neo­na­zis­ti­schen Rock­mu­sik in Deutsch­land, unter­legt. Eine neue Doku­men­tai­on, „Deut­sche Pop Zustän­de“, widemt sich genau die­ser neo­na­zis­ti­schen Musik­sze­ne. Dabei wird aber auch die Sze­ne dies­seits des Rechts­Rocks in den Blick genom­men und Pop­mu­sik all­ge­mein in Deutsch­land betrach­tet. Die Doku­men­ta­ti­on geht nicht nur der Fra­ge nach, wie sich die neo­na­zis­ti­sche Musik­sze­ne seit den Sieb­zi­ger­jah­ren ent­wi­ckelt hat, son­dern auch in wel­chem gesell­schaft­li­chen Kli­ma dies gesche­hen ist.

Mar­co Schott hat sich mit Thors­ten Hind­richs, Musik­wis­sen­schaft­ler aus Mainz, über die Doku­men­ta­ti­on und sei­ne Mit­ar­beit daran­der unter­hal­ten. Hind­richs beschäf­tigt sich seit län­ge­rer Zeit wis­sen­schaft­lich mit neo­na­zis­ti­scher Musik und — wie er es nennt — „neu­er Deutsch­rock-Sze­ne“ wie „Frei­Wild“.

Die Doku­me­na­ti­on fin­det sich noch bis zum 10.11.2015 immer von 22 — 6 Uhr in der Media­thek von 3Sat.


NSU-PUA im Bundestag: Auf ein neues

Themen : Allgemein · 0 Kommentare · von 19. Oktober 2015
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Vertreter*innen aller Bun­des­ta­ges­frak­tio­nen bei der Vor­stel­lung des neu­en PUA NSU — Kom­plex Foto: Fritz Bur­schel

Zwei­ter Bun­des­tags­un­ter­su­chungs­aus­schuss zum NSU-Kom­plex, im Fokus dies­mal die V-Män­ner und der Ver­fas­sungs­schutz

Vier Jah­re nach dem Auf­flie­gen des so genann­ten Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grunds (NSU) sind längst nicht alle Fra­gen geklärt. Die Theo­rie einer abge­schot­te­ten Drei­er-Zel­le scheint über­holt, die Ver­zwei­gun­gen und Ver­stri­ckun­gen zwi­schen „Kern­trio“, den zahl­rei­chen V-Män­nern in ihrer Umge­bung – es sol­len bis zu 42 sein – und den Ermitt­lungs­be­hör­den sind bis­her wei­ter unklar und konn­ten auch von dem lau­fen­den NSU-Pro­zess vor dem Ober­lan­des­ge­richt in Mün­chen nicht aus­leuch­tet wer­den. Hin­zu kommt, dass der Ver­fas­sungs­schutz und die Ermitt­lungs­be­hör­den augen­schein­lich so wei­ter machen wie zuvor und eine gesell­schaft­li­che Debat­te zum NSU der­zeit durch hef­ti­ge ras­sis­ti­sche Pro­tes­te und nazis­ti­sche Angrif­fe auf Flücht­lings­un­ter­künf­te und Per­so­nen über­schat­tet wird oder sowie­so aus­bleibt.


Durch Solidarität die Angst brechen

Foto von Caruso Pinguin https://www.flickr.com/photos/110931166@N08/ Inter­view mit der Intia­ti­ve für die Auf­klä­rung des Mor­des an Burak B. zu ihrer Arbeit, anti­fa­schis­ti­scher und anti­ras­sis­ti­scher Gedenk- und Erin­ne­rungs­po­li­tik, sowie den neus­ten Ent­wick­lun­gen im Fall Burak B. Die Initia­ti­ve  hat sich nach dem Mord an Burak Bek­tas in Ber­lin gegrün­det und ver­an­stal­tet in regel­mä­ßi­gen Abstän­den Gedenk­de­mons­tra­tio­nen und Mahn­wa­chen. Im Zuge der Mahn­wa­che zum drei­ein­halb­jäh­ri­gen Todes­tag von Burak B. am 5.10.2015 wur­de ein Inter­view mit Ulrich von der Initia­ti­ve geführt.


Mit Hartnäckigkeit Aufklärung erzwingen

Foto von Marco Schott Drei­ein­halb Jah­re nach dem Mord an Burak Bek­taş Ist immer noch kein Täter ermit­telt

Seit drei­ein­halb Jah­ren beschäf­tigt ein Mord Ber­lin: In der Nacht vom 5. April 2012 wird im Stadt­teil Neu­kölln mehr­fach auf eine fünf­köp­fi­ge Grup­pe jun­ger Ber­li­ner mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund geschos­sen. Der Täter ent­kommt uner­kannt, zwei jun­ge Men­schen wer­den schwer­ver­letzt, eine Per­son, Burak Bek­taş (22 Jah­re), stirbt noch am Tat­ort an sei­nen Ver­let­zun­gen. Ob es sich um einen ras­sis­ti­schen Mord han­delt, ist seit­her umstrit­ten.