Debatte, Bildung, Vernetzung zu Migration und gegen Rassismus und Neonazismus


Was ist «undeutsch»? Sigmar Gabriels Besuch in Heidenau — Ein Kommentar von Jutta Ditfurth

Sig­mar Gabri­el, mit einem Tross von Jour­na­lis­ten und Kapi­tal­ver­tre­tern in Sach­sen unter­wegs, muss­te wohl auch mal einen Anschlags­ort sehen und fuhr am 24.8.2015 nach Hei­denau. Da hat­te der ras­sis­ti­sche Mob schon zwei Tage lang gewü­tet. Die Poli­zei, von den Nazis atta­ckiert, hat­te Antifaschist*innen kran­ken­haus­reif geschla­gen, was die meis­ten Medi­en zu erwäh­nen ver­ga­ßen. Waren ja nur Lin­ke.

Mona­te zu spät kam Gabri­el, aber zwei Tage vor Mer­kel. Das zählt im edlen Wett­be­werb staats­tra­gen­der Par­tei­kon­kur­renz und bei der Pfle­ge des Image des deut­schen «Stand­orts». 

War Gabri­el empa­thisch mit den ange­grif­fe­nen, um ihr Leben fürch­ten­den Flücht­lin­gen? Ich habe nichts davon gele­sen. Will er die Abschaf­fung des Asyl­rechts (unter Mit­wir­kung der SPD 1992 fak­tisch aus dem Grund­ge­setz ent­fernt) rück­gän­gig machen, weil er sich end­lich dafür schämt? Nein. Will er Roma in Deutsch­land zu einem glück­li­chen Leben ver­hel­fen? Nie­mals! Alles «West­bal­kan», wo immer die­ses Land liegt. Hat er sich je klar und deut­lich gegen Ras­sis­mus gestellt? Nein. 

Der ach so deut­sche Vize­kanz­ler und Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Gabri­el fährt nach Hei­denau und sagt wört­lich: «Man darf die­sen Typen, die sich hier in den letz­ten Tagen aus­ge­brei­tet haben, kei­nen Mil­li­me­ter Raum geben. In Wahr­heit sind es die undeut­sches­ten Typen, die ich mir vor­stel­len kann.»  «Undeutsch» sagt der deut­sche Vize­kanz­ler. Eine Aus­sa­ge in jeder Hin­sicht so furcht­bar dumm, reak­tio­när, natio­na­lis­tisch und ahis­to­risch.